Garmin Forerunner 220 im Test: Jogging neben der Spur

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Garmin Forerunner 220: GPS-Laufuhr mit Herzfrequenz-Brustgurt.
Garmin Forerunner 220: GPS-Laufuhr mit Herzfrequenz-Brustgurt.(© 2014 CURVED)

Es wäre anmaßend zu behaupten, dass ich ein passionierter Jogger bin, aber ich hätte nichts gegen einen kleinen Helfer, der mich motiviert regelmäßig die Laufschuhe zu schnüren. Ich bin gespannt, ob die GPS-Laufuhr Forerunner 220, wie vom Hersteller Garmin versprochen, ein "motivierender Laufbegleiter mit "Live Tracking" für mich sein kann.

Eines vorweg: Die Garmin Forerunner 220 ist eine explizite Uhr für Läufer und nicht wie die zahlreichen Smartbands für den täglichen Rund-um-die-Uhr-Einsatz gedacht. Sie wirkt im ersten Moment klobig, stört aber beim Laufen mit ihren 46 Gramm am Arm aber nicht. Das breite Kunststoff-Armband ist mit vielen Löchern perforiert. Das hat zwei Vorteile: Die Uhr lässt sich in vielen kleinen Stufen bequem am Handgelenk befestigen, und durch die Öffnungen kommt Luft an die Haut, und es sammelt sich weniger Schweiß unter dem Armband.

Aber bevor es auf den Rennstrecke geht, muss ich die Forerunner 220 erst einmal einrichten. Hierzu habe ich zwei Möglichkeiten: Entweder schließe ich die Uhr mit dem beigelegten USB-Kabel mit ihrem proprietären Anschluss, das auch zum Aufladen des Akkus dient, an meinem Rechner an und installiere das Programm Garmin Express. Alternativ lässt sich die Einrichtung auch drahtlos über die Garmin Connect-App per Bluetooth über ein Smartphone erledigen. Über diese beiden Wege synchronisiert Ihr später auch die Daten mit dem Webdienst von Garmin, für den Ihr ein Nutzerkonto benötigt.

Fünf Tasten an der Uhr

Am Rahmen der Forerunner 220 befinden sich fünf Tasten, mit denen Ihr die Uhr bedient. Im ersten Moment erscheint das verwirrend, und auch die Benutzeroberfläche erklärt sich nicht von selbst. Aber nach fünf Minuten hat man die Struktur verstanden und findet sich im Menü gut zurecht. Auch die Funktionen der verschiedenen Tasten sind nicht kompliziert. Da hätten wir den Knopf zum Ein- und Ausschalten, die Tasten, um im Menü nach oben oder unten zu gehen, die Eingabe- und Entsperr-Taste sowie den Zurück-Button. Insgesamt nicht optimal gelöst, aber mit ein wenig Übung gut zu nutzen.

Nachdem ich die Uhr eingerichtet und mit meinem Nutzerkonto verbunden sowie mich mit der Bedienung vertraut gemacht habe, fehlt noch ein Schritt, bevor ich endlich los rennen kann: Ich muss den Brustgurt zum Messen der Herzfrequenz anlegen und ihn mit der Forerunner 220 verbinden. Sobald das geklappt hat, zeigt mir die Uhr die Herzfrequenz live an.

Laufen und auswerten

Im Freien brauchte die Forerunner 220 weniger als eine Minute, um die Verbindung zu den GPS-Satelliten herzustellen. Anschließend protokoliert sie Strecke, Zeit und Distanz sowie die Herzfrequenz. Nach dem Lauf könnt Ihr die Daten in aller Ruhe synchronisieren. Während des Joggens sitzt GPS-Uhr bequem und sicher am Handgelenk und stört nicht beim Laufen.

Praktisch, wenn man auch im Dunkeln laufen will: Das Display der Forerunner 220 ist beleuchtet und so auch nach Sonnenuntergang noch gut zu erkennen. Während des Laufens erscheinen auf der Anzeige im Wechseln die Uhrzeit sowie die gelaufene Distanz, die Laufzeit, die Pace für die gesamten Lauf oder die aktuelle Runde - und das nicht nur, wenn Ihr eine Runde lauft. Mit den Pfeiltasten kann ich auch manuell zwischen den verschiedenen Werten hin- und herwechseln.

Ihr könnt die Messung pausieren, speichern oder verwerfen. Auf der Uhr könnt Ihr später die einzelnen Aktivitäten noch einmal anschauen oder Euch von wöchentlichen und monatlichen Zusammenfassungen motivieren lassen. Ebenfalls schön: Die Übersicht über Bestzeiten für verschiedenen Streckenlängen wie ein Kilometer, eine Meile oder die längste gelaufene Strecke.

Wesentlich schöner sehen die Laufdaten aber nach der Synchronisierung in der Garmin Connect-App oder dem zugehörigen Online-Portal aus. Hier bekommt Ihr nicht nur den Streckenverlauf auf einer Karte angezeigt, sondern auch den Verlauf von Pace, Höhe sowie Herz- und Schrittfrequenz. Dazu noch Durchschnittswerte sowie natürlich die zurückgelegte Distanz, die Zeit und dazu noch die Laufeffizienz und die durchschnittliche Schrittlänge.

Das ist schön anzusehen und kann beim Training hilfreich sein, mir alleine reicht es aber nicht für eine dauerhafte Motivation. Mir fehlen Auszeichnungen, wie sie die Apps von verschiedenen Fitnesstrackern für das Erreichen von Zielen vergeben. Immerhin kann ich online eigene Ziele festlegen und mir auch Trainings erstellen, die ich später mit Hilfe der Uhr absolvieren kann. Also eher etwas für wirklich überzeugte Läufer und nicht für mich als jemand, der sich ohne viel Hintergedanken bewegen will.

Ein Jogger, der sich ernsthaft mit dem Laufen beschäftigt, legt sicherlich mehr Wert auf korrekte Daten als ich – und das könnte beim Forerunner 220 ein Problem sein. Die GPS-Daten sind ungenau, wie ein Blick auf die Karte zeigt. Angeblich habe ich unter anderem meinen Weg durch einen See abgekürzt und bin nach Ladenschluss durch ein Kaufhaus gerannt. Und auch die Angaben zur Höhe können auf dieser Strecke in Hamburg nicht hinkommen: 50 Meter Höhenunterschied habe ich definitiv nicht erfahren. Bleibt zu hoffen, dass das Problem sich nach häufiger Kalibrierung mit den Satelliten oder ein Software-Update in Luft auflöst.

Mit der Garmin Forerunner 220 könnt auch Ihr über Wasser laufen.(© 2014 Garmin)

Software und Community würde ein neues Design gut tun

Garmin Express für Windows und OS X ist ein reines Programm zum Aktualisieren der Gerätesoftware und Synchronisieren der Daten mit der Online-Plattform. Die Garmin Connect-App dient zur drahtlosen Synchronisierung der Daten und zeigt alle Informationen aus der Web-Version der Community an. Allerdings zeigte die Webseite während des Tests gelegentlich Ladeprobleme. Zudem finde ich ihre Struktur und auch die Oberfläche der App nicht gerade übersichtlich und nutzerfreundlich. Was sich unter anderem damit erklären lässt, dass beide sowohl für Laufuhren wie die Forerunner 220 aber auch das Fitness-Armbänder wie das Vivofit ausgelegt sind - und mit der GPS-Uhr überwache ich eben nicht meinen Schlaf. Aber immerhin kann ich Karten, die mich nicht interessieren, ausblenden.

Schön – und mir bei noch keiner anderen Fitness-App untergekommen – ist die Möglichkeit, Schrittlängen für Gehen und Laufen genau zu berechnen. Hierzu genügt es, eine bekannte Strecke - zum Beispiel 100 Meter auf der Laufbahn - zu gehen oder zu laufen und dabei die Schritte zu zählen. Die App berechnet dann aus beiden Zahlen die durchschnittliche Schrittlänge für beide Tempoarten. Das angebotene Live-Tracking habe ich nicht ausprobiert, da ich meine Facebook-Freunde und Twitter-Follower nicht mit Updates zu meinen aktuellen Laufstrecken nerven will.

Die Qual der Wahl

Die Garmin Forerunner 220 ist nicht schlecht und erledigt ihre Hauptaufgabe ordentlich. Mich persönlich würde allerdings die TomTom Runner Cardio mehr zum Laufen motivieren. Zum einen brauche ich keinen Brustgurt anlegen, da die Herzfrequenzmessung am Handgelenk erfolgt, zum anderen finde ich die App und Community von TomTom schöner - aber das ist ja bekanntlich Geschmacksache, und auch Garmin bietet zahlreiche nützliche Funktionen an.

Dass die GPS-Messung dagegen nicht auf den Meter genau ist, kann ich verschmerzen, beziehungsweise auf Besserung durch Software-Updates hoffen. Wenn Ihr schon einen Herzfrequenzsensor zur Hand habt, dann kostet Euch die Forerunner 249 Euro, für 299 Euro legt Garmin noch einen Brustgurt mit Sensor dazu. In einem ähnlichen Preisrahmen bewegt sich auch die Laufuhr des anderen Navi-Herstellers.


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