Honor 20 Event: Ein Designer-Flaggschiff mitten im "Game of Phones"

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Das Honor 20 hat ein auffälliges Design.
Das Honor 20 hat ein auffälliges Design.(© 2019 Benjamin Kratsch)

Auf "Game of Thrones" folgt "Game of Phones", zumindest fühlt es sich gerade so an. US-Präsident Donald Trump hat den Wirtschaftskonflikt gegen China eskalieren lassen und greift gezielt Huawei an. Das warf auch bei der Weltpremiere des Honor 20 seine Schatten. Ein wunderschönes, performantes, durchdachtes Android-Flaggschiff. Ein Erlebnisbericht.

6:30 Uhr: Der Wecker klingelt, ab zum Flughafen, rein in den Flieger. Auf nach London, die Weltpremiere des Honor 20 winkt. Und wenn Honor einlädt, dann darf man Großes erwarten – in Sachen Design, Kamera, Display und Preis-Leistungs-Verhältnis. Mit dem Honor 10 haben sie schon eine Designrevolution in die Branche gebracht: mit einer wunderschönen Farbgestaltung und einer sehr künstlerischen Bauweise. Honor und Huawei haben eine Printing-Technologie entwickelt, wodurch das Smartphone seine Farbe im Sonnenlicht ändert: aus Royal-Blau wird dann Lila. Hatte zuerst das Honor 10, zuletzt auch das Huawei P30.

Auch das Honor View 20 ist ein wunderschönes Designerphone und sieht mit seiner Glasrückseite sehr edel aus, insbesondere in Phantom Red. Und jetzt das Honor 20 Pro: Was für ein unfassbar schönes Highend-Smartphone mit 6,26 Zoll Full HD+ IPS LCD-Display. Man arbeitet jetzt mit einem dreifachen Layering, die auf einer holographischen Prism-Lösung basiert. Capture wonder, capture Magic – fange Wunder ein, fange Magie ein – ein schöner Slogan, der gut zu diesen Highend-Designer-Phones passt.

Wie das Honor 20 zum Strahlen gebracht wird

Im Grunde setzt man ähnlich wie beim Honor V20, wie das View 20 auch genannt wird, über den eigentlichen Body einen Layer mit Millionen kleiner Prismen, die funkeln sollen wie ein Diamant und in der Tat das Licht sehr viel stärker reflektieren als wir das sonst kennen. Über dieser Ebene wird ein Glas-Layer gesetzt und darauf kommt noch eine dritte Lage mit der jeweiligen Hauptfarbe.

Beim Honor 20 gibt es unterschiedliche Varianten: ein tiefes, dunkles Blau auf der einen, ein strahlend weißes Honor 20 Pro auf der anderen Seite. Hier sind die Applikationen und der Rahmen des Displays in Gold gehalten, wie beim iPhone XS Max – wunderschön! Und dann gibt’s da noch den Star des Abends: Phantom Black. Durch das Layering-System handelt es sich um ein tiefes, dunkles Lila. Sieht sexy aus, gerade innerhalb der Lightboxen, die Honor extra für das Event aufgebaut hat. Wieder ohne Notch, dafür mit Loch im Display – die Selfie-Kamera ist via Laser direkt ins LCD-Display eingearbeitet.

Ehrlich gesagt ist das Design einer der Hauptgründe sich auf ein Honor-Event zu freuen. Dahinter stecken kreative Köpfe, die sich immer wieder etwas Neues einfallen lässt. Das Design bei Honor ist immer ein Highlight, auch weil es smart gedacht ist: Ich nutze schon länger das Honor View 20 in der Phantom-Red-Edition, diese zeigt durch ihren reflektierenden V-Shape so gut wie keine Fingerabdrücke. Klingt nach einer Kleinigkeit, aber in Zeiten, in denen wir wunderschöne Designer-Phones entweder in Hüllen verstecken oder permanent reinigen müssen, ist das durchaus ein erwähnenswertes Feature. Man hat für das 20 Pro extra eine spezielle Nanovakuumbeschichtung entwickelt.

Der Weg zur Veranstaltung

Ich liebe Smartphone-Events, weil man alle Kollegen wiedertrifft uns sich direkt austauschen kann. Und so ging es auch los: Am Airport in London winkt der nette Fahrer mit dem "Honor Germany"-Schildchen mich und vier Kollegen heran. Und schon geht's los: Rein ins Auto, raus aus dem Flughafen Heathrow, ab in die Innenstadt, was gut und gerne ein Stündchen dauert. Der Fahrer freut sich, weil das Wetter wirklich fantastisch ist. Und er freut sich noch ein bisschen mehr, als wir geschlossen berichten, wie verregnet es gerade in Deutschland ist.

Als wir ankommen, schaffen wir es nicht mehr im Hotel einzuchecken. Apropos Hotel – dort haben sich schon die skurrilsten Momente zugetragen. Unvergessen etwa die Weltpremiere des Honor View 20. Als wir vor ein paar Monaten in Paris waren und in unserem Hotel gelandet sind, fiel uns gleich auf, wie viel Security so rumlief.

Das ist ungewöhnlich, sogar der Fahrstuhl wurde von gleich fünf kanadischen Sicherheitsbeamten bewacht. Der Grund: Justin Trudeau, der Premierminister von Kanada war mit seiner Frau im gleichen Hotel abgestiegen wie wir. Doch ich schweife ab: Zurück nach London.

Das Honor-Event selbst fand im Battersea Evolution Centre statt. Der Fahrer ließ uns am Battersea Park raus, so konnten wir noch kurz die britische Sonne genießen. Klare Sache: Gesprächsthema Nummer 1 unter den Journalisten war die Geschichte mit US-Präsident Trump, der per Dekret allen US-Firmen verboten hat mit Huawei zusammenzuarbeiten. Der Vorwurf: Huawei würde seine Smartphone-Technologie zur Spionage nutzen. Was würde nun passieren?

Die einen glaubten bereits das letzte Event von Huawei und Honor zu erleben, die meisten hingegen stellten sich eher die Frage, ob jetzt der Wirtschaftskrieg eskalieren würde. China hat ja durchaus noch ein paar Asse zu spielen, wenn man bedenkt das von Intel bis Apple quasi jeder Silicon-Valley-Gigant in Shenzhen, China produzieren lässt. Die Chinesen könnten also durchaus mit gleicher Härte zurückschießen. Oder bringt Huawei jenes geheime Betriebssystem auf den globalen Markt, an dem sie ihrer Aussage zufolge bereits seit 2012 arbeiten? Das neue OS, Codename "HongMeng" sollte ursprünglich nur für China entwickelt werden, weil dort Google-Dienste ohnehin nicht angeboten werden.

Die Event-Location: Glamourös – aber mit bescheidenem Licht

Honor hatte sich für die Präsentation einiges einfallen lassen: Am Eingang wartet eine Lady im Elfenkostüm vor einer Art Schloss, etwas weiter hinten steht ein Duo, verkleidet als "Fortnite"-Charaktere – den berühmten Motorradhelm inklusive. Bei den beiden kann man "Fortnite" auf dem Honor 20 spielen, schließlich bietet der Hersteller seit der Veröffentlichung des View 20 exklusive "Fortnite"-Skins für seine Kunden an und pflegt eine intensive Partnerschaft mit Epic Games.

In der Halle gibt es vor allem schummriges Licht, es ist aber ziemlich dunkel, wie einer der YouTuber schneller feststellte: "Das Licht ist ja nicht so geil." Fotografieren und filmen ging eigentlich nur in einer der Lightboxen, die am Rand postiert waren.

Die Branche im Panikmodus, aber Honors CEO gibt sich gelassen

Anschließend geht es in den Präsentationsraum, und der ist riesig: Gut tausend Journalisten, Wirtschaftsanalysten und Instagram-Influencer sind geladen, entsprechend sind die Ränge gut gefüllt. Auffällig und spannend ist wie ruhig sich Honors Management in Person von CEO George Zhao auf der Bühne zeigt. Die Branche schlägt Alarm, der amerikanische Handelskrieg gegen China könnte komplett aus den Fugen geraten. Kurz vor dem eigentlichen Event chatte ich mit einem US-Kollegen von TheVerge, der will gehört haben, dass die Regierung eine Schonfrist einplane, zumindest für ein paar Wochen. Er sollte damit Recht behalten, 90 Tage Schonfrist bekam Huawei zugesprochen – und Honor damit auch. Wie es sonst um Huawei und die Android-Lizenz steht, erfahrt ihr hier.

Während die Journalisten etwas unruhig auf ihren Sitzen Platz nehmen, zeigt sich Honors CEO George Zhao gewohnt routiniert. Zu Beginn hält er kleine Kampfrede: "Wir wollen den Benchmark für die Jugend setzen, für euch junge Leute. Egal was passiert, egal welche Herausforderung wartet, wir werden sie gemeinsam meistern. Ich weiß das jetzt gerade Millionen von Menschen vor ihren Bildschirmen sitzen und wir wollen für die junge Generation da sein. Wir wollen ihnen beweisen, wie wir die Zukunft gestalten werden."

Für mich klingt das sehr nach einem Statement in Richtung: Lasst euch nicht von der Politik beirren, sondern konzentriert euch auf die Qualität unserer Smartphones. In London und auch heute noch ist schwer zu sagen, wie Huawei und Honor darauf reagieren. Man hat schließlich sein eigenes OS in der Hinterhand, auch wenn wir von Microsofts Windows gelernt haben, wie schwer es ist, ein Betriebssystem außerhalb der Platzhirsche iOS und Android zu etablieren. Interessant aber auch, dass weder Honors CEO, noch das deutsche Management bestätigen, dass man dieses OS in Entwicklung hat. Das Statement lautet lediglich: "Wir sind gut vorbereitet."

Das erste Hands-On des Honor 20: Viel Bling-Bling

Erster Eindruck: Wow, das nenne ich ein Designer-Phone. Wieder ganz anders als das View 20, noch ein bisschen stärker funkelnd, wie ein Diamant eben. Es hat keinen V-Shape mehr, sondern einen 4D-Glasbody mit eingearbeiteten Prismen, die es regelrecht zum Glitzern bringen. Fühlt sich toll an, ist allerdings etwas anfälliger für Fingerabdrücke als das V20. Die Honor-Mitarbeiter in der Hands-On-Area sind permanent bemüht darum, die Geräte sauber zu halten. Ihr könnt euch das vorstellen wie mehrere Tische, auf denen die unterschiedlichen Geräte zum Ausprobieren einladen: Honor 20 Light, Honor 20 und Honor 20 Pro.

Unglaublich gerne hätte ich dann auch direkt das Testgerät entgegengenommen, so wie es eigentlich geplant war. Raus nach London, rein in den Kamera-Check mit dem Triple-Setup, welches auf dem Sony IMX 586 basiert:

  • Hauptkamera:  48 Megapixel, Blende f/2.2
  • Weitwinkel:      16 Megapixel, Blende f/1.4
  • Telefoto-Linse:  8 Megapixel, Blende  f/2.4
  • Makro-Kamera:  2 Megapixel, Blende f/2.4
  • Display: 6,26 Zoll Full-HD+ IPS mit 1.440 x 3.120 Pixeln

Zum Vergleich mit anderen Highend-Smartphones: Das Huawei P30 Pro hat ein 6,47 Zoll großes OLED-Display mit 2.340 x 1.080 Pixeln. Und das Samsung Galaxy S10 ein 6,4 Zoll-Display mit 3.040 x 1.440 Pixeln.

  • CPU: Huawei, Octa-Core (64 Bit)
  1. CPU: Kirin 980 (A76), 2 x 2,60 GHz
  2. CPU: Kirin 980 (A76), 2 x 1,92 GHz
  3. CPU: Kirin 980 (A55), 4 x 1,80 GHz
  • Speicher: 6,0 GB RAM, 128 GB Datenspeicher
  • Abmessungen: 155,9 mm x 75,3 mm x 8,1 mm
  • Akku: 4000 mAh

Features

  • Infrarot-Sender
  • Dual-SIM-Karten-Slot
  • Fingerprint-Sensor, mit dem Power-Button an der Seite verschmolzen

Angekündigte Preise

  • Honor 20 Pro: 599 Euro
  • Honor 20: 499 Euro
  • Honor 20 Lite: 279,90 Euro

Leider noch keine Testgeräte

Schade, schade. Hätte alles perfekt gepasst, denn ich hatte das Glück einen Tag später noch das Razer Williams Formel 1-Team besuchen zu können. Das Wetter am Mittwoch war fantastisch, die Sonne strahlte – ich hätte gern ein Foto-Test mit dem Honor 20 gemacht – etwa an der Tower Bridge, von den britischen Kriegsschiffen, die dort vor Anker liegen und sich herrlich als Objekt für die Telefoto-Linse angeboten hätten. Oder Skygarden – eine Aussichtsplattform mit angeschlossenem Garten im 36. Stock eines Wolkenkratzers. Von hier aus kann man quasi jeden Punkt in London fotografieren, toll für den Bokeh-Effekt. Und natürlich jede Menge F1-Fahrzeuge – von heute und vor langer, langer Zeit. Vielleicht holen wir das nach, sobald die Testgeräte eintrudeln.


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