Das Nexus 6P im ausführlichen Test

Das Nexus 6P ist das erste Nexus-Smartphone von Huawei und das neue Top-Modell der Nexus-Reihe. Wir haben das Marshmallow-Flaggschiff getestet.

Nach HTC, Samsung, LG und Motorola arbeitet Google bei der neuen Nexus-Generation erstmals mit Huawei als Gerätehersteller zusammen. Dass die Chinesen nicht nur günstig, sondern auch schick können, haben sie spätestens mit dem Huawei Mate S gezeigt. Auch das Nexus 6P ist vom Einschaltknopf bis zum Nexus-Schriftzug auf dem Rücken ein toll designtes und verarbeitetes Gerät. Es ist außerdem das erste Nexus-Gerät mit einem Gehäuse aus Aluminium. Das sieht nicht nur edel aus, es fühlt sich auch so an. Besonders die dunkle Variante, die ich zum Testen hier hatte, hat es mir echt angetan. Kompliment, Huawei. Da habt Ihr ganze Arbeit geleistet!

Zugegeben: Davon bin ich vor dem Test gar nicht ausgegangen. Zunächst dachte ich, das "P" in Nexus 6P stünde für "Periskop", weil die Kamera auf der Rückseite auf den Pressefotos stark herauszuragen schien. In der Realität relativiert sich der Effekt. So stark, auffällig oder gar nervig ist die Wölbung gar nicht. Mittlerweile gefällt mir die Kamera als Designelement sogar richtig gut. Dadurch hebt sich das Nexus deutlich von anderen Smartphones ab.

Schickes Design und sehr gute Ausstattung

Das Nexus 6P wiegt 178 Gramm. Weil ich privat ein iPhone 6 (129 Gramm) nutze, klang das für mich erst einmal schwer. Aber das Gewicht verteilt sich gut über die 5,7 Zoll. Trotz des großen Bildschirms liegt das Nexus 6P gut in der Hand und lässt sich gerade so noch mit einer Hand bedienen Zugegeben: Ich hab auch nicht die kleinsten Hände. Frauen dürften es da etwas schwerer haben. Auch nicht unwichtig: Der Fingerabdruck-Sensor Nexus Imprint liegt zwar auf der Rückseite, ist aber trotzdem einfach und bequem mit dem Zeigefinger zu erreichen. Tatsächlich bietet die Lage sogar Vorteile gegenüber den Sensoren von Apple und Samsung. Denn so könnt Ihr Euer Smartphone schon entsperren, wenn Ihr es aus der Hosentasche zieht. Das Display müsst Ihr vor dem Entsperrvorgang nicht aktivieren. Es genügt, den Finger auf den Sensor zu legen. Die Einrichtung funktioniert recht fix. Anders als bei Apple oder Samsung müsst Ihr Euren Finger nur viermal auf den Kreis legen. Probleme mit dem Sensor hatte ich nie.

Noch ein Wort zur Verarbeitung: Auf YouTube gibt es mittlerweile zwei Videos in denen ein "Tester" das Nexus 6P in der Mitte durchbiegt und das Gehäuse mit allerlei Werkzeug malträtiert. Über den Testzeitraum habe ich das Smartphone als "Daily Driver" benutzt und immer in der Hosentasche dabei. Kratzer oder andere Beschädigungen an dem Gehäuse sind mir dabei nicht aufgefallen.

Das Super-AMOLED-Display löst mit 2560 x 1440 Pixeln auf. Inhalte sehen darauf fantastisch aus. Ich habe mich immer wieder dabei erwischt, wie ich zu Hause statt auf dem iPad (mini 2) auf dem Nexus YouTube-Videos geschaut habe. Der große Bildschirm lässt einen Tablets sowieso schnell vergessen. Außerdem bietet das Smartphone die von den Motorola-Moto-Smartphones bekannte Ambient-Display-Technik. Das bedeutet, das Smartphone zeigt Euch eingegangene Nachrichten in schwarzweiß an, ohne das Display komplett zu aktivieren, wenn Ihr es von der Tischplatte hochnehmt. Das ersetzt die Benachrichtigungs-LED.

Das Nexus 6P ist riesengroß und trotzdem handlich.(© 2015 CURVED)

Auch die Leistung stimmt. Im Gerät sorgen ein zwei Gigahertz schneller Snapdragon-810-Prozessor von Qualcomm und drei Gigabyte Arbeitsspeicher für flottes Tempo. Im AnTuTu-Benchmark schnitt das Nexus 6P mit einer Punktzahl von 56.000 vergleichsweise bescheiden ab. Das Samsung Galaxy S6 Edge Plus erreichte rund 65.000 Punkte. Dass so ein Benchmark aber kaum etwas über die Alltagsqualitäten eines Smartphones aussagt, sieht man bei der Spieleleistung. Games wie "Game of Thrones" oder "Asphalt 8: Airborne" liefen ohne Probleme und sahen nebenbei auch noch richtig gut aus. Nach einiger Zeit wurde das Nexus 6P beim Zocken zwar warm, aber nicht heiß unangenehm heiß.

Tolle Kamera und großer Akku

Vorweg: Im Nexus 6P steckt die selbe Kamera wie im Nexus 5X. Beide lösen mit 12,3 Megapixeln auf und haben eine f/2.0-Blende. Die einzelnen Pixel auf dem Bildsensor sind 1,55 Mikrometer groß. Im Kameratest wussten beide durchaus zu überzeugen. Weder Aufnahmen mit starkem Kontrast durch Licht und Schatten noch Gegenlichtaufnahmen haben die Optik des Nexus 6P vor große Herausforderungen gestellt. Auch im Dunklen liefert die Knipse klar erkennbare Bilder machen. Außerdem nehmt Ihr mit der Kamera 4K-Videos auf. Mit der Frontkamera knipst Ihr Selfies maximal mit acht Megapixeln. Das 6P punktet hier mit einer hohen Detailgenauigkeit.

Je nach Ausstattung bietet das Nexus 6P dann 32, 64 oder 128 Gigabyte Speicher. Ich finde es gut, dass Google und Huawei hier darauf verzichtet haben, eine kleinere Version mit 16 Gigabyte anzubieten. Denn einen microSD-Kartenschacht zur Erweiterung gibt es leider nicht. Das verwundert, denn unter Android 6.0 Marshmallow könnt Ihr Speicherkarten als internen Speicher einrichten. Warum Google und Huawei darauf verzichtet haben, das Feature auch oder gerade bei den Referenzgeräten anzubieten, bleibt ein Rätsel.

Strom bekommt das Nexus 6P über den USB-Type-C-Anschluss auf der Unterseite. Der neue Standard bietet auch eine Schnellladefunktion. Zehn Minuten an der Steckdose sollen dem 3450 mAh großen Akku genug Strom für sieben Stunden Betrieb liefern. Und in der Tat hat das Nexus immer sehr schnell nachgetankt. Eine halbe Stunde reichte, um von nahezu 0 wieder auf 50 Prozent zu kommen.

Android 6.0 in Reinkultur

Als Betriebssystem läuft natürlich das brandneue Android 6.0 Marshmallow auf dem Smartphone. Auf den ersten Blick bekommt man davon aber wenig mit, denn optisch hat sich nur sehr wenig an der Software getan. Die Stock-Android-Oberfläche ist nach wie vor schön aufgeräumt, einfach aufgebaut und dadurch sehr übersichtlich. Wischt Ihr auf dem Home-Screen nach rechts, aktiviert Ihr Google Now, im App-Drawer findet Ihr alle neuen Apps. So macht Android Spaß!

Top-Gerät, Top-System: Auf dem Nexus 6P kommt Android 6.0 zum Einsatz.(© 2015 CURVED)

Allerdings: Die neuen Features von Marshmallow sind in Deutschland noch nicht allesamt verfügbar. So könnt Ihr zwar die App-Berechtigungen manuell verwalten und Facebook zum Beispiel den Zugriff auf die Kamera oder das Telefonbuch verwehren. Eines der größten Features, Google Now on Tap, funktioniert dagegen hierzulande nur, wenn Ihr die Systemsprache in den Einstellungen auf US-Englisch umstellt.

Eine Sache, die mir beim Zubehör positiv aufgefallen ist: Zusätzlich zum "USB Typ C auf USB Typ C"-Kabel legen Huawei und Google auch ein "USB Typ C auf USB-A"-Kabel bei. Das ist zwar nicht sonderlich lang, sorgt aber dafür, dass Ihr Eure Videos und Bilder vom Smartphone auf den PC übertragen könnt. Außerdem habt Ihr die Möglichkeit, das Nexus 6P auch mit einem älteren Netzteil aufzuladen, solltet Ihr Euer Typ-C-Ladegerät mal verlegt haben. Im Google Store würde Euch solch ein zusätzliches Ladekabel rund 15 Euro kosten. Kopfhörer müsst Ihr Euch dagegen dazukaufen, wenn Ihr noch keine habt.

Fazit: Das beste Nexus bis jetzt

Das Nexus 6P ist schick und schnell. Das Display bietet Pixel satt. Das installierte Betriebssystem ist brandneu. Videos und Spiele machen auf dem Bildschirm viel Spaß. Die Kameras überzeugen hinten wie vorne mit tollen Bildern. Der Akku lädt schnell wieder auf. Abgesehen vom nicht vorhandenen microSD-Kartenschacht gibt es nichts am Nexus 6P zu bemängeln. Damit ist es für mich das momentan beste Android-Gerät auf dem Markt.

Wäre da nicht der Preis, würde ich sofort zuschlagen. Klar, gemessen an der Leistung gehen 699 Euro eigentlich in Ordnung. Diverse Konkurrenten, wie das Samsung Galaxy S6, sind sogar ein halbes Jahr nach Markstart noch teurer. Trotzdem stößt mir sauer auf, dass ich umgerechnet rund 250 Euro obendrauf zahlen soll. Denn in den USA gibt es das Nexus 6P schon ab 499 US-Dollar (rund 450 Euro) zu kaufen.

Wer auch in Deutschland die volle Android-Experience haben will, muss in den sauren Apfel beißen und das Geld löhnen. Eine Alternative ist das kleinere Nexus 5X. Das reicht nicht an die Leistung vom 6P heran, bietet aber die gleiche Kamera und das gleiche Betriebssystem. Ansonsten könnte noch das Moto X Play und das Moto X Style für Euch in Frage kommen. Die laufen zwar noch auf Android 5.1.1, erhalten bald ein Update auf Marshmallow.


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