Google Allo im Test: Der Assistent liest mit

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Google Allo steht ab sofort zum Download zur Verfügung.
Google Allo steht ab sofort zum Download zur Verfügung.(© 2016 CURVED)

Der Hype um Googles Allo im Vorfeld war groß, nun ist der Messenger da. Reicht der Google Assistant aus, um WhatsApp und Co. gefährlich zu werden?

Lasst uns kurz über Zahlen sprechen: WhatsApp hat weltweit über eine Milliarde aktive Nutzer. Im Prinzip ist also jeder siebte Erdenbürger beim zu Facebook gehörenden Messenger angemeldet. Mit dem Facebook Messenger, Telegram, Snapchat, Threema und Google Hangouts gibt es zusätzlich noch einen Haufen anderer Konkurrenten auf dem Markt. Braucht es da wirklich noch einen Messenger? Google ist davon überzeugt und hat deshalb Allo veröffentlicht. Killer-Argument für den Download: Der Google Assistant, eine künstliche Intelligenz, die Euch das Leben erleichtern soll.

Aber der Reihe nach. Wer Allo aus dem Play Store oder dem App Store, denn die App gibt's auch fürs iPhone, installiert, muss sich erstmal registrieren. Das geschieht wie bei WhatsApp oder der Video-Chat-App Duo per SMS. Euer Allo-Account ist also an Eure Telefonnummer gebunden, auf dem Tablet oder am PC könnt Ihr den Messenger nicht benutzen. Ist die Einrichtung abgeschlossen, bietet Euch Allo drei Möglichkeiten an: Ihr könnt mit dem Google Assistant oder mit Freunden chatten oder einen Gruppenchat starten.

Allo funktioniert nur auf dem Smartphone

Da Ihr zum Start wahrscheinlich ähnliche wenig Bekannte in der Kontaktliste habt wie ich, könnt Ihr über den Nachrichten-Button unten rechts auch Freunde per SMS einladen – oder mit Kontakten chatten, die Allo nicht installiert haben. Klingt verrückt, funktioniert aber. Der Gegenüber bekommt die Nachricht zusammen mit dem Angebot, den Messenger zu installieren. Im normalen Chat bietet Allo Standards, die auch die meisten Mitbewerber im Angebot haben.

In alle Kürze: Neben Textnachrichten könnt Ihr auch Audio- oder Videoaufnahmen, Fotos vom Speicher oder direkt aufgenommene Schnappschüsse verschicken. Auf Letzteren dürft Ihr über einen sehr einfach gehaltenen Editor noch malen und kleine Botschaften hineinschreiben. Neben Emojis hat Allo auch Sticker im Angebot. Manche sind animiert, andere nicht. Über einen Shop ladet Ihre weitere Pakete herunter. Derzeit sind alle kostenlos. Außerdem könnt Ihr normalen Text stark vergrößern oder verkleinern. Das soll ein Schreien oder Flüstern symbolisieren. Nett, gibt es aber auch schon für iMessage in iOS 10.

Das eigentliche Killerfeature ist noch nicht ausgereift

Der wirklich spannende Punkt ist nämlich nicht die Chat-Funktion, sondern der bereits erwähnte Google Assistant. Diese künstliche Intelligenz hat Google losgelöst von Allo auf der Google I/O vorgestellt. Sie wird in naher Zukunft sehr wahrscheinlich Google Now in der Google-App ersetzen. Wie der Name schon sagt, soll der Google Assistant Euch im Alltag unterstützen. In Zukunft könnt Ihr über die KI zum Beispiel Kino-Tickets bestellen.

Auf Googles Entwicklerkonferenz zeigte CEO Sundar Pichai, wie genau das gehen soll. Er fragte nach Filmen, die in der Nähe laufen, spezifizierte dann, dass er einen Film suche, der auch für Kinder geeignet sei und orderte im Abschluss die Karten. Alles passierte kontextbezogen. Pichai musste nie eine Ansage wiederholen, der Assistant erschloss sich die Bedeutung aus dem vorher Gesagten. Ein Wow-Effekt. Absolute Zukunftsmusik mit Must-Have-Faktor, finde ich.

In Allo allerdings ist der Assistant noch...dumm. Es handelt es sich hier aber auch nicht um die fertige Version, sondern um eine “Preview Edition”, die vorerst nur Englisch versteht. Auch die müsst Ihr erstmal mit Daten füttern, damit Euch der Assistant kennenlernt. Genau dafür ist der dedizierte Chat mit Google da. Ihr könnt Google zum Beispiel Euer Lieblingsteam mitteilen. Nach anstehenden Partien sollte sich der Assistant dann eigentlich bei Euch melden. Darüber hinaus kann der Assistant eigentlich alles, was Google Now auch kann und noch ein bisschen mehr. Ihr könnt die Wettervorhersage abfragen, Dinge übersetzen lassen, Timer starten, Flugdaten abfragen und so weiter oder News-Kanäle abonnieren, Spiele spielen oder den Assistent mit Fragen löchern.

Das funktioniert alles auch im Chat mit Euren Kontakten. Über ein simples "@google" könnt Ihr den Assistant konsultieren, um etwa die richtige Location fürs Feierabendbier zu finden. In der Theorie sollte die KI auch von allein anspringen, wenn das Gespräch zum Beispiel Richtung Mittagessen gelenkt wird. Weil Allo im Moment aber nur Englisch versteht, funktioniert das noch nicht. Auch auf die automatischen Antworten müsst Ihr im Moment verzichten. Denn eigentlich soll der Messenger dazu in der Lage sein, Bilder und Fragen zu erkennen, in den richtigen Zusammenhang zu setzen und daraufhin vorgefertigte Antworten zu präsentieren. Bislang beschränkt sich das auf Symbolerkennung. Auf einem Bild hat Allo meine Cap von den San Francisco Giants erkannt und den Wikipedia-Artikel zu San Francisco geliefert – ähnlich wie Google Now on Tap.

Ärger um Privatsphäre und Verschlüsselung

Im Inkognito-Chat, der dritten großen Funktion von Allo, funktioniert der Assistant übrigens nicht. Das hat seine Gründe. Damit der Assistant immer die richtigen Daten liefern kann, sind die normalen Chats nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt. Eine Verschlüsselung besteht nur zwischen Smartphones und Google-Server. Google liest also permanent mit, speichert laut The Verge sogar sämtliche Unterhaltungen auf den Servern. Diese sind zwar verschlüsselt, für Googles Algorithmen aber einsehbar, Google hat also den Schlüssel. Davon war bei der Google I/O noch nicht die Rede. Damals hieß es, Allo speichere nicht identifizierbare Nachrichten nur vorübergehend.

Im Inkognito-Modus von Google Allo sind alle Chats Ende-zu-Ende verschlüsselt.(© 2016 CURVED)

Ein Umstand, der sogar Edward Snowden auf den Plan ruft. Auf Twitter nennt er Allo "Google Surveillance", also Google Überwachung. Auch Motherboard und Netzpolitik raten deshalb von der Benutzung. Auf CURVED-Nachfrage heißt es von Google:

"Wir haben den Nutzern in Google Allo Transparenz und Kontrolle über ihre Daten gegeben. Und unser Ansatz ist einfach - Ihr Chat-Verlauf wird für Sie gespeichert, bis Sie entscheiden, ihn zu löschen. Sie können einzelne Nachrichten oder komplette Gespräche in Allo löschen. Wir bieten auch die Möglichkeit, im Inkognito-Modus zu chatten, in dem Nachrichten Ende-zu-Ende verschlüsselt sind und Sie einen Timer einstellen können, um Nachrichten automatisch von Ihrem Gerät und dem Gerät der Person, mit der Sie chatten, zur eingestellten Zeit zu löschen."

Zur Erklärung: Im Inkognito-Modus stehen Euch mit Ausnahme des Assistant dieselben Möglichkeiten wie im normalen Chat zur Verfügung. Wie in Snapchat könnt Ihr darüber hinaus ein Ablaufdatum für einzelne Nachrichten einstellen, die dann zur genannten Zeit verschwinden. Wollt Ihr den Modus nicht die ganze Zeit benutzen, müsst Ihr Nachrichten, die nicht bei Google liegen sollen, aus Allo löschen.

Fazit: cool, aber mit zu vielen "Abers"

Google beweist Mut! Mit einem unfertigen Messenger den übersättigten Markt umkrempeln zu wollen, das traut sich nicht jeder. Ja, der Google Assistant ist cool. Er ist aber weder fertig, noch in allen Sprachen verfügbar. Dazu kommt die mangelnde Verschlüsselung und die dauerhafte Datenspeicherung. Sicherlich braucht es diese Daten, um den Assistant smarter zu machen. Sicherlich hat das Unternehmen aber auch nicht nur Eure Interessen im Kopf. Eigentlich sollte die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wie sie mittlerweile auch WhatsApp und der Facebook Messenger anbieten, heutzutage kein Zusatz-Feature wieder Inkognito-Modus sein sondern Standard sein.


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