Daydream View im Test: Einfach mal abtauchen

Her damit !15
Daydream View: Klappe auf, Smartphone rein, los geht's.
Daydream View: Klappe auf, Smartphone rein, los geht's.(© 2016 CURVED)

So richtig vernünftige Virtual-Reality-Lösungen für die Massen gibt es noch nicht. Mit Daydream View will Google das ändern. Wir haben die Brille aufgesetzt.

Vor mir steht ein Kessel, links daneben drei Flaschen mit unterschiedlichen Flüssigkeiten. Über dem Kessel schwebt ein Rezept. Ich muss die Zutaten aus den Flaschen in der richtigen Reihenfolge mit meinem Zauberstab in den Kessel schütten, um einen Trank zu brauen. Danach gehe ich vor die Tür und sehe ein riesiges Monster. Ich will ihm gerade einen Brocken Futter hinschmeißen, als ich angetippt werde. "He, wann wird denn der Test zur Daydream View fertig?" Richtig, da ja war was. Ich befinde mich gar nicht in der Welt des "Harry Potter"-Ablegers "Fantastic Beasts and Where to Find Them", sondern in der Redaktion.

In dem oben beschriebenen Beispiel merkt Ihr gleich, wie gut ich Daydream View, also Googles neue Virtual-Reality-Brille, finde. Dabei ist die gar nicht so neu. Denn das Konzept, ein Smartphone als Zuspieler für die virtuelle Realität zu benutzen, gibt es schon seit dem ersten Cardboard, das Google auf der Google I/O 2014 verteilt hat. Samsung und Oculus VR haben die Erfahrung dann mit den "Gear VR"-Brillen aufs Premium-Level gebracht.

Bequeme Brille mit Stoffüberzug

Das Problem: Die Samsung-Brille funktioniert nur mit ausgewählten Geräten des Herstellers. Google macht es anders: Jedes Smartphone mit dem Label "Daydream Ready" arbeitet mit der Brille zusammen. Dazu gehört aktuell neben dem Pixel und dem Pixel XL das Huawei Mate 9. Die drei Geräte sind relativ teuer, es ist aber nicht ausgeschlossen, dass auch günstigere Smartphones das Label bekommen.

Die Brille selbst sieht etwas anders aus, als Modelle der Konkurrenz. Während anderswo Plastik vorherrscht, kleidet Google Daydream View in Stoff ein. Das sieht auf den ersten Blick erstmal komisch aus, fühlt sich aber gar nicht so verkehrt an. Der Innenraum, also der Teil, den Ihr Euch über die Nase zieht, ist gut ausgepolstert. Das Tragen wird also nicht zur Qual. Mit einem Gewicht von 220 Gramm ist sie auch nicht zu schwer. Das Fach, in das Ihr das Smartphone einlegt, verschließt Ihr mit einer starken Gummilasche. Abstandshalter, ebenfalls aus Gummi, sorgen dafür, dass das Gerät nicht verrutscht. Und tatsächlich: Vom heftigen Kopfneigen wird einem höchstens schlecht, das Smartphone bleibt aber an Ort und Stelle. Prima.

Wenn Ihr die Daydream-App startet, sagt Euch Euer Smartphone, was zu tun ist.(© 2016 CURVED)

Der Daydream View liegt darüber hinaus ein Controller bei. Der erinnert an eine WiiMote von Nintendo und funktioniert auch fast genauso: Er erkennt und überträgt Eure Bewegungen sehr präzise. Zur besseren Navigation in Menüs stattet Google ihn zusätzlich mit einem Touchpad aus, das gleichzeitig auch als Bestätigungsbutton dient. Per Bluetooth verbindet Ihr den Controller mit dem Smartphone.

Noch wenige Apps im Play Store

Bevor Ihr den Controller benutzen könnt, müsst Ihr die Daydream-App installieren. Die ist quasi Euer Eintrittstor in virtuelle Welten. In einem spielerischen Walkthrough lernt Ihr, wie Ihr die Schärfe der Brille einstellt, durch Menüs navigiert und den Controller benutzt. Danach landet Ihr in der Übersicht, die quasi ein eigenes VR-Android innerhalb von Android darstellt. Ihr habt Eure letzten verwendeten Apps im Blick, seht Vorschläge von Google, könnt Einstellungen vornehmen oder neue Apps aus dem VR-Play-Store installieren – alles ohne die Brille abzusetzen. Sehr gut und vor allem einfach gelöst.

Die Crux: Noch gibt es neben Googles eigenen Angeboten wie YouTube VR, Google StreetView oder Google Fotos nur sehr wenige passende Inhalte. Ein Highlight ist das bereits oben beschriebene Spiel zu "Fantastic Beasts and Where to Find Them". Hier verwandelt sich der Controller natürlich in einen Zauberstab. Andere Apps wie YouTube VR oder Google Play Movis sind dagegen kein Must-Have. Schaut Ihr Euch auf YouTube nicht gerade ein 360-Grad-Video an, simuliert die App nur eine große Leinwand, auf der ein Video läuft. Das klappt auf dem Fernseher im Zweifel besser. Das Angebot an Daydream-Apps wird aber größer werden: So sollen zum Beispiel bereits bestehende Cardboard-Apps für die VR-Brille erscheinen.

Der Daydream-Controller kommt mit integriertem 220-mAh-Akku. Er wird per USB-C geladen.(© 2016 CURVED)

Natürlich kann sich das Erlebnis grafisch und vom Umfang her nicht an den High-End-Lösungen von HTC oder Facebook und Oculus messen lassen. Denn trotz des hochauflösenden Displays des Pixel XL, das Google uns zur Verfügung gestellt hat, sind die einzelnen Bildpunkte noch deutlich zu sehen. Für ein Smartphone-Spiel in VR bekommt man hier aber trotzdem einiges geboten. Es bietet durchaus das Potenzial für zehn Minuten einmal in andere Welten abzutauchen. Dazu kommt etwas, dass mir bei Daydream View sehr positiv aufgefallen ist: Mir wurde nicht schlecht. Das kenne ich sonst ganz anders von VR-Brillen.

Längere Zeit würde ich aber derzeit noch nicht mit Daydream View verbringen. Das ist auch nicht möglich. Denn nach gut 15 Minuten spielte unser Test-Smartphone regelmäßig die Warnung aus, dass es gleich heiß laufe. Und tatsächlich hat sich die Temperatur des Gerätes deutlich erhöht. Kein Wunder: Schließlich muss das Smartphone ja nicht nur das Bild darstellen, sondern auch alle Bewegungen berechnen.

Fazit: Her damit!

Obwohl ich die Neuigkeiten zum Thema natürlich verfolge, war Virtual Reality bislang nicht wirklich etwas für mich. Cardboard und die Gear VR sind im Prinzip nur Möglichkeiten, sich Bilder oder Videos anzusehen. High-End-Brillen wie die Oculus Rift oder die HTC Vive sind mir, auch wegen der Systemanforderungen, zu teuer. Daydream View ist da der perfekte Mittelweg. Mit 69 Euro ist die Brille deutlich günstiger als die Gear VR und mit dem Controller bekommt Ihr darüber hinaus sogar eine Möglichkeit an die Hand nicht nur Fotos anzusehen, sondern auch Casual-Games zu spielen.


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