Das Nexus 5X im ausführlichen Test

UPDATEHer damit !100
Das Nexus 5X mit (Android) Marshmallow(s)
Das Nexus 5X mit (Android) Marshmallow(s)(© 2015 CURVED)

Das Kult gewordene Nexus 5 bekommt mit dem neuen Nexus 5X einen würdigen Nachfolger. Doch deutsche Nutzer haben das Nachsehen. Der ausführliche Test.

Bevor es hier um das Nexus 5X geht, ein paar Worte zu seinem Vorgänger: Das Nexus 5 war für viele, auch hier in der CURVED-Redaktion, über Jahre "das" Android-Phone. Und auch heute noch ist das schlichte Design zeitlos - auch wenn die Ausstattung längst nicht mehr zeitgemäß war. Nun hat Google in Zusammenarbeit mit LG das Nexus 5X herausgebracht. Wir haben den 5,2-Zöller ausführlich getestet.

Werfen wir zunächst einmal keinen Blick auf die Technik, sondern auf den Preis. Warum? Weil Nexus-Geräte zwar immer auch in erster Linie Developer-Devices waren, darüber hinaus aber auch bezahlbar blieben. 350 Euro kostete das Nexus 5 damals zur Vorstellung im Jahr 2013. Ein Ausreißer war das Nexus 6 im vergangenen Jahr mit einem Preisstempel von 650 Euro. Beim Nexus 5X scheint Google sich seiner Wurzeln zu besinnen und bepreist es in den USA mit 379 Dollar. Das ist ein überaus fairer Preis für das, was der Nutzer geboten bekommt. Allerdings können deutsche Nexus-Fans vom US-Preis nicht profitieren. Denn hierzulande ist das Smartphone seit dem 2. November verfügbar, zum Preis von 479 Euro. Das ist immer noch weniger, als man für aktuelle Top-Modelle zahlt, allerdings zu viel für ein Mittelklasse-Smartphone.

Extrem schneller Fingerabdrucksensor

Zur Hardware: Verbaut sind der sechskernige Snapdragon 808, der mit 1,8 GHz taktet, die Adreno 418 GPU und 2GB RAM. Mit anderen Worten: Ein Powerhouse ist das Nexus 5X nicht, ein Gamer-Smartphone will es aber auch nicht sein. Beim Speicher stehen 16 und 32 GB zur Auswahl. Das Display löst mit 1920x1080 Pixeln in Full-HD auf. So weit, so okay, so Mittelklasse. Warum Mittelklasse-Smartphone? Schließlich ist der Snapdragon 808 ja auch im LG G4 verbaut, das bei uns mit Top-Werten das Ranking der besten Android-Smartphones dominiert. Fraglos war das LG G4 zu seiner Zeit ein Top-Gerät, allerdings liegt der Release nun auch schon ein halbes Jahr zurück. High-End in Androidkreisen heißt mittlerweile: ein Snapdragon 810 der neuesten Revision bzw. der aktuelle Exynos, vier GB RAM sowie bis zu 128 GB Speicher. Und der lässt sich im Nexus 5X leider nicht mit einer microSD-Karte erweitern.

Highend hin oder her: In der Praxis liefert die verbaute Hardware sehr gute Performance. Im Antutu kommt das Nexus 5X auf rund 50.000 Punkte. Das Nexus 6P holt bis zu 56.000 Punkte. Und das brandneue Android 6.0 Marshmallow erledigt absolut ruckelfrei seinen Job. 

Gehäuse punktet mit solider Verarbeitung

Als besonderes Feature kommt neben dem USB Typ-C-Anschluss ein Fingerabdrucksensor auf der Rückseite zum Einsatz, der extrem schnell reagiert. Wie beim Huawei Mate S reicht ein leichtes Berühren, und das Smartphone ist unmittelbar entsperrt. Designtechnisch fügt sich der Ring um den Sensor angenehm unscheinbar in das Plastikgehäuse ein und wiederholt optisch die ebenfalls kreisrunde Linse der Rückkamera, die nicht direkt aus dem Gehäuse ragt. LG wendet hier vielmehr einen Kniff an: Das Gehäuse wölbt sich rund um die Kamera. Weil die Linse mittig angebracht ist, kippt das Smartphone nicht, wenn es auf der Rückseite aufliegt.

Das 5,2 Zoll große IPS-Display liefert Full-HD-Auflösung und kommt so auf eine Pixeldichte von 424 ppi. Im Freien lässt sich der Bildschirm immer noch halbwegs gut ablesen, wenn Ihr die Helligkeit auf ein Maximum hochschraubt.

Unser Testgerät kam mit weißer mattierter Rückseite. Positiver Nebeneffekt: Fingerabdrücke sind absolut nicht sichtbar. Weitere verfügbaren Farben sind Blau und das Standard-Schwarz. Die Vorderseite ist bei allen Version Schwarz gehalten. Einen Design-Preis wird das Nexus 5X fraglos nicht gewinnen, allerdings ist das Plastik gut verarbeitet, griffig und macht das Google-Smartphone mit 136 Gramm zu einem echten Leichtgewicht. Fällt das Smartphone mal unschön zu Boden, holt Ihr Euch einfach eine neue Rückseite. Auch iFixit bescheinigte bereits im Teardown, dass sich das Nexus 5X einfach reparieren lässt.

Ein bisschen meckern muss ich allerdings über die Buttons. Sowohl die Lautstärkewippe als auch der Power-Button sind schwammig in der Bedienung und so flach eingearbeitet, dass man sie selten erfühlt, wenn man das Smartphone in die Hand nimmt. Weil sie so schwarz wie der Rest des Gehäuses sind und sich zudem durch das Material nicht vom Rest unterscheiden, sind sie zudem kaum sichtbar. Das war beim Vorgänger besser gelöst.

Akku: relativ schnell leer, doch noch schneller wieder voll

2700 mAh ist der Akku groß und lässt sich zwar nicht direkt austauschen, aber laut den Kollegen von iFixit relativ einfach ausbauen. Im Vorfeld war die mittelmäßige Performance des Akkus kritisiert worden. Unter anderem bescheinigte PhoneArena dem Gerät in Benutzung nur eine durchschnittliche Akkuleistung. Das Problem mit dieser Art von Benchmark: Sie misst die Leistung der Batterie bei Dauerbenutzung. Allerdings nutzt niemand sein Smartphone dauerhaft. Und eben in Standby-Zeiten kommt beim Nexus 5X das neue Doze-Feature unter Android 6.0 Marshmallow zum Tragen.

Das erkennt, ob das Gerät gerade unbenutzt auf dem Schreibtisch liegt und fährt die meisten Funktionen Eures Smartphones auf ein Minimum herunter. Benachrichtigungen etwa erreichen Euch nur dann, wenn Ihr ihnen eine hohe Priorität zugewiesen habt. Und so kommt das Nexus 5X auch ohne nennenswerte Verbesserung im aktiven Modus durch ein smartes Standby mit seinen 2700 mAh ganz locker über den Tag. Nur wenn Ihr aufwändigere Spiele, wie etwa Real Racing 3, zockt, verabschiedet sich die Batterie schon nach rund sechs Stunden.

Die durchschnittliche Akkuleistung macht das Nexus 5X allerdings mit seiner Schnellladefunktion wett. 30 Minuten an der Steckdose, schon ist die Batterie wieder für rund neun Stunden Betrieb geladen.

Kamera: Endlich gute Bilder mit einem Nexus schießen

Überrascht hat mich dann aber vor allem die gute Kamera. Denn für eine gute Optik waren die Nexus-Devices nie bekannt. Mit dem Nexus 5X ändert sich das. Auf der Rückseite kommt ein Sensor mit 12,3 Megapixeln zum Einsatz. Die Blende liegt bei f/2.0. Der Autofokus arbeitet mit Laser-Unterstützung, einen optischen Bildstabilisator (OIS) gibt es leider nicht. Während das 5X sich damit nicht unbedingt zum Drehen unverwackelter Videos eignet, können sich die Fotos sehen lassen. Bei guten Lichtverhältnissen produziert der Sensor zusammen mit der angenehm minimalistischen Software scharfe Aufnahmen mit guter Schärfe ohne übertriebene Farben. Im Dämmerlicht und Dunkeln ist die Fotoqualität solide, aber nicht überragend. Das Bildrauschen ist dann nicht übertrieben, aber erkennbar. Der HDR-Modus leistet bei Tageslicht gute Arbeit, im Dunkeln kann er aber dazu führen, dass dunkle Bildbereiche allzu sehr aufgehellt werden und das gesamte Motiv dadurch zu hell erscheint.

Dennoch: Auch wenn die Konkurrenz bei der Kameraqualität unter aktuellen Flaggschiffen enorm ist, verpassen LG und Google mit dem Nexus 5X nicht den Anschluss und merzen einen der größten Kritikpunkte an der Nexus-Reihe in den vergangenen Jahren aus.

Software: Android 6.0 in Deutschland noch ohne Now on Tap

Wie beim Nexus 6P kommt auch auf dem Nexus 5X pures Android in der aktuellen Version 6.0 Marshmallow zum Einsatz. Auf die Vorteile des neuen mobilen Google-OS sind wir schon hier eingegangen. Das wohl meistgewünschte Feature dürften allerdings die überarbeiteten App-Berechtigungen sein. Ihr könnt nun nicht nur einsehen, welche App welche Berichtigungen einfordert, sondern diese auch verwalten und Twitter zum Beispiel den Zugriff auf die Kamera entziehen. Zum anderen heißt das für deutsche Nutzer aber auch, dass das Killer-Feature in Android 6.0 Marshmallow, Google Now on Tap, noch nicht in der Landessprache funktioniert.

Was ebenfalls schade ist: Dem Nexus 5X liegt anders als dem Nexus 6P kein "USB Typ C auf USB-A"-Kabel bei. In den USA geht das bei dem geringen Preis in Ordnung. In Deutschland müsst Ihr zusätzlich zum höheren Gerätepreis für 15 Euro ein entsprechendes Kabel kaufen, um Fotos und Videos schnell auf den PC zu übertragen.

Fazit: ein waschechtes Nexus - für US-Kunden

Das Nexus 5X ist ein würdiger Nachfolger für das mittlerweile legendäre Nexus 5. Vom größeren, edlen Nexus 6P setzt es sich mit einem schlichten Erscheinungsbild und einfachen, aber robusten Materialien ab. Akkuleistung und Performance sind solide, aber nicht überragend. Dafür leistet die verbaute Kamera auf der Rückseite sehr gute Arbeit und stellt Fans der Nexus-Reihe nicht mehr vor die Wahl, sich zwischen einem puren, brandneuen Android und einem Smartphone mit guter Kamera entscheiden zu müssen.

Ein Problem gibt es aber doch: den Preis. Genauer: den Euro-Preis. Während das Nexus 5X in den USA mit 16 GB ab 379 Dollar erhältlich ist, werden hierzulande 479 Euro fällig. Umgerechnet zahlt Ihr also rund 136 Euro drauf - die unterschiedliche hohe Sales Tax der einzelnen US-Bundesstaaten nicht miteingerechnet. 529 Euro kostet das Smartphone mit 32 GB internem Speicher. Zudem dürften nur die Wenigsten unter Euch über ein Ladgerät oder einen Anschluss am Notebook mit USB Typ-C verfügen. Da Google aber nur ein USB-Typ-C-Kabel mitliefert, müsst Ihr noch rund 15 Euro für ein Adapterkabel auf USB Typ-A investieren. Und die eigentlich längst obligatorischen Kopfhörer zum Smartphone liegen dem Nexus 5X auch nicht bei.

So ist das 5X zumindest preislich betrachtet kein waschechtes Nexus-Budget-Smartphone mehr - für deutsche Nutzer. Für mich wären 16 GB interner Speicher zu verkraften, wenn es denn die Möglichkeit zur Erweiterung mit einer microSD-Karte gäbe. Doch diese fehlt im Nexus 5X. Dabei lässt sich die Speichererweiterung unter Android 6.0 doch viel besser integrieren. So lohnt sich das Nexus 5X für all jene, die unbedingt das brandneue und unberührte Android 6.0 Marshmallow nutzen wollen - aber auf das eigentliche Killerfeature "Now on Tap" in Deutschland erst noch verzichten müssen. Mit Blick auf den Preis habt Ihr etwa mit dem LG G4 ein paar Euro gespart und mit Blick auf Kamera und Akku das bessere Smartphone zur Hand.


Weitere Artikel zum Thema
Galaxy S7-Update belegt: Mit Nougat wird aus TouchWiz Samsung Expe­ri­ence
Her damit !6Samsung Experience auf dem Galaxy S7 Edge: Mit Android Nougat sagt TouchWiz offenbar Goodbye
Alles anders mit Android Nougat: In der neuesten Beta-Version für das Galaxy S7 soll die Benutzeroberfläche nicht mehr TouchWiz heißen.
Galaxy S7 Edge in Pearl Black: Samsungs Diamant­schwarz kommt im Dezem­ber
3
Peinlich !7Das Galaxy S7 Edge in Pearl Black besitzt offenbar eine spiegelnde Oberfläche
Das Galaxy S7 Edge in Pearl Black: Samsungs Flaggschiff könnte im glänzenden Schwarz auf den Markt kommen – inklusive Speicherupgrade.
Android: App-Upda­tes sollen künf­tig mehr als 50 Prozent klei­ner sein
Christoph Groth
App-Updates unter Android sollen künftig kleiner werden
Google gibt bekannt, dass App-Updates im Schnitt künftig rund zwei Drittel kleiner sein sollen – in manchen Fällen sogar bis zu 90 Prozent.