Honor 7 im Test: Ein Hauch von Luxus in der Mittelklasse

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Gut verarbeitet ist es, das Honor 7
Gut verarbeitet ist es, das Honor 7(© 2015 CURVED)

In Deutschland könnt Ihr das Huawei Honor 7 noch gar nicht kaufen. Wir haben trotzdem schon ein Gerät in der Redaktion und verraten Euch, wie es sich im ausführlichen Test schlägt.

In China ist das Huawei Honor 7 ein Bestseller. Kein Wunder: Für kleines Geld bekommt ihr dort ein 5,2-Zoll-Smartphone mit viel Leistung. Wer bei den Begriffen "China" und "Smartphone" jetzt an billigen Kunststoff denkt, wird schon beim Auspacken eines Besseren belehrt: Das Honor 7 kommt im schlichten aber schicken Aluminiumgehäuse, das allerdings nicht wasserdicht ist. Nur oben und unten hat der Hersteller einen Streifen Plastik für die Antennen verbaut. Das einzige, was mich an der Optik wirklich stört, ist die stark herausragende Kamera. Ansonsten stimmt die Verarbeitung.

Hochauflösende Kamera mit Foodporn-Modus

Die Kamera löst mit 20 Megapixeln auf und liefert unter normalen Bedingungen gute Bilder. In den Einstellungen findet ihr verschiedene Möglichkeiten, mehr aus der Knipse herauszuholen. Dazu gehören Standards, wie ein Panorama-Modus. Ein Exot ist die Objekterkennung. Die Theorie: Ein Objekt fotografieren und dann detaillierte Informationen dazu aus dem Netz bekommen. In der Praxis klappte das allerdings überhaupt nicht. Die Magic Mouse von Apple erkannte die Kamera zum Beispiel als ein Stück Seife. Außerdem wird man auf chinesische Seite gelinkt. Da bleiben auch die Infos zur Seife ein Geheimnis.

Huawei spendiert Euch außerdem die Modi "Lichtmalerei" und "Gute Lebensmittel". Letzterer soll Eure Foodporn-Bilder tauglich für Instagram & Co. machen. Bis auf einen verwaschenen Effekt konnten wir beim Test aber keinen Mehrwert erkennen. Mit Lichtmalerei erstellt Ihr bei der Aufnahme abstrakte Kunstwerke von Euren Motiven. Toll für Selfie-Fans: Die Frontkamera löst mit satten 8 Megapixeln auf und bietet ein LED-Blitzlicht. Videos nehmt Ihr in Full-HD auf.

Videos dreht das Honor 7 maximal in Full-HD. Wie beim iPhone könnt Ihr nicht nur normale Clips drehen, sondern Filme auch im Zeitraffer aufnehmen. Wie viele Bilder pro Sekunde Ihr einfangen wollt, könnt Ihr nicht auswählen. Zum Bearbeiten der Zeitraffer-Videos braucht Ihr außerdem eine zusätzliche App, die nicht von vornherein installiert ist. Es gibt außerdem einen Zeitlupenmodus. Der hat aber nichts mit dem zu tun, was das Samsung Galaxy S6 oder das iPhone 6 bieten.

Scharfes Display und fixes Innenleben

Das 5,2 Zoll große Display das Honor 7 löst mit 1920x1080 Pixeln auf und liefert ein scharfes Bild. Außerdem ist der Bildschirm angenehm hell und auch bei starkem Lichteinfall gut abzulesen. Er überzeugt zusätzlich durch einen hohen Detailgrad und große Blickwinkel.

Auch das Innenleben kann sich sehen lassen: Im Honor 7 steckt Huaweis Kirin-935-Prozessor mit acht Kernen, von denen vier mit je 1,5 und vier mit je 2,2 Gigahertz takten. Zusammen mit 3 Gigabyte Arbeitsspeicher und der Grafikeinheit Mali T624 sorgt der Chip für flottes Tempo. Das belegt auch der Wert aus dem AnTuTu-Benchmark. Hier reiht sich das Honor 7 mit einer Punktzahl von 46.266 noch vor dem OnePlus One und dem HTC One (M8) ein. Apps öffneten sich im Test schnell und die Navigation durch die Menüs ging flott von der Hand.

Dual-SIM oder micro-SD

Toll für Spieler: Grafisch aufwändige Spiele wie Real Racing 3 sind mit dem Smartphone kein Problem. Bei langen Sessions wurde das Gerät zwar warm, lief aber nicht heiß. Einem Gelegenheitsspiel beim Warten auf die Bahn steht also nichts im Wege.

Übrigens: Man kann mit dem Honor 7 auch telefonieren. Die Sprachqualität im Test war zwar nicht überragend, aber trotzdem in Ordnung. Für Schnappschüsse, Apps und Videos stehen je nach Modell 16 oder 64 Gigabyte Speicher zur Verfügung. Wer mehr braucht, rüstet per microSD-Karte nach, kann das Gerät dann aber nicht mehr mit zwei SIM-Karten gleichzeitig nutzen. Mobil ins Internet kommt Ihr per LTE.

Damit Ihr lange surfen könnt, verbaut Huawei einen Akku mit 3100 mAh. Der bringt Euch bei durchschnittlicher Nutzung locker über den Tag. Den Zusatzakku könnt Ihr also ruhig mal zu Hause lassen. Ist die Batterie doch mal leer, geht es dank Schnellladefunktion fix weiter. Nach etwas mehr als einer Stunde war der Akku wieder voll.

Android ja, Google-Feeling nein!

Auf dem Honor 7 ist zwar Android 5.0 Lollipop installiert. Von Google fehlt trotzdem fast jede Spur.(© 2015 CURVED)

Als Betriebssystem kommt Android 5.0 Lollipop zum Einsatz. Davon sieht man allerdings nicht mehr viel: Huawei legt eine eigene Oberfläche namens EmotionUI über das System. Mit Ausnahme vom Play Store sucht man sämtliche Google-Apps nach dem ersten Start vergebens. Wer YouTube, Drive, Hangouts und Co. vermisst, der muss manuell nachrüsten. Das gilt auch für den Launcher. Wollt Ihr etwas anderes nutzen, als das, was Huawei vorgibt, müsst Ihr ein wenig fummeln.

Huaweis eigene Dienste stehen klar im Vordergrund. Dazu gehört etwa die Gesundheits-App, die Schritte zählt, den Kalorienverbrauch errechnet und rudimentäre Workouts bietet. Der Telefonmanager hilft beim Aufräumen des Smartphones. Die App enthält nicht nur einen Virenscanner, sondern löscht auf Wunsch Euren Datenmüll und verwaltet die Energieoptionen. Dabei hilft ein Scan, der die verbleibende Akkulaufzeit berechnet und stromfressende Apps entlarvt. Habt Ihr mal vergessen, eine stromhungrige App zu schließen, erhaltet Ihr eine Nachricht in der Mitteilungszentrale.

Läuft eine App im Hintergrund, die viel Energie zieht, gibt es in der Mitteilungszentrale ebenfalls eine Nachricht. Ihr entscheidet dann, ob sie weiterlaufen soll oder nicht. Wollt ihr alle laufenden Programme auf einmal schließen, tippt Ihr einfach auf die App-Übersicht und wischt nach oben. Ganz schön praktisch!

Android Lollipop mit Android-M-Funktionen

Auch sonst spendiert Huawei ein paar nette Sonderfunktionen. Dazu gehört die Möglichkeit, App-Rechte zumindest ein wenig anzupassen. Ihr könnt zum Beispiel auswählen, ob Gmail Euch jedes Mal fragen soll, wenn die App auf Eure Kontakte zugreifen will. Wollt Ihr das nicht, verwehrt Ihr der App einfach komplett den Zugriff. Bei manchen Apps wie zum Beispiel Twitter schlug das System schon beim ersten Öffnen Alarm. "Achtung, da will jemand auf Deine Kontakte zugreifen. Willst Du das wirklich?" Erst ab der kommenden Android-Version M ist das Feature auch Bestandteil des "normalen" Betriebssystems. Huawei ist Google also schon einen Schritt voraus.

Wischt Ihr auf dem Startbildschirm nach links, seht ihr Huaweis Antwort auf Flipboard. Die dort fest installierte News-App liefert News, die auf Eure Interessen abgestimmt sein sollen - aber nur, wenn ihr der chinesischen Sprache mächtig seid. Auf Deutsch funktioniert die App nicht.

Auch bei der Hardware gibt es eine Besonderheit. Die zusätzliche Taste "Smart Key" an der linken Seite lässt sich mit drei Funktionen belegen. So könnt Ihr etwa im Dunkeln vor der Haustür ohne viel Gefummel die Taschenlampe einschalten oder die Kamera schneller starten. Praktisch!

Der Fingerabdrucksensor ist Fluch und Segen zugleich

Wenn er richtig funktioniert, ist der Fingerabdruck-Sensor genial. Wenn nicht, saugt er unfreiwillig den Akku leer.(© 2015 CURVED)

Das beste Extra ist aber der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite unterhalb der Kamera. Über den könnt Ihr das Gerät fix entsperren. Der Clou: Anders als etwa beim iPhone 6 müsst ihr den Bildschirm vorher nicht aktivieren. Ihr legt einfach den Finger auf und das Smartphone ist entsperrt. Das funktioniert auch schneller als beim Apple-Gerät. Die Krux: Der Sensor reagiert zumindest beim Testgerät übersensibel und verwechselt in der Hosentasche das Bein schon einmal mit dem Finger. Weil er dann natürlich keinen Finger erkennt, schaltet das Honor 7 den Bildschirm ein und bittet zur Code-Eingabe. Das geht auf Dauer zu Lasten der Akkulaufzeit. Hier muss Huawei also noch nachbessern.

Fazit: Solides Smartphone ohne echten Wow-Effekt

Das Huawei Honor 7 ist solide verarbeitet, liegt gut in der Hand und bietet ein gutes scharfes Display. Um bei den Großen wie Apple, Samsung oder HTC mitzuspielen, reicht es meiner Meinung nach aber nicht. Dafür ist das Gerät an sich einfach zu unspektakulär. Es fehlt der eine wahre Kaufgrund, der das Honor 7 aus der Masse an verfügbaren Smartphones herausstechen lässt. Dazu sind manche Funktionen wie die Objekterkennung der Kamera nette Ideen, die aber nicht optimal umgesetzt wurden.

Offiziell ist das Smartphone in Deutschland noch nicht verfügbar. Aber dafür gibt es ja Importeure. Bei TradingShenzen zahlt Ihr aktuell rund 377 Euro für die 16-Gigabyte-Variante. Für den Preis erhaltet ihr schon das ein oder andere Top-Smartphone aus dem vergangenen Jahr. Das Motorola Moto X 2014 gibt's aktuell etwa schon für 339 Euro. Sollte Huawei den Preis bei der Markeinführung in Deutschland auf unter 300 Euro festlegen, ist das Huawei Honor 7 aber ein Preisleistung-Tipp.


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