YotaPhone 2 im Test: Der Luxus der zwei Displays

Her damit !129
Das YotaPhone 2 mit E-Ink-Display auf der Rückseite
Das YotaPhone 2 mit E-Ink-Display auf der Rückseite(© 2015 CURVED)

Wie macht man mit neuer Hardware auf sich aufmerksam? Indem man sie anders baut als die Konkurrenz. Diese Devise hat sich sich auch YotaPhone auf die Fahne geschrieben: Das russische Unternehmen hat als bisher einziger Hersteller seinem Smartphone gleich zwei Displays spendiert. Doch hat die doppelte Sehstärke wirklich einen Vorteil – oder ist es bloß eine Spielerei? Wir haben das YotaPhone 2 unter die Lupe genommen.

Auf dem ersten Blick sieht das YotaPhone 2 fast so aus wie jedes andere Smartphone. Die Besonderheit, nämlich das zweite Display auf der Rückseite, erkennt man nicht sofort. Als ich das russische Smartphone aus der Verpackung nahm, war das Telefon noch ausgeschaltet und der rückseitige E-Ink-Screen daher noch dunkel.

Verblüffend: Selbst so sah das YotaPhone prima aus. Mehr noch: Das Telefon liegt prima in der Hand. Es wiegt mit 145 Gramm zwar ein wenig mehr als das iPhone 6 von Apple oder das Sony Xperia Z3 Comact (jeweils 129 Gramm), aber das Mehr an Gewicht ist nicht störend. Im Gegenteil, denn es verleiht dem Gadget eine gute Haptik, es ist perfekt ausgewogen und schmiegt sich dank der leichtungen Rundungen im Gehäuse in die Hand. Es ist eines der wenigen Smartphones, das ich gerne in der Hand halte und damit rumspiele.

Geschickt verstecktes Feature

Die Lautstärkewippe dient gleichzeitig als Einschub für die Simkarte, eine Speichererweiterung per Micro-SD-Karte ist dagegen nicht möglich. Zwar sind 32 Gigabyte festverbauter Speicher ganz ordentlich, ich hätte mir aber die Möglichkeit gewünscht, dass ich bei Bedarf eine SD-Karte einschieben könnte. Aber gut, es muss ja auch noch Luft nach oben sein.

Aber über das bekannte Betriebssystem muss ich an dieser Stelle nicht viel erzählen, das Besondere ist die Hardware. Und die ist auch unter der Haube ganz ordentlich. Selbst bei umfangreichen Spielen gab es keine Ruckler. Der Snapdragon 800 Quad-Core-Prozessor mit 2,2 GHz verrichtet seinen Dienst sehr ordentlich und wird sicher dafür sorgen, dass man auch längerfristig seine Freude mit aktuellen Games hat.

Leider setzt auch YotaPhone auf nur einen Lautsprecher, der nach unten strahlt – eine Unsitte vieler Smartphone-Hersteller. Denn obwohl die Displays vieler Geräte immer größer werden, muss ich beim Filmeschauen auf einen ordentlichen Stereosound verzichten – es sei denn, ich nutze eine Kopfhörer. Klasse finde ich dagegen die Möglichkeit, den Musikplayer auf der stromsparenden Rückseite anzuzeigen und so bei der Bedienung kaum Akku zu verbrauchen. Apropos Strom: Selbst ohne die Nutzung des zweiten Displays hält der Akku, der sich übrigens auch kabellos aufladen lässt, gut durch.

Zum Beispiel in Verbindung mit der Foto-Funktion: Die Kamera auf der Rückseite verfügt über acht Megapixel. Das klingt erst einmal nicht besonders üppig, ist aber ausreichend. Besonders, wenn sie statt der 2-Megapixel-Frontkamera für Selfies genutzt wird. Denn das geht dank des zweiten Displays super. Dafür lasse ich das Android-System einfach auf dem E-Ink-Display darstellen, starte die Fotoapp, halte das Smartphone mit der Rückseite in meine Richtung – und sehe mich in Graustufen.

Viele Anwendungen, zu wenige Apps

Die Darstellung ist träge, aber das ist den Besonderheiten dieser E-Ink-Technologie geschuldet. Inhalte müssen immer wieder neu aufgebaut werden, und das dauert jedes mal den Bruchteil einer Sekunde. Was beim Lesen nicht weiter stört, verzögert Animationen und Bewegungsabläufe. Filme auf diese Art zu schauen, würde ich nicht empfehlen. Doch für ein schnelles Selbstporträt reicht das allemal aus. Richtig witzig finde ich übrigens, dass das E-Ink-Display beim Fotografieren mal einen Schriftzug mit "Smile" oder mal eine stilisierte Kamera anzeigt. So weiß wirklich jeder, dass ich gerade die Kamera aktiviert habe.

Ingesamt aber dauert alles ein wenig länger, und auch nach dem längeren Test erschließt sich mir nicht immer, worin der wirkliche Sinn des interaktiven Smartphone-Rückens besteht. Es sieht zwar cool aus, wenn darauf eine Uhr läuft oder das Datum angezeigt wird. Aber will ich wirklich, dass andere sehen, mit wem ich gerade telefoniere? In unseren ersten Telefonversuchen wurde die Nummer des anderen Teilnehmers während des Gesprächs angezeigt. Später habe ich gelernt, diese Anzeige zu unterbinden – doch warum muss ich diese Möglichkeit erst umständlich suchen?

Mir gefällt der Ansatz supergut, ein zweites Display für bestimmte Anwendungen zu nutzen. So dient ein Smartphone bei mir auch als Uhrersatz. Bei meinem iPhone muss ich das Display immer aktivieren, um die Zeit abzulesen. Beim Yotaphone reicht ein Blick auf die Rückseite, schon weiß ich, was mir die Uhr geschlagen hat – ohne zusätzlichen Strom zu verbrauchen. Auch weiß ich zu schätzen, dass Yotaphone diverse Apps entwickelt hat, die perfekt auf das zweite Display zugeschnitten sind. So kann ich Twitter-Feeds lesen, eine Partie Schach spielen oder ein Buch lesen. Aber noch ist das Angebot an passablen Anwendungen sehr überschaubar.

Toller Ansatz mit Potenzial

Man muss den Mut von YotaPhone loben, schließlich handelt es sich um ein komplett neues Smartphone-Konzept. Statt ausgetretene und häufig langweilige Pfade zu beschreiten, versucht das russische Unternehmen einen eigenen Weg. Und der ist wirklich gut gelungen.

Bereits mit dem zweiten Smartphone scheint Yotaphone angekommen zu sein. Das Design ist stimmig, die Hardware prima. Die Idee, ein Smartphone mit zwei Displays zu bauen, ist schlüssig umgesetzt, die Funktionen sind schon zum Start gut durchdacht. Allerdings musste ich mich im Alltagstest häufig daran erinnern, dass dieses Telefon wirklich zwei nutzbare Seiten hat. Das ist aber üblich bei neuen Konzepten und mag sich ändern, wenn man das YotaPhone längere Zeit regelmäßig nutzt.

Luxus-Problem

Aber egal wie gut das Konzept ist – zwei Displays sind ein echter Luxus: für die Augen und fürs Portemonnaie. Mit einem Verkaufspreis von 700 Euro ist das YotaPhone 2 kein Schnäppchen. Und ich bezweifle, ob ein junges Unternehmen mit diesem stolzen Preis viele Smartphone-Besitzer von einem Wechsel überzeugen kann. Schließlich muss sich das interessante Gadget  in dieser Preisklasse ganz einfach mit den Flaggschiffen der anderen Hersteller vergleichen lassen. Noch wirkt einiges nicht ganz ausgereift, die Bedienung ist manchmal träge. Hier ist zu wünschen, dass YotaPhone das Angebot an passenden Apps zügig erweitert.

Wer aber jetzt schon auf das neue Dual-Display-Konzept setzt, macht garantiert nichts verkehrt und bekommt eine schöne und hochwertige Hardware und wird damit das erste Mal seit langer Zeit in seinem Freundeskreis mit einem spannenden Hardware-Konzept angeben können.


Weitere Artikel zum Thema
Galaxy Tab S3 erhält offen­bar besse­ren Sound und unter­stützt Samsungs S Pen
Guido Karsten
Her damit !10Das Galaxy Tab S3 wird auch einen Fingerabdrucksensor besitzen
Die Anleitung des Galaxy Tab S3 ist geleakt: Sie verrät nicht nur einiges über Ausstattungsmerkmale, sondern auch über den geplanten S-Pen-Support.
Apple arbei­tet an kabel­lo­ser Lade­funk­tion: Einsatz im iPhone 8 nicht sicher
Guido Karsten1
Auch Konzept-Designer rechnen mit einem kabellos aufladbaren iPhone 8
Einige Android-Smartphones können es schon, das iPhone soll es bald lernen: Doch wird wirklich schon das iPhone 8 kabellos aufgeladen werden können?
Galaxy S8 und LG G6 in Klar­sicht­hülle gele­akt: Die Flagg­schiffe für 2017
Guido Karsten11
Her damit !13Links: Samsungs Galaxy S8. Rechts: das LG G6
Das LG G6 und das Galaxy S8 wurden erneut geleakt: Renderbilder zeigen die beiden Spitzenmodelle in durchsichtigen Kunststoff-Schutzhüllen.