Drift Compass im Test: die Schnappschuss-Ansteckkamera

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Die Mini-Kamera "Compass" von Drift lässt sich per Clip ans T-Shirt stecken
Die Mini-Kamera "Compass" von Drift lässt sich per Clip ans T-Shirt stecken(© 2016 CURVED)

Mit einem Klick die besten Momente des Tages direkt als Foto oder Video festhalten? Eigentlich eine tolle Idee, denn so müssten wir nicht ständig unser Handy raus kramen und könnten spontane Situationen schnell einfangen. Das dachten sich auch die Entwickler der Wearable-Kamera "Compass" von Drift. Wir haben sie ausprobiert.

Die kleine, quadratische Kamera ist sehr gut verarbeitet. Ihr könnt sie bequem an Eure Hosentasche oder T-Shirt anstecken, wenn Ihr sie in den passenden Clip steckt. Alternativ gibt es eine Zubehörbox, in der Ihr starke Magnetplatten zum Befestigen findet. Eine davon hat unten ein Gewinde und passt somit auch auf gängige Stative.

Anstecken und losknipsen

Die Idee der Kamera ist, dass Ihr sie immer sichtbar an Euch tragt, damit Ihr zu jeder Zeit Fotos und Videos machen könnt. Durch die kleinen Abmessungen (4,3 cm hoch und breit, 1,4 cm dick) und das geringe Gewicht von ca. 35 Gramm merken ich sie kaum, wenn sie an meiner Kleidung hängt. Im Inneren steckt ein Akku mit einer Kapazität von 750mAh. Dieser soll laut Hersteller bis zu vier Stunden reichen und wird per Micro-USB-Kabel aufgeladen. Bei Filmen bzw. Streamen kamen wir mit zwei Stunden Betrieb aber nur auf die Hälfte dieser Zeit.

Doch so nett die Idee von der alltäglichen Wearable-Kamera auch ist - sie schaltet sich relativ schnell automatisch aus. Heißt: vor fast jedem Foto müsst Ihr sie zuerst einschalten, den Fotomodus auswählen und könnt dann erst den Auslöser betätigen. Wenn Ihr draußen in der Sonne steht, ist es auch gar nicht so einfach zu erkennen, ob die Kamera gerade im Fotomodus ist (der quadratische Einschaltknopf leuchtet gelb) oder Videos aufnimmt (grünes Leuchten). Der dritte Modus leuchtet lila und steht für Zeitraffer-Videos, bei denen pro Sekunde ein Bild gemacht wird.

Der Auslöser ist leider keine eigene Taste. Ihr müsst in die Mitte der Vorderseite unterhalb der Kameralinse Doppeltippen. Das funktionierte leider nicht zuverlässig. Ihr müsst langsam zwei Mal hintereinander tippen, doch diesen zeitlichen Abstand immer richtig zu treffen, bedarf einiges an Übung. Ich war mir beim Test eigentlich nie sicher, ob die Kamera ausgelöst hat. Die LED des Powerknopfs blinkt zwar auf, wenn das Bild geschossen wurde, doch das Leuchten sieht man schlecht, wenn es hell ist. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass die Fotos durch das Tippen erst recht verwackeln. Damit die Fotos gerade aufgenommen werden, müsste Ihr die quadratische Kamera übrigens wie auf unserem Titelbild oben am T-Shirt über Eck wie eine Raute halten.

App für Streams und Fernauslöser

Neben spontanen Fotos könnt Ihr im Zusammenspiel mit der "Drift Live"-App auch Bilder fernauslösen. Dafür schaltet Ihr an der Kamera das eigene WLAN ein und verbindet darüber Euer Smartphone mit der Compass-Kamera. Der Fernauslöser ist ganz praktisch für Gruppenbilder, aber auch im Alltag, da die Kamera kein Display hat und man sonst nicht sieht, wie viel vom Motiv später im Bild zu sehen ist.

Aus der App startet Ihr auch die Video-Livestreams. Dafür müsst Ihr Euch aber noch bei Drift registrieren und anmelden. Die App gibt es kostenlos für Android und iOS.

Fotoqualität im Alltag nicht überzeugend

Die Kamera nimmt zwar Fotos mit zwölf Megapixeln auf, doch Selfies sind mit der Minicam nahezu unmöglich. Sie stellt Gesichter auf die kurze Entfernung – eine Armlänge – nicht scharf stellen und fokussiert den Hintergrund. Schön sehen sie Fotos aus, wenn Ihr bei Tageslicht draußen seid und sich vor der Linse nichts bewegt. Doch seien wir ehrlich: wenn ich eine derartige Kamera nutze, um meinen Tag festzuhalten, wird diese Situation sehr selten eintreten.

Auch die Videoqualität hat eher etwas von versteckter Geheimagentenkamera. Die Aufnahmen sind bei Bewegungen stark verwackelt. Abhilfe schaffen die magnetischen Zubehörteile, denn wenn die Kamera nicht an Euch, sondern an Objekten wie einem Stativ befestigt wird, sind die Aufnahmen für Erinnerungen auf jeden Fall brauchbar. Aber Achtung! Die Magnete sind so stark, dass sie sehr schnell den Weg zueinander suchen. Da waren beim Testen öfter die Finger nicht schnell genug aus dem Weg. Leider wurde die kleine Kamera in unserem Test schon nach wenigen Minuten Videodreh so heiß, dass wir sie kaum noch anfassen konnten. Das ist weder gut für die Technik noch angenehm für die Benutzer.

Drift Compass: Das Zubehörpaket inklusive Tragetasche gibt es für 29 Euro(© 2016 CURVED)

Fazit: Nette Spielerei

Dass man die Compass Drift mit Magneten oder einem Clip schnell und einfach am T-Shirt tragen kann und sie so immer dabei hat, ist eine gute Idee für Ausflüge, Partys oder Aktivitäten, bei denen man das Smartphone nicht immer aus der Tasche holen kan kann wie beim Klettern oder Achterbahn Fahren. Doch leider wurde das Konzept nicht bis zu Ende gedacht.

Da sich die Compass Drift von alleine abschaltet, vergeht einiges an Zeit, bis sie wieder auslösefähig ist. Der Auslöser an sich ist unglücklich gewählt und die extreme Erwärmung bei Videodrehs hat uns genauso wenig begeistert wie die Qualität unserer Schnappschüsse. So bleibt es für uns nur eine nette Spielerei, die knapp 130 Euro kostet.


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