HTC Desire Eye im Test: Für die besten Selfies der Welt

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Die Selfie-Kamera auf der Vorderseite des HTC Desire Eye nimmt Fotos mit 13 Megapixeln auf.
Die Selfie-Kamera auf der Vorderseite des HTC Desire Eye nimmt Fotos mit 13 Megapixeln auf.(© 2014 CURVED)

Das Desire Eye von HTC soll das perfekte Mobilgerät für Selfies sein. CURVED hat die 13-Megapixel-Kamera auf der Vorderseite ausprobiert und verrät Euch, was das Smartphone sonst noch so kann.

Ich muss zugeben, bei mir hält sich die Motivation, die Welt mit Selfies zu beglücken, in engen Grenzen – somit gehöre ich nicht wirklich zur Zielgruppe von HTC für das Desire Eye. Ich fotografiere lieber Motive, ohne mich ins Bild zu drängen. Selbstverständlich hat das Smartphone noch mehr zu bieten als die Selfie-Kamera auf der Vorderseite, aber trotzdem liegt der Fokus des Tests bei ihr, so dass der Rest etwas kürzer ausfällt.

Schickes Display in Handschmeichlergehäuse

Doch zuerst klären wir ein paar Basics ab: Das 5,2 Zoll große Display verfügt über eine Full-HD-Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln. Das ist so scharf, dass keine einzelnen Pixel mehr zu erkennen sind. Der gesamte Bildschirm erscheint scharf, und die Farben sind kräftig und wirken trotzdem natürlich. Der Bildschirm hat eine hohe Blickwinkelstabilität, und es treten vergleichsweise wenig Spiegelungen auf. Das Display überzeugt mich und eignet sich auch gut als Sucher für die Kamera - sogar im Freien.

HTC hat sich beim Desire Eye für ein Gehäuse aus Kunststoff entschieden, das mir sehr gut gefällt. Die Kanten sind abgerundet, so dass es ein richtiger Handschmeichler ist, der angenehm anzufassen ist und sicher in der Hand liegt. Allerdings ist das Gehäuse der Displaygröße entsprechend nicht besonders kompakt. Schon ich mit meinen Fingern in Durchschnittsgröße erreiche mit einer Hand nicht den kompletten Touchscreen. Der Einschaltknopf und der Lautstärkeregler an der Seite sind dagegen gut zu erreichen. Als kleinen Bonus hat das Smartphone eine IPX7-Zertifizierung erhalten. Das bedeutet, dass es 30 Minuten lang einen Meter tief tauchen kann, ohne Schaden zu nehmen. Selfies im Regen steht also nichts im Weg.

Bei der Farbwahl hat HTC in meinen Augen ein glückliches Händchen gehabt. Die zwei Varianten mit weißen Vorder- und Rückseiten sowie einem roten Rahmen und einem dunkelblauen Gehäuse mit hellblauen Rahmen sehen nicht nach Spielzeug aus, sondern echt schick. Dazu kommt noch der für den Hersteller typische Lautsprecher auf der Vorderseite, der aber nicht wie beim One M8 zu sehen, sondern unter dem Gehäuse versteckt ist. Der Sound kommt direkt an Eure Ohren und wird nicht erst von Euch weg geschickt. Ich frage mich immer noch, warum das nicht längst zum Standard geworden ist.

Der Akku verfügt über eine Kapazität von 2400 Milliamperestunden und hat bei mir für einen Tag gereicht. Ich war aber auch nur zwei bis drei Stunden und nicht die gesamte Zeit online. Für die SIM-Karte und die Speicherkarte sind auf der linken Seite zwei Schächte vorgesehen, deren Abdeckungen sich leicht öffnen lassen. Mit einer Ausnahme: Wenn die Fingernägel frisch geschnitten sind, wird es schwierig,die Halterungen für die Karten herauszuziehen.

Schnelle Hardware und wenig Speicherplatz

In Sachen Rechenkraft muss sich das Desire Eye nicht verstecken. HTC stattet es mit dem Snapdragon 801, der über vier Rechenkerne mit je 2,3 Gigahertz verfügt, und zwei Gigabyte Arbeitsspeicher aus. Zusammen sorgen sie dafür, dass Android 4.4.4 und die Nutzeroberfläche von HTC flüssig laufen. Auch rechenintensive Spiele wie Asphalt 8 ruckeln bei höchster Grafikauflösung nicht. Nur der Antutu-Benchmark macht mit 40.679 Punkten klar, dass das Eye nicht in den erlauchten Kreis der schnellsten Smartphones gehört. Aber ganz ehrlich: Die Geschwindigkeit und Leistung des Desire sind völlig ausreichend.

Nur beim internen Speicher war HTC meiner Meinung nach zu knauserig. Von den 16 Gigabyte stehen nur 8,9 Gigabyte für Eure Daten zur Verfügung. Ihr könnt die Kapazität zwar mit einer microSD-Karte um bis zu 128 Gigabyte erweitern, aber gerade bei einem Gerät, das für viele Fotos und Videos konzipiert ist, hätte ich mehr internen Speicher erwartet und auch für sinnvoll gehalten.

13 Megapixel mit 22 oder 28 Millimetern Brennweite

Nachdem sich das HTC Desire Eye als sehr gutes Smartphone mit direkten Anschluss an die Spitzenmodelle erwiesen hat, wenden wir uns nun den Kameras zu. Denn die Selfie-Kamera auf der Vorderseite ist nicht nur bei Beiwerk wie bei anderen Smartphones, sondern soll das Hauptargument für den Kauf sein.

Sie nimmt, wie die Kamera auf der Rückseite, Fotos mit einer Auflösung von 13 Megapixeln auf. Beide arbeiten mit einer festen Blende von f2.0 und rückseitig belichteten Bildsensoren. Unterschiede bestehen in der Brennweite. Beide Linsen sind Festbrennweiten, aber hinten mit 28 Millimetern und vorne weitwinkliger mit 22 Millimetern. Neben beiden Kameras befindet sich eine Dual-LED-Leuchte, die als Blitzlicht und Videoleuchte fungiert.

HTC bietet mir beim Desire Eye insgesamt sechs verschiedene Möglichkeiten an, um ein Foto aufzunehmen. Das sind mir zu viele, wobei jeder für sich betrachtet seine Berichtigung hat und durchaus praktisch sein kann. Nicht überraschend sind die Aufnahmetaste und die Auslöse-Schaltfläche in der Kamera-App. Zusätzlich kann ich den Lautstärkeregler als Auslöser festlegen und die gesamte Displayfläche scharf schalten, um ein Foto aufzunehmen. Die Selfie-Kamera macht zudem noch automatisch ein Bild, wenn sie ein ruhiges Gesicht oder ein Lächeln erkennt und löst auch auf Zuruf aus.

Mit der Kamera-Taste kann ich aus jeder App heraus und sogar vom Sperrbildschirm aus die Kamera starten - wobei ich im Menü wählen kann, welche der zwei Kameras oder ob die letzte geöffnete Kamera gestartet wird. Allerdings ist der Knopf sehr schwergängig. Das führte im Test dazu, dass fast jede Aufnahme mit der Kamerataste verwackelt war, da ich das Desire Eye nicht ruhig halten und gleichzeitig den Auslöser tief genug drücken konnte. Damit verliert die Taste leider ihre Daseinsberechtigung, denn im Grundsatz ist sie eine gute Idee für ein Smartphone mit Foto-Fokus. Der Lautstärkeregler erweist sich in der Praxis als leichtgängigere Alternative, bei deren Nutzung die Motive nicht so leicht verwackeln.

Rotstich sorgt für gesunde Gesichtsfarbe

Die Bildqualität der beiden 13-Megapixel-Kameras ist nahezu identisch, die Aufnahmen der Frontkamera wirken allerdings etwas heller und weisen einen deutlicheren Rotstich auf. Insgesamt betrachtet sind die Aufnahmen sehr gut zu gebrauchen und enthalten viele Details, deutliche Konturen sowie klare Kontraste.

Selbst in Originalgröße sind zwar die einzelnen Pixel zu erkennen, vermischen sich aber nicht zu einem Pixelbrei. Die einzelnen Details sind weiterhin gut zu erkennen. Aber auch die Kameras des Desire Eye kommen bei schlechter Beleuchtung und Dunkelheit - trotz LED-Leuchten - an ihre Grenzen. Je dunkler es wird, desto größer fallen die Störungen aus. Hier rächt sich dann doch die große Menge an Megapixeln auf den kleinen Bildsensoren, deren Nachteile die Software nicht komplett ausgleichen kann.

Die Kamera-App könntet Ihr schon von anderen HTC-Smartphones kennen. Neben der Haupt- und der Selfie-Kamera stehen eine Split-Aufnahme, bei der Ihr gleichzeitig Fotos mit der Rück- und Frontkamera aufnehmt, sowie ein 360-Grad-Panorama und ein Passfoto-Automat, der in Abständen von drei Sekunden vier Fotos aufnimmt und zu einer Collage zusammenfügt, zur Auswahl.

Bei den Aufnahmeeinstellungen kann das Desire Eye mit vielen Kompaktkameras aus dem Einsteigerbereich mithalten. So stehen zum Beispiel 15 verschiedene Aufnahmeprogramme und 16 Life-Filter zur Auswahl. Zusätzlich kann ich die Belichtungskorrektur und den Weißabgleich einstellen. Im manuellen Modus kontrolliere ich zudem noch die Lichtempfindlichkeit, die Belichtungszeit, den Fokus und stelle den Weißabgleich genau nach Kelvin ein.

Makeup und Haut Verbesserung

Einige kleine Unterschiede gibt es dann doch zwischen den beiden Kameras. Während die Makeup-Stufe der Rückkamera die Bilder nur weich zeichnet, sorgt die "Haut Verbesserung" der Selfie-Kamera in meinen Augen wirklich für eine natürliche Hautfarbe, ohne mein Gesicht weich zu zeichnen. Für die Selfie-Kamera steht außerdem ein schnell einzustellender Selbstauslöser mit zwei, fünf oder zehn Sekunden Vorlaufzeit zur Auswahl. Insgesamt bietet die Kamera-App von HTC umfangreiche Einstellungen und eröffnet Fotografen viele Möglichkeiten.

HTC bietet in seiner Album-App eine Nachbearbeitung für die Aufnahmen an. Dort lassen sich die Bilder drehen, zuschneiden, spiegeln, gerade ziehen und mit einer Zeichnung versehen. Die Basisfunktionen der Bildbearbeitung sind also vorhanden. Zusätzlich stehen sieben Rahmen und elf Filter zur Auswahl, die nicht unbedingt jedermanns Geschmack sind, aber ihre Berechtigung haben.

Der Effektbereich ist vor allem für Selfies gedacht und enthält einen Weichzeichner für die Haut, eine Belichtungs- und eine Gesichtskorrektur sowie eine Augen-Optimierung, eine Rote-Augen-Entfernung, eine Augenaufhellung und eine Glanzreduzierung. Von diesen Effekten solltet Ihr aber lieber die Finger lassen. Mit ihnen ist ein Foto schneller verunstaltet als verschönert. Zur Präsentation der Fotos steht Zoe von HTC bereit. Gefallen auch die Apps von HTC nicht, dann warten noch viele Programme zur Bildbearbeitung und -präsentation im Play Store auf Euch.

Es gibt für Selfies kein besseres Smartphone

Mit der Frontkamera des HTC Desire Eye kann momentan kein anderes Smartphone mithalten - wenn man vom Oppo N3 mit seiner Schwenkkamera mal absieht. Wer täglich Selfies von sich macht, wird mit dem Smartphone trotz einiger kleiner Mängel seine helle Freude haben. Wobei die große Kameralinse auf der Vorderseite wirklich gewöhnungsbedürftig anzusehen ist. Endlich muss man nicht mehr auf gut Glück ein Selfie aufnehmen, um in den Genuss der großen Auflösungen der Smartphone-Kameras zu kommen.

Aber selbst wenn man die Selfie-Kamera außen vor lässt, liefert HTC mit dem Desire Eye ein gelungenes Smartphone, das in Sachen Ausstattung und Design zu den besseren Modellen gehört und für meinen Geschmack ruhig noch ein wenig kleiner hätte sein können. Die unverbindliche Preisempfehlung von HTC für das Desire Eye liegt bei 529 Euro. Ich persönlich würde das Smartphone für viele Dinge benutzen – aber nicht, um mehr Selfies als bisher aufzunehmen...


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