Huawei Honor 6 Plus im Test: Größer, schneller, schöner

Unfassbar !113
Das bessere Honor 6: mit Plus!
Das bessere Honor 6: mit Plus!(© 2015 CURVED)

Ein halbes Zoll mehr Screen, ein etwas schnellerer Chipsatz, eine interessant klingende 8 MP-Dual-Camera und hier und da ein wenig hochwertigere Materialien und bessere Verarbeitungsqualität — schon ist aus dem guten und günstigen Honor 6 das noch etwas bessere Honor 6 Plus geworden. Bevor der 5,5 Zoller in den nächsten Wochen hoffentlich auch den deutschen Handel erreicht, haben wir uns ein Exemplar auch China kommen lassen und ausführlich getestet.

Mit der Marke Honor versucht Huawei sich in Europa ein neues Standbein aufzubauen und günstige, aber technisch gute Smartphones zu verkaufen, ohne dass die breite Kundschaft von einem etwaigen Fernost-Billigheimer-Image verschreckt wird. Und darf man den Aussagen der Honor-Verantwortlichen glauben, geht dieses Konzept auf — nicht ganz unverdient. Denn uns gefiel das Honor 6 auch ungeachtet solcher Überlegungen vor allem technisch und aufgrund seines günstigen Preises von nur 299 Euro sehr gut.

Mit dem Honor 6 Plus hat die neue Marke im Dezember ein Update des nicht nur preislich attraktiven 5 Zollers auf den fernöstlichen Markt geworfen, ein baldiger Deutschlandstart ist wahrscheinlich — und wünschenswert. Denn das Plus legt in diversen Bereichen noch ein kleine Schippe drauf und gefällt unterm Strich damit noch etwas besser als der kleine Bruder.

Design und Verarbeitung: Mehr Alu, mehr iPhone

Kritik erntete das Honor 6 seinerzeit vorrangig für das sehr deutlich am iPhone 5 orientierte Design des 5 Zollers sowie die gleichzeitig etwas billig anmutende Materialwahl beim Gehäuse. Schon in unserem Hands-On in der vergangene Woche fiel ins Auge, dass sich am Ersteren wenig geändert hat, vielmehr lehnt sich Huawei in Sachen Namensgebung noch weiter an Cupertino an. Wenigstens hinsichtlich des zweiten Kritikpunktes wurde aber nachgebessert:

Mit Abmessungen von 150,5 x 75,7 x 7,5 Millimetern und einem Gewicht von 165 Gramm ist das 6 Plus aufgrund des um 0,5 Zoll gewachsenen Screens rund einen Zentimeter länger und einen halben Zentimeter breiter, die Geräte-Dicke bleibt gleich — in dieser Größenklasse ist es damit, beispielsweise verglichen mit dem LG G3 oder dem OnePlus One, ziemlich dünn. Samsungs Galaxy A7 und eben auch das beinahe namensgebende iPhone 6 Plus sind merklich dünner, dafür aber auch größer und breiter.

Und weil das Honor 6 Plus anders als sein Vorgänger nun einen seitlichen Rahmen besitzt, der nicht aus Kunststoff in Alu-Optik sondern aus echtem Metall besteht, ist es mit 165 Gramm zwar 35 Gramm schwerer als der Quasi-Vorgänger, aber immer noch vergleichsweise leicht. Darüber hinaus ändert sich optisch nicht viel: Der Rahmen ist nun, vermutlich, um gute Empfangs- und Sendeleistung sicherzustellen, an zwei Stellen unterbrochen, die Einschübe für SIM- und microSD-Karten liegen nicht mehr hinter einer Plastikabdeckung, sondern sind nun einschiebbare Schlitten. Und der Lautsprecher auf der Rückseite liegt direkt unter dem an dieser Stelle gebohrten Glas, statt wie zuvor von einem eingesetzten Kunststoffgrill abgedeckt zu werden.

Insgesamt wirkt das Honor 6 Plus damit wertiger als sein kleiner Bruder und erinnert mich stark an das Xiaomi Mi 4 — oder natürlich das iPhone 5.

Display: Größer und kräftiger

Wie erwähnt erstrecken sich die 1080 x 1920 Pixel des Honor 6 Plus über 5,5 Zoll. Mit einer resultierenden Pixeldichte von 401 ppi ist der Screen damit immer noch ausreichend, ja gestochen scharf. Im direkten Vergleich mit dem kleineren Honor 6 wirken die Farben auf dem 5,5 Zoller noch einen Tick kräftiger und leuchtender, gleichzeitig weist unser chinesisches Testgerät aber auch einen unschönen Lichthof am oberen Rand auf, der relativ weit ins Display hineinstrahlt. Möglicherweise ein Einzelfall-Problem.

Was die Screens beider Honor 6-Modelle gemein haben, ist eine merkliche Verdunklung, wenn die Geräte im Porträt-Modus über die Querachse nach hinten gekippt werden, und das Auftreten eines leichten Grünstiches, wenn dasselbe im Querformat geschieht. Das fällt aber nur bei hellen beziehungsweise weißen Hintergrundflächen auf und stört somit im Alltag nicht übermäßig. In Sachen Leuchtkraft strahlt das Display des Honor 6 Plus ordentlich, auch die automatische Helligkeits-Regelung funktioniert befriedigend.

Performance: minimal schneller

Da die Display-Auflösung des Honor 6 Plus mit 1080p nicht gewachsen ist, der Kirin 925-Prozessor aber etwas potenter als der 920er im Honor 6 ist, ergibt sich eine kleine aber feine Leistungssteigerung: Im AnTuTu-Benchmark nimmt das 6 Plus dem 6er gut 2.000 Punkte ab (43.400 Punkte insgesamt), im CF Bench liegt es mit 41.833 marginal vorne — und damit grob gesagt auf einem Niveau mit den Snapdragon 801-bewehrten Top-Smartphones LG G3, HTC One M8 und Samsung Galaxy S5 aus dem Vorjahr.

Das macht sich im Alltag und vor allem in Spielen positiv bemerkbar: Bislang konnte wir auf dem Homescreen oder in 2D-Apps kein Ruckeln feststellen. Auch Spiele vom Schlage eines CounterSpy oder Sky Force 2014 laufen durchweg rund. Übrigens: Mit 3 GB RAM bietet das Honor 6 Plus wie auch das Honor 6 immerhin ein ganzes GB RAM mehr als die genannten Flaggschiffe — bis auf das G3, das die gleiche Menge Speicher aufweist, aber auch ein WQHD-Screen befeuern muss.

Dual-Kamera: 8 MP plus 8 MP ... plus 8 MP

Warum nur eine Kamera, wenn es auch zwei sein können — oder drei? Das Honor 6 Plus jedenfalls hält für die Knipserei gleich drei 8 MP-Kameras bereit, zwei auf der Rückseite, eine auf der Front für Selfies und dergleichen. Grund für die doppelte Bestückung auf dem Rücken: Mit dieser Konstellation sollen Tiefenschärfe-Effekte und nachträgliche Fokussierung, wie wir sie schon vom HTC One M8 kennen, mit besonders guten Ergebnissen möglich sein.

Und in der Tat: Die Fotos, die sich konventionell oder eben über die veränderliche Schärfe mit dem 6 Plus schießen lassen, überzeugen.

Die Qualität von regulär — also ohne sogenannte "Weite Blende" — geknipsten Bildern mit maximal 13 MP (10 im 16:9-Format) reicht nicht ganz an die Ergebnisse heran, die beispielsweise das Note Edge oder auch das LG G3 produzieren, das wird aber erst bei starkem Hereinzoomen deutlich. Auf dem 5,5 Zoll-Screen des Smartphones oder auch bei normaler Darstellung auf einem angeschlossenen Laptop oder PC sehen die Fotos kräftig, farbecht und scharf aus.

Gut gelungen, jedenfalls besser als noch beim HTC One M8, ist das nachträgliche Verstellen der Tiefenschärfe und des Bildfokus. Zwar werden auch hier an einigen Stellen unschöne Effekte sichtbar, die dann wie schlechte Photoshop-Arbeit anmuten. Ab und an lassen sich aber auch richtig gute Ergebnisse erzielen:

Auch auf der Vorderseite hat des Honor 6 Plus hat Huawei ein 8 MP-Modul für Selfies platziert und überzeugt mit entsprechender Schärfe, satten Farben und Raum für gleich zwei wilde Bestien:

Rooooaaaar!

Hinsichtlich der Videoaufnahmen mit der Doppelkamera in Full-HD fiel uns ein kleines Problem bei eingeschalteter Bildstabilisierung auf: Zwar sind solche Clips wirklich sehr zitterfrei und ruhig, allerdings stottern sie bei der Wiedergabe quasi im Sekundentakt und sind somit eigentlich nicht zu gebrauchen. Schaltet Ihr die Stabilisierung aus, ruckelt zwar nichts mehr, aber das Ergebnis weist die bei Smartphone-Videos dann eben üblichen Schwankungen und den Rolling Shutter-Effekt bei schnellen Schwenks auf. Dennoch sind die auf die zweite Art gefilmten 1080p-Clips durchaus brauchbar und auf einem Level mit der Konkurrenz.

Wer es ganz genau wissen will und das mit dem Honor 6 Plus aufgenommene Material in voller Auflösung untersuchen möchte, für den haben wir die Testfotos und -Videos in unberührtem Zustand in unsere Dropbox geladen.

Akkulaufzeit und Alltag: lange flüssig

3.600 mAh ist der Akku im Honor 6 Plus groß. Das ist reichlich — in Kombination mit dem nur in FHD auflösenden Screen hält der 5,5 Zoller ähnlich lange durch wie schon das Ascend Mate 7, das ebenfalls auf den Kirin 925 setzte: Im Testzeitraum kamen wir ohne aktivierte Stromsparmaßnahmen und bei voller Leistungseinstellung auf Laufzeiten von anderthalb bis zwei Tagen.

Über der installierten  Android Version 4.4.2 liegt Huaweis inzwischen bekannt gute Emotion UI 3.0, die mit schönem, minimalistischen Design, vielen hellen Flächen und übersichtlichen Menüs punktet. Trotz vorhandener, relativ mächtiger Theming-Engine — wie schon beim Mate 7 und dem Honor 6 könnt Ihr aus unzähligen Designs für die Benutzeroberfläche wählen — mit stets flüssigen und schnellen Animationen.

Fazit: Das bessere Honor 6

Das Honor 6 war gut, das 6 Plus ist besser — wenigstens wenn Ihr Euch nicht an dem halben Zoll mehr Displaydiagonale oder besser an den leicht gewachsenen Dimensionen stört: Ein wenig mehr Leistung, eine wertigere Verarbeitung, im Vergleich zum kleinen Vorgänger deutlich bessere, aber auch insgesamt ausgezeichnete Kameras sowie die durch den größeren Akku merklich gestiegene Laufleistung machen den 5,5 Zoller zu einem der besten Smartphones in der preislichen Mittelklasse.

Vorausgesetzt, der Preis wird wirklich ähnlich klein wie der des Honor 6 ohne Plus. Die Zeichen dafür stehen aber nicht schlecht: Der Import-Händler Trading Shenzen, der uns freundlicherweise das Testgerät zur Verfügung gestellt hat, bietet das Honor 6 Plus direkt aus China derweil zum Preis von 347 Euro (16 GB-Version) respektive 427 Euro (32 GB-Modell) an — wir rechnen also mit ähnlichen offiziellen Preisen.


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