Google Wifi im Test: Endlich einfaches WLAN

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Klein und rund: Googles Wifii Points
Klein und rund: Googles Wifii Points(© 2017 CURVED)

WLAN-Router sind maximal langweilig und oft nicht einfach zu bedienen. Google will es mit Google Wifi anders machen. Ob das gelingt, verrät der Test.

Mit WLAN-Routern ist es ja so: Meist gibt es einen zum Festnetz-Anschluss geschenkt, der dann gleichzeitig als Modem funktioniert. Für die Einrichtung braucht Ihr Zugangsdaten für den Router selbst, Nutzername und Passwort für den Anschluss – und manchmal ganz schön viel Geduld. Klappt die Einrichtung nicht auf Anhieb, müsst Ihr beim Betreiber anrufen. Wollt Ihr etwas an der Konfiguration ändern, müsst Ihr Euch in der Regel mit Eurem Notebook über eine IP-Adresse beim Router anmelden. Mit einem Passwort, das Ihr garantiert vergessen oder verloren habt. Diesen ganzen Prozess will Google mit Google WiFi einfacher machen.

Das soll ein Router sein?

Dabei sehen die Wifi Points genannten Geräte nicht einmal wie handelsübliche Router aus. Mehrere Status-LEDs, LAN-Anschlüsse oder Antennen? Das alles sucht man vergebens. Stattdessen sieht Google Wifi unscheinbar aus. Es gibt einen LED-Ring, der anzeigt, ob das Gerät ordnungsgemäß funktioniert, und drei Anschlüsse versteckt auf der Unterseite. Dabei handelt es sich um einen USB-C-Anschluss für Strom und zwei LAN-Anschlüsse. Einer ist für den Anschluss von Computern, Notebooks und Co., der andere für die Verbindung mit Eurem bereits vorhandenen Router gedacht.

Denn einen eigenen Router oder ein DSL-Modem braucht Ihr vorab, wenn Ihr Google Wifi zuhause benutzen wollt. Das macht die Einrichtung aber umso einfacher: Ihr installiert einfach die App auf Eurem Android-Gerät oder iPhone, ein Assistent führt Euch dann Schritt für Schritt durch den Prozess.

Der besteht im Prinzip daraus, den Wifi Point an den Strom und an den Router anzuschließen. Dann denkt Ihr Euch noch einen Netzwerknamen und ein Passwort aus und könnt im Anschluss schon das WLAN am alten Router abschalten. Einen Nachteil hat der Minimalismus aber: Es gibt keinen USB-Anschluss für Festplatten oder Drucker.

Google Wifi fällt im Wohnzimmer nicht auf.(© 2017 CURVED)

Ein Netz fürs Netzwerk

Ein Wifi Point soll laut Google ausreichen, um eine kleine Wohnung optimal mit WLAN abzudecken. Für größere Wohnungen gibt es die Wifi Points im Doppel- oder Dreierpack zu kaufen. Ihr könnt sie dann mit Hilfe der App einfach zu einem Mesh-Netzwerk zusammenschließen, wahlweise per Kabel oder ganz einfach in der WLAN-Variante. Hier kommt dann auch wieder das Design zum Tragen: Ich habe zu Hause einen Wifi Point im Eingangsflur direkt beim Telefonanschluss stehen, den zweiten in einem Regal im Wohnzimmer. Durch das unscheinbare Aussehen fällt er dort aber gar nicht auf, sorgt aber für guten Empfang.

Denn im Betrieb prüft eine Software nicht nur regelmäßig die Verbindung zwischen den Wifi Points. Sie sorgt zusätzlich dafür, dass jedes Gerät die beste Verbindung zum Netzwerk bekommt. Heißt: Die Software weist jedem Gerät auf Basis des Standortes im Haus automatisch das passende Frequenzband, also 2,4 oder 5 Gigahertz, zu. Kurz zur Erklärung: Das "2,4 Gigahertz"-Band hat eine größere Reichweite, erreicht aber eine langsamere Geschwindigkeit als das schnellere Band mit 5 Gigahertz, das eine geringere Reichweite erreicht.

Wifi Points sind schnell zum Netzwerk hinzugefügt.(© 2017 CURVED)

Das führt zu sehr guten Ergebnissen. Nicht nur ist mein Amazon Echo in der Küche jetzt dauerhaft mit dem 5-Gigahertz-Band verbunden, im Schlafzimmer habe ich jetzt mit meinem iPad auch vollen WLAN-Empfang und kann vor dem Einschlafen endlich ohne Probleme und Qualitätseinbußen Netflix und YouTube schauen.

Einfache Netzwerk-Verwaltung per App

Neben dem, in meinem Fall, deutlichen besseren Empfang könnt Ihr Euer Netzwerk zuhause über die App auch einfach verwalten. Die Anwendung ist gut strukturiert und sehr übersichtlich. Google hat die App ähnlich aufgebaut wie etwa Google Fotos. Es gibt einen Assistenten, der Euch alle wichtigen Infos auf einem Blick präsentiert und Euch Vorschläge macht, wie Ihr das Optimum aus Eurem Netzwerk herausholt.

Dazu gehört zum Beispiel die Möglichkeit, Geräte zu priorisieren. Habt Ihr zum Beispiel keine Hochgeschwindigkeitsleitung, wollt aber trotzdem hochauflösende Streams auf dem Fernseher schauen, könnt Ihr Euren TV, Chromecast, Fire TV Stick oder worüber Ihr streamt, im Netzwerk bevorzugt behandeln. Dann steht Euch die maximale Leistung zur Verfügung und andere Geräte werden vernachlässigt. Außerdem könnt Ihr eine Zeitsperre für Geräte und Gast-Zugänge einrichten, Smart-Home-Geräte einbinden, die Helligkeit der LED steuern und Speedtests für Euren Internetzugang durchführen. Letztere prüft Google Wifi selbst auch immer mal wieder. Ein Webinterface neben der App gibt es übrigens nicht.

Was passiert mit Euren Daten?

Zum Schluss bleibt natürlich noch die wichtigste aller Google-Fragen: Was passiert mit meinen Daten? Kann Google sehen und auswerten, wohin Ihr surft? Nach Aussage von Google ist das nicht der Fall. Das heißt aber nicht, dass Google Wifi keine Daten erhebt. Für den Netzwerkassistenten speichert Google die Netzwerkdaten. Außerdem sendet Ihr ab Werk anonym Nutzungsstatistiken der Wifi Points und App an Google. Alle drei Optionen lassen sich in der App aber einfach abstellen.

Fazit: Bin ich schon drin?

Google Wifi ist schnell aufgebaut und eingerichtet und sorgt dann selbstständig dafür, dass das WLAN zuhause optimal funktioniert und in Verbindung mit den Wifi Points eine gute Abdeckung bietet. Gastzugänge und Zeitsperren könnt Ihr ohne Probleme über die Smartphone-App einrichten. Einfacher kann man WLAN eigentlich nicht machen. Problematisch wird es, wenn Ihr Festplatten oder einen Drucker in Euer Heimnetz eingebunden habt. Dann müsst Ihr Euch nach einer Alternative umsehen.

Einen Wifi Point bekommt Ihr für 139 Euro (UVP), das Doppelpack kostet 249 Euro, das Dreierpack dann 359 Euro.


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