"Call of Duty: Modern Warfare" im Preview: Radikal anders

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Call of Duty hatte immer eine gewisse Hollywood-Ästhetik und war in seiner Präsentation ziemlich clean – Call of Duty: Modern Warfare zeigt jetzt, wie brutal solche Feuergefechte sind.
Call of Duty hatte immer eine gewisse Hollywood-Ästhetik und war in seiner Präsentation ziemlich clean – Call of Duty: Modern Warfare zeigt jetzt, wie brutal solche Feuergefechte sind. (© 2019 Call of Duty)

Realistischer, härter, authentischer: In Call of Duty 4, das nur Call of Duty: Modern Warfare heißt, wird nicht mehr nur wild geballert, sondern auch smart taktiert. Mit einer völlig neuen Engine und anderem Ansatz möchte sich das Spiel als Kunst präsentieren, die das Weltgeschehen kommentiert – so wie Sicario oder Homeland. Ein erstes Preview. 

Der Regen prasselt auf den Helm, die Elitesoldaten des SAS bereiten sich gerade in auf den Zugriff vor. Tür knacken, rein, "Check deine 6" raunt einer. Du kannst schleichen, dich vortasten, mit dem Schalldämpfer arbeiten und den Feind überraschen. Oder alle Lichtquellen ausschießen, auf Nachtsicht umschalten. Die bösen Jungs werden direkt das Feuer eröffnen, sie wissen, was gerade passiert - können dich aber nicht sehen. Das sind die ersten Sekunden der Weltpremiere von Call of Duty: Modern Warfare. Das alles fühlt sich komplett anders an, als wir es gewohnt sind.

Call of Duty, das war immer ein Michael-Bay-Shooter: Du rushst in einen Raum rein, wirfst Granaten, schaltest locker 50 Gegner innerhalb von Minuten aus – und schaust du aus dem Fenster, schmiert gerade ein Helikopter ab und der ganze Bildschirm brennt. Call of Duty 4: Modern Warfare, welches Entwickler Infinity Ward ob der Neuinterpretation nur Call of Duty: Modern Warfare nennt, geht in eine ganz andere Richtung: Als Kommandant des SAS, Special Air Service, der besten Eliteeinheit Großbritanniens, schleichen wir durch enge Gänge, die sich fast schon ein bisschen klaustrophobisch anfühlen. Wir spüren das schwere Atmen der Soldaten, die blitzschnell mit gezielten Treffern reagieren, wenn ein Terrorist um die Ecke schlendert. Es ist sehr viel strategischer, sehr viel mehr wie ein Rainbow Six: Siege oder früher die SWAT-Reihe, als das was man von Call of Duty erwartet. Spannend!

Terror in London: Ein Call of Duty, das sich näher am Weltgeschehen bewegt

Anschläge und Angriffe gab es schon immer in Videospielen, Modern Warfare fühlt sich allerdings härter an und geht uns näher, weil es Geschehnisse aufgreift, an die wir uns alle noch erinnern: die Messerattacken in London ebenso wie die Geiselnahme in Paris. Die Bilder sind noch präsent, wie die Attentäter mit militärischer Bewaffnung durch die Innenstadt ziehen und Zivilisten hinrichten – Menschen, die gerade die Straße passierten oder ein Glas Wein im Restaurant genossen. So auch in diesem CoD: Wahllos werden Menschen erschossen. Einer der Terroristen steigt gar auf ein Auto, feuert mit einem Sturmgewehr auf Fahrer und Beifahrer.

Und die Frage ist: Wie wirst du reagieren? In Call of Duty: Modern Warfare werdet ihr wieder in unterschiedliche Rollen schlüpfen. Und dabei nicht nur Spezialeinheiten spielen, die schon alles gesehen haben und exzellent vorbereitet sind, sondern etwa beim Anschlag auf den Piccadilly Circus einen jungen britischen Polizisten, der keine Zeit hat, um auf Elitekräfte zu warten und selbst das Duell mit den Attentätern suchen muss, um Zivilisten zu retten. Er hat nur eine Pistole und muss via Kimme und Korn zielen, ohne Rotlicht-Visier und andere Hightech-Unterstützung. Generell sind die Feuergefechte echter, authentischer. Authentisch heißt vor allem auch blutig. Denn wenn Kugeln in Körper eindringen, hat das sehr viel massivere Auswirkungen als Call of Duty bislang zu zeigen bereit war. 

Blutig-brutale Authentizität: Das röchelnde Opfer

Call of Duty hatte immer eine gewisse Hollywood-Ästhetik und war in seiner Präsentation ziemlich clean: Gegner wurden getroffen, brachen zusammen, lagen da. Das fühlte sich ob der Effekte und Funksprüche schon an wie Krieg, aber es sah nicht so aus. Call of Duty: Modern Warfare zeigt jetzt, wie brutal solche Feuergefechte sind. Ein Gegner, der am Bein erwischt wird, robbt in Deckung. Ein anderer kriegt eine Kugel in den Hals, röchelt und verendet vor unseren Augen. Das ist schon eine andere Gangart. Noch eine Nummer heftiger wird es, als die SAS Special Forces eine Geisel befreien wollen. Ein Mann hält einer Frau eine Pistole an den Kopf, als Elitesoldat erledigt man ihn per Kopfschuss. Einer der Kollegen breitet seine Arme aus, will der Frau Schutz geben, sie trösten und aus der Gefahrenzone bringen, doch diese zückt ebenfalls eine Waffe, feuert auf ihn – und wir sind gezwungen, sie zu erschießen.

Kurz darauf stockt uns schon der Atem, als eine andere Frau scheinbar nach einer Waffe zu greifen scheint, es aber ihr Baby ist – es ist in diesem Fall nämlich möglich, sie zu erschießen. „Ganz ehrlich: Warum sollte Gaming als Kunstmedium nicht das gleiche dürfen, wie ein Homeland? Wie ein American Sniper“, fragt Art Director Joel Emslie und hat damit natürlich Recht. Call of Duty: Modern Warfare erlaubt sich letztlich Schusswechsel so authentisch, blutig und hart zu zeigen, wie sie in der Realität ablaufen. Und wie das die TV-Serien Homeland oder auch 24 schon seit Jahren machen.

Warum Call of Duty sich deutlich taktischer in seiner Kampagne anfühlt

„Call of Duty wurde immer bombastischer, die Set-Pieces immer explosiver. Aber es gibt eben auch den Moment, wo du nicht noch mehr Explosionsfeuerwerk abfackeln kannst und dir die Frage stellen musst: Wie hole ich die Menschen 2019 ab? Wie erreiche ich sie emotional?“, sagt Jacob Minkoff, der als Campaign Director die Singleplayer-Kampagne verantwortet. Infinity Ward sei aufgefallen, dass es zwar immer schon die taktische Kommunikation vie Funk gab, aber es wurde zu selten aufs Gameplay übertragen.

Denn in Call of Duty warst du immer der Iron Man unter den Soldaten, bist in einen Raum gerannt, um es mit 50 Gegnern aufzunehmen. „Wir haben uns gefragt, was passiert, wenn wir nur zehn Terroristen auf mehreren Stockwerken in diesem Townhouse verteilen. Das Ergebnis fühlt sich authentischer an, weil wir gleichzeitig die Räume enger machen.“ Auch bei den Schauspielern setzt man auf Talente mit militärischer Erfahrung: Captain Price wird gespielt von Barry Sloane, der bereits in der wirklich guten Amazon-Prime-Serie SIX richtig abgeliefert hat.

Es ist sicherlich eine der kontroversesten, emotionalsten und spannendsten Szenen, die es seit langem in einem Videospiel gab: In Call of Duty: Modern Warfare muss ein kleines Mädchen mit ansehen, wie russische Elitesoldaten ihre Familie kaltblütig ermorden. Sie kriecht unter ein Bett, sieht wie ihr Papa erschossen wird. Als ein Soldat gar ihren kleinen Bruder bedroht, tötet sie ihn von hinten. Eine harte, eine brutale, eine blutige Szene. Ihr Dorf erlebt ein Bombardement, mehr Menschen sterben. Giftgas wird eingesetzt, mit einer Gasmaske flieht sie mit ihrem kleinen Bruder. Es sind Szenen, die einem nahe gehen, weil dieser Giftgasangriff keine Erzählung aus Dokumentationen oder aus den Geschichtsbüchern ist, sondern so in Syrien stattgefunden hat am 04. April 2017. Infinity Ward, die mit dem ersten Modern Warfare ein sehr hoch gelobtes CoD abgeliefert und danach an Infinite Warfare gearbeitet haben, möchten auch diese Seite des Krieges zeigen.

Wie Zivilisten leiden, wie sie ihre Angehörigen unter Trümmern suchen. Wie sie nicht fassen können, was gerade passiert. Die White Helmets kommen vor, wie sie Verwundete nach den Bombenanschlägen aus zerstörten Häusern bergen und in Krankenhäuser bringen. Der Name des Mädchens ist Farah Karim und wir werden sie im Spiel auch als erwachsene Frau kennenlernen und spielen – als Anführerin von Freiheitskämpfern. Farah ist die weibliche Protagonistin des Spiels und rundet das Ensemble mehrerer Hauptcharaktere ab. 

Erstes Fazit: Call of Duty 4: Modern Warfare bzw. Call of Duty: Modern Warfare hat mich auf so vielen Ebenen überrascht. Es hat nicht mehr diese Michael-Bay-Inszenierung, ich schieße nicht 50 Soldaten auf einem Stockwerk über den Haufen, sondern die SAS-Eliteeinheit geht sehr taktisch vor, es ist wichtig Gänge, Türen, Treppen zu checken. Das fühlt sich alles realistischer an, es ist auch sehr viel blutiger. CoD war früher recht clean, jetzt verenden Gegner schon mal mit Blut überströmt.

Sehr gespannt bin ich, ob sich das realistischere, langsamere Gameplay auch auf den Mehrspieler-Modus auswirkt. Denn der CoD-Multiplayer ist ja normalerweise extrem schnell, gerade, wenn wir über Call of Duty Black Ops 2, 3 und 4 reden. Ob der Einsatz von Giftgas auf Zivilisten thematisiert werden muss, darüber kann man aber sicherlich streiten.

Klar ist, dass Call of Duty: Modern Warfare überraschen wird, auch aufgrund seines künstlerischen Anspruchs. Spiele wie Sicario, American Sniper, Homeland und viele andere Formate haben gezeigt, wie facettenreich man mit dem Krieg umgehen kann – und die Call of Duty-Reihe will das jetzt auch. 

Call of Duty: Modern Warfare erscheint am 25. Oktober 2019 für PS4, Xbox One und PC.


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