"Harry Potter: Wizards Unite"-Test: Magie in der Muggelwelt

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Harry-Potter-Wizards-Unite-Aufmacher
Harry-Potter-Wizards-Unite-Aufmacher(© 2019 Niantic)

Harry Potter, das ist sicherlich eines der faszinierendsten Universen, die je geschaffen wurden. Schon die Bücher hauten uns um, weil J.K. Rowling diese Gabe hat, eine fiktive Welt völlig real und nahbar wirken zu lassen. Ihr lest diese Romane und entflieht automatisch in die magische Welt von Hogwarts. Seit dem "Harry Potter: Wizards Unite"-Release könnt ihr das auch auf eurem Smartphone erleben. Doch ist es auch ein gutes Rollenspiel? "Harry Potter: Wizards Unite" im Test.

"Harry Potter: Wizards Unite" ist kein gewöhnliches Mobile-Game, sondern ein Spiel von Warner Bros. Pokémon-Go-Entwickler Niantic, welches in der Augmented Reality stattfindet. Das funktioniert ähnlich wie in Pokémon Go, ist ebenfalls kostenlos in seiner Basisvariante und funktioniert besonders gut für J.K. Rowlings-Welten: Weil eure Stadt, euer Umfeld, die Straßen und Parks in eurer Gegend dienen als Muggel-Welt, in der sich magische Gegenstände, Kreaturen und Gegner tummeln. Da findet man schon mal einen Hippogreif im Englischen Garten in München.

"Harry Potter: Wizards Unite"-Release mit Verzögerung

Der weltweite "Harry Potter: Wizards Unite"-Release war am 21. Juli 2019. Eigentlich hatten Fans gehofft, dass das AR-Game schon 2018 erscheint. Doch Niantic hat sich bei der Programmierung etwas mehr Zeit gelassen. Und das hat dem Spiel jedenfalls nicht schlecht getan. Es wirkt komplexer als "Pokémon Go", was auch an einer echten Story und einer komplexeren Charakterentwicklung liegt.

Seit dem "Harry Potter: Wizards Unite"-Release ist die App für iOS sowie Android kostenlos zum Download verfügbar, aber mit zahlreichen Bezahlangeboten im Free2Play-Modus erhältlich. Die App könnt ihr im Play Store oder Apples App-Store installieren. Ihr könnt nach der Installation auch die Daten des Spiels zusätzlich herunterladen, was kostet dann aber 3,3 Gigabyte Speicherplatz. Dafür schont ihr Datenvolumen, weil bestimmte Grafiken nicht erst in den Kämpfen geladen werden müssen. Es lohnt sich übrigens auch, den Energiesparmodus zu aktivieren – sonst nagt die App extrem am Akku.

Magier-Karriere in der Muggel-Welt

Wichtig zu wissen für Fans: "Harry Potter: Wizards Unite" spielt lange nach den Filmen und Büchern. Harry und Hermine arbeiten mittlerweile für das Ministerium für Zauberei. Klingt ein bisschen merkwürdig, schließlich haben Politiker dem Trio viele Probleme bereitet, doch wie die beiden während der Story erklären, gilt es an das große Ganze zu denken: Die beiden Stars aus Hogwarts leiten eine Task-Force, die nach einem katastrophalen Ereignis – das wir hier natürlich nicht spoilern wollen – die Magie in der Muggel-Welt aufspüren und sicherstellen soll.

Das Ziel: Muggel, also alle nicht Zauberer unter den Menschen, sollen nicht erfahren, wer da eigentlich unter ihnen lebt. Ein interessanter Twist insofern, weil es die Brücke schlägt zwischen Harry Potter und dem exzentrischen Magie-Zoologen Newt Scamander aus „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“, dem aus dem Kino bekannten Spin-off dieses gigantischen Harry-Potter-Universums.

"Harry Potter: Wizards Unite"-Test: Ein echtes Rollenspiel?

Dafür müssen wir zunächst klären, was eigentlich ein gutes Rollenspiel auszeichnet, denn wir reden hier von einem recht fließenden Genre-Begriff. Es gibt klassische Echtzeit-Action-RPGs, wie "The Elder Scrolls: Skyrim" und in den nächsten Jahren "The Elder Scrolls 7", wo wir aktiv schlagen, kämpfen oder zaubern. Es gibt auch rundenbasierte RPGs, wie "Divinity Original Sin 2", wo es weniger auf Timing, sondern mehr auf Strategie ankommt. Und es gibt Rollenspiele, die mit einem Active-Time-Battle arbeiten – wie die alten "Final Fantasy"-Teile.

Für uns macht ein gutes Rollenspiel die folgenden Punkte aus:

  1. Es erzählt eine komplexe Handlung, die wir aktiv beeinflussen können
  2. Es gibt uns die Möglichkeit, einen Charakter selbst zu erschaffen und seinen Charakter sowie Kampfstil zu definieren
  3. Die Möglichkeit, unsere Figur mit Ausrüstung auszustatten und signifikant zu verbessern; vom ersten Level bis in die Maximum-Bereich
  4. Ein Quest-System, welches eng mit der Gameplay-Mechanik verzahnt ist

Punkt 1 lässt sich mit einem klaren Ja beantworten. J.K. Rowling hat mit dieser magischen Welt ein Universum weit über Harry Potter hinaus entworfen, welches sehr viele Figuren, Geschichte und Tiefe vereint. Das zeigt sich auch in "Wizards Unite": Emma Watson respektive ihre deutsche Stimme Gabrielle Pietermann und Daniel Radcliffe, gesprochen von Tim Schwarzmaier, sprechen viel zu uns, die Dialoge sind komplex, auch wenn es an echten Zwischensequenzen mangelt. Hier ist Harry Potter: Wizards Unite ein bisschen zu sehr klassisches Mobile-Spiel, zu wenig Triple-A-Game, was eine verschenkte Chance ist.

Punkt 2, ebenfalls Ja. Als AR-Spiel bringt Wizards Unite einen der besten und witzigsten Charakter-Editoren mit, die Augmented-Reality sehr smart nutzen. So haltet ihr euer Smartphone, in unserem Fall das iPhone XS Max, vor euer Gesicht und könnt dann aus so ziemlich allen Gesichtsfeatures aller Charaktere dieses Universums wählen – von der zerbrochenen Harry-Brille, über seine Narbe bis hin zu Hagrids flauschigem Riesenbart. Was hingegen schade ist: Ihr wählt zwar euer Haus, also aus Ravenclaw, Gryffindor, Slytherin und Hufflepuff – das hat aber merkwürdigerweise wenig Auswirkung aufs Spiel.

Schlummert ein Drache, Einhorn oder Phönix in eurem Zauberstab?

Punkt 3: Yep. Ihr als Spieler könnt sogar das Holz eures Zauberstabs wählen und euch dabei zwischen royaler britischer Eiche, Fichte, Erle, Esche, Haselnuss und zig anderen Sorten entscheiden und wählt einen Kern, der die Einsatzbereitschaft eures Magie-Werkzeugs beeinflusst: Das Drachenherz ist immer einsatzbereit und kann mehr Sprüche wirken, die aber weniger stark sind.

Einhornhaar und Phönixfeder wiederum haben ganz andere Attribute. Das sorgt für Langzeitspielspaß – wer einen neuen Charakter erstellt, erlebt ein etwas anderes Spiel.

"Harry Potter: Wizards Unite": Berufe sind wichtiger als das Hogwarts-Haus

Wie in Rollenspielen üblich, wählt ihr eine bestimmte Charakterklasse, die spezielle Stärken und Schwächen haben. Bei "Harry Potter: Wizards Unite" habt ihr die Wahl zwischen Auror, Magizoologe und Professor. Im Folgenden eine kurze Vorstellung der drei Berufe:

Auror

Auroren sind Kampfveteranen und Elite-Magier. Sie können eine ganze Reihe an Zaubern aneinander koppeln und sind besonders effektiv gegen Dunkle Kräfte. Der Auror ist die offensivste Klasse.

Magizoologe

Da haben wir es wieder: Das ist der Beruf, den Eddie Redmayne als Newt Scamander in "Phantastische Tierwesen" spielt. Im Kampf gegen Tiewesen hat er einen Vorteil, ansonsten ist er eine eher defensive Klasse und verfügt über starke Heilmagie.

Professor

Die Allrounder-Klasse: Professoren können von allem ein bisschen und sind daher vielseitig einsetzbar. Hat aber weder in Offensive oder Defensive wirkliche Stärken. 

Dieser Gameplay-Trailer zeigt viele Mechaniken des Spiels 

Taktischer Kampf, nervige Free2Play-Mechaniken

Der Kampf gefällt uns sehr gut, weil wir nicht nur den Zauberspruch auswählen, sondern diesen mit dem Smartphone so akkurat wie möglich nachzeichnen müssen. Für ein “Arresto Momentum“ etwa, müssen wir ein M in Magie-Schrift nachzeichnen. "Harry Potter: Wizards Unite" belohnt also aktiv euren Skill in der Zauberwelt und liefert ohne Ende Talentbäume. Das hier ist kein Titel für zwischendurch, sondern einer, der über Wochen und Monate gespielt wird.

Es gibt sogar Raids, also Angriffe auf regelrechte Festungen mit mehreren Wellen von Monstern, die man nur mit Freunden knacken kann. Alles super, leider verschleiert das Spiel für iOS und Android aber seine Free2Play-Herkunft nicht sonderlich smart. Wir haben überhaupt nichts dagegen, dass die Entwickler mit diesem großartigen Werk Geld verdienen möchten, aber es reißt aus der tollen Atmosphäre, wenn im Kampf einfach die Zauberenergie leer ist – wie viel Magie man noch übrig hat, ist im Menü ziemlich versteckt. Das hätte man einfach ein bisschen Hogwarts-mäßiger lösen können.

"Harry Potter: Wizards Unite" versus "Pokémon Go": Welche App ist besser?

Die Frage aller Fragen ist wohl: Ist das hier besser als Pokémon Go? Klare Antwort: Die beiden AR-Games haben wenig miteinander zu tun, sie kommen lediglich vom selben Entwicklerteam. Pokémon lebt von seinen Kreaturen und spielt sich wunderbar nebenbei – der größte Spaß ergibt sich daraus, dass wir immer wieder neue Pokémon überall finden, wo wir gerade sind. Egal ob in der Heimat, auf der Geschäftsreise oder im Urlaub am Strand.

"Harry Potter: Wizards Unite" hingegen ist sehr viel mehr Rollenspiel: Es ist mechanisch komplex, baut auf viele unterschiedlichen Talentbäumen auf, man muss sich etwas mehr damit befassen, dafür werdet ihr im Gegensatz zu "Pokémon Go" mit deutlich mehr taktischer Tiefe belohnt. Es ist auch etwas schwieriger und manchmal kommt man einfach nicht weiter – Zauberenergie aufzuladen dauert.

Ist es ein Muss für Harry-Potter-Fans? Ja, es ist auf jeden Fall ein Blick wert. Zahlreiche Charaktere, Wesen und Zaubersprüche erinnern an die Welt von Harry Potter – und mit den liebevollen Animationen fühlt man sich als Spieler ein Stückweit in die Welt der Zauberer hineinversetzt. Zusätzlich motivieren tägliche Herausforderungen, Spezialaufträge und ein Geheimnis, das es zu lüften gibt – nur dass die Wahl des Hogwarts-Hauses keinen spürbaren Effekt hat, stört ein wenig.


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