HTC One A9 im ausführlichen Test: Taiwans Antwort auf das iPhone 6s

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HTC One A9: Mittelklasse-Smartphone zum High-End-Preis
HTC One A9: Mittelklasse-Smartphone zum High-End-Preis(© 2015 CURVED)

Das HTC One A9 ist mehr als nur ein billiger iPhone-Klon, wie das Smartphone in unserem Test vor dem offiziellen Verkaufsstart beweist.

In das HTC One M8 waren wir verliebt, das HTC One M9 floppte enorm. Während wir nun auf das HTC One M10 warten, präsentieren die Taiwaner das HTC One A9. Kann das Smartphone dem angeschlagenen Konzern wieder Auftrieb verleihen? Werfen wir zunächst mal ein Blick auf die Specs.

Fünf Zoll ist das AMOLED-Display des HTC One A9 groß und verfügt über eine Full-HD-Auflösung. Die 1920 x 1080 Pixeln sorgen dafür, dass Bildschirminhalte detailliert und scharf erscheinen. Die Display-Technik sorgt für sattes Schwarz und knallige Farben. Weniger überzeugt mich dagegen das 2,5D-Glas, das die gesamte Vorderseite bedeckt. Es steht an den Seiten etwas höher hervor und soll für einen Pseudo-3D-Effekt sorgen, der mich aber auf den ersten Blick kalt lässt. Dagegen fällt mir negativ auf, dass der Homebutton mit integriertem Fingerabdrucksensor im Glas versinkt.

Verarbeitung: Apple kopiert HTC, HTC kopiert Apple

Das HTC One A9 steckt in einem hübschen Metallgehäuse, das trotz schmaler 7 Millimeter nicht zu dünn ist. Optisch erinnert es zwar stark an das iPhone 6s, doch HTC hatte ein ähnliches Design erstmals beim One M7 und danach auch beim One M8 und M9 eingesetzt. Man könnte lange diskutieren, welcher Hersteller was von welchem Hersteller kopiert hat. Oder das den Anwälten der Konzerne überlassen und sich darüber freuen, dass die Ecken des A9 nicht so rund wie beim iPhone sind, wodurch es sich meinem Gefühl nach besser und sicherer greifen lässt. Hieran ist sicherlich auch das fünf Zoll Display nicht unbeteiligt. Für mich ist es die perfekte Größe: Nicht zu klein, aber anders als viele 5,5-Zoll-Smartphones noch gut mit einer Hand zu bedienen.

Weniger schön finde ich hingen, dass HTC nicht überall Wert auf Symmetrie gelegt hat. Besonders beim weißen Modell des A9 sieht der obere Bereich der Vorderseite unstimmig aus. Sensoren, Lautsprecher und Selfie-Kamera liegen nicht auf einer Linie. Bei unserem schwarzen Testgerät sieht das schon besser aus. Auch beim Blick auf die Unterseite leidet das symmetrische Empfinden, vor allem durch den Kopfhöreranschluss, der kurz davor ist, den Rahmen zur Rückseite zu durchbrechen. Auch der Lautsprecher sitzt nicht mittig, sondern ist leicht in Richtung Rand verschoben.

HTC setzt beim One A9 keine Boomsound-Lautsprechern ein. Stattdessen gibt es nur noch einen Speaker an der Unterkante des Smartphones. Der klingt zwar auch ganz ordentlich, aber nicht so raumfüllend wie die zwei Front-Lautsprecher im One M9. Prinzipiell unterstützt das A9 High Resolution Audio mit 24 Bit und 192 Hertz, aber nur auf entsprechender externer Hardware. Sein eigener Lautsprecher profitiert davon nicht.

Positiv ist mir der markante Einschaltknopf aufgefallen. Er ist stark geriffelt und so bestens zu ertasten. Ebenfalls zum Ertasten ist der Fingerabdrucksensor gedacht. Er erkennt meine Finger zuverlässig und ist eine bequeme Methode, das A9 zu entsperren. Allerdings muss ich erneut feststellen, dass die Rückseite oder wie beim Sony Xperia Z5 die Seite ein noch idealerer Ort für den Sensor sind. Dort legt man seine Finger sowieso ständig, wenn man das Smartphone hält - nur wenn es auf dem Tisch liegt ist die Vorderseite der bessere Ort.

Performance: Snapdragon 617 und Android 6.0 Marshmallow

Im Inneren des One A9 verrichtet der neue Snapdragon 617 seine Arbeit. Er verfügt über acht Rechenkerne, die jeweils zur Hälfte mit 1,5 und 1,2 Gigahertz getaktet sind, und hat 2 GB RAM an seiner Seite. Der Chipsatz ist auf einen geringen Stromverbrauch optimiert und bewegt sich leistungsmäßig im Bereich der letztjährigen Top-Chips. Im Antutu-Benchmark schafft er rund 41.000 Punkte - ohne Drosselung wie beim Snapdragon 810. Im Geekbench 3 liegt er mit knapp 750 Punkten im Single-Core hinter dem Snapdragon 801 von 2014, im Multi-Core mit rund 3100 Punkten dafür vor dem Prozessor des HTC One M8.

In der Praxis bedeuten diese Messwerte, dass Android, die Sense-Oberfläche und von grafikintensiven Spielen in höchster Auflösung abgesehen Apps flüssig laufen.

Der Akku des One A9 verfügt über eine Kapazität von 2150 mAh. Beim Internetzugang per WLAN soll er HTC zufolge neun Stunden, beim Telefonieren 16 Stunden lang durchhalten. In der Praxis bedeutet dies, dass ich am Ende des Tages mehr Akku als gewohnt übrig habe, aber trotzdem das A9 für den nächsten Tag über Nacht aufladen muss.

Vom 16 GB großen internen Speicher bleiben ungefähr 8 GB für Eure Daten frei. Reicht das nicht, könnt Ihr ihn mit einer microSD-Karte erweitern, die Ihr erstmals nicht nur als externen, sondern auch als internen Speicher einbinden könnt. Denn das One A9 ist das erste Smartphone von HTC mit Android 6.0. Als Nutzer profitiert Ihr unter anderem von der verbesserten Verwaltung der App-Berechtigungen, einer Verlängerung der Akku-Laufzeit durch App-Standby und die die erwähnte Einbindung von Speicherkarten. Diese müssen einmal im Smartphone formatiert werden und stehen anschließend für Fotos, App-Daten und weiteren Dateien als Speicherort zur Verfügung.

Kamera: Die Rückkehr des optischen Bildstabilisators

Das HTC One A9 ist nicht das erste Smartphone mit einem optischen Bildstabilisator (OIS), doch hatte HTC zuletzt etwa beim One M9 auf das Bauteil bei den Kameras verzichtet. Der Pro-Modus hat in der Kamera-App einen prominenteren Platz erhalten. Manuelle Anpassungen an den Bildern lassen sich jetzt einfacher vornehmen. Ihr könnt die Bilder jetzt auch im RAW-Modus speichern und wahlweise direkt auf dem Smartphone oder später am Rechner entwickeln. Ebenfalls direkt in die Kamera integriert ist nun ein Hyperlapse-Modus, der Euch bei der Erstellung von Zeitraffer-Aufnahmen mit dem Smartphone und ohne Stativ zur Verfügung steht.

Nach der Abkehr von den Ultrapixel-Kameras des One M7 und M8, konnte die herkömmliche Kamera des One M9 nicht überzeugen und blieb mit großem Abstand hinter den anderen Android-Flaggschiffen zurück. Beim One A9 hat HTC jetzt endlich eine Kamera gefunden, die gute Bilder liefert. Die Farben sind satt und kräftig, wirken aber immer noch natürlich. Auch in Originalauflösung sind noch viele Details zu erkennen, ohne dass die Aufnahmen verpixelt wirken würden. Der HDR-Modus hellt dunkle Bereiche sinnvoll auf, ohne helle Bereiche zu stark zu belichten. Die Selfies sind nicht ganz so schön wie die Bilder der Rückkamera aber besser als bei vielen anderen Frontkameras. Nachts muss man zwar ein stärkeres Bildrauschen hinnehmen, aber die Kamera des A9 holt auch bei wenig Licht viel heraus und liefert immer noch zumindest im kleinen Format vorzeigbare Bilder.

Fazit: hochpreisige obere Mittelklasse

HTC verkauft das One A9 ab Anfang November. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 579 Euro. Neben Weiß und Schwarz gibt es das Smartphone auch in Silber und einem dunklen Rot.

Haptisch und optisch - von kleinen Symmetrie-Mängeln abgesehen - gefällt mir das One A9 sehr gut. Endlich mal wieder ein handliches Smartphone und nicht so ein riesiges Phablet. In Sachen Software ist es mit Android 6.0 Marshmallow gut aufgestellt und könnte sogar noch vor dem Nexus 5X und Nexus 6P erscheinen. Bei der Hardware gibt es aber nur gehobene Mittelklasse-Leistung und eine gute Kamera. Aber auch die ändert nichts daran, dass rund 600 Euro nicht gerade ein Mittelklasse-Preis sind.


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