BQ Aquaris M5 im Test: der Kunststoff-Klotz

Her damit !80
BQ Aquaris M5: Fünf Zoll, Full-HD und Android Lollipop.
BQ Aquaris M5: Fünf Zoll, Full-HD und Android Lollipop.(© 2015 CURVED)

BQ wagt sich nicht nur in neue Welten vor, sondern kann auch ganz klassisch. Nach dem Ubuntu-Smartphone des spanischen Herstellers testet CURVED mit dem Aquaris M5 ein Mittelklasse-Smartphone mit Android Lollipop.

Das Aquaris M5 ist nicht das erste Smartphone von BQ, das ich in die Hände bekommen habe. Das Aquaris E4.5 mit Ubuntu konnte mich nicht so recht überzeugen - was an der Hard- und der Software lag. Aber ich will einen Hersteller nicht dafür bestrafen, dass er Mut bewiesen hat, ein neues Betriebssystem auszuprobieren. Nun also das Aquaris M5, das nicht nur mit Android Lollipop über eine etablierte Software sondern auf dem Papier auch über eine solide Mittelklasse-Hardware verfügt.

Kunststoff-Klotz mit Full-HD-Display

Auf den ersten Blick wirkt das BQ Aquaris M5 klobig, was sowohl an den Abmessungen von 69,4 x 143 x 8,4 Millimetern liegt, aber auch daran, dass seine Kanten nicht elegant gebogen sind, sondern das Design des Kunststoffgehäuses insgesamt schlicht gehalten ist. Nichtsdestotrotz liegt das Smartphone gut in der Hand, die Tasten an der rechten Seite sind bequem zu bedienen. Komplett lässt sich das fünf Zoll große Display aber nicht mit einer Hand bedienen. Der Bildschirm des Aquaris M5 verfügt über eine Full-HD-Auflösung mit 1920 x 1080 Pixeln und überzeugt während des Tests mit einer hohen Detailgenauigkeit, satten Farben und großen Betrachtungswinkeln.

Die Lautsprecher des Aquaris M5 symbolisieren in meinen Augen sehr gut die Probleme des Smartphones. Sie haben zwar einen guten, satten Klang, der unter anderem bei Spielen Spaß macht. Allerdings befinden sie sich an der unteren Kante des Gehäuses. Halte ich jetzt das BQ zum Zocken im Querformat, reflektiert mit Glück meine Hand den Sound. Die meiste Zeit über befindet sich mein Finger aber direkt am Gehäuse, sodass gar kein oder nur noch sehr gedämpfter Sound an meine Ohren dringt.

Nach dem überzeugenden Display schaltet BQ bei der Hardware einen Gang zurück. Im Aquaris M5 steckt der Mittelklasse-Prozessor Snapdragon 615, dessen acht Rechenkerne mit 1,5 Gigahertz getaktet sind. Zusammen mit dem Adreno 405-Grafikchip und dem zwei Gigabyte großen Arbeitsspeicher reicht das für knapp 34.000 Punkte im Antutu-Benchmark. Zum Vergleich: Der Snapdragon 801 als Top-Prozessor von 2014 schafft in der Regel über 40.000 Punkte. In der Praxis sorgt die Hardware des BQ-Smartphones dafür, dass Betriebssystem und Nutzeroberfläche flott laufen, Apps haben akzeptable Ladezeiten, selbst grafisch aufwändigere Spiele wie Asphalt 8 lassen sich problemlos zocken - zwar nicht in höchster, aber immer noch in zweithöchster Grafikqualität.

Dual-SIM, microSD und ein Akku-Scheinriese

Vom 16 Gigabyte großen internen Speicher des Aquaris M5 stehen Euch rund zwölf Gigabyte für eigene Daten zur Verfügung - eine durchaus gute Quote. Reicht Euch der Speicherplatz trotzdem nicht aus, könnt Ihr ihn mit einer microSD-Karte erweitern. Darüber hinaus hat das BQ-Smartphone Platz für zwei micro-SIM-Karten.

Der Akku des M5 ist mit 3120 mAh recht groß. In der Praxis fiel die Laufzeit dafür allerdings enttäuschend kurz aus: Obwohl die Batterie keine High-End-Hardware mit Strom versorgen muss und eine größere Kapazität hat als die meisten Top-Smartphones, hielt sie überraschenderweise gerade mal einen Tag durch.

Vom iPhone inspirierte Kamera-App

BQ installiert auf dem Aquaris M5 eine Kamera-App, die ein wenig an die Kamera des iPhone erinnert. Ihr wechselt mit Wischbewegungen nach rechts oder links zwischen der Aufnahme von Panorama-Bildern, herkömmlichen Fotos, Videos, Zeitlupen und Zeitraffern hin und her. Das Blitzlicht, den HDR-Modus, den Weißabgleich, die Lichtempfindlichkeit und weitere Werte passt Ihr zügig über eine Menüleiste an, die sich über den Sucher ziehen lässt. In den Einstellungen der App legt Ihr unter anderem fest, ob die Lautstärketasten als Auslöser fungieren sollen und welche Töne die Kamera von sich geben darf.

Nachdem die Kamera-App unter Android mal etwas Abwechslung bietet und nicht nur zum Fotografieren einlädt, darf natürlich der Blick auf die Ergebnisse der 13-Megapixel- und der 5-Megapixel-Selfie-Kamera nicht fehlen. Während die Kamera auf der Rückseite bei schlechter Beleuchtung auf zwei LED-Lichter zurückgreifen kann, steht der Frontkamera nur ein Blitzlicht zur Verfügung - was aber noch lange keine Standardausstattung ist. Bei guter Beleuchtung überzeugen die Aufnahmen der Hauptkamera mit einer hohen Detailgenauigkeit und schönen Farben. Wird die Beleuchtung nur ein wenig schlechter - zum Beispiel in geschlossenen Räumen - machen sich sofort Artefakte bemerkbar, die vor allem die Detailgenauigkeit deutlich verringern. Etwas Abhilfe verschafft hier der Dual-Blitz, der für mehr Licht aber auch die eine oder andere Reflexion sorgt. Die Selfies der Frontkamera sind total weichgezeichnet. Details sind da nicht mehr zu erkennen. Für meine Augen sieht das nicht schön aus. Ihr könnt Euch ein paar Aufnahmen der Kamera in unserer Dropbox in Originalgröße ansehen.

Als Betriebssystem kommt auf dem Aquaris M5 Android 5.0.2 zu Einsatz. Das ist zwar schon Lollipop, aber nicht die neueste Version 5.1.1, die mehr als nur Fehlerverbesserungen enthält. Aber einem kleinen Hersteller wie BQ verzeihe ich das eher als den großen Namen der Branche. Andererseits übernimmt das spanische Unternehmen die Stock-Version von Android fast in Reinform, sodass eigentlich keine zeitaufwendigen Anpassungen nötig sein dürften. Neben den Standard-Apps von Google sind mir nur die bereits erwähnte Kamera-App, ein Soundrekorder sowie ein Download-Manager und "BQ Plus", eine Versicherung für das Smartphone, die 39,90 Euro im Jahr kostet.

Solide Mittelklasse, aber kein Preisknaller

Das BQ Aquarius M5 zeigt einige sehr gute Ansätze, schafft es aber auch als Mittelklasse-Smartphone nicht auf ganzer Linie zu überzeugen. Das Display ist gut, das Design langweilig, die Leistung standesgemäß und die Kamera liefert bei gutem Licht schöne Bilder. Mit dem richtigen Preis könnte das M5 noch Bonuspunkte im Preis-Leistung-Verhältnis sammeln, aber die 270 Euro, die BQ für die getestete Version mit 16 Gigabyte Speicher und zwei Gigabyte Arbeitsspeicher haben will, sind dann doch zu hoch angesetzt. Für das Geld bekommt Ihr auch bessere Smartphones, wie etwa das Alcatel Onetouch Idol 3 oder das ZTE Blade S6. BQ plant, das Aquaris M5 später noch in zwei weiteren Varianten mit jeweils drei Gigabyte Arbeitsspeicher und 16 oder 32 Gigabyte internen Speicher für 300 und 320 Euro anzubieten.


Weitere Artikel zum Thema
Galaxy S7-Update belegt: Mit Nougat wird aus TouchWiz Samsung Expe­ri­ence
Her damit !6Samsung Experience auf dem Galaxy S7 Edge: Mit Android Nougat sagt TouchWiz offenbar Goodbye
Alles anders mit Android Nougat: In der neuesten Beta-Version für das Galaxy S7 soll die Benutzeroberfläche nicht mehr TouchWiz heißen.
Galaxy S7 Edge in Pearl Black: Samsungs Diamant­schwarz kommt im Dezem­ber
3
Peinlich !6Das Galaxy S7 Edge in Pearl Black besitzt offenbar eine spiegelnde Oberfläche
Das Galaxy S7 Edge in Pearl Black: Samsungs Flaggschiff könnte im glänzenden Schwarz auf den Markt kommen – inklusive Speicherupgrade.
Android: App-Upda­tes sollen künf­tig mehr als 50 Prozent klei­ner sein
Christoph Groth
App-Updates unter Android sollen künftig kleiner werden
Google gibt bekannt, dass App-Updates im Schnitt künftig rund zwei Drittel kleiner sein sollen – in manchen Fällen sogar bis zu 90 Prozent.