HTC One M9 im ausführlichen Test: Gebremste Schönheit

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Ist das Schmuck oder kann das weg?
Ist das Schmuck oder kann das weg?(© 2015 CURVED)

HTCs One M8 war ohne Frage eines der attraktivsten Smartphones des Jahres 2014. Sein Nachfolger, das One M9, das Ende des Monats in den Handel kommen wird, bietet auf den ersten Blick nur marginale Veränderungen, ist unterm Strich aber noch schöner geworden und wartet auf dem Papier mit aktualisierter Hardware auf. Wir haben den edlen 5 Zoller getestet und verraten Euch im Folgenden, ob das M9 das beste One aller Zeiten ist.

Betrachten wir das neue HTC One M9, kommen wir nicht umhin, über sein evolutionäres Erscheinungsbild zu sprechen: Der Aufschrei im Netz war groß, als sich manifestierte, dass der Nachfolger des schönen M8 diesem auf den ersten Blick stark ähnelte — die Innovations-verwöhnte Smartphone-Community warf den Taiwaner vor, beim Design zu faul gewesen zu sein, keine neuen Ideen mehr zu haben und letztlich nur ein Upgrade des M8 entwickelt zu haben. Und richtig, das M9 stellt keine Revolution des bekannten Unibody-Konzepts aus dem Vorjahr dar, anders als das Samsung Galaxy S6 markiert es keinen Neuanfang in Sachen Design — aber anders als das Galaxy S5 war das One M8 eben schon sehr attraktiv, warum sollte HTC dieses Design also über Bord werfen?

Den Taiwanern deswegen Kreativlosigkeit oder gar Faulheit vorzuwerfen, verkennt die eigentliche Designleistung beim One M9 vollkommen: HTC ist es nach dem M7 und dem M8 gelungen, ein bereits wunderschönes Smartphone zum zweiten Mal noch schöner zu machen — und das dürfte deutlich schwieriger gewesen sein, als nach dem pragmatisch gestalteten Galaxy S4 und Galaxy S5 in Seoul ein Galaxy S6 im ansprechenden, wertigen Look zu entwickeln.

Unter dem betörenden Gewand verbaut HTC den nicht unumstrittenen Snapdragon 810, der unter Hitzeproblemen leiden soll — die sich in unserem Test leider, wenn auch implizit, bestätigt haben. Das größte Defizit des Vorgängers, dessen 4 MP- Ultrapixelkamera wurde im M9 indes über Bord geworfen respektive auf die Front verbannt und rückseitig durch eine ordentliche 20 MP-Kamera ersetzt. Ob das Freunden der Smartphone-Fotografie nun zu tollen Bildern und Videos gereichen wird, klären wir in den folgenden Absätzen ebenso wie die ewige Frage nach der Akkulaufzeit, ob es HTC gelungen ist, die guten BoomSound-Lautsprecher noch besser zu machen und ob das 1080p-Display in Zeiten von WQHD einem 5 Zoll-Flaggschiff noch steht.

Design und Haptik: Mehr Schmuck denn Smartphone

Das LG G3, das iPhone 6, das Nexus 6 und neuerdings auch das Galaxy S6 — allesamt sehr attraktive Smartphones. Aber keines dieser Geräte kommt an diese ganz besondere, edle Anmutung des One M9 auch nur annähernd heran. Das M7 war ein filigranes Schmuckstück, das M8 edel und etwas "maskuliner", das M9 nun vereint die unbestreitbaren Qualitäten beider Vorgänger: Wo mich persönlich das M8 emotional relativ kalt gelassen hat, weckt das M9 wieder dieses Bedürfnis, es anzufassen, wie das schon beim M7 der Fall war. Und das liegt daran, dass HTC das Kunststück gelungen ist, nicht nur entscheidende Elemente des M7 in das Design des M8 einzubauen, sondern damit ein neues Modell zu schaffen, das insgesamt schöner und stimmiger als beide Vorgänger ist. Und das ist eine beachtliche Leistung.

Wie äußert sich das? Nun, hauptsächlich an der Rückseite und an den seitlichen Kanten des One M9 — und tatsächlich müsst Ihr das Gerät mit eigenen Augen gesehen, besser noch in Euren eigenen Händen gehalten haben, um die die optischen und haptischen Optimierungen in Gänze zu erkennen: Die Rückseite des uns vorliegenden Gold-Auf-Silber-Modells wurde dahingehend überarbeitet, dass sie noch metallischer, noch silbrig-glänzender und damit noch wertvoller wirkt, als beim M8. Die subtile Querschraffur deutet sich nur dezent an und je nach Betrachtungswinkel glänzt der gebogene Rücken des M9, so als hieltet Ihr wirklich ein Stück Edelmetall in Händen.

Deutlich schärfer als beim M8 ist der Übergang von der Rückseite zum Rahmen: Seitlich wie an Ober- und Unterkante findet sich nun keine sanfte Rundung mehr, sondern ein beinahe wie abgefräst oder umgefaltet wirkender Knick. In unserer Farbvariante wird dieser harte, aber sehr positive Eindruck durch die unterschiedliche Färbung von Seitenrändern und Rücken noch zusätzlich unterstützt. Das Gold an der Seite schimmert dabei mindestens genau so luxuriös, wie das Silber auf dem Rücken. In der Hand ist die Kante aber immer noch angenehm und tut sogar Gutes hinsichtlich eines sicheren Haltes auch in schwitzigen Fingern.

In diese rückseitige "Wanne" eingelassen ist die Geräte-Front mit Display und Display-Rahmen, die dort ohne sichtbare Spaltmaße sicher sitzt und seitlich betrachtet etwa zwei Millimeter weit hervorsteht — das gibt dem M9 zwar einen latent zweiteiligen Look, anders als das M7 kommt es aber ohne verbindendes Kunststoffelement aus. Ihr haltet mit dem M9 also wirklich nur Metall in der Hand.

Die augenscheinlicheren Veränderung zum Vorgänger ist neben der nunmehr quadratisch auf dem Rücken eingelassenen Kamera — die übrigens von kratzfesten Saphirglas geschützt wird — die neue Anordnung und Aufteilung der physischen Buttons: Die Lautstärkewippe ist zwei einzelnen Knöpfen gewichen, der Powerbutton ist von der Oberkante an die Seite gewandert und nun unterhalb der Lautstärke-Buttons positioniert. Dort ist er zwar ausgezeichnet mit dem Daumen zu erreichen, allerdings wird es Euch bis zur endgültigen Gewöhnung an diese sinnvolle wie dennoch ungewöhnliche Verortung das eine oder andere Mal passieren, dass Ihr Lautstärke und Power beim blinden Drücken verwechselt.

In Hosen- oder Jackentaschen macht sich der 5 Zoller dank seiner mit 144,6 x 69,7 x 9,6 Millimetern etwas kompakteren Abmessungen noch weniger breit als sein Vorgänger, das Gewicht ist trotz so viel edlen Metalls ebenfalls auf 157 Gramm gesunken — das ist nicht gerade federleicht, aber in Anbetracht des Materialwahl durchaus beachtlich.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das One M9 auf mich ob all der genannten Designmaßnahmen weniger wie ein Stück Technik, weniger wie ein Smartphone, sondern eher wie Schmuck oder ein wertvoller Gebrauchsgegenstand, den man mit sich trägt — früher wäre das vielleicht ein goldenes Feuerzeug, eine silberne Schatulle oder auch eine Taschenuhr gewesen — wirkt. Dass es sich um ein High End-Gagdet handelt, tritt beim Betrachten und Befühlen des One M9 in den Hintergrund. Ob das nun erstrebenswert oder nachteilig für ein Smartphone ist, muss jeder für sich selbst beantworten. Ich gebe zu, dass mir persönlich das M9 als Mobiltelefon fast schon ein bisschen zu "schmuck" ist und mir nicht technisch genug daher kommt — zeitweise kam ich mir bei der öffentlichen Benutzung des M9 vor, als würde ich mit der Horst Tappertsche Rolex angeben wollen. Abseits solcher Befindlichkeiten darf man dem 5 Zoller aber attestieren, das wohl mit Abstand edelste und wertigste derzeit erhältliche Smartphone mit Top-Spezifikationen zu sein.

Display und Multimedia: Alles beim guten Alten

Auch beim One M9 rennt HTC nicht dem Trend zu besonders hochauflösenden WQHD-Displays hinterher, sondern verbaut weiterhin einen eher konservativen 1080p-Super LCD3-Screen im 5 Zoll-Format. Der liefert mit einer Pixeldichte von 441 ppi eine mehr als ausreichend scharfe Darstellung von Bildschirminhalten, gute Blickwinkel ohne für mich erkennbare Farbverfälschungen beim Kippen in alle Richtungen sowie realistische Farben. Dabei empfinde ich das Bild insgesamt aber als etwas kontrastärmer als noch beim Vorgänger oder der Konkurrenz — das geht nicht soweit, dass Inhalte nun ganz blass wirken, aber zuweilen doch ein wenig flau.

Die Helligkeit des Displays ist ordentlich, bei maximaler Einstellung lassen sich Inhalte auf dem One M9 zwar nicht optimal, aber ausreichend gut auch bei direkter Sonneneinstrahlung ablesen. Für meinen Geschmack minimal zu dunkel regelt die automatische Justierung die Helligkeit, händisch eingestellt liefert der Screen aber schon bei der über die Quicksettings wählbaren zweiten Stufe ein im positiven Sinne blendendes Ergebnis.

Ebenfalls erneut und beinahe unverändert im One M9 vorhanden sind die tollen BoomSound-Stereo-Lautsprecher, die oberhalb und unterhalb des Display positioniert sind und dem Nutzer vor allem im Querformat ein beinahe filmreifes Audio-Erlebnis bieten: Dank sattem Sound und dennoch ordentlichen Hoch- und Mitteltönen, ausbleibendem Scheppern auch bei voller Lautstärke und eben Stereo-Effekt macht Video-, Musik- und Games-Konsum auch auf dem neuesten Mitglied der One-Familie wie gehabt richtig Spaß. Der von HTC in Kooperation mit Dolby angepriesene 5.1-Surround-Effekt indes war für mich nicht als explizites räumliches Erleben spürbar.

Erwähnenswert ist an dieser Stelle noch das mitgelieferte Headset, das zwar trotz praktischem Flachbandkabel nicht sonderlich hochwertig wirkt, dafür aber für solch eine Zugabe sehr ordentlichen Sound mit kräftigem Bass liefert — und insgesamt besser klingt als das, was manch anderem Gerät so beiliegt.

Performance: Ja, der Snapdragon 810 hat ein Hitzeproblem

Viel wurde in den vergangenen Monaten über Qualcomms neuen Snapdragon 810 und dessen vermeintliche Hitzeprobleme berichtet, in den letzten Tagen dann kamen zahlreiche Meldungen über ganz konkretes Heißlaufen des One M9 auf. Unser Testgerät ist zwar zu keinem Zeitpunkt bedenklich heiß gelaufen — dennoch müssen wir an dieser Stelle leider bestätigen, dass die kolportierten Probleme vorhanden und mehr oder weniger bittere Realität sind.

Die Messungen, die vor einigen Tagen dazu führten, dass Exemplare des M9 so heiß wurden, dass Verbrennungen, zumindest aber Schmerzen in den Händen möglich gewesen wären, konnten wir zwar wie gesagt nicht nachvollziehen, sie wurden aber mit einer Firmware gemacht, die noch nicht final war und die sich auch auf unserem Testgerät befand. Mit dieser erreichte das M9 in den einschlägigen Benchmarks bei uns zwar sehr ordentliche Ergebnisse — 57.000 Punkte im AnTuTu 5.6.2 64 Bit, 61.000 Overall im CF Bench und 49 Fps im T-Rex-Bench von GFX —, diese gingen aber bei aufeinanderfolgenden Durchläufen und parallel zur ansteigenden Temperatur des Gerätes teilweise kontinuierlich nach unten; im AnTuTu beispielsweise bis auf 50.000 Punkte. Die Wärmeentwicklung des Gerätes war dabei merklich, aber akzeptabel.

Inzwischen hat HTC ein Firmware-Update ausgerollt, das zum einen die Kamera optimiert (dazu später mehr), zum anderen der Hitzeentwicklung entgegenwirken soll. Letzterer Punkt wird aus unserer Wahrnehmung schlicht durch frühzeitigeres Drosseln des Chipsatzes bei Benchmarks und Spielen, sprich leistungsintensiven Anwendungen erreicht. Das äußert sich je nach Benchmark unterschiedlich: AnTuTu schafft nunmehr lediglich im komplett kalten Zustand noch 56.000 Punkte, landet sonst eher bei 54.000 und bei vorheriger Belastung durch ein Spiel oder einen anderen Benchmark sind auch schon Tiefstwerte von 48.000 Punkten möglich. CF Bench gibt nach dem Update gleich nur noch 56.000 Punkte aus und im GFX Bench sinkt die Fps-Zahl im T-Rex-Lauf auf 46.

Ungeachtet dieser eher theoretischen Werte, die zwar bestätigen, dass der 810er im One M9 wohl schlicht nicht mit voller Kraft laufen kann und im schlimmsten Fall gar auf das Niveau eines Snapdragon 805 oder gar 801 gebremst werden muss, aber eben synthetisch sind, äußert sich das Phänomen zuweilen auch beim Spielen: Nach mehreren Runden des anspruchsvollen Real Racing 3 oder ein paar Schwertkämpfen im neuen Stormblades beispielsweise macht sich auch Gamern bemerkbar, dass die Performance runtergeht. Theoretisch kann das M9 also schnell sein, für ein paar Minuten — danach läuft es heiß und muss "langsam machen".

Das bedeutet nun nicht, dass das One M9 per se langsam wäre — selbst in voll abgebremsten Zustand leistet der 810er offensichtlich immer noch das, was bis Ende des vergangenen Jahres eben "High End" war. Im Alltag und den allermeisten Anwendungsszenarien inklusive gemäßigtem Mobile Gaming reicht das vollkommen aus. Nur: Ein beachtlicher Leistungssprung, wie wir ihn uns von einer neuen Prozessor-Generation erhoffen,  kann damit weder dem One M9 noch dem Snapdragon 810 attestiert werden. Bleibt abzuwarten, was Samsung mit dem Galaxy S6 und dem eigenen Exynos 7420 dagegenhalten kann. In ersten Benchmarks rannte das Smartphone aus Korea der Konkurrenz davon, trotz WQHD-Screen aber auch dank schnellem DDR4-RAM.  Allerdings muss der im 14 nm-Verfahren gefertigte Exynos-Prozessor erst einmal zeigen, wie er sich unter Dauerlast verhält.

Speicher und Akku: Ausreichend, nicht ausdauernd

Die Nase definitiv vor dem S6 hat das One M9 durch den weiterhin vorhandenen micro-SD-Kartenslot, der es Euch erlaubt, den nominell 32 GB großen internen Speicher — davon stehen Euch nach dem ersten Hochfahren übrigens lediglich 21 GB zur freien Verfügung — um bis zu 128 GB zu erweitern. Für Nutzer, die ein ähnliches Angebot in den letzten Monaten nicht bereits wahrgenommen haben, gibt es überdies 100 GB Gratis-Speicher im Google Drive für zwei Jahre obenauf.

12 Stunden Laufzeit an einem recht normalen Tag - die drei markanten Einbrüche der Kapazität markieren Spiele- oder Benchmark-Einlagen.(© 2015 CURVED Montage)

Ob das nun ebenfalls mit den Snapdragon 810 zu tun hat oder nicht: Sobald Performance abgerufen wird, leidet auch der 2.840 mAh große Akku merklich — beim anspruchsvollen Gamen oder Benchmarken waren im Schnitt 10 Prozent der Kapazität in 20 Minuten dahin. Bei "normaler" Benutzung hingegen — also beim Surfen, Telefonieren, Video-Schauen und App-Nutzen in alltäglichem Umfang zeigt sich das One M9 äußerst sparsam und schafft unter solchen Bedingungen auch durchaus schon mal anderthalb Tage ohne Zwischenstopp an der Steckdose. Im Fazit bedeutet das, dass potenzielle Käufer vom M9 eine ähnliche Ausdauer wie vom M8 erwarten dürfen, aber nicht mehr. Lediglich solche Nutzer, die auf Spiele beinahe komplett verzichten und ihr Gerät nicht konstant benutzen, werden sich regelmäßig über ausreichende Restladung am Ende eines langen Tages freuen können.

Kamera: 20 Megapixel ohne Wirkung

Große Hoffnungen hatten wir nach den eher durchwachsenen Ergebnissen des 4 MP-Ultrapixel-Moduls des Vorjahresmodells in die rückseitige 20 MP-Kamera des M9 gesetzt. Die werden zwar nicht direkt enttäuscht, eine Offenbarung sind die mit der imposant klingenden Knipse geschossenen Fotos aber auch nicht: Der zugegeben zum Zeitpunkt des Tests wenig frühlingshafte Berliner Stadtteil Friedrichshain zeigt sich auf den Bildern ausreichend scharf, aber nicht sonderlich farbintensiv oder kontrastreich — mehr noch als das Display des M9 wirken die mit ihm geschossenen Fotos ziemlich blass, mit und ohne hinzugeschalteter HDR-Funktion. Selbst der in Wirklichkeit intensiv leuchtende Krokus sieht mit dem M9 eingefangen recht trostlos aus. Gut gefällt die Schärfe, die auch bei stärkerem Hereinzoomen erst relativ spät Pixelbrei offenbart.

Videos nimmt das One M9 dank der hohen Auflösung der Rückkamera auf Wunsch auch in 4K auf — die sind dann schön scharf, wo die Full-HD-Clips reichlich verschwommen wirken. Beide Formate kämpfen aber mit einem starken Rolling-Shutter-Effekt, viel Zittern und Flackern bei schnellen Belichtungswechseln.

Ganz schlecht sieht die Kamera des One M9 bei Nacht aus:  Wirklich scharfe Fotos lassen sich bei Dunkelheit kaum noch schießen, egal ob im Auto-, im Nacht, oder im HDR-Modus. Zum Vergleich haben wir auch noch ein Nachtfoto mit der Ultrapixel auf der Front geschossen, konnten aber keinen nennenswerten Unterschied zum Guten oder Schlechten feststellen.

Etwas Gutes gibt es dann bezüglich der Kamera aber noch zu vermelden: Sie löst richtig schnell aus — ein Tipp auf den entsprechenden Button und schon ist das Motiv in der Galerie eingefangen. Außer bei der HDR-Fotografie freilich, da genehmigt sich das M9 ein paar Sekunden Verarbeitungszeit.

Alles in allem geht die 20 MP-Kamera von HTCs neuem Flaggschiff gerade so in Ordnung, versäumt es aber, einen neuen Standard zu setzen oder auch nur einen nennenswerten Fortschritt gegenüber dem Vorgänger-Modell darzustellen.

Für alle, die es genau wissen möchten, haben wir die Testfotos und -videos unkomprimiert in die Dropbox geladen.

Software und Alltag: So viele bunte Themes

Größte Neuerung von HTCs hauseigener Benutzeroberfläche Sense 7, das über der installierte Android-Version 5.0.1 liegt, ist die HTC-Theming-Engine mit angeschlossenem Marktplatz und Maker: Damit können Nutzer ihr Gerät wild individualisieren — vom Hintergund über bestimmte Menüflächen bis hin zu den Symbolen ist so beinahe jeder Aspekt des UI anpassbar, entweder mit einem kompletten, kostenlos herunterladbaren Design aus dem Marktplatz oder einzeln über den Maker. Wer mag, kann die Engine sogar automatisch ein farblich passendes Thema um ein als Hintergrund eingestelltes Foto basteln lassen. Das Ganze ist schlussendlich eher eine Spielerei und kann nicht mit den tollen Icon-Sets mithalten, die es im Play Store für die etablierten Launcher gibt, funktioniert aber flüssig und problemlos und wird all jenen gefallen, die eben für ein bisschen Persönlichkeit nicht extra Nova, Apex und Co. installieren möchten (oder gar nicht kennen).

Daneben bleibt eigentlich alles, wie von Sense gewohnt: Es gibt den abschaltbaren BlinkFeed, der App Drawer scrollt vertikal und bietet einen Schnellzugriff auf den Play Store, der Bildschirm lässt sich per Doppeltipp aktivieren und über ein in der Navigationsleiste zuschaltbares Power-Symbol wieder in den Standby versetzen. Neu wäre dann noch das Sense Home-Feature, das bei Bedarf an den von Euch zu definierenden Orten Zuhause, auf der Arbeit oder auch "unterwegs" erkennt, welche Apps Ihr dort jeweils häufig aufruft und diese dann automatisch auf dem Homescreen positioniert.

Alles bestens in Sachen Sprachqualität und Datenverbindung: Dank LTE Cat 6 und Dual Band-WLAN bis hoch zum ac-Standard klingen Gesprächspartner stets glasklar, Download- wie Uploadraten sind abhängig von dem zur Verfügung stehenden Netz optimal. Globetrotter dürfen sich darüber freuen, dass das M9 in allen weltweit eingesetzten LTE-Bändern funkt und damit überall auf der Welt theoretisch im schnellen 4G-Netz unterwegs sein kann.

Fazit: Stagnation der inneren Werte

Es wäre zu weit gegangen, das One M9 als Blender zu bezeichnen — aber die Erwartungen, die durch das betörende Äußere, aber auch schlicht durch die Tatsache, dass das nun HTCs Beitrag zum den "Top-Smartphones 2015" darstellt, kann der 5 Zoller nicht erfüllen. So schön das M9 ist, unter seiner betörenden Haube finden sich auf dem Papier zwar Fortschritte, im Ergebnis aber ist der Sprung vom One M8 zu gering, als dass das M9 ein Superphone sein könnte.

Dass der Snapdragon 810 enttäuscht, kann man HTC nicht direkt vorwerfen — anders als Samsung haben die Taiwaner nicht die Möglichkeit, kurzfristig auf einen eigenen Chip, der besser ist, umzuschwenken. Die Probleme des Qualcomm-SoCs sind ärgerlich, sie sind aber nicht das eigentlich Problem des One M9. Wirklich geärgert hat mich im Test neben dem leicht schlechteren Display und dem nicht überwältigenden Akku die abermals enttäuschende Kamera. Dass HTC es nicht geschafft hat, dieses große Manko des Vorgängers endlich zu beseitigen, stattdessen zwar ein gut klingendes, aber im Alltag unterdurchschnittliches Modul — Gerüchte sprechen von einem als lichtschwach bekannten Bildsensor von Toshiba — verbaut hat, grenzt für mich an "sehenden Auges ins Verderben laufen".

Was bleibt, ist dann eben doch größtenteils nur Schönheit. Und das Fazit, dass alle, die schon immer auf der Suche nach einem schmückenden Smartphone waren, dieses im One M9 finden dürften. Und alle, die von einem Superphone auch Superleistung, eine super Kamera und super Akkulaufzeiten erwarten, besser abwarten, was Samsung und Huawei und LG in den nächsten Wochen und Monaten uns kredenzen. Fast könnte ich statuieren, dass alle, denen das One M8 reicht, sich mit dem M9 nun die schönere Version dieses Gerätes zulegen können — allein veranschlagt HTC stolze 749 Euro für den 5 Zoller. Dagegen kostet Samsung Galaxy S6 mit 32 GB fast schon günstige 699 Euro — das scharrt derweil in der Redaktion schon seine Hufe und wir werden in dieser Woche erste Ergebnisse zu dessen Leistung, Kamera und Akkulaufzeit erfahren.

Irgendwie schade für, aber auch von HTC ...


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