Gutaussehend: der Bluetooth-Lautsprecher Rapoo A600

Viel Technik verpackt in schickem Retro-Design. Reicht das für guten Klang?
Viel Technik verpackt in schickem Retro-Design. Reicht das für guten Klang?(© 2014 CURVED)

Groß, klein, rund, eckig, gut, billig: Bluetooth-Lautsprecher für unterwegs gibt’s zuhauf. Alles schon da. Rapoo versucht es mit dem tragbaren A600 nun mal ganz originell: viel Technik verpackt in schickem Design. Ob das reicht? CURVED hat für Euch die Ohren gespitzt.

Eins ist auf den ersten Blick schon mal klar: Beim Thema Design hat der chinesische Hersteller Rapoo alles richtig gemacht. Zugegeben: Der A600 ist für ein tragbares Gadget ein ziemlich sperriger, langgezogener Würfel, der mit 125 x 73 x 52 mm ungefähr so groß ist wie ein Stapel Smartphones, aber mit 410 Gramm etwas weniger wiegt. Trotzdem: das Retro-60er-Jahre-Design mit einem Rahmen aus gebürstetem Aluminium und dem Lautsprecher-Korpus in vier ebenso nostalgisch pastelligen Farben (wir hatten zum Testen das fünfte, weiße Exemplar) wirkt ziemlich edel, ohne dabei „over the top“ zu sein. Für Puristen, die keinen Schnickschnack wollen und brauchen, sind auf der Oberseite genau drei gut sichtbare Knöpfe mit genau drei Funktionen platziert: laut, leise, Bluetooth an/aus.

Schneller koppeln mit NFC

Der Rapoo A600 beherrscht Bluetooth 4.0 und ist mit allen Geräten kompatibel, die den drahtlosen Funkstandard ebenfalls unterstützen. Zur ersten Inbetriebnahme müsst Ihr einfach den Lautsprecher mit Eurem Smartphone, Tablet oder Rechner koppeln und dann kann es losgehen. Rapoo wirbt darüber hinaus mit seiner NFC-Integration. Das heißt, wenn Ihr Euer Smartphone oder Tablet an den Lautsprecher haltet, wird automatisch eine Verbindung hergestellt. Warum ist das so toll? Zum einen geht das Verbinden per NFC viel schneller und einfacher als über das Bluetooth-Menü. Zum anderen sorgt NFC dafür, dass sowohl Bluetooth als auch der Lautsprecher angeschaltet und verbunden werden, selbst wenn auf Eurem Smartphone Bluetooth deaktiviert und der A600 ausgeschaltet waren.

In der Praxis heißt das: durch die bloße Nähe der Geräte wird der A600 automatisch zum externen Lautsprecher Eures Bluetooth-Gadgets. Musik oder Hörbuch dröhnen also ohne viel Warten und Herumgeklicke weiter durch den schicken Retro-Lautsprecher, wenn Ihr das wollt. Funktioniert,  gute Sache. Natürlich muss Euer Smartphone selbst NFC unterstützen. Besitzer von Android-Smartphones haben also gute Chancen – iPhone-User dagegen haben nichts davon.

Der A600 spielt Eure Sounds so lange ab, wie sich das Smartphone innerhalb eines Zehn-Meter-Radius befindet. Sind Wände und Türen im Weg, verkürzt sich die Distanz. Ich kann aber mit dem A600 in der Hand getrost den Weg vom Rechner zur Badewanne oder auf den Balkon antreten, ohne das neue spannende Hörbuch von Elizabeth George unterbrechen zu müssen. Dem entspannten Badewannenaufenthalt beziehungsweise der sonnigen Kaffeepause steht also nichts mehr im Wege.

Berauschendes Klangerlebnis für jede Party

Das mit dem Klangerlebnis ist allerdings so eine Sache. Viel darf man von so einem kleinen Ding ja sowieso nicht erwarten. Mit 2x3 Watt Leistung ist der A600 genauso gut oder schlecht wie andere tragbare Lautsprecher. Jedoch wartet er mit einem deutlichen Grundrauschen auf, insbesondere wenn Ihr die Lautstärke im Smartphone oder Tablet hochpegelt und später die eigenen Volume-Tasten des A600 nutzt.

Egal ob iOS oder Android, ob laut oder leise, je größer die Diskrepanz der Lautstärke von Sender und Empfänger (in unserem Fall von Smartphone zu Lautsprecher), desto mehr Klangqualität geht an irgendeiner Stelle bei der drahtlosen Übertragung der Klangdateien einfach flöten. Ohrenbetäubend würde ich das Rauschen nicht direkt nennen, aber als Dauerlösung auf dem Schreibtisch fällt Rapoos Design-Lautsprecher leider flach. Als digitale Jukebox im Badezimmer oder für die spontane Dinner- oder Grillparty taugt es aber allemal. Auch dann, wenn es mit zunehmender Lautstärke anfängt zu scheppern. Der geflossene Alkohol hat an dem Punkt hoffentlich schon die Ohren betäubt.

Ass im Ärmel: Freisprechanlage mit zwei Mikros

Rapoo hat aber noch ein kleines Ass im Ärmel: Denn die Freisprecheinrichtung mit zwei Mikrofonen – statt wie im Vorgänger nur mit einem – ist jetzt tatsächlich ganz brauchbar. Sie erfüllt auf jeden Fall ihren Zweck und klingt allemal besser als die Freisprechanlage im Auto. Dazu gibt es noch die Möglichkeit, zwei Lautsprecher über Bluetooth miteinander zu koppeln. Das bringt netten Stereo-Sound für Kabel-Phobiker.

Für den Fall, dass Bluetooth irgendwann mal ausfallen sollte, geht es im Notfall dank Schnittstelle für 3,5mm-Klinke auf der Rückseite auch per Kabel. Dazu gesellt sich der Eingang für das Mini-USB-Kabel zum Aufladen des eingebauten Akkus mit 900mAh und der On/Off-Schalter. Der Akku hält wie versprochen bis zu zehn Stunden durch. Non-Stop-Beschallung auf der Arbeit oder bei der spontanen Grillparty sind also gebongt.

Rapoo bietet ansonsten mit Rapoo Music für iOS und Android User eine eigene App zur Steuerung an. Die ist aber mit ihrem beschränkten Funktionsumfang nicht nur überflüssig, sondern auch komplett unbrauchbar. Auf iOS-Geräten stürzte die App beispielsweise permanent ab.

Fazit

Der Rapoo A600 ist die schickste Klangschleuder seiner Klasse für rauschende Feste oder für die Hintergrundbeschallung bei der morgendlichen Dusche. Ob sich die Investition von fast 90 Euro dafür lohnt, muss jeder selbst entscheiden. Aber Achtung: das Teil ist weder vor Wasser noch vor Staub oder Schmutz geschützt. Für das Picknick am Strand also lieber auf ein anderes Gerät zurückgreifen.


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