Google Nexus 7: Das Tablet der begrenzten Möglichkeiten

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Das Nexus 7 von Google: leicht, schnell aber wenig Speicher
Das Nexus 7 von Google: leicht, schnell aber wenig Speicher(© 2014 CURVED)

Mit dem Nexus 7 will Google demonstrieren, was die aktuelle Version des mobilen Betriebssystems Android auf den hauseigenen Tablets leisten kann. Der Test zeigt, ob die Verbindung zwischen der Sieben-Zoll-Hardware und Kitkat Genuss oder Frust ist.

Eigentlich sind Tablets mit einem sieben Zoll großen Bildschirm, egal von welchem Hersteller, eine seltsame Gattung im Hightech-Wunderland. Die Geräte sind nicht wirklich dafür geeignet, um damit zu arbeiten, telefonieren lässt sich mit den flachen Dingern auch nicht. Fehlt ihnen auch noch die Möglichkeit, eine Sim-Karte einzusetzen, ist es mit den Kommunikationsmöglichkeiten unterwegs auch nicht so gut bestellt. Und als reines Spaßgerät, mit dem man Spiele spielen, Filme gucken und Texte lesen kann, sind die meisten Flundern viel zu teuer. Aber hier kommt das Nexus 7 ins Spiel: Das offizielle Google-Tablet gibt es bereits ab 229 Euro.

Wie auch schon die Vorgängerversion wurde der Minicomputer von Asus hergestellt – nach engen Vorgaben des Suchmaschinen-Konzerns. Ich spüre kaum, dass ich eines der günstigsten Android-Tablets in der Hand halte, denn die Verarbeitung ist hervorragend. Mit einem Gewicht von knapp unter 300 Gramm und dank der matten Rückseite liegt das Nexus 7 angenehm in meiner Hand. Der auffällig breite Rand über und unter dem Display irritierte mich zwar zuerst ein wenig, sorgt aber dafür, dass ich das Gerät wunderbar auch im Querformat halten kann, ohne dass mein Daumen einen Teil des Bildschirms verdeckt.

Da ich Googles Betriebssystem Android bereits auf Smartphones der vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten wegen zu schätzen gelernt habe, möchte ich es auch mit dem sieben Zoll großen Touchscreen ausprobieren. Und natürlich ist gleich die neueste Version 4.4 (Kitkat) an Bord. Gleich nach dem Einschalten werde ich nach meinen Google-Zugangsdaten gefragt. Also E-Mailadresse und Passwort eintippen – und schon ist das Gerät startklar. Mehr noch: Ein großer Teil meiner Smartphone-Einstellungen wurde gleich übernommen.

It’s all about media!

Dass Google längst nicht mehr nur Inhalte im Web findet, sondern inzwischen selbst Medien und Apps anbietet, zeigt sich gleich auf dem Startbildschirm. Etwa die Hälfte des Schirms wird von einem Widget eingenommen, das die neuesten Angebote aus Googles Play Store feilbietet. Ein etwas längerer Druck mit dem Finger drauf, und schon kann ich das Widget an eine andere Stelle verschieben oder sogar löschen.

Um mir alle installierten Anwendungen aufzurufen, mit denen ich mir die Oberfläche nach eigenen Wünschen gestalten kann, drücke ich kurz auf die Menü-Taste. Viele dieser Programme haben ein eigenes Widget: Statt Programm-Icon zeigt ein Mini-Schaufenster aktuelle Infos der jeweiligen Anwendung an. Das ist besonders bei Diensten wie Facebook oder Flipboard, aber auch für E-Mails äußerst praktisch, denn so brauche ich für einen kurzen Blick auf eine Info nicht mehr das Programm zu starten. Also ganz wie bei den Android-Smartphones, mit dem größeren Bildschirm allerdings viel lesefreundlicher.

Pures Klangvergnügen

Doch eigentlich interessiert mich vor allem, wie sich das Nexus 7 als Medienabspieler schlägt. Also: Gerät an den Rechner anschließen, Video-Datei überspielen, das Programm „Play Movies“ starten und – erst einmal nichts. Zwar sehe ich eine Menge Titelbilder mehr oder weniger aktueller Filme, aber die müsste ich bei Google kaufen oder leihen. Mein Video im MKV-Format finde ich dort nicht. Doch hier hilft die kostenlose App „VCL“ aus dem Play Store, die es inzwischen für jedes Betriebssystem gibt. Und tatsächlich: Hier taucht der Film auf. Das Video wird dank der 1.920 x 1.200 Pixel des Bildschirms in der vollen HD-Auflösung 1080p abgespielt, und der 1,5GHz-Snapdragon-Prozessor sorgt für ein ruckelfreies Vergnügen.

Solide verarbeitet: Das Plastik wirkt hochwertig

Überraschend gut ist der Klang des Geräts. Wahrscheinlich liegt das daran, dass im Gegensatz zu den Geräten vieler anderer Hersteller an Ober- und Unterkante Lautsprecher eingebaut wurden. So wirkt der ordentliche Stereosound immer so, als ob er direkt hinter dem Display erschallt - egal ob man das Gerät im Hoch- oder Querformat hält.

Abzug in der B-Note: ein Speicherkarteneinschub fehlt

Mir macht es auch richtig Spaß, auf dem Gerät Texte und Comics zu lesen, durch Webseiten zu scrollen und mir Bilder anzuschauen. Durch das geringe Gewicht kann ich das Tablet auch längere Zeit sehr gut mit einer Hand halten. Und obwohl ich mir den ganzen Tag die verschiedensten Medien angeschaut und angehört habe, hat das Nexus 7 nicht schlappgemacht. Offiziell hält der Akku rund neun Stunden unter Dauerlast durch, gefühlt war es sogar noch länger.

Nicht so schön ist es allerdings, dass bei der günstigsten Nexus-Version gerade einmal 16 Gigabyte Speicher verbaut sind. Und wenn ich mir ein paar Apps runtergeladen habe, Fotos und Videos mit dem Gerät mache und ab und zu ein Spiel spielen möchte, reicht mir der Speicherplatz nicht aus. Selbst die größte Variante mit 32 Gigabyte für 269 Euro entspricht hier nicht mehr meinen Vorstellungen von ausreichend Platz.

Da dem Gerät ein Speicherkarteneinschub fehlt, lässt sich das Dilemma auch nicht anderweitig lösen. Wollte ich auch noch LTE nutzen, würde mich der Spaß dann 349 Euro kosten. Und plötzlich erscheint das Google-Gerät nicht mehr ganz so günstig. Wer lediglich ein Tablet sucht, mit dem man daheim auf der Couch surfen und ein wenig herumspielen kann, findet sicher günstigere Tablets. Und unterwegs? Die LTE-Variante ist dafür sicher ein gutes Gerät, aber es gibt inzwischen auch Android-Smartphones mit einem sechs-Zoll-Display – und mit denen kann man sogar telefonieren.


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