Google Pixel C im ausführlichen Test

Geht doch, Google! Nachdem das Nexus 9 von HTC aus dem Vorjahr bei uns für gemischte Gefühle sorgte, traut sich Google ohne großen Hersteller im Rücken allein auf den Tablet-Markt. Und liefert auf Anhieb ein gutes Produkt ab.

Das Pixel C ist ein solide verarbeitetes Tablet mit 10,2 Zoll großem Bildschirm. Das Gehäuse besteht aus Metall und wirkt hochwertig. Das Design strahlt Industrie-Chic aus. Ein Logo werdet Ihr auf dem Gerät nicht finden. Stattdessen gibt es auf der Rückseite die von den Chromebook-Pixel-Modellen bekannte LED-Leiste. Tippt Ihr doppelt darauf, zeigt sie den Ladestand des Akkus an. Im normalen Betrieb leuchtet sie in den Google-Farben. Wie der leuchtende Apfel von Apple ist das aber nur Spielerei.

Der echte Blickfang ist das 10,2 Zoll große Display, das mit eine Auflösung von 2560 x 1800 Bildpunkten eine Pixeldichte von 308 ppi erreicht. Für ein Tablet ein sehr hoher Wert, der dem Pixel C auch seinen Namen verpasst. Der Bildschirm bietet ein knackig scharfes Bild mit extrem vielen Details, aber auch satte, kräftige Farben und eine hohe Blickwinkelstabilität. Unschön: Der Touchscreen reagiert nicht immer gleich auf Eingaben. Hoffentlich ist das mit dem nächsten Software-Update behoben.

Das Pixel C als Gamer-Tablet

Im Pixel C befindet sich zur Abwechslung mal kein Prozessor von Qualcomm oder Mediatek, sondern der Tegra X1 von Nvidia. Der Quadcore-Prozessor ist mit 1,9 Gigahertz getaktet und schafft zusammen mit dem drei Gigabyte großen Arbeitsspeicher in Geekbench 3 im Single-Core-Test 1436 Punkte, 4383 Punkte im Multi-Core-Test. Beim Antutu-Benchmark reicht es für rund 65.000 Punkte. Das schafft der Snapdragon 810 nur, wenn er noch kalt ist. In der Praxis garantiert diese Hardware flotten Betrieb.

Jedes Spiel, das ich installiert habe, lief flüssig und sah fantastisch aus. Dabei spielte es keine Rolle, ob es sich dabei um das eingestaubte "GTA - Vice City" oder meine aktuellen Lieblinge "Game of Thrones" und "Asphalt 8" handelte. Hätte ich bei CURVED nicht noch andere Sachen zu tun, würde ich den ganzen Tag mit dem Pixel C zocken. Wer als Gamer ein Tablet sucht, sollte sich aber trotzdem überlegen, ob er zum Pixel C greift. Das Nvidia Shield Tablet K1 ist nämlich nicht nur deutlich günstiger, es kann auch mit ein paar exklusiven PC-Klassikern von Valve, wie Half-Life 2 oder Portal, aufwarten.

Jedes installierte Spiel lief ohne Probleme auf dem Google Pixel C.(© 2015 CURVED)

Das Pixel C auf Tour

Optional gibt es zum Pixel C eine Tastatur. Sie übernimmt mehrere Funktionen: Sie schützt das Display beim Transport, verschafft mit ihren Standfüßen dem Tablet guten Halt auf Tischen, zum Tippen bleibt das Pixel C auch noch aufrecht. Per Bluetooth nimmt das Tablet automatisch Kontakt mit der Tastatur auf. Ein weiterer Clou: Das Keyboard wird per Induktion über das Tablet geladen, wenn Ihr beide zusammenklappt.

Wo wir gerade dabei sind: Das Zusammenheften von Tablet und Tastatur ist zwar nicht kompliziert, man braucht aber etwas Raum um sich herum dafür. Ich habe das ein, zwei Mal in einer vollbesetzten Bahn ausprobiert, und besonders beim Abbau böse Blicke geerntet, weil ich versehentlich Sitznachbarn angerempelt habe. Abseits davon taugt das Pixel C aber für den mobilen Einsatz. Die Magnete sind so stark, dass man die Konstruktion ohne Probleme auf die Knie stellen kann. Die Tasten des Keyboards bieten einen guten Druckpunkt und nach einer kurzen Eingewöhnungsphase, die dem kleineren Format geschuldet ist, lässt sich darauf auch richtig gut schreiben.

Das Pixel C als Notebook-Ersatz

Erst vor kurzem hat ein Google-Mitarbeiter in einem "Ask me anything" auf Reddit angekündigt, man wolle einen Splitscreen-Modus für das Pixel C nachreichen. Das ist auch gut so. Denn wirklich arbeiten kann man oder zumindest ich mit dem Tablet nicht. Bei der Recherche für Artikel brauche ich einfach ein zweites Fenster, um nicht andauernd aus Google Docs in den Browser oder auf Twitter zu springen. Allein dieser Modus löst aber nicht alle Probleme.

Tatsächlich ist Stock-Android kaum für die Nutzung auf Notebooks geeignet. Anders als bei iOS gibt es nämlich keine Tastenkombinationen, um etwa die App-Übersicht aufzurufen oder schnell zwischen Apps hin- und herzuwechseln. Ihr müsst also immer die Hände von der Tastatur nehmen, um auf dem Bildschirm zu tippen. Auf Dauer ist das ganz schön mühselig. Als jemand, der beruflich viel schreibt, vermisse ich zudem ein Touchpad. Mittlerweile funktioniert das Markieren von Absätzen unter Android zwar einfacher - das Gelbe vom Ei ist es aber noch nicht.

Was man noch wissen muss

Das Pixel C gibt es mit 32 oder 64 Gigabyte Speicher. Der Unterschied macht 100 Euro aus. Eine Möglichkeit, den Speicher zu erweitern, gibt es nicht. Für ein Tablet ist das ok, als Ersatzgerät für ein Notebook etwas dürftig. Sicher: Auch die Chromebooks der Pixel-Serie haben nicht mehr Speicher, wohl aber einen SD-Karten-Slot. Außerdem bekommt jeder Chromebook-Kunde zwei Jahre lang 100 Gigabyte Cloud-Speicher zur Verfügung gestellt. Das ist beim Pixel C nicht der Fall.

Brüder im Geiste: das Chromebook Pixel und das Pixel C.(© 2015 CURVED)

Außerdem gibt es zwei Kameras: Die hintere löst mit acht, die vordere mit zwei Megapixeln auf. Wer es darauf anlegt und mit seinem Tablet wirklich fotografieren möchte, bekommt verrauschte Bilder als Ergebnis. Das lohnt sich also nicht. Die Akku-Kapazität gibt Google mit 34,2 Wattstunden an. Geekbench gibt die Spannung mit 3,7 Volt an. Der Akku ist also um die 9.000 mAh groß. Ich habe das Pixel C einige Tage als Hauptgerät benutzt und nie Schwierigkeiten gehabt, bis zum Ende des Tages damit zu arbeiten und zwischendurch ein Spielchen zu starten. Geladen wird der Akku über einen USB-C-Anschluss. Dem Pixel C liegt ein Netzteil mit befestigtem Kabel bei. Wer Daten vom Computer aufs Tablet übertragen will, braucht also ein zusätzliches USB-Kabel. Ärgerlich!

Als Betriebssystem kommt das brandaktuelle Android 6.0.1 zum Einsatz. Ihr habt also schon Zugriff auf die 220 neuen und überarbeiteten Emojis. Zudem könnt Ihr Euch sicher sein, dass aktuell sein eigenes Gerät relativ schnell und relativ lange mit Betriebssystem-Updates versorgt.

Fazit: nächstes Jahr dann richtig!

Das Pixel C ist ein schönes Stück Hardware mit ein paar kleinen Defiziten. Als Notebook-Ersatz würde ich es nicht in Betracht ziehen. Dazu taugt Android schlicht noch nicht. Games machen auf dem Pixel C viel Spaß. Aber wie schon angesprochen: Mit dem Nvidia Shield Tablet K1 sind passionierte Zocker besser beraten. Für das Gerät gibt es eine größere Auswahl. Außerdem ist es deutlich günstiger.

Trotzdem: Wer ein leistungsstarkes Android-Tablet sucht, mit dem man auch mal einen längeren Text schreiben kann, macht mit dem Pixel C wenig falsch. Vorausgesetzt, man möchte relativ viel Geld investieren. Mit einem Preis von 499 Euro für das Modell mit 32 Gigabyte Speicher ist das Pixel C kein Gerät für Sparfüchse. Die Tastatur schlägt noch einmal mit 169 Euro zu Buche.


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