Honor 8 Pro im Test: das Günstige unter den Teuren

Für 549 Euro verspricht das Honor 8 Pro auf dem Papier eine bessere Ausstattung als das Huawei Mate 9. Ob das Smartphone auch im echten Leben liefern kann und wo Ihr Abstriche im Vergleich zu anderen Top-Smartphones machen müsst, klärt unser Test.

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Honor startet den Angriff auf die Spitze. In der Vergangenheit war die Huawei-Tochter eher dafür bekannt, Mitbewerber im Einsteiger- und Mittelklassesegment zu unterbieten und trotzdem qualitativ hochwertige Smartphones zu liefern. Mit dem Honor 8 Pro probieren die Chinesen diese Taktik nun eine Liga höher aus. Denn ein Blick aufs Datenblatt verrät: Das Gerät ist in manchen Aspekten besser ausgestattet, als das Huawei Mate 9 oder das Huawei P10 und trotzdem deutlich günstiger.

Beim Aussehen hat sich Honor Mühe gegeben, zwar eine optische Zugehörigkeit zum Honor 8 herzustellen, das Design aber nicht einfach nur zu recyceln. Schon wenn man beide Geräte nebeneinander hält, werden die Unterschiede sichtbar. Während die Chinesen beim Vorjahresmodell auf eine Glasrückseite setzten, verwendet man beim Pro Aluminium. Das ist auch gut so. Glas sieht zwar schick aus, zieht aber Fingerabdrücke an und macht das Gerät extrem glatt.

Solide, aber kein Design-Highlight

Da das Display nun aber nicht mehr 5,2 Zoll misst, sondern 5,7 Zoll, ist außerdem ein guter Halt wichtig. Den gewährleistet Honor mit dem Materialwechsel und den geschwungenen Rändern auf der Rückseite. Designtechnisch hat das aber auch Konsequenzen. So sind die Antennenstreifen nun deutlich zu sehen. Das lässt das Honor 8 ein bisschen wie ein iPhone 6 Plus aussehen. Das weitere Design ist Standard.

Wie man es von Honor kennt, liegt der Fingerabdrucksensor wieder im oberen Drittel auf der Rückseite. Einmal eingerichtet, funktioniert er sehr zuverlässig und entsperrt das Smartphone sehr fix. Das restliche Design ist Standard. Heißt: Unten sitzen Kopfhörerbuchse und der USB-C-Anschluss, oben der IR-Blaster, der das Smartphone zur Fernbedienung macht, und rechts die Bedienelemente, von denen sich der Einschalter durch gebürstetes Aluminium hervorhebt. Wasserdicht ist das Gehäuse übrigens nicht. Kurz gesagt: Das Honor 8 Pro ist kein Design-Highlight, genügt qualitativ aber den höchsten Ansprüchen und fühlt sich gut an.

Dualkamera ohne Branding

Ein besonderes Merkmal beim Honor 8 Pro ist die Dualkamera. Die gehört zwar bei manchen Herstellern wie LG mittlerweile auch zum Repertoire, noch kommt aber längst nicht jedes Smartphone mit zwei Linsen auf der Rückseite. Im Honor 8 Pro lösen sie jeweils mit zwölf Megapixeln auf. Das erinnert ans Huawei P9. Ein Sensor liefert die Farbe, der andere die Tiefen-Informationen. Auf diese Weise könnt Ihr, wenn Ihr den Modus "Große Blende" aktiviert, den Fokuspunkt und die Blendenöffnung nachträglich verstellen. So lassen sich Objekte schön hervorheben, während der Hintergrund verschwimmt. Ideal ist das für Portrait-Aufnahmen.

Auch mir als ungeübtem Fotografen machte es sehr viel Spaß, mit der Funktion herumzuspielen und die Bilder nachträglich zu bearbeiten. Dabei fiel aber auf: So ganz perfekt funktioniert die Erkennung von Objekten nicht. Manchmal wurden auch Details unscharf, die eigentlich zum Motiv gehörten. In den meisten Fällen kamen aber sehenswerte Bilder dabei heraus. Auch dann, wenn man den Modus abschaltete und "normal" fotografierte.

 

Wollt Ihr noch mehr herausholen, wischt Ihr in der App einfach nach rechts und aktiviert den Profi-Modus. Den gibt es ja auch bei vielen Huawei-Geräten. Hier lassen sich ISO-Wert und Co. manuell einstellen. Im Test lieferte die Kamera schöne, natürlich Farben und bei Tageslicht gute Details. Im Dunkeln ging die Qualität in Ordnung, so lange der Blitz aktiviert war. Ohne das Zusatzlicht wurde es arg grobkörnig.

Außerdem gibt es noch eine Besonderheit: Erstmals könnt Ihr bei einem Honor-Smartphone auch die Monochrom-Funktion in der Kamera-App benutzen. Das war vorher Huawei-Geräten vorbehalten. Die Funktion ermöglicht es Euch, kontrastreiche Schwarz-Weiß-Fotos aufzunehmen. Damit ist die Knipse des Honor 8 Pro, was den Umfang angeht, auf Augenhöhe mit den großen Brüdern von Huawei. Das einzige, was fehlt, ist der Leica-Schriftzug auf dem Gehäuse. Qualitativ reicht das Honor 8 Pro ans Huawei P9 heran.

Frontkamera und Videomodus

Die Frontkamera nimmt Bilder mit acht Megapixeln auf. Die Qualität geht absolut in Ordnung. Auf unseren Test-Selfies ist jede Falte des Redakteurs zu erkennen. Auch die Farbwiedergabe stimmt. Mit dem Honor 8 Pro seid Ihr also für Instagram, Facebook und Snapchat gewappnet. Auch Video-Freunde dürften übrigens auf Ihre Kosten kommen. Denn das Smartphone kann Bewegtbilder in 4K aufnehmen. Dann braucht es nur noch ein Abspielgerät, auf dem man sich das Ergebnis ansehen kann.

Auf Selfies sind viele Details zu erkennen.(© 2017 CURVED)

Zusätzlich habt Ihr jetzt auch im Video-Modus die Möglichkeit, "Große Blende" zu aktivieren und die Blendenöffnung zu verstellen. Das klappt aber nur bei der Aufnahme und nicht mehr nachträglich. Bei der Videoaufnahme werden die Probleme mit der Objekterkennung dann sehr deutlich. Bewegt sich die gefilmte Person zu weit nach rechts oder links, wird sie ebenfalls unscharf. Diesen Modus darf man also getrost als Spielerei abtun.

Schneller als das Huawei Mate 9

Bei der technischen Ausstattung lässt Honor dann die Muskeln spielen. Das Display löst in WQHD, also mit 2560 x 1440 Pixeln auf. Da können weder das Mate 9 noch das P10 mithalten. Beide schaffen nur Full HD. Inhalte sehen auf dem Bildschirm knackig scharf, die Farben schön natürlich aus. Durch das große Display wird das Honor 8 Pro so zum Reisebegleiter für Serien- und Filmfans. Ein Tablet müsst Ihr nicht mehr zwingend separat mitnehmen. Nettes Details am Rande: Die Verpackung des Honor 8 Pro lässt sich in eine VR-Brille umbauen. Auch dafür reicht die Displayauflösung aus.

Spiele liefen sehr flüssig auf dem Honor 8 Pro.(© 2017 CURVED)

Damit auch Spiele gut aussehen, verbaut Honor Huaweis aktuellen Spitzen-Chip, den Kirin 960 und sechs Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher. Mit dieser Kombination erreichte das Honor 8 Pro im Antutu nach mehreren Durchläufen im Schnitt gute 137.000 Punkte. Das ist nicht der absolute Spitzenwert, reicht aber für einen Platz in den Top 20. Das bedeutet auch: Spiele sind für das Smartphone absolut kein Problem. Für den Test haben wir "Super Mario Run" und den Shooter "N.O.V.A. Legacy" auf dem Gerät installiert. Beide Games liefen über einen längeren Zeitraum flüssig und ohne Probleme. Warm wurde das Smartphone auch nicht.

Android mit EMUI-Aufsatz

Damit Ihr möglichst lang etwas von der Leistung habt, verbaut der Hersteller einen Akku mit 4000 mAh. Der soll zwei Tage Betrieb garantieren. Das kommt hin, wenn Ihr das Gerät für die Standards, also WhatsApp, Facebook und Co. nutzt und nur ab und zu spielt. Wer viel zockt muss am Folgetag definitiv vor dem Abend, eher um die Mittagszeit laden. 64 Gigabyte Speicher runden die Ausstattung ab. Ist Euch das zu wenig, könnt Ihr per microSD-Karte mehr Speicher nachrüsten. Dann beraubt Ihr Euch aber der Möglichkeit, eine zweite SIM-Karte zu nutzen.

Was bei allen Smartphones der Marken Honor und Huawei (mit Ausnahme des Nexus 6P) immer fast identisch ist, ist die Software. Das liegt daran, dass beide Hersteller auf die EMUI-Oberfläche zurückgreifen. Beim Honor ist sie in der Version 5.1 installiert. Im Gegensatz zur Vorversion ist sie wesentlich aufgeräumter, erinnert in manchen Zügen aber trotzdem sehr an Apples iOS. Trotzdem läuft unter dieser Oberfläche natürlich Android 7.0 Nougat als Betriebssystem.

Auch im GeekBench weiß das Honor 8 Pro zu überzeugen.(© 2017 CURVED)

Spannend: Auch bei Honor gibt es mittlerweile eine Twin-Funktion. Benutzt Ihr die, könnt Ihr Apps wie WhatsApp quasi Klonen und, zwei SIM-Karten vorausgesetzt, zwei Accounts auf einem Gerät betrieben. Ansonsten bietet das System wenig neues, was nicht auch auf anderen Geräten des Herstellers läuft. Ein Nachteil dabei: Honor ist nicht dafür bekannt, Betriebssystem-Updates sonderlich schnell nachzuliefern.

Fazit: mit Power aus dem Schatten

Honor hat es mit dem Honor 8 Pro wieder geschafft. Auch dieses Smartphone ist ein Preisbrecher. Allerdings in anderen Sphären. Ihr bekommt viel geboten, was auch bei Spitzengeräten der Konzernmutter Huawei an Bord ist, zahlt dafür aber 50 bis 100 Euro weniger. Nur bei der Kamera müsst Ihr ein paar Abstriche machen. Sie kann nicht mit der Zwölf- und 20-Megapixel-Version im Huawei P10 mithalten. Für schöne Bilder reicht es aber auch so. Kurzum: Wollt Ihr ein Gerät mit viel Leistung und großem Akku, aber kein Vermögen investieren, könnte das Honor 8 Pro genau das richtige Smartphone für Euch sein.

Das Honor 8 Pro kann ab sofort vorbestellt werden, am 24. April startet der reguläre Verkauf.


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