HTC U11 Plus im Test: das Hands-on [mit Video]

Der Trend randloser Displays ist auch an HTC nicht vorbeigegangen. Mit dem U11 Plus stellt der Hersteller deshalb eine neue Variante seines 2017er Flaggschiffs vor. Mit mehr Display und weniger Rand. Wir konnten es schon ausprobieren.

Über ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung des U11 stellt HTC das passende Plus-Modell vor. Doch anstatt das ursprüngliche Design einfach nur in die Länge zu ziehen, hat HTC es gleich komplett überarbeitet. Manche der Änderungen dürften dabei nicht jedem gefallen.

Randlos ist ein Muss

0,5 Zoll. Oder 1,27 Zentimeter. So viel mehr misst der Bildschirm des U11 Plus in der Diagonale. Dafür ruft HTC zum Start 799 Euro ab, also 50 Euro mehr, als das U11 seinerzeit zum Start kostete. Das 6 Zoll große Panel löst mit 1440 x 2880 Pixel (QHD+) im 2:1-Format auf und entzückt wie schon beim U11 mit breitgefächertem Farbspektrum und angemessenem hohem Helligkeitswert. HDR10 soll das Gerät ebenfalls unterstützen, allerdings nicht direkt zum Verkaufsstart.

Schöne Neuerung: Obwohl es sich bei der Display-Technologie um ein IPS-LCD handelt, bietet das Plus eine Always-on-Funktion. Diese lässt sich entweder permanent aktivieren oder per Schütteln kurzzeitig aufrufen. Neben der Uhrzeit hält die Anzeige dann auch bei einem eigentlich ausgeschalteten Display unter anderem eingegangene Benachrichtigungen bereit.

Gegenüber dem U11 Life hat sich HTC beim Plus dafür entschieden, auch das Gehäuse optisch zu überarbeiten. Die Ecken sind kantiger, die Ränder links und rechts nahezu vollständig verschwunden. Ober- und unterhalb des Screens setzt HTC weiterhin auf schwarze Balken statt auf eine einzelne Kamera-Ausbuchung am oberen Rand wie zum Beispiel Apple beim iPhone X. Allerdings fallen die Ränder ungleich schmaler aus als noch bei der 5,5-Zoll-Vorlage. Der gewachsene Bildschirm nimmt nun 82 Prozent der Vorderseite ein.

Deshalb befindet sich der Homebutton beim U11 Plus auch nicht mehr vorne. Stattdessen hat HTC ihn rückseitig unter der Hauptkamera positioniert. Dort ist er jederzeit gut zu erreichen und gleichzeitig weg genug von der Linse entfernt. Versehentliches Berühren wie beim Galaxy S8 ist somit weitestgehend ausgeschlossen. Dennoch dürfte nicht jeder mit dieser Designentscheidung einverstanden sein. Angesichts der Größe von 6 Zoll bietet es sich aber durchaus an, den Sensor hinten zu platzieren. Dadurch dient der Zeigefinger nicht mehr nur der Stabilisierung des Smartphones, sondern entsperrt es in Windeseile, ohne dem Gerät den sicheren Halt zu nehmen.

Edge Sense mit neuer Funktion

Wie das U11 bietet auch das Plus die wesentlichen Funktionen, die das Flaggschiff auszeichnen. Allen voran Edge Sense. Durch seitlichen Druck auf das Gehäuse können so verschiedene Aktionen ausgeführt werden: vom Auslösen der Kamera, zum Starten von Alexa bis hin zum Annehmen und Auflegen von Anrufen. Anders als beim Google Pixel 2 lassen sich die Befehle dabei individuell und sogar für einzelne Apps festlegen. Schon das normale U11 bot eine Vielzahl an Anwendungen für Edge Sense, seit dessen Erscheinen hat HTC die Funktion aber noch weiter ausgebaut.

Eine Neuerung ist der sogenannte Edge Launcher. Um die Bedienung mit einer Hand zu vereinfachen, reicht ein längeres "Zusammendrücken" des Rahmens, um eine Art Wählscheibe am linken oder rechten Rand aufzurufen, die sich prima mit dem Daumen drehen lässt. HTC will damit sicherstellen, dass auch das Plus-Modell nicht zwingend eine zweite Hand zur Nutzung benötigt. Bis zu 24 Apps lassen sich über den Edge Launcher schnellstarten. Welche das sind, bestimmt freilich der Nutzer selbst.

In unserem ersten Hands-On handelte es sich noch um eine Beta des Launchers, der aber bis zum Release im Dezember fertig und ab Werk verfügbar sein soll. Probleme bei der Performance oder Handhabung konnten wir aber auch bei der Beta nicht feststellen. Stattdessen fühlt sich der Edge Launcher wie eine sinnvolle Eingabemethode für große Displays an. Eine ähnliche Funktion hatte auch Alcatel mit dem Idol 5S vorgestellt. Der Edge Launcher soll zudem für das U11 und das U11 Life per Software-Update nachgeliefert werden – sehr vorbildlich.

Technisch identisch

Wie im Vorbild ist auch in der Plus-Variante ein Snapdragon 835 (Acht Kerne mit 2,45 GHz) für die Performance zuständig. Beim Arbeitsspeicher hat sich HTC für eine feste Größe entschieden: Statt 4 und 6 GB mit unterschiedlich großem Flashspeicher gibt es beim U11 Plus ausschließlich 6 GB RAM nebst 128 GB Flash. Letzterer ist durch eine microSD-Karte auf bis zu 2 Terabyte erweiterbar.

Als Betriebssystem installiert HTC ab Werk Android 8.0 Oreo mit HTC Sense vor. Ebenfalls direkt zum Start dabei sind die drei Assistenten HTC Companion, Google Assistant und Amazon Alexa.

Bild und Sound

An der Kamera des U11 hat HTC keine Veränderungen vorgenommen. Zum Glück, denn diese zählte lange als DxO-Referenz. Auch beim U11 Plus löst sie mit 12 Megapixel auf und bietet neben einem optischen Bildstabilisator einen Dualblitz und eine f/1.7-Blende mit 28 mm Brennweite. Videos lassen sich damit in 4K oder in Full-HD mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde aufnehmen.

Bei der Frontkamera hat HTC die Megapixel reduziert. Dafür bekommt das 8 Megapixel starke Objektiv einen größeren Sichtbereich von 85 Grad, der sich besonders gut für Gruppenselfies eignet.

Besondere Erwähnung verdient auch der Sound des U11 Plus. Wie beim Original kommen HTC' BoomSound und die großartigen USonic-Kopfhörer zum Einsatz. Diese sind in der Lage, den Gehörgang via Ultraschall zu vermessen und die Frequenzen dementsprechend anzupassen. Das Ergebnis ist ein auf Euer Ohr zugeschnittener Sound.

Preise und Verfügbarkeit

Das HTC U11 Plus soll ab Ende November, Anfang Dezember erhältlich sein und 799 Euro kosten. In Deutschland stehen die zwei Farben "Ceramic Black" und "Translucent Black" (leicht durchsichtig) zur Verfügung. Letztere allerdings erst ab Frühjahr 2018.

Vorläufiges Fazit

Schon das U11 bot Anfang das Jahres nahezu alles, was man sich von einem Premium-Smartphone wünschen konnte. Und nicht nur das: HTC verbaute zusätzlich noch ein paar Funktionen, die auch heute noch nicht überall zu finden sind. Edge Sense ist eins davon, aber auch Bluetooth 5.0, eine IP67-Zertifizierung, die USonic-Kopfhörer mit Schallvermessung und Anti-Noise-Cancellation. Schön, dass sich alle davon auch so im U11 Plus wiederfinden.

Mit dem Plus-Modell folgt HTC aber nicht einfach nur dem wachsenden Trend randloser Smartphones. Das Unternehmen macht sich mit der Neuvorstellung auch gleich noch für eine breitere Käuferschaft attraktiver. Denn zum einen sieht das neue Design wirklich gut aus, zum anderen sind sechs Zoll große Smartphones längst nichts Ungewöhnliches mehr. Zumal das Gerät selbst dank der schmalen Ränder gegenüber dem normalen U11 gar nicht so viel größer geworden ist. Alternativ hat HTC das U11 Life vorgestellt, das mit 5,2 Zoll kleiner und mit 349 Euro auch gleich noch eine ganze Ecke günstiger ausfällt.

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