Honor 9 im Test: das gläserne P10

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Das Honor 9
Das Honor 9(© 2017 CURVED)

Beim Test des Honor 8 titelten wir 2016: "Das wahre Huawei P9 Lite", denn es bot eine ähnlich gute Dualkamera, aber weniger Leistung. Das neue Honor 9 ist nun fast identisch mit dem Huawei P10. Ob's als günstige Alternative taugt, verrät der Test.

Unter dem Namen "LightCatcher" hat die Huawei-Tochter das Honor 9 Ende Juni 2017 in Berlin vorgestellt. Nach dem 6C und Honor 8 Pro ist das Gerät nun schon das dritte Smartphone, das der Hersteller innerhalb weniger Wochen auf den Markt bringt.

Das Gehäuse ist wie üblich sehr gut verarbeitet. Wie beim Vorgänger Honor 8 besteht der Rahmen aus Aluminium. Die Gehäuserückseite ist mit 15 Schichten Glas überzogen. Diesem Design-Kniff verdankt das Smartphone auch seinen Namen. "LightCatcher" hat der Hersteller das Honor 9 getauft, denn das auf die Rückseite scheinende Licht wird durch die Glasschichten immer wieder gebrochen. Das führt je nach Beleuchtung zu immer anderen Ergebnissen und sieht schon ganz schön schick aus. Einen Nachteil gibt es aber: Die Oberfläche zieht Fingerabdrücke magisch an. Wer sich den Effekt erhalten will, hat besser immer ein Mikrofasertuch in der Tasche.

Ergonomische Rückseite ohne Rutschgefahr

Im Vergleich zum Vorgänger hat Honor die Rückseite außerdem ergonomischer gestaltet. Das Gerät erinnert durch die geschwungenen Ränder zwar stark ans Samsung Galaxy S7, liegt aber trotz der Glasrückseite sehr gut und sehr sicher in der Hand. Das Vorjahresmodell ist uns aufgrund der rutschigen Rückseite mehr als einmal ohne Eigenverschulden vom Tisch gefallen. Das war auch beim Honor 9 die Befürchtung. Eingetreten ist der Fall aber nicht.

Beim Design der Voderseite orientiert sich Honor nicht an dem, was heute bei Top-Geräten wie dem Galaxy S8 oder dem LG G6 zum guten Ton zählt. Es gibt also keine dünnen Displayränder, der Fingerabdrucksensor sitzt wie beim Huawei P10 auf der Vorderseite unter dem Bildschirm. Sehr wahrscheinlich ist die Design-Entscheidung dem Preis geschuldet. Denn anders als beim S8 und Co. liegt die Preisempfehlung für das Honor 9 nicht jenseits der 700 Euro. Stattdessen ruft Honor in Deutschland 429 Euro auf. Der Rest des Gerätes ist Standard: Es gibt einen Typ-C- und einen Kopfhöreranschluss sowie die üblichen Tasten.

Lob gibt es für den Bildschirm. Mit 5,15 Zoll ist er deutlich kleiner als der vom Honor 8 Pro (5,7 Zoll) oder den gängigen Top-Smartphones der Konkurrenz. Damit bildet das Honor 9 wie das Huawei P10 (5,1 Zoll) einen schönen Kontrast zu den ansonsten immer größer werdenden Smartphones. Wie beim Modell der Konzernmutter löst auch das Display im Honor 9 in Full HD auf, zeigt aber schöne, kräftige Farben und ein klares Bild. Einzelne Pixel sind nicht zu sehen.

Zwei Kameras, zweifacher Zoom

Was wieder an Bord ist, ist natürlich die Dualkamera. Wie beim Huawei P10 kommt eine Optik mit einem 12-Megapixel-RGB- und eine mit einem 20-Megapixel-Monochrom-Sensor zum Einsatz. Neu beim Honor 9 ist der zweifache Hybrid-Zoom. Den gibt es so auch schon im Huawei P10 und auch das iPhone 7 Plus hat einen ähnlichen Zoom. Im Honor 9 könnt Ihr damit nahezu verlustfrei an weiter entfernte Objekte heran zoomen. Geht es über die zweifache Vergrößerung hinaus, wird das Bild aber stark grobkörnig. Damit das nicht passiert, gibt es wie beim iPhone einen Button zum fließenden Wechsel zwischen den Stufen.

Die Dualkamera kommt ohne Leica-Schriftzug.(© 2017 CURVED)

Das Honor 9 nahm Fotos mit satten, lebensechten Farben und einer hohen Detailgenauigkeit auf. Auch bei Portraitaufnahmen konnte das Smartphone glänzen. Es scheint fast so, als hätte Honor ein bisschen an der Objekterkennung geschraubt. Denn wie üblich könnt Ihr nach dem Fotografieren mit der Funktion "Große Blende" den Fokus und die Tiefenunschärfe nachträglich bearbeiten und so schicke Portraits erstellen oder Motive hervorheben. Bei den Vorgängern gab es oft das Problem, dass zum Beispiel die Haare mit unscharf wurden. Das war beim Honor 9 in unserem Test nicht mehr der Fall. Außerdem könnt Ihr mit dem Monochrom-Sensor kontrastreiche Schwarzweißbilder aufnehmen.

Wer mag, kann in der tollen Kamera-App auch zahlreiche Einstellungen selbst auswählen. Das gilt auch für die Frontkamera. Diese nimmt Selfies mit acht Megapixeln auf und bietet ebenfalls einen Bokeh-Effekt. Der ist nett gemeint, allerdings verschluckt er viele Details. Natürlich dürfen auch die Schöhnheitsfilter nicht fehlen, die zwar Falten wegzaubern, das Gesicht aber auch sehr unnatürlich aussehen lassen. Am besten fahrt Ihr tatsächlich mit dem normalen Modus.

Die typische Ausstattung

Das Innenleben ruft Erinnerungen wach. Zum Einsatz kommt der Kirin 960. Der Chipsatz ist das Schnellste, was die Chinesen aktuell zu bieten haben. Dazu kommt unser Testgerät mit 4 Gigabyte (GB) RAM und 64 GB Speicher. Die gleiche Kombination steckt auch im Huawei P10. Honor bietet aber auch andere Konfigurationen an. Ihr bekommt das Gerät bei gleichem Speicher auch mit 6 GB RAM. Dann habt Ihr praktisch eine kleine Ausgabe des Honor 8 Pro. Wie ähnlich sich die drei Geräte sind, könnt Ihr übrigens hier nachsehen. In der Spitze gibt es das Honor 9 mit 128 GB Speicher und 6 GB Arbeitsspeicher.

Bei den ähnlichen Ausstattungsmerkmalen ist es kein Wunder, dass ähnliche Ergebnisse erreicht werden. Im AnTuTu schafft das Honor 9 rund 146.000 Punkte, ist also nur etwas schneller als das P10 (130.000 Punkte). Heißt übersetzt: Damit lässt sich gut zocken. Allerdings wird das Smartphone dabei ganz schön warm. Aber nicht nur die Leistung ist fast identisch, auch der Akku bietet die gleiche Kapazität wie der im P10: 3200 mAh reichten im Test für mehr als einen Tag Betrieb. Dank Schnellladefunktion war die Batterie innerhalb von 30 Minuten wieder bis zu 40 Prozent geladen.

Beim Betriebssystem handelt es sich um Android 7.0 Marshmallow. Durch die EMUI-Oberfläche sieht Software aber nicht nur komplett anders aus als das Stock-Android, das zum Beispiel auf dem Nokia 6 zum Einsatz kommt. Huawei und Honor erweitern die Software auch um ein paar nützliche Tricks. Das System merkt sich zum Beispiel, wann Ihr welche Apps nutzt. Öffnet Ihr nach dem Aufstehen oft Facebook, wird sich die App nach ein paar Tagen fixer öffnen, weil die Software die Anwendung im Hintergrund schon vorlädt. Praktisch, aber auch schon von anderen Geräten der beiden Hersteller bekannt.

Fazit: viel P10 für wenig Geld

Die Huawei-Tochter kommt bei dem Smartphone einmal mehr über den Preis. Wer sich für das P10 interessiert, aber nicht so viel Geld ausgegeben kann oder möchte, bekommt mit dem Honor 9 auf den ersten Blick eine gute und günstige  Alternative geboten. Während Huawei für sein Gerät 599 Euro (UVP) aufruft, bekommt Ihr das Honor 9 abhängig von der Konfiguration bereits ab 429 Euro. Verzichten müsst Ihr auf ein optischen Bildstabilisator. Ansonsten gibt es ausreichend Leistung zum kleinen Preis.

Das Honor 9 ist in in Blau, Grau und Schwarz erhältlich. Bei der Veranstaltung nannte der Hersteller eine UVP von 449 Euro, in Deutschland verkauft Honor das Gerät ab 429 Euro.


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