Galaxy Note 3 im Test: Innen hui, außen pfui

Unfassbar !12
Beim Galaxy Note 3 hat Samsung gute Arbeit geleistet. Abgesehen vom Look.
Beim Galaxy Note 3 hat Samsung gute Arbeit geleistet. Abgesehen vom Look.(© 2014 CURVED)

Schnell, großes Display, viele Features: Beim Galaxy Note 3 hat Samsung gute Arbeit geleistet.  Wenn die Koreaner doch auch so viel Wert aufs Aussehen gelegt hätten...

Zu groß für die Hosentasche

Nein, das Samsung Galaxy Note 3 ist kein Smartphone für die Hosentasche. Es passt zwar noch rein, aber wirklich bequem sitzt es dort nicht. So bleibt nur die Wahl, es in der Jackentasche oder einer Handtasche zu verstauen. Da sich dort oft weitere Gegenstände befinden, braucht es eine Schutzhülle. Ansonsten ist das große Display schnell mit kleinen Kratzern übersät.

Nun ist ein Smartphone ja nicht nur schnöde Technik, sondern auch Lifestyle-Accessoire, das viel über seinen Besitzer aussagt. Das iPhone etwa punktet seit jeher mit puristischer Optik. Das Note 3 zielt mit dem großen Display, den Privacy-Features und dem Stylus ganz klar auf eine Business-Klientel ab. Dabei haben sich Samsungs Designer aber offenbar weniger am Vorreiter Blackberry orientiert, als vielmehr an einem Aktenkoffer. Die Rückseite aus Leder-Imitat ist umrandet mit einer gefakten Naht. Nimmt man die hauchdünne Hülle ab, um den Akku auszutauschen, offenbart das Gerät seine wahre Plastikhülle. Das und die Kanten aus Plastik in Chrome-Optik dämpfen ein wenig den guten Eindruck, den man von dem ansonsten gut gemachten Note 3 bekommt.

Denn das Phablet liegt gut in der Hand und lässt sich sicher halten. Der Einschaltknopf und der Lautstärkeregler sind, trotz der Größe von 5,7 Zoll, gut zu erreichen. Doch vernünftig bedienen lässt sich der 14,48 Zentimeter große Touchscreen nicht mit einer Hand. Das führte im Test dazu, dass ich das Phablet in der einen Hand hielt und mit der anderen auf dem Display tippte. Dies ist aber nicht immer nötig. Denn Samsung hat sich etliche kluge Hilfsmittel ausgedacht, die die Bedienung erleichtern - sogar mit nur einer Hand.

Viele Hilfsmittel für die Bedienung

Aktiviert Ihr zum Beispiel die Option „Einhändiger Betrieb“, verkleinert Ihr mit einer Geste (Finger vom Rand ein Stückchen auf den Bildschirm ziehen und ruckartig wieder zum Rand und über diesen hinaus streichen) die Ansicht und erreicht den gesamten Touchscreen mit den Fingern einer Hand. Dass das große Gehäuse trotzdem unsicher in der einen Hand liegt, gehört wohl einfach zu den Nachteilen, die so ein großes Smartphone mit sich bringt.

Besonders gut gefällt ein für das Note eingerichteter Ansichtsmodus für Bilder. Kippt man das Gerät nach vorne oder hinten, vergrößert oder verkleinert sich der Bildausschnitt. Damit das funktioniert, müssen immer zwei Finger auf dem Display liegen. Legt Ihr nur einen Finger auf den Touchscreen, könnt Ihr das Bild “in der Luft” abschwenken, ohne dabei auf dem Display hin- und herzuwischen.

Noch ein Gesten-Trick gefällig? Durchs Wischen mit der Handkante von rechts nach links oder umgekehrt fertigt Ihr einen Screenshot an. Mit einer Techologie namens “Air View”, einer Gestensteuerung, bewegt Ihr eure Hand über dem Frontsensor und nehmt zum Beispiel Anrufe an oder wechselt zwischen Bildern, Seiten oder Songs hin und her. Air View erkennt den Finger oder den S Pen über dem Display und vergrößert beispielsweise Ausschnitte von Webseiten.

Brillenträger müssen draußen bleiben

Im Test hat sich das Note 3 auch als absolut tauglich im bitterkalten Hamburger Winter erwiesen. Denn wenn man die Touchscreen-Empfindlichkeit auf „hoch“ stellt, lässt sich das Note 3 sogar mit herkömmlichen Handschuhen bedienen. Das funktionierte in der Praxis richtig gut.

Noch gar nicht überzeugen konnten hingegen die Features “Smart Stay” und “Smart Scroll”. Eigentlich sollten beide Funktionen Eure Augenbewegungnen erkennen. “Smart Stay” hält den Bildschirm solange aktiviert, wie Ihr Eure Augen darauf richtet. “Smart Scroll” soll das Scrollen auf Webseiten und in eBooks ermöglichen. Doch bei mir als Brillenträger versagten die beiden Apps mit Augenerkennung allerdings kläglich.

Android 4.3 Jelly Bean läuft auf dem Galaxy Note 3 schön flüssig, Warte- oder Ladezeiten sind nicht zu bemerken. Bei drei Gigabyte Arbeitsspeicher, einem 2,3 Gigahertz schnellen Quad-Core-Prozessor kann man das auch erwarten. Das machte sich im Test bei rechenaufwendigen Anwendungen und Spielen bemerkbar: “GTA: San Andreas” sah auf Smartphones noch nie so gut aus.

Drahtlos überträgt das Note 3 Daten per WLAN, Bluetooth und NFC. Unterwegs gelangt ihr mit dem Smartphone per UMTS oder LTE online. Mit S Beam installiert Samsung einen eigenen Dienst der Daten drahtlos austauscht, wenn ihr zwei Geräte mit der Anwendung nebeneinander haltet. Ebenfalls vorhanden ist eine Screen Mirroring-Funktion, die den Bildschirminhalt auf anderen Geräten anzeigt - im Test fiel es allerdings schwer, überhaupt geeignete Geräte als Empfänger der Bildsignale zu finden.

Auf den Stift kann man verzichten

Zum Note 3 gehört der S Pen. Aber seien wir einmal ehrlich: Wer ein Riesen-Smartphone mit Touchscreen hat, der braucht keinen Stylus. Auf alle Funktionen im Gerät könnt Ihr auch mit Euren Fingern zugreifen. Lediglich bei der Handschriftenerkennung im Notizmodus kann der Stift punkten. Allerdings musste ich mich schon ordentlich anstrengen, meine Krakelschrift zu unterbinden. Denn wer nicht ordentlich schreibt, den versteht das Note auch nicht. Die gute Nachricht: Die Software ist lernfähig, so dass sie auch undeutlichere Handschriften mit der Zeit zuverlässiger erkennt.

Zur Handschriftenerkennung ist der S Pen ein gutes Tool, im normalen Smartphone-Alltag aber völlig unnütz.

Mit einem Druck auf die Taste des S Pen ruft Ihr ein rundes Menü auf, das direkte Verknüpfungen zum Aktionsmemo (verknüpft Notizen automatisch mit Aktionen, zum Beispiel beim Aufschreiben einer Telefonnummer), zum digitalen Notizblock Scrapbook, zu einem Tool zum Anfertigen von Screenshots mit Notizen, zur Suchfunktion und zum S Pen-Fenster herstellt. Dabei handelt es sich um ein neues Programmfenster, dessen Größe ihr selbst bestimmt.

Der Full-HD-Super-AMOLED-Touchscreen des Note 3 reagiert präzise auf Eingaben - egal ob mit euren Fingern oder dem S Pen. Das Display bietet eine Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln und erstrahlt in 16 Millionen Farben. Selbst bei Sonnenlicht lässt es sich im Freien sehr gut erkennen.

Apps: Mal praktisch, mal überflüssig

Samsung hat zahlreiche Veränderungen am installierten Android 4.3 vorgenommen. Sie reichen vom optischen Erscheinungsbild der Touchwiz-Oberfläche über Bedienungshilfen bis hin zu vorinstallierten Apps.

Hierzu gehören unter anderem die Fitness-App S Health, die neben der Bewegungen auch Eure Ernährung überwachen kann, sowie Flipboard, Dropbox, das Notizbuch Scrapbook oder AccuWeather. Weitere Anwendungen hält Samsung in einem eigenen App-Store bereit. Der Play Store von Google steht euch natürlich auch zur Verfügung.

Mit Knox installiert Samsung auf dem Note 3 einen Container, der eine zweite, sichere Umgebung auf dem Smartphone schafft und vor allem für Geräte gedacht ist, die nicht nur privat, sondern auch beruflich genutzt werden.

Mit der Multi-Window-Funktion nutzt Samsung auch endlich das Potenzial des Riesen-Displays aus. Sie erlaubt es Euch, zwei Apps nebeneinander auf dem Bildschirm anzuzeigen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Texte kann ich auf diese Weise nicht nur schneller von einer App in die anderer kopieren, sondern auch Facebook und Twitter parallel verfolgen.

Im Note 3 steckt eine 13-Megapixel-Kamera. Bei schlechten Lichtverhältnissen fertigt das Smartphone - mit Hilfe seiner Hardware und sicherlich auch der richtigen Programme - bessere Bilder als viele andere Handys an. Die vor allem für Videochats gedachte Frontkamera bietet eine hierfür ausreichende Auflösung mit zwei Megapixeln, beziehungsweise 1920x1080 Pixeln. Videos nimmt das Galaxy Note 3 mit seiner Rückkamera in Full-HD-Auflösung auf.

Genug Speicherplatz und Schnittstellen

Android und die Anpassungen von Samsung belegen vom 32 GB großen Speicher des Note 3 mehr als sieben Gigabyte. Euch stehen aber immer noch mehr als 24,5 GB für eigene Daten zur Verfügung. Mit einer mircoSD-Karte könnt Ihr die Speicherkapazität zudem um bis zu 64 GB erweitern. Der Steckplatz für die Speicherkarte befindet sich direkt über dem Steckplatz für die micro-SIM. Um sie auszutauschen, müsst Ihr die Rückseite des Note 3 lösen und den Akku kurz entfernen. Das nimmt aber kaum eine Minute in Anspruch.

Für die Audio-Ausgabe über Kopfhörer oder andere externe Lautsprecher ist ein 3,5mm-Klinkenanschluss vorhanden. Der USB-3.0-Anschluss an der Unterseite des Smartphones unterstützt die Ausgabe von Videosignalen über den MHL-Standard. Die elfpolige-Buchse eignet sich aber auch für herkömmliche microUSB-Stecker. Ein GPS-Modul ist natürlich ebenfalls vorhanden und der Akku mit einer Kapazität von 3.200 Milliamperestunden hielt bei moderater Nutzung locker ein bis zwei Tage. Die Power-User unter Euch kommen allerdings auch beim Note 3 nicht daran vorbei, die Batterie täglich aufzuladen. Das große Display und der schnelle Prozessor fordern ihren Tribut.

Innen hui, außen pfui

Die unverbindliche Preisempfehlung von Samsung für das Galaxy Note 3 liegt bei 749 Euro. Online verkaufen Händler das Smartphone bereits für rund 500 Euro. Wer das Phablet nicht ständig aus der Tasche holen will, dem legt Samsung seine Smartwatch Galaxy Gear nahe, die sich per Bluetooth mit dem Note 3 verbindet und zum Beispiel über eingehende Nachrichten informiert, eigene Apps besitzt und über eine Freisprechfunktion auch Telefonate über das in der Tasche steckende Smartphone ermöglicht.

Auf die Größe kommt es an

Das Galaxy Note 3 bietet eine Ausstattung, die kaum Wünsche übrig lässt. Allerdings versucht Samsung ebenso wie Google und Apple die Nutzer mit einem eigenem System an Diensten und Anwendungen zu fangen. Wichtigstes Kriterium für oder gegen das Smartphone bleibt der große Touchscreen und ob Ihr Euch mit dem Riesen-Display anfreunden könnt oder lieber zu einem kleineren Modell wie dem Samsung Galaxy S4 greift.


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