Honor View 20 im Test: Das Smartphone mit dem Display-Loch

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Das Honor View 20 bietet viel Display.
Das Honor View 20 bietet viel Display.(© 2019 CURVED)

Alle Welt redet über das Loch im Display des Honor View 20, dabei hat das neue High-End-Modell des chinesischen Smartphone-Herstellers noch einiges mehr zu bieten – einen Mega-Kamerasensor, einen ultraflinken Prozessor, und einen mächtigen Akku. Hier ist unser Test.

Ein Blick auf die technischen Eckdaten macht schnell klar: Mit dem View 20 will Honor in die Oberklasse, wo das Topmodell der großen Schwester Huawei, das Mate 20 Pro, sich bereits etabliert hat. Tatsächlich gibt es einige Gemeinsamkeiten: Bei beiden Modellen findet man mit dem Kirin 980 den gleichen schnellen Achtkern-Prozessor, ein 6,4-Zoll-Display, einen Infrarotsensor und einen USB C-Port. Beide Smartphones werden zudem ab Werk mit Android Pie ausgeliefert. Auf der pompösen Launch-Veranstaltung in Paris sprach Honor-Chef George Zhao entsprechend stolz vom View 20 als erstem Flagship-Smartphone 2019.

Auch die restliche Hardware betont den Oberklasse-Anspruch des Honor View 20: Der 4000-mAh-Akku mit Schnellladefunktion, großzügige 6 oder 8 Gigabyte Arbeitsspeicher und 128 beziehungsweise 256 Gigabyte Speicher für Apps und Daten wie Fotos, Videos oder Musik - erweitern kann man den Speicherplatz allerdings nicht.

Notch war gestern

Die Verarbeitung des View 20 ist durchgehend solide: Die Übergänge sind sauber gearbeitet, das Gehäuse mit den abgerundeten Kanten und dem Rahmen aus Metall liegt gut in der Hand. Für die gläserne Rückseite hat Honor ein neues Design-Gimmick entwickelt: einen dynamischen V-förmigen Farbverlauf mit Glanzeffekt, wahlweise in Rot, Blau oder Schwarz.

Aber was hat es nun mit dem Loch im Display auf sich? Eigentlich handelt es ich um nichts anderes als die Aussparung für die Front-, also die Selfiekamera und damit sozusagen den Nachfolger der (etwas größeren) Notch, die 2018 en vogue war. Gerüchteweise setzt auch Samsung beim kommenden S10 auf die verkleinerte Aussparung.

4,5 Millimeter beträgt der Durchmesser des Löchleins, das beim View 20 in der linken oberen Ecke sitzt. Damit setzt das Honor View 20 den Trend zum nahezu randlosen Display fort – stolze 91,82 Prozent der 6,4 Zoll großen Frontfläche gehören dem LC-Display, das auf Full HD+ setzt. Am unteren Rand des Displays wo Mikrofon, Lautsprecher und Anschluss sitzen, fällt der Rand allerdings etwas größer aus. Wer sich an der runden Ausstanzung im Bild stört, kann in den Einstellungen übrigens den altbekannten schwarzen Balken wieder aktivieren. Und egal ob Loch oder Balken, das Display zeigt stets ein scharfes, kontrastreiches Bild mit natürlichen Farben - auch ohne OLED. Auch einen Fingerabdrucksensor hat das View 20 an Bord und der sitzt mittig  im oberen Drittel der Rückseite. Und für Nutzer mit Kabelkopfhörern gibt es beim View 20 auch noch einen Klinkenanschluss.

48 Megapixel für die Oberklasse

Spannender als die erwähnte runde Aussparung im Display sollte allerdings die Kamera sein, die dahinter steckt und mit satten 25 Megapixeln bestückt ist. Die Ergebnisse sind okay, aber dass Honor hier auf einen Autokus verzichtet hat, führte bei unserem Selfie-Test zu Unschärfen. Und da wir in schummriger Umgebung fotografiert haben, machte sich auch ein Rauschen im Bild bemerkbar. Bei besseren Lichtverhältnissen waren auch die Ergebnisse besser.

Auch bei der rückseitigen Knipse heisst es nicht kleckern, sondern klotzen: Die 48 MP Hauptkamera präsentiert Honor als ein Top-Feature des Smartphones. Möglich macht das ein äußerst hochauflösender Sensor von Sony (IMX586), der bestimmt auch in Sonys kommenden Top-Smartphone verbaut sein wird. Trotz der 48 Megapixel liefert das Honor View 20 allerdings nur Fotos bis maximal 12 Megapixel. Grund dafür ist das Pixel-Binning. Bei dieser Technik werden vier Pixel zu einem zusammengerechnet, was zu einer höheren Lichtempfindlichkeit und weniger sichtbarem Rauschen im Bild führt.

Außerdem sitzt auf der Rückseite des Smartphones eine zweite Linse, die Mittels Infrarot-Licht Entfernungen und Bewegungen erfasst und verarbeitet. Neben Bildeffekten wie dem beliebten Bokeh mit der Tiefenunschärfe ermöglicht diese Ausstattung auch allerlei Spielereien und Features. So lässt sich die Kamera ähnlich wie die Kinect der Xbox als Bewegungssensor für 3D Motion Sensing-Spiele oder Augmented Reality-Anwendungen verwenden. Auf  der Launch-Veranstaltung des Smartphones präsentierte Honor beispielsweise  klassische Sport-Spiele wie Skifahren oder gemeinsame Dance-Moves mit einem 3D-Avatar, von Honor AI-Sticker getauft.

Künstliche Intelligenz ohne Ende

Einen Trick gibt es allerdings, um aus dem Sensor die vollen 48 Megapixel herauszukitzeln: Im AI Ultra Clarity-Modus  macht die Kamera  innerhalb von fünf Sekunden mehrere Aufnahmen und rechnet sie per Software zu einem sehr scharfen Bild zusammen. Das funktioniert natürlich nur bei Motiven die sich nicht schnell bewegen, führt aber zu scharfen, gut ausgeleuchteten, detailreichen Bildern mit realistischen Farben, die auch am Computer noch gut aussehen, selbst wenn man sie vergrößert. Und im Pro Modus kann man auch Bilder im unkomprimierten RAW-Format aufnehmen.

Außerdem optimiert ein AI-Modus mit Szenenerkennung die Fotos, um die Bilder schärfer und Farben noch lebendiger zu machen – ein Feature, mit dem Honor bereits das 8X und das 10 Lite ausgestattet hat. Die Ergebnisse sind sicher Geschmacksache, für alle diejenigen, denen die Bildoptimierung gelegentlich über das Ziel hinausschießt, lässt sich die Funktion aber auch abschalten. In unserem Test waren die Farben in der Grundeinstellung natürlich und kräftig genug.

Und noch eine KI-Spielerei hat das View 20 an Bord: Die künstliche Intelligenz kann zu fotografierten Objekten Shopping-Webseiten für den Kauf ähnlicher Produkte anzuzeigen. AI-Shopping ist sicherlich nützlich, sehr löblich ist allerdings die AI-Health-Funktion, die Honor integriert hat: Im Dienste der Gesundheit scannt die smarte Kamera Nahrungsmittel und zeigt die enthaltenen Kalorien an – das klingt doch mal nach einem sinnvollen Feature, nicht nur für Foodies. Weltenbummler und Kunstkenner möchte das Smartphone mit seiner Kenntnis von 300 berühmten Sehenswürdigkeiten und 100.000 Gemälden weltweit beeindrucken.

Auch den von anderen Honor- und Huawei-Modellen bekannten Nachtmodus hat die Kamera-App an Bord, der mehrere Aufnahmen und Belichtungszeiten zu einem ausgewogen belichteten Foto kombiniert. Die Ergebnisse sind tatsächlich hervorragend ausgeleuchtet, beim Heranzoomen bleiben in den Details die bei Smartphonekameras üblichen Unschärfen und ein Rauschen allerdings nicht aus.

Über den Sinn und Unsinn ausufernder Videofunktionalitäten bei Smartphones lässt sich trefflich streiten, denn die meisten User filmen immer noch für den privaten Gebrauch und kommen ohne viel Schnickschnack zurecht. Gegen eine gute Auflösung ist sicherlich nicht einzuwenden, mit den 4K des View 20 sehen die Filme von der letzten Familienfeier immerhin auch auf dem großen Fernseher im Wohnzimmer noch ansehnlich aus. Ob man Zeitlupe und Super-Zeitlupe wirklich braucht, entscheide jeder selbst, möglich sind mit dem View 20 beide Modi.

Als Betriebssystem ist ab Werk Android 9 Pie aufgespielt, die bisherige Oberfläche EMUI wurde durch Magic UI ersetzt, die zuletzt auch auf dem Honor Magic 2 zu finden war (in Deutschland nur als Import erhältlich) und die vor allem für die Integration weiterer Funktionen mit künstlicher Intelligenz steht. Darüber hinaus gibt es einige Design-Updates, wie neue Icons, eine neue Schrift und neues Farbschema.

Die künstliche Intelligenz des View 20 optimiert zudem auch die Performance. Link Turbo nennt der chinesische Hersteller die Technologie, welche die Nutzungsmodelle und Netzwerkbedingungen der Nutzer analysiert, um  WLAN- und 4G-Netze zu kombinieren und so die Download-Geschwindigkeit zu erhöhen. In Sachen Performance muss man sich beim View 20 insgesamt keine Sorgen machen, die üblichen Anwendungen laufen problemlos, auch aktuelle Spiele mit hohen Ansprüchen an die grafische Darstellung wie "PUBG Mobile" oder "FIFA Fußball" laufen ohne Murren, soll heißen ohne Ruckeln. Apropos Gaming: Als Goodie für Fortnite-Fans haben alle stolzen Besitzer eines Honor View 20 Zugang zu einem exklusiven Honor Guard-Outfit in Fortnite.

Allerdings ist das Honor View 20 nicht IP-zertifiziert und demnach nicht gut gegen Staub und Wasser geschützt. Auch kabelloses Laden ist nicht drin. Und hält man das Mate 20 Pro der großen Schwester Huawei daneben, muss man feststellen, dass das Mate 20 Pro ein OLED-Display mit Quad HD bietet, während das View 20 mit einem LC-Display und Full HD+ daherkomt. Dafür werden für das Mate 20 Pro aber auch rund 800 Euro fällig

Fazit: Honor kann auch High-End

Honors neuestes Flaggschiff kommt mit vielen Zutaten eines Oberklasse-Smartphones daher: Ein Turbo-Prozessor, ein Mega-Kamera und ein fetter Akku sind auf  Hardware Seite zu verbuchen, hinzu kommen ausgeklügelte Funktionen, eine Kamera-App, die auch den Flaggschiffen der großen Schwester Huawei in nichts nachsteht, eine Spitzenperformance und viele Funktionen auf Basis künstlicher Intelligenz. An manchen Ecken fehlt sicherlich das eine oder andere Quäntchen zum echten Spitzen-Smartphone, dafür punktet das View 20 wie alle Honor-Geräte mit seinem ansehnlichen Preis-Leistungs-Verhältnis. Sicher, 570 Euro für ein Smartphone sind kein Pappenstiel, im Vergleich zu Preisen von um die 1000 Euro, welche die Mitbewerber aufrufen bleiben aber schon ein paar Euro mehr in der Tasche.

Preise und Verfügbarkeit

Ab 569 Euro Euro bekommt man zum Marktstart ab dem 29.01.2019 ein schickes Telefon mit schnellem Prozessor, üppigem Arbeitsspeicher und gut ausgestatteten Kameras, und zwar in den Farben Sapphire Blue, und Midnight Black für die Version mit 6 GB RAM und 128 GB ROM. Für 649 Euro ist das Gerät auch mit 8 Gigabyte Arbeitsspeicher und 256 Gigabyte ROM und in der Farbe Phantom Blue erhältlich. Und für Design-Fans gibt es eine Sonderausgabe in Kooperation mit der italienischen Modemarke Moschino. Technisch sind die Geräte identisch, aber es gibt ein paar Extra-Designs für den Bildschirm, eine geprägte Telefonhülle mit dem knuddeligen Moschino Teddybären und spezielle Accessoires.


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