Samsung Galaxy Note 4 im Test: König der Phablets?

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Samsung Galaxy Note4
Samsung Galaxy Note4(© 2014 CURVED)

Samsung macht ernst in Sachen Premium-Design — wenigstens für seine Verhältnisse: Nach dem Galaxy Alpha kommt auch das neue Note 4 mit schickem Alurahmen und Kunststoffrücken in Lederoptik. Auch unter der Haube des Phablets werkelt absolute High End-Hardware gepaart mit einer Fülle an Software-Features und Stylus-Funktionen. Reicht das, um aus der Armada aktueller 6 Zoll-Geräte weiterhin als Platzhirsch hervorzugehen? Unser Test geht dieser Frage nach.

Denn die Zeiten, zu denen Samsung mit seinen Note-Phablets allein auf weiter Flur stand, diese Geräte-Kategorie gar gegen alle Häme der Konkurrenz und der Öffentlichkeit erschaffen hat, sind vorbei: Google hat mit dem Nexus 6 gerade ein Phablet vorgestellt, Huawei mit dem Mate 7 einen ganz ausgezeichneten 6 Zoller zum verhältnismäßig kleinen Preis auf den Markt geworfen, und selbst Erzrivale Apple hat erkannt, dass großen Displays wenigstens ein Teil der mobilen Zukunft gehört und plötzlich das iPhone 6 Plus im Portfolio. The times they are a-changin': Plötzlich reicht es nicht mehr, einfach nur ein großes Smartphones zu bauen, um eine Sparte alleinig abzudecken. Fairerweise sei gesagt, dass Samsung das mit seinen Notes auch nie getan hat.

Stets war der Stylus, von den Koreaner S Pen gelabelt, das Markenzeichen ihres Phablets und mehr als nur eine spaßige Dreingabe: Wie kein anderer Hersteller hat Samsung es verstanden, den Stift zum essentiellen und sinnvollen Bedienwerkzeug der Notes zu machen und dessen Funktionalität vor allem über die Geräte-Generationen stetig zu verbessern — so auch wieder im Note 4. Und Samsung hat sein Phablet endlich auch optisch und haptisch gepimpt, die nominell beste derzeit im Smartphones-Sektor erhältliche Hardware verbaut und die Software abseits des S Pen ebenfalls optimiert und aufgeräumt. Die Zeichen stehen also erneut auf Sieg für das Galaxy Note anno 2014. Oder etwa nicht ..?

Kein Leder, sondern Kunststoff: Der abnehmbare Rücken des Note 4

Design und Haptik: Nicht schlecht für ein Samsung ...

Mal ganz ehrlich: Auch wenn wir das ewige Gemecker über das von Samsung so gerne eingesetzte Polycarbonat — das tatsächlich große Vorteile hinsichtlich Gewicht und Resistenz bietet — an dieser Stelle nicht aufwärmen möchten (auch weil es inzwischen fast schon zu einem Allgemeinplatz geworden ist), darf guten Gewissens postuliert werden, dass die Galaxy-Smartphones zuletzt nicht zu den schönsten Geräten der Android-Welt gehörten; da haben andere Hersteller wie HTC, LG, Huawei und Motorola in den vergangenen Jahren die in dieser Hinsicht deutlich besseren Produkte abgeliefert.

Mit dem Galaxy Alpha und nun eben auch mit dem Note 4 gehen die Koreaner vorsichtig neue Wege und verpassen zumindest den Rahmen dieser beiden Smartphones dank Aluminium und abgeschliffenen Kanten einen wertigen Anstrich. Diese innovativ-edle Anmutung eines Elements überträgt sich allerdings nur bedingt auf das gesamte Gerät — und dabei ist der abnehmbare Plastikrücken des Note 4, der abermals eine Lederoberfläche imitiert, nicht der eigentliche Hemmschuh.

Die Front des Galaxy Note 4 sieht im Grunde weiterhin so aus, wie auch schon das Note 3 und sogar ein wenig das Galaxy S2 aussahen: ziemlich geradlinig, ziemlich konservativ, weiterhin mit dem großem Homebutton. Dadurch wirkt es sehr rechteckig, trotz der leicht abgerundeten Ecken und dem zu den Rändern hin minimal gewölbten Display, das Samsung deswegen etwas pathetisch gleich als 2.5D-Glas bezeichnet. Auch die breiten Ränder, die sich aus Rahmen, Bezel und dann noch einem kleinen, schwarzen Bereich im Display zusammensetzen, seitlich neben und die großen Flächen über und unter dem Display, die optisch mit Querstreifen unterlegt sind, verstärken den hergebrachten Galaxy-Eindruck. Samsungs neues Phablet sieht damit von vorne mindestens genauso langweilig aus, wie das 2014er Moto X.

Dennoch wirkt das Note 4 insgesamt business-like hochwertig.

Na gut, was soll an der Front eines Smartphones schon groß designt werden, mag man nun sagen, deswegen schauen wir intensiver auf den Alu-Rahmen: Wie beim Galaxy Alpha ist der eigentlich matt lackiert und lediglich an den Kanten zur Vorder- und zur Rückseite abgeschliffen-glänzend. An den Ecken des Note 4 verdickt sich der Rahmen, zum einen, um speziell diese Stellen bei Stürzen zu schützen, zum anderen möglicherweise, um dem Nutzer einen sicheren Halt zu bieten. In der Hand liegt das Note 4 dann auch gut, wenn auch nicht übermäßig angenehm, da die abgeschliffenen Kanten nicht so wahnsinnig auf Ergonomie ausgelegt sind.

Links – und mit dem rechten Daumen gut zu erreichen – sitzt der Powerbutton, gegenüber, etwas höher, damit der Zeige- oder Mittelfinger entspannt dran kommt, die Lautstärkewippe. Auf der Oberkante verdickt sich der Rahmen dann noch einmal für den Kopfhöreranschluss, ebenso unten für den Micro-USB-Port (der diesmal wieder "nur noch" USB 2.0 beherrscht). Außerdem sitzen oben und unten insgesamt drei Mikrofone, die für besonders gute Richtaufnahmen beispielsweise bei Meetings sorgen. Der S Pen wird wie gehabt am unteren Rand in das Phablet eingeschoben und obenauf findet sich noch der IR-Blaster zur Hi-Fi-Fernbedienung.

Keine falschen Nähte, dafür ein schöner Alu-Rahmen.

Dann der Rücken, der wie erwähnt abermals aus leichtem, biegsamen Polycarbonat besteht und im Lederlook kommt. War das beim Note 3 noch irgendwie erfrischend anders, ist es nun, ein Jahr später schlicht gewohnt und stellt werde negativ noch positiv einen großen Ausreißer dar. Löblicherweise hat Samsung beim Note 4 aber auf die etwas peinlichen Pseudo-"Nähte" um die Rückschale herum verzichtet. Unterbrochen wird der Rücken von der deutlich hervorstehenden 16 MP-Kamera, dem darunter liegenden Blitz mit Herzfrequenzmesser sowie weiter unten dem Lautsprecher.

Ein hässliches Entlein ist das Note 4 wie noch seine Vorgänger damit nicht mehr, aber auch kein wirklicher Hingucker. Es ist optisch altbekannt und erinnert mich so ein wenig an die E-Klasse von Mercedes: Schick, hochwertig, potent — nur Köpfe verdrehen tut es trotz Alurahmen nicht. In Anbetracht der Platzierung des Galaxy Note 4 im Markt macht das aber durchaus Sinn, denn wie der Benz spricht das Stylus-bewehrte Phablet weiterhin vorrangig ein Business-Klientel an; und das dürfte es beim mobilen Begleiter wie beim Fahrzeug eher etwas konservativ bevorzugen. Mir jedenfalls gefiel das ebenfalls 6 Zoll große Huawei Ascend Mate 7 optisch besser; sicherer in der Hand liegt allerdings dank griffiger Rückseite und schmalerer Bauart (153,5 x 78,6 x 8,5 mm bei 176 Gramm; das Mate 7 misst immerhin 81 Millimeter in der Breite) das Samsung-Phablet.

Eine Liga: Samsung Galaxy Note4, Apple iPhone 6 Plus, Huawei Ascend Mate 7

Das Display: Ja, wo sind denn die vielen Pixel?

5,7 Zoll, WQHD-Auflösung, sprich 1.440 x 2.560 Pixel und somit eine Pixeldichte von sagenhafte 515 ppi — und das Ganze mit Samsungs farbintensiver Super AMOLED-Displaytechnik: Auf dem Papier macht der Screen des Galaxy Note 4 so richtig was her. Und dennoch, ich bleibe dabei, unter 6 Zoll oder sogar 7 Zoll bringt WQHD keine sehenswerten Vorteile für den Nutzer. Stattdessen saugt die schiere Masse an Pixeln eher ordentlich am Akku und drückt die Performancewerte, wie wir noch sehen werden. Schärfer als der vergleichbar große und nur mit 1080p auflösende Screen des Mate 7 jedenfalls zeichnet das Note 4 zumindest mit bloßem Auge erkennbar nicht.

Aber farbintensiver! Wie von einem AMOLED zu erwarten, bildet das Display des Note 4 alle Farben besonders satt ab, manch einem Nutzer vielleicht sogar ein wenig zu drastisch. Gerade im Vergleich mit guten LCD-IPS-Screens wirkt die Darstellung auf dem Note 4 fast schon überzogen und unrealistisch. Das ist aber freilich Geschmacks- und Gewöhnungssache. Wer sich daran sehr stört, darf in den Displayeinstellungen auch den Modus "Einfach" auswählen und erhält dann ein farblich insgesamt dezenteres Bild.

Scharf, farbintesiv, aber dubiose Blickwinkel: Das 5,7 Zoll große WQHD-S-AMOLED-Display des Note 4.

Auch die Helligkeit des 5,7 Zoll-Screens ist über jeden Zweifel erhaben, sowohl regelt die anpassbare, automatische Regelung ausreichend hell, als auch das Display seinen Nutzer bei manueller Einstellung am Anschlag selbst bei starkem Gegenlicht noch mächtig und vor allem lesbar anstrahlt. Der AMOLED-Screen des Note 4 könnte also tatsächlich locker zum Besten gekürt werden, was es derzeit im Smartphone-Bereich so zu betrachten gibt. Und auch wenn zahlreiche Fachpublikationen das bereits getan haben, kann ich dieses Kompliment leider nicht aussprechen.

Denn was mir völlig unverständlich:  Wie konnte Samsung die Blickwinkel dieses Vorzeige-Displays derart in den Sand setzen? Beim Kippen des Phablets in der Vertikalen nach hinten erhält das Display sofort einen deutlichen grau-grünen Stich — unabhängig von eingestellter Helligkeit oder Farbmodus. Sorry Samsung, aber das darf 2014 bei einem Gerät dieser Preisklasse nicht passieren. Auch wenn es den Nutzer im Alltag möglicherweise nicht so wahnsinnig stört, hinterlässt ein solches Phänomen gerade auf einem derart eminenten Screen einen ganz faden Nachgeschmack. Die Tatsache, dass Weiß AMOLED-typisch nicht ganz weiß ist, trübt den Gesamteindruck zwar auch ein wenig, gerät aber ob dieses Blickwinkeldilemmas und dem gleichzeitigen Vorteil tiefschwarzer Schwarzflächen, in den Hintergrund.

Sehr grell und mit problematischen Blickwinkeln präsentierte sich unser Testgerät

Und wer jetzt schreit, dass "das eben AMOLED" sei und ich LCD-IPS-verblendet wäre, der sollte einen vergleichenden Blick auf den AMOLED-Screen des Moto X 2014 werfen: Der war zwar ebenfalls etwas problematisch hinsichtlich seiner Weißwerte, dafür aber blickwinkelstabil.

Performance und Hardware: Perfekte Balance zwischen Snapdragon 805-SoC und WQHD-Screen

Auf dem Papier feuert das Samsung Galaxy Note 4 aus allen Hardware-Rohren: Qualcomms neuester und potentester Snapdragon 805-Chipsatz mit 2,7 GHz Takt, 3 GB Arbeitsspeicher und eine Adreno 420 Grafikeinheit sollten das Phablet zum Schnellsten machen, was da draußen durch die Android-Welt kreuzt. Tun sie auch... wenn das auch nur indirekt merklich ist.

Denn, man vergleiche, wo das LG G3 mit Snapdragon 801-SoC, Adreno 330-GPU und ebenfalls 3 GB RAM bei gleicher Auflösung nur auf 38.500 Punkte im AnTuTu-Benchmark 5.1 kommt, reißt das Note 4 danke Snapdragon 805er-Power deutlich befriedigendere 45.400 Punkte — damit bewegt es sich auf Top-Niveau. Und auch wenn somit nun kein neuer Benchmarkrekord gebrochen wird, schafft das Phablet das Kunststück, trotz WQHD-Screen in Performance-Sphären vorzudringen, die bislang nur potenten 1080p-Smartphones vorbehalten war — und das ist dann doch irgendwie rekorverdächtig.

Da mehr Leistung aktuell selbst von Grafik-intensiven Spielen gar nicht abgerufen werden kann, darf man Samsung attestieren, im Note 4 somit die perfekte Verteilung von Rechenpower und Rechenbedarf erreicht zu haben. Das zeigt sich im Alltag: Kein Ruckeln, kein Zucken, kein Laggen plagt Euch, wenn Ihr auf Home Screen, im App Drawer oder eben in Apps unterwegs seid; auch Bombast-Spiele wie Real Racing 3, Sky Force oder République laufen in voller Grafikpracht stets flüssig. Einzig beim ganz neuen Reckless Racing 3 stellte ich im direkten Vergleich mit dem Nexus 5 ein etwas ruckeligeres Fahrerlebnis fest.

Schick eingerahmt: Von der Seite ist das Note 4 ein Hingucker

(Stylus-)Software: Samsung-typisch umfangreich

So sehr ich mich bei der alljährlichen Vorstellung des jeweils neuen Note-Modells über dessen wieder erweiterte Features freue, so sehr graust es mich im gleichen Moment schon vor dem anstehenden Test dieses Gerätes. Denn wie soll all diese komplexe Software im vergleichsweise kurzen Testzeitraum ausgiebig beurteilt werden, wo man doch eigentlich Wochen bräuchte, um die Benutzung der Galaxy Note-Geräte regelrecht zu erlernen.

Und ja, das ist eigentlich ein Kompliment; denn wie kein anderer Hersteller hat Samsung mit den Notes dem Stylus einen Sinn gegeben, seine Benutzung durch Software-Funktionen so unterhaltsam wie praktisch gemacht und seine Anwendungsbereich derart vielfältig gestaltet, dass er tatsächlich zum immanenten Bedienelement eines Note-Phablets wurde — und da die Koreaner dieses Features über die Note-Generationen stetig verbessert und erweitert haben, trifft dies auf das Note 4 mehr denn je zu.

Allein das Hovern mit dem Stylus über dem Auswahlkreis macht so viel Spaß, dass ich mich nur damit länger beschäftigen könnte... Was hinter dem Auswahlkreis an Features geboten wird, kann hier nur ansatzweise beschrieben werden, sonst wäre dieser Testbericht doppelt so lang: Die Aktionsmemo-Funktion ist quasi der digitale Post-it — nur mit so viel mehr Möglichkeiten (ja, Telefonnummern können tatsächlich handschriftlich notiert und dann digital angerufen werden).

Mit Bildclip lassen sich frei bestimmbare Bereiche des Screens ausschneiden und speichern, bearbeiten oder teilen. Die Screenshotnotiz macht jeden angezeigten Inhalt zur händisch erweiterbaren Leinwand und mit der neuen intelligenten Auswahl lassen sich nicht nur mehrere Elemente zum Beispiel in der Galerie oder im Dateimanager wie mit einem Mauszeiger markieren, sondern auch Bereiche auf Webseiten inklusive dahinter liegendem Link kopieren.

Mehr als nur ein Stylus: Der S Pen des Note 4

Auch am S Pen selbst hat Samsung optimiert: Der ist nun noch sensibler und setzt die Nuancen beim Schreiben besser um. In Kombination mit dem neuen Kalligrafie-Stift in der S Memo-App lassen sich so auch mit meiner Sauklaue wahre Schrift-Meisterwerke erschaffen. Und klar, der S Pen kann auch weiterhin ganz profan als Fingerersatz zur allgemeinen Bedienung des Note 4 verwendet werden.

Ganz ohne S Pen funktioniert die neue Multitasking-Geste, mit der kompatible Apps per Wischbewegung vom oberen rechten Rand diagonal in die Mitte des Displays zu einem schwebenden Fenster gemacht werden können und von dort aus dann parallel zum Geschehen im Hintergrund oder weiteren derart verkleinerten Apps bearbeitet, verschoben, in der Größe verändert oder zu einem Icon minimiert werden können — Windows lässt grüßen.

Natürlich gibt es daneben sämtliche von den anderen aktuellen Galaxy-Geräten bekannten Features wie S Health samt Pulsmesser,  S Voice, Smart Remote und die Diktiergerät-App. Letztere macht von den eingangs erwähnten drei Mikrofonen des Note Gebrauch und kann somit bis zu acht verschiedene Tonquellen, beispielsweise in Meetings unterscheiden. Dadurch können bei der Nachbearbeitung einzelne Quellen einfach stummgeschaltet werden.

Auch das Multitasking hat Samsung im Note 4 verbessert

Auch von anderen Samsung-Smartphones bekannt und für mich schon immer ein Ärgernis gewesen: der Fingerabdruckscanner auf dem Homebutton. Möglicherweise stelle ich mich diesbezüglich unbelehrbar dämlich an, aber auch auf dem Note 4 ist es mir kein einziges Mal gelungen, das Gerät mit nur einem Streichen vom unteren Displaybereich über den Home Button auf Anhieb zu entsperren — stattdessen benötigte ich jedes Mal mindestens vier oder fünf Versuche, bis ich das ganze Feature einfach abgeschaltet habe. Beim Ascend Mate 7 funktioniert das deutlich intuitiver und zuverlässiger.

Dennoch: Die Software des Note 4 ist eine Wucht. Man mag von TouchWiz halten, was man möchte, aber Samsung muss zugestanden werden, die Software auf seinen Geräten regelrecht mit Features vollzustopfen. Im Note 4 sind die durch die Bank gut gelungen und praktisch. Aber sie ist auch so umfänglich, dass die vollständige Benutzung des Phablets regelrecht erlernt werden muss. Und insofern hat sich meine Angst vorm Test des Note 4 irgendwie auch in diesem Jahr wieder bewahrheitet, denn ich habe auch jetzt wieder das unbefriedigende Gefühl, dieses Gerät in den anderthalb Wochen Benutzung nur oberflächlich kennengelernt zu haben.

Kamera: 16 MP, optischer Bildstabilisator — und das sieht man

Große Erwartungen hatte ich an die 16 MP-Kamera mit dem optischen Bildstabilisator — und die wurden nicht enttäuscht: Samsungs Oberklasse-Smartphones garantieren seit je her sehr ordentliche bis ausgezeichnete Schnappschüsse und das Note 4 sorgt mit der auch in diesem Bereich noch einmal verbesserten Hardware dafür, das die Ergebnisse meiner Fototouren während des Testzeitraums sich sehen lassen können.

Alle Motive wurden knackscharf und in realistischen und gleichzeitig brillanten Farben eingefangen. Auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen und unter Einsatz des LED-Blitzes machen die mit dem Note 4 aufgenommenen Schnappschüsse eine gute Figur. Und apropos scharf: Selten genug kommt es vor, das Smartphone-Fotos auch beim Reinzoomen noch scharf bleiben; bei denen, die das Note 4 produziert, ist es aber so.

Videoaufnahmen gelingen dank des optischen Bildstabilisators besonders geschmeidig, weisen aber bei schnellen Schwenks einen recht merklichen Rolling Shutter-Effekt auf. Dafür lässt es sich in 4k-Aufnahmen ordentlich hereinzoomen, ohne dass das Ergebnis zur Zitterpartie verkommt.

Das Note 4 setzt damit die Samsung-Tradition guter Smartphone-Foto-Kapazitäten nicht nur fort, sondern veredelt sie gar. Wer sich selbst ein genaueres Bild davon machen möchte, findet mit dem Phabelt geschossene Testfotos und ein Video in unserer Dropbox zum Download.

Speicher, Sound und Akkulaufzeit

Über einen Tag kommt das Note 4 locker.

Wie weiter oben erwähnt fordert das hochauflösende Display seinen Energietribut: Der 3.220 mAh-Akku im Note 4 schafft es dann auch "nur" das Phablet bei normal-intensiver Benutzung über knapp 30 Stunden zu befeuern. Das ist natürlich nicht wenig, aber ganz so entspannt wie beispielsweise mit dem Ascend Mate 7 und seinem 4.100 mAh-Kraftwerk schläft der Note 4-Besitzer abends nicht ein, ohne die Stromversorgung seines Phablets sichergestellt zu haben. Dennoch: Über den Tag kommt Ihr mit dem 5,7-Zoller in jedem Fall und das ist angesichts des Displays ja auch schon mal eine Menge wert.

Und sollte das je nicht der Fall oder ein nächtlicher Tankstopp vergessen worden sein, bietet das Note 4 auch dagegen ein probates Mittel: Dank der fast charging-Technik kann der Akku — ein kompatibles 9V-Ladegerät wie das mitgelieferte vorausgesetzt — innerhalb von nur 30 Minuten tatsächlich auf 50 Prozent seiner Kapazität geladen werden. Somit kann dem Note 4-Besitzer in Sachen Laufzeit eigentlich nicht viel passieren ...

3.220 mAh-Akku, micro SD- und Micro-SIM-Slot liegen unter der Rückabdeckung des Note 4.

Gut ist, dass wie von Samsung bekannt unter der Rückabdeckung ein micro SD-Kartenslot zur Erweiterung der 32 GB internen Speichermenge bereitstehen; zumal diese schon vom Start weg durch die Systemdateien um 7,5 GB beschnitten wird. Apropos Rückabdeckung: Explizit wasserdicht oder staubgeschützt wie das Galaxy S5 ist das Note 4 nicht.

Der einzelne Lautsprecher des Note 4 ist auf dessen Rückseite angebracht und sorgt allein dadurch nicht für die heutzutage von manch anderem Gerät realisierten Klangwunder. Das ist eigentlich ziemlich schade, hätten frontale Stereo-Speaker, wie beispielsweise das Nexus 6 sie bieten wird, den 5,7 Zoller als Multimedia-Allrounder noch interessanter gemacht. So beschränkt sich das Vergnügen beim Konsumieren von Videos oder Spielen (ohne Kopfhörer) vorrangig auf den visuellen Genuss.

Fazit: (nur) das Beste aller Notes

Ist das Samsung Galaxy Note 4 nun das beste Phablet aller Zeiten? Nein, wenigstens nicht für jeden. Das beste Samsung-Smartphone? Nein, zumindest nicht, wenn die technische Weiterentwicklung der vergangenen Jahre zugunsten älterer Geräte berücksichtigt wird. Aber wenigstens das beste Galaxy Note-Modell? Ja, das definitiv.

Es ist Samsung mit dem neuen, wenn auch vorsichtigen Design-Vorstoß gelungen, den ganz großen Kritikpunkt an den bisherigen Galaxy Note-Modellen zu beseitigen. Das schönste Phablet der Welt ist das Note 4 damit nun nicht, aber eben auch nicht mehr so ein seelen- und gestaltloser Plastikhobel. Das Galaxy Note 4 ist ein ansehnliches, ja ein schickes Phablet, das sich optisch vor der aktuellen Konkurrenz von Apple, Huawei und Google beziehungsweise Motorola nicht verstecken muss.

Ob es nun schöner oder langweiliger als die Produkte der genannten Wettbewerber ist, bleibt freilich Geschmacksache. Dass es vor allem bezüglich seiner Software und den Stylus-Features potenter ist, dass es nominell mit einem herausragenden Display auftrumpft und sich hinsichtlich des verbauten Chipsatzes keine Blöße gibt, macht es zum Primus für alle Phablet-Fans, die von einem solchen Gerät mehr erwarten, als nur einen großen Screen: Das Note 4 ist das ultimative Werkzeug für alle, die besonders produktiv mit ihrem (großen) mobilen Begleiter arbeiten wollen.

Dank Optimierungen im Detail ist das vierte auch das beste Note-Modell bisher.

Das allerdings will erlernt werden, denn die perfekte Nutzung des S Pen und der vielen Apps, Hubs und Features des Note 4 sowie allein schon der Samsung-typischen TouchWiz-Konfiguration fordert von seinem Nutzer Zeit und Geduld. Das Note 4 ist kein Spielzeug, es ist auch keine Entertainment-Maschine — jedenfalls nicht in erster Linie.

Es ist ein Assistent, der verstanden und beherrscht werden will, um produktiv zu sein. Ich bin sicher, dass es da draußen einige zukünftiger Nutzer geben wird, die den 5,7 Zoller — vielleicht aus einer Vertragsverlängerung — erhalten werden, ohne ihn gezielt wegen seiner diesbezüglichen Qualitäten ausgesucht zu haben, und die den Stylus nach ein bisschen herumprobieren kaum benutzen werden. Die Gefahr besteht beim Note 4. Wäre aber auch nicht schlimm, weil auch sonst fast alles passt und Spaß macht am neuen Samsung-Phablet.

Was aber bleibt, sind ärgerliche Kleinigkeiten, die Samsung hätte gar nicht erst zulassen dürfen: Das Display ist leider nicht optimal, die Akkulaufzeit könnte länger sein (vielleicht hätte ein Verzicht auf den rein marketingträchtigen Einsatz der WQHD-Auflösung beide Ärgernisse erspart), und der Preis für das Gerät ist inzwischen Samsung-typisch leider in Apple-Gefilden angesiedelt. Nur dass Apple sich ob seines Prestige in bestimmten, treuergebenen Käuferkreisen solche Preise nicht nur leisten kann, sondern sie aus Image-Gründen beinahe schon nehmen muss.

Soweit ist Samsung nicht und wird wohl auch nie dahin kommen (was gut wäre); 769 EUR UVP für das Note 4 sind minimal weniger als das iPhone 6 Plus kostet. Beide Geräte sind für mich damit grotesk überteuert. Auch wenn sie sehr, sehr gut sind.


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