Google Home im Test: die Suchmaschine fürs Wohnzimmer [mit Video]

Seit Dienstag gibt es Google Home offiziell in Deutschland zu kaufen. Wir haben uns ein Exemplar besorgt und schauen, was der Google Assistant in der deutschen Version besser oder schlechter macht als Amazons Alexa.

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Egal ob Wetter, Sportergebnisse oder Nachrichten: Wenn wir im Internet nach etwas suchen, ist Google seit über einem Jahrzehnt die erste Anlaufstelle. 2004 hat es der Begriff "googeln" sogar in den Duden geschafft. Bis Oktober 2016 erfolgte der Zugriff auf die Suchmaschine fast ausschließlich über Notebooks, PCs, Smartphones oder Tablets. Dann stellte das Unternehmen Google Home vor: die Suchmaschine fürs Wohnzimmer. Genau wie Amazon Echo handelt es sich bei Home um einen smarten Lautsprecher.

Nachtest der deutschen Version

Update: Endlich kommen auch in Deutschland Nutzer in den Genuss, Google Home ganz regulär kaufen zu können. Nachdem der smarte Lautsprecher bereits im November 2016 in den USA erschienen war, hatte der Suchmaschinenriese die Veröffentlichung in Deutschland für den Sommer 2017 in Aussicht gestellt. Seit dem 8. August 2017 gibt es Google Home nun auch in Deutschland offiziell zu kaufen. Während Google in den USA mittlerweile 109 Dollar (ca. 93 Euro) statt ehemals 129 Dollar (110 Euro) für das Gadget abruft, liegt der Verkaufspreis hier zum Release bei 149 Euro. Übrigens: Seid Ihr bereits im Besitz der amerikanischen Version, müsst Ihr nicht erneut die Brieftasche öffnen – die deutsche Sprache wird per Update nachgeliefert.

Technisch wie optisch bleibt sich bei Google Home alles gleich. Neu ist: Der Google Assistant versteht und spricht nun Deutsch. In unserem Test hat die Verständigung mit dem Sprachassistenten bis auf wenige Situationen sehr gut funktioniert. Selbst bei laufender Musik oder elektrischer Zahnbürste im Mund hat sich die KI alle Mühe gegeben, uns zu verstehen. Erstaunlich ist, wie präzise die Befehle oft interpretiert werden, obwohl sie laut "Aktivitäten"-Protokoll etwas anderes verstanden hat. Allerdings bereiten einige Kommandos mitunter Probleme. So ist der Google Assistant zwar in der Lage, Kontexte zu verstehen – aber nur, wenn die Fragen einzeln gestellt werden. Fragen wir "Hey, Google, wer war der 43. Präsident der USA?", liefert die KI die korrekte Antwort; auch auf die anschließende Frage "Und wie alt ist er?". Stellen wir die Fragen jedoch als eine, also "Hey, Google, wer war der 43. Präsident der USA und wie alt ist er?" bekommen wir als Antwort: "Entschuldigung, ich bin mir nicht sicher, wie ich helfen kann."

Teilweise noch fehlerbehaftet

Darüber hinaus schleichen sich gelegentlich Bugs ein, die vermutlich nach und nach durch Patches behoben werden. Die Antwort auf die Frage, wie Brad Pitt mit Nachnamen heißt, dürfte Euch überraschen (Spoiler: "William Bradley Pitt und William Bradley Pitt" – kein Witz, das ist die Antwort von Google Home). Wieder andere Fragen beantwortet die Künstliche Intelligenz nur auf Denglisch (halb Deutsch, halb Englisch, bei deutscher Aussprache) oder überhaupt nur dann, wenn die Frage auf Englisch formuliert wird. Beispiele: "Hey, Google, deaktiviere Shield" – "Sorry, power controls is not yet supported." "Hey, Google, wie lautet die Antwort auf die Frage nach dem Leben dem Universum und dem ganzen Rest?" – "Entschuldigung, ich wünschte, ich könnte dir helfen." "Hey, Google,  what is the answer to the ultimate question of life the universe and everything else?" – "The answer to life the universe and everything entsprechen 42."

Das Zusammenspiel mit weiteren Smart-Home-Anwendungen funktionierte im Test tadellos, wenngleich die Anzahl der unterstützten Produkte gerade im direkten Vergleich mit Amazon Echo noch überschaubar ist: Die von uns jüngst getesteten Sicherheitskameras Somfy One+ und Circle 2 von Logitech funktionieren zum Beispiel bislang nicht mit Google Home. Dafür hat uns Google Home bei der Lichtsteuerung von Philips Hue nahezu alle Handgriffe abgenommen. Missverständnisse in der Kommunikation gab es hierbei nur bei der Aktivierung der sogenannten "Rezepte", also Lichtstimmungen für bestimmte Situationen wie Entspannen oder Konzentration. Hier hat sich Google Home partout geweigert, die "Rezepte" bei der Hue-Glühbirne einzustellen.

Bitte nachbessern, Google

Weitere (noch) bestehende Kritikpunkte an Google Home sind die fehlende Möglichkeit, Befehlsketten ausführen zu lassen. Wie bei den Kontextfragen ist es auch hier nicht möglich, Google Home zu bitten, einen Song abzuspielen und parallel die Lautstärke zu senken. Da jede Anweisung einzeln und mit "Hey, Google" oder "Okay, Google" gestartet werden muss, ist "Google" während des Testzeitraums deshalb schnell zum am häufigsten gebrauchten Wort bei mir geworden. Leider teilt sich Google Home zudem die Lautstärke für den Sprachassistenten mit der Medienwiedergabe. Senke ich die Musik auf 20 Prozent, ist auch der Assistent kaum noch zu verstehen. Zu guter Letzt bekommt die fehlende Bluetooth-Unterstützung einen Minuspunkt. Diese soll zwar voraussichtlich ebenfalls per Software-Update nachgereicht werden. Dass dieser trotz späteren Start in Deutschland nicht von Vornherein verfügt ist, bleibt mir ein Rätsel. So lassen sich weitere Lautsprecher nur per WLAN oder Google Chromecast mit Google Home verbinden – das ist unnötig kompliziert und mit weiteren Kosten verbunden.

Ein unscheinbares Gadget

Ebenso wie Echo ist auch Google Home zunächst ein unscheinbares Produkt. Stellt man das Gadget ins Regal, könnten Besucher es auch mit einer leeren Blumenvase oder einem Lufterfrischer verwechseln. Durch dieses Design sieht Googles Lautsprecher noch etwas zurückhaltender aus als das Modell des Versandhändlers. Darüber hinaus ist Home individualisierbar. Gefällt Euch der untere graue Teil nicht, tauscht Ihr ihn einfach gegen ein andersfarbiges Pendant aus. So könnt Ihr sicherstellen, dass der Lautsprecher zu Eurer Einrichtung passt. Der Wechsel klappt übrigens ohne Probleme: Drehen, abziehen, draufsetzen, drehen, fertig.

Google Home: ein Knopf, ein Stromanschluss.(© 2016 CURVED)

Bei den Bedienelementen ist für Google weniger mehr. Über ein Touch-Feld auf der Oberfläche könnt Ihr die Lautstärke regeln, die Wiedergabe von Musik pausieren und fortsetzen oder bei längerem Drücken die KI wecken, falls sie Euch akustisch nicht verstanden hat. Ein Knopf auf der Rückseite deaktiviert die Mikrofone. Von denen es im Google Home übrigens nur zwei gibt. Im Amazon Echo kommen hingegen sieben Mikros zum Einsatz. Trotzdem war Home meistens in der Lage dazu, mich auch vom anderen Ende des Raumes zu hören. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Google Assistant vs. Alexa

Zur Erklärung: Die Triebfeder von Google Home ist der Google Assistant. Diese aufgebohrte Version von Google Now kommt bereits im Messenger Allo und auf den Pixel-Smartphones zum Einsatz. Noch steckt der Assistant zwar in den Kinderschuhen, irgendwann sollen Nutzer aber dazu in der Lage sein, über die künstliche Intelligenz ihren Alltag zu steuern, indem sie zum Beispiel Kinokarten oder Essen darüber bestellen. Mit der deutschen Ausgabe des Assistant klappte das zumindest in unserem "Pixel XL"-Test noch nicht so gut. Die häufigste Antwort auf Anfragen waren Web-Suchen.

In Verbindung mit Google Home bietet der Assistant dagegen einen echten Mehrwert. Wie Amazon Echo beherrscht der Assistant die Basics wie die Wetterabfrage oder das Stellen von Timern oder Weckern. Ihr könnt damit natürlich Musik (von Google Music, Spotify oder Pandora) abspielen und auch ein paar Smart-Home-Geräte wie Nest oder Philips Hue steuern. Mit dem Assistant verknüpft Google aber auch die eigenen Produkte.

Verknüpfte Google-Produkte und eine Quizshow

Einkaufs- und To-Do-Listen werden automatisch in Google Notizen angelegt (sofern sie noch nicht vorhanden sind). Besitzt Ihr einen Chromecast, könnt Ihr Home bitten, etwa den neuen Trailer zu "Blade Runner 2049" auf dem TV-Stick abzuspielen. Neben YouTube arbeitet Home mittlerweile auch mit Google Fotos und Netflix zusammen. Weitere Dienste sollen folgen. Darüber hinaus ist die kontextbasierte Unterhaltung eine Stärke von Home, denn der Assistant kann sich an das vorher Gesagte erinnern. Fragt Ihr: "Wer ist Harrison Ford", wird Euch der Assistant die Antwort liefern. Fragt Ihr im Anschluss: "Wie groß ist er?", weiß Google, dass immer noch vom Schauspieler die Rede ist. Alexa kann das nicht.

Leuchten die LEDs, hört Google zu.(© 2016 CURVED)

Außerdem hat Google Wert auf einen hohen Spaßfaktor gelegt. Natürlich funktionieren die meisten Easter Eggs von Allo oder den Pixel-Smartphones. Dazu gehören zahlreiche Anspielungen auf Filme, Serien oder Songs. Eine kleine Liste haben wir Euch hier aufgeschrieben. Richtig gut hat uns aber gefallen, dass Google sogar eine echte kleine Quizshow eingebaut hat, die Ihr mit mehreren Teilnehmern spielen könnt.

Thema: Datenschutz

Und natürlich gibt es da auch noch den Faktor Datenschutz. Wie Amazon Echo scannt auch Google Home die Umgebung permanent nach dem Codewort zur Aktivierung. Sobald Ihr Home aktiviert habt, landen alle Euere Suchanfragen auf Googles Servern. Das geschieht nach offizieller Angabe, damit Google den Service verbessern kann. Eure Anfragen könnt Ihr jederzeit über die "Meine Aktivitäten"-Seite von Google löschen. Trotzdem ist so ein Gadget von Google (oder Amazon), das jederzeit zuhört, mit Sicherheit nicht jedermanns Sache.

Fazit: kleine Vorteile gegenüber Amazon Echo

Vom Funktionsumfang her unterscheiden sich Amazon Echo und Google Home kaum voneinander. Mit beiden könnt Ihr einige Smart-Home-Geräte steuern, Notizen festhalten, Timer stellen oder Musik hören. Die Nase vorn hat Google in Sachen Kontext – und Unterhaltung. Doch der Speaker lässt zum Markstart in Deutschland noch einige Wünsche offen. Darunter die überschaubare Liste an unterstützten Smart-Home-Geräten und die fehlende Bluetooth-Anbindung. Dennoch stellt der Google Assistant in Form von Google Home endlich einen gleichwertigen Mitbewerber für Amazon Echo dar. Allerdings konnte sich Amazon mit dem früheren Marktstart einen erheblichen Verkaufs- und Vertrauenvorschuss erarbeiten. Google muss nun beweisen, dass sie ernsthaftes Interesse daran haben, ihre KI als smarten Assistenten in den deutschen Wohnzimmern zu platzieren.


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