HTC Desire 820 im Test: Eine Investition in die Zukunft

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Eines der ersten Smartphones mit 64-Bit-Prozessor
Eines der ersten Smartphones mit 64-Bit-Prozessor(© 2015 CURVED)

HTC bringt mit dem Desire 820 eines der ersten 64 Bit-Smartphones auf den Markt - und das für einen attraktiven Preis. Doch Android 5.0 Lollipop ist für das Gerät noch nicht erschienen, und erst diese Version des Betriebssystems nutzt die neue Technologie richtig aus. Bisher ist das Smartphone nur etwas besser ausgestattet als sein Vorgänger Desire 816 und vor allem eine Investition in die Zukunft.

Die mobilen Geräten mit 64 Bit-Architektur im Prozessor kann man an einer Hand abzählen - naja, fast. Neben dem jetzt in Deutschland verfügbaren HTC Desire 820 sind bisher das Samsung Galaxy A7, Oppo R5, Archos 50 Diamond, Vivo X5 Max und Coolpad GreatGod F2 angekündigt. Natürlich nicht zu vergessen, das Nexus 9. Das Tablet von Google ist bisher auch das einzige verfügbare Gerät, das mit Android Lollipop die neue Technologie ausnutzen kann.

Amirs Hoffnung von der IFA wurde enttäuscht worden. Obwohl Android 5.0 inzwischen erschienen ist, liefert HTC das Desire 820 bisher nur mit Android 4.4.4 aus, das von der neuen Chip-Architektur nicht profitiert. Somit bleibt es bis zum Update ein Mittelklasse-Phablet mit kleinen Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger. Offiziell hat HTC noch nicht einmal bekannt gegeben, wann Lollipop für das Desire 820 erscheinen soll. Einem geleakten Dokument zufolge ist die Veröffentlichung des Updates erst für den März 2015 geplant.

Großes HD-Display und buntes Kunststoffgehäuse

So bleibt mir an dieser Stelle nichts anderes übrig als das Desire 820 auf dem heutigen Stand zu bewerten – dabei bleibt die wichtigste technische Neuerung außen vor. Wie schon beim Vorgänger Desire 816 verbaut HTC auch im Desire 820 einen 5,5 Zoll großen Touchscreen, der weiterhin über eine HD-Auflösung von 720 x 1280 Pixeln verfügt. Seine Farben wirken natürlich, er ist für die Nutzung im Freien hell genug und die Blickwinkelstabilität ist ausreichend groß.

Auch mit der Auflösung kann man bei der Bildschirmgröße leben. Im Alltag lassen sich alle Inhalte gut erkennen und wirken auch scharf. Aber bei solch einem großen Display drängt sich eigentlich mindestens eine Full-HD-Auflösung auf, da wird das gesamte Bild einfach noch knackiger und klarer. Mit dem Verzicht hält HTC aber auch den Preis niedrig. Nur 329 Euro will der Hersteller für das Phablet haben.

Beim Unibody-Gehäuse setzt HTC - anders als bei seinem Flaggschiff One M9 - auf Kunststoff. Im Vergleich zum Vorgänger ist das Desire 816 bunter geworden. Insgesamt neun verschiedenen Designs stehen zur Auswahl, wobei mir das weiße Gehäuse mit blauem oder rotem Rahmen und Umrandung um die Kamera am besten gefallen – aber da sind die Geschmäcker ja bekanntlich verschieden...

Ich persönlich finde es richtig, dass HTC den Einschaltknopf und den Lautstärkeregler von der linken auf die rechte Seite verschoben hat. Zumindest meinem Nutzungsverhalten kommt das sehr entgegen. Das Desire 820 ist aber wie alle Phablets ein Gerät für zwei Hände. Mit einer Hand lässt sich das große Smartphone nur sehr eingeschränkt bedienen. Man erreicht einfach nicht den kompletten Bildschirm; zudem fehlt eine Verkleinerungsfunktion, wie sie etwa Samsung der Benutzeroberfläche seiner großen Galaxy-Modelle verpasst hat.

Darüber hinaus liegt das Gehäuse mit seinen runden Kanten angenehm in der Hand, lässt sich aber nicht immer sicher halten - vor allem nicht, wenn man versucht, es nur mit einer Hand zu bedienen. In solchen Momenten ist die Gefahr groß, dass Euch das Desire 820 aus der Hand rutscht.

Auch ohne optimierte Software schneller als der Vorgänger

Auch wenn der Snapdragon 615 im Desire 820 noch auf die 64 Bit-Unterstützung der Software verzichten muss, so ist er mit seinen acht Rechenkernen - die je zur Hälfte mit 1,5 und 1,0 Gigahertz getaktet sind - immer noch schneller als der Snapdragon 400 im Vorgängermodell, dem auch nur 1,5 Gigabyte Arbeitsspeicher zur Verfügung stehen. Das Desire 820 kommt mit seinen zwei Gigabyte RAM im Antutu-Benchmark auf 27.870 Punkte. Beim Desire 816 sind es nur 21.747 Punkte.

Damit bewegt sich das Desire 820 immer noch in der Mittelklasse und deutlich hinter den Top-Smartphones. Im Alltag macht sich das weniger bei der Nutzeroberfläche und den weit verbreiteten Apps bemerkbar. Sie laufen flüssig, und die Ladezeiten sind nur unmerklich länger. Deutliche Unterschiede sind nur bei Spielen mit aufwendiger Grafik zu bemerken. So läuft zum Beispiel Asphalt 8 auf dem Phablet nur bei mittlerer Grafikauflösung flüssig.

Die Kamera auf der Rückseite nimmt Fotos mit 13,2 Megapixeln auf. Die Selfie-Kamera auf der Vorderseite verfügt über eine Auflösung von acht Megapixel. Beide Sensoren werden rückseitig belichtet und sollen damit lichtstärker als herkömmliche Sensoren sein. Das ändert allerdings nichts daran, dass ihre Fläche klein ist und sie zwar mit etwas weniger Licht gut auskommen, aber auch ihre Bilder sind nicht frei von kleinen Artefakten. Farblich wirken die Aufnahmen natürlich, Probleme haben die Sensoren allerdings mit stark unterschiedlich hellen Bereichen.

Den internen Speicher hat HTC beim Desire 820 auf 16 Gigabyte verdoppelt. Allerdings stehen davon nur 8,7 Gigabyte für Eure Daten zur Verfügung. Da fragt man sich schon, wie der Vorgänger mit acht Gigabyte Speicherplatz ausgekommen ist - oder was ihn jetzt so voll müllt. Er lässt sich aber immer noch mit einer microSD-Karte um bis zu 128 Gigabyte erweitern. Wie es sich für HTC gehört, befinden sich die Boomsound-Lautsprecher auf der Vorderseite und bringen so Musik direkt und ohne Umwege in Eure Richtung, was immer besser klingt, als wenn der Sound erst reflektiert wird.

Eine Investition in die Zukunft

Das HTC Desire 820 ist ein gelungenes Mittelklasse-Phablet und mit seinem 64 Bit-Prozessor eine Investition in die Zukunft - wenn HTC denn das Update auf Android 5.0 nachliefert. Größter Kritikpunkt von meiner Seite ist die HD-Auflösung des großen Displays, aber selbst die macht das Smartphone nicht unbrauchbar. Mit der übrigen Ausstattung kann man viel Spaß haben, mir persönlich ist das Phablet aber zu groß.

Die unverbindliche Preisempfehlung von HTC für das Desire 820 liegt bei 329 Euro, und die 30 Euro Aufpreis gegenüber dem aktuell rund 290 Euro teuren Vorgänger Desire 816 lohnen sich. Der Prozessor ist auch ohne 64 Bit-Unterstützung leistungsstärker, der interne Speicher größer, die Selfie-Kamera hat mehr Megapixel, die Tasten befinden sich  - zumindest für mich - auf der richtigen Seite, und es steht in mehr Farbvarianten zur Auswahl.

Im Vergleich mit dem Galaxy A7 von Samsung muss sich das Desire 820 ebenfalls nicht verstecken. Die Koreaner verbauen zwar ein Full-HD-Display und setzten auf ein Metallgehäuse, verlangen aber auch fast 200 Euro mehr - bei ansonsten nahezu identischer Ausstattung.


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