Huawei Ascend P7 im Test: Gute Hardware, lahme Software

Her damit !60
Huawei Ascend P7
Huawei Ascend P7(© 2014 CURVED)

Weniger als ein Jahr nach dem Ascend P6 lässt Huawei mit dem P7 schon den Nachfolger seines schlanken Flaggschiffs vom Stapel: Erneut unter 7 Millimeter dünn, erneut im schicken, wenn auch recht iPhone-esken Gewand, erneut mit Emotion UI. Dafür aber mit verbesserten Spezifikationen bezüglich Display, Akku, Kamera und Prozessorleistung. Wir haben den günstigen 5-Zöller intensiv getestet und sagen Euch im Test, ob er es mit HTC One M8, Galaxy S5 und Xperia Z2 aufnehmen kann. 

Update vom 10. Juli 2014: Das Ascend P7 hat Ende Juni ein umfangreiches Firmware-Update erhalten. Unsere Bewertung dieser Aktualisierung findet Ihr im Abschnitt Software und im Fazit. /Update

2014 scheint das Jahr der Aufgüsse, oder euphemistischer, der Evolutionen zu werden: Nachdem Samsung wie gehabt ein weiteres Galaxy S-Modell auf den Markt wirft, Sony mit dem Xperia Z2 das Z1 verbessert und HTC mit dem M8 versucht, den Triumph seines 2013er M7 zu wiederholen, hat auch Huawei in den vergangenen Monaten an seinem ordentlichen Vorjahres-Topmodell P6 herumoptimiert und uns vor ein paar Wochen in Paris das P7 vorgestellt. Das ist mit 6,5 Millimetern Höhe abermals besonders schlank, zeigt in Sachen Design kaum Abweichungen vom Vorgänger, punktet aber wenigstens auf dem Papier mit einem größerem, höher auflösendem Screen, mehr Rechenpower und einem stärkeren Akku — und einem vergleichsweise besonders kleinen Preis von nur 419 Euro (UVP). Ob das 5 Zoll-Smartphone, das ab Juni hierzulande in den Verkauf kommt, eine günstige Alternative zu den Platzhirschen aus Korea, Japan und Taiwan ist, oder ob sich der chinesische Wettbewerber dieser starken Konkurrenz geschlagen geben muss, klären wir in den folgenden Absätzen.

Schlank, schön, iPhone

Das Huawei Ascend P7 gibt es hierzulande in Schwarz und Weiß

Wie bereits angedeutet, sieht das Ascend P7 seinem Vorläufer zum Verwechseln ähnlich. Zwar ist es mit 6,5 Millimetern etwas properer geraten als das nur 6,18 Millimeter dürre P6, ansonsten aber ist fast alles gleich geblieben: Der schicke Alu-Rahmen, die abgerundete Kunststoff-Unterkante, die Positionierung von rückseitiger Kamera sowie das gesamte Look-and-Feel des Geräts zeugen davon, dass bei Huawei in diesem Jahr der Apfel nicht weit von seinem 2013er-Stamm gefallen ist.

Apropos "Apfel": Ja, wie auch schon das P6 ähnelt damit das P7 sehr stark dem berühmten Smartphone aus Cupertino — vor allem der Alu-Rahmen darf schon fast als Hommage an das iPhone gewertet werden; wir sind sicher, dass Huawei diese Optik auch mit einem gewissen Kalkül in Hinblick auf die Verkäufe im Heimatmarkt angestrebt hat. Ebenfalls wie das Apple-Smartphone, aber anders als sein Vorgänger, kommt das P7 nun mit Glas - genauer: Gorilla Glass 3 - auf dem Rücken.

Die weiteren Design-Unterschiede zum Vorgänger sind marginal: Der Powerbutton auf der linken Seite ist nun rund — die ganze Button- und microSD/SIM-Leiste ist übrigens toll gestaltet und verarbeitet —, der micro-USB-Port ist an die Unterkante gewandert, dafür befindet sich der Anschluss für die Kopfhörer nun sinnvollerweise oben und kommt ohne den Verschlussstöpsel des P6 aus. Und zuletzt wurde auch noch der Lautsprecher auf dem Rücken des P7 etwas aufgehübscht.

Ob das neue Ascend-Topmodell es auf  dem Laufsteg mit einem HTC One M8 aufnehmen könnte, liegt im Auge des Betrachters, zu den attraktiveren Smartphones dieses Jahres gehört es aber in jedem Fall.

Natürlich ist es ob des größeren Screens auch insgesamt etwas größer geworden:  Sechs Millimeter mehr in der Länge (139,8 mm) und rund 3 Millimeter in der Breite (68,8 mm) hat es gegenüber dem Ascend P6 zugelegt. Im Vergleich zum HTC One M8 (146,36 x 70,6 x 9,35, 160 Gramm) ist das aber immer noch  äußerst kompakt und schlank.

Im Ergebnis bleibt das Huawei Ascend P7 damit so schön anzusehen wie sein Vorgänger und ist an der einen oder anderen Stelle sogar noch etwas schicker geworden. Besonders der verglaste Rücken mit dem darunterliegenden, filigranen und nur leicht schimmernden Muster gibt dem 5-Zöller einen edlen Touch. Ob das neue Ascend-Topmodell es deswegen auf dem Laufsteg mit einem HTC One M8 aufnehmen könnte, liegt im Auge des Betrachters — zu den attraktiveren Smartphones dieses Jahres gehört es aber in jedem Fall.

Auch ein Hingucker: Das 5 Zoll große Full HD-Display

Gestochen scharf, leuchtstark und mit satten Farben: Das 5 Zoll FHD-Display des Ascend P7

Schon der 4,7 Zoll große HD-Screen im P6 gefiel mir damals ausgezeichnet, bot er doch tolle Helligkeitswerte und damit gute Lesbarkeit auch bei starkem Licht/Sonneneinfall. Daran ändert sich glücklicherweise auch im P7 nichts: Weiterhin strahlt das Ascend Euch bei der Benutzung an, die automatische Helligkeitsregelung justiert befriedigend, wenn auch zuweilen etwas gemächlich. Toll ist, dass sich dieses optische Vergnügen nun auf 5 Zoll und die Full HD-Auflösung von 1920 x 1080 Bildpunkten (445 ppi) erstreckt — somit ist wirklich kein Pixel mehr zu erkennen, sämtliche Inhalte wirken wie gedruckt. Die Blickwinkel, Kontrast- sowie Schwarz-Weiß-Werte sind ebenfalls auf sehr hohem Niveau. Am Screen des P7 gibt es also abermals rein gar nichts auszusetzen.

Auch die Blickwinkelstabilität des P7-Screen ist ausgezeichnet

Und an dieser Stelle darf man ruhig mal den Hut vor Huawei ziehen: Trotz der extremen Dünne des Geräts haben die Chinesen es erneut geschafft, im Ascend P7 ein In-Cell-LC-Display zu verbauen, das denen der „großen“ HTCs, Sonys und Samsungs in Sachen Bildqualität in nichts nachsteht - bei einem deutlich geringeren Preis.

Vier Kerne à la Huawei

Ohne vier Kerne geht heutzutage nichts mehr - das weiß auch Huawei. Allein hört der Vierkernprozessor nicht auf den Namen Snapdragon und kommt auch nicht aus dem Hause Qualcomm, sondern stammt vielmehr aus Huaweis eigener Produktion und nennt sich HiSilicon Kirin 910T. Falls Ihr am Stammtisch mal mit Details punkten wollt: Dahinter verbirgt sich ein mit 1,8 GHz getakteter Cortex-A9-Chipsatz, dem eine Mali 450MP4 GPU und 2 GB RAM beiseite stehen. So viel zu trockenen Theorie.

In der Praxis, sprich in Benchmarks und Spielen, liegt dieser Vierkerner etwa auf dem Niveau eines Snapdragon 600 aus dem Vorjahr, wie er beispielsweise im HTC One M7 verbaut war. Das heißt: In Sachen 3D-Grafik gemäßigte  Spiele, wie etwa Monument ValleyRayman Fiesta Run oder The Room 2, laufen flüssig; wird es grafisch anspruchsvoller, wie beispielsweise in Real Racing 3, merkt Ihr schnell, dass im P7 eben kein Snapdragon 800 und keine Adreno 330-Grafikeinheit steckt: Das schicke Rennspiel lässt sich auf dem 5 Zoll-Screen zwar spielen. Ganz so flüssig, wie man das von den aktuellen Top-Smartphones kennt, lässt es sich aber mit dem Ascend P7 nicht über die Rundkurse rasen.

Im Inneren werkelt zwar kein Snapdragon, das P7 taugt dennoch zur mobilen Spielkonsole.

Ja, das ist Meckern auf hohem Niveau, taugt das P7 doch durchaus zur mobilen Spielkonsole - zumindest bei den aktuell für Android erhältlichen Titeln.

Unter der Haube des Ascend P7 werkelt der vierkernige Kirin 910T-Chipsatz von HiSilicon

Und ein Chipsatz, der Real Racing 3 auf ausreichend Touren bringt, der wird ja wohl auch den Alltag auf dem Homescreen und in Apps bewältigen, oder? Nicht so ganz — leider — was allerdings an der Huawei-eigenen Benutzeroberfläche liegt, die die Chinesen über Android 4.4.2 geflanscht haben...

EmotionUI: Optisch hui, technisch pfui

Stolz ist man bei Huawei auf das Antlitz der eigenen Bedienoberfläche, die sich ebenfalls mehr oder weniger stark an Apples iOS orientiert. Wohlgemerkt: orientiert! Denn dafür fehl etwas: der App Drawer. Ein Feature, das das Android OS eigentlich aus- und aus meiner Sicht auch sehr praktisch macht — beim P7 hingegen ordnet Ihr alle Apps, wie schon beim Vorgänger, lediglich auf dem Homescreen an.

Der App-Drawer des Ascend P7

Dafür besticht das Emotion UI mit seiner Optik: Sämtliche Icons für die Huawei-eigenen und die Standard-Apps sind äußerst liebevoll gestaltet. Das geht zuweilen soweit ins Detail, dass das Symbol für die Kalender-Anwendung beispielsweise immer den tatsächlich aktuellen Tag des Monats anzeigt — putzig! Und es kommt noch besser: Dank der mächtigen Theming-Engine könnt Ihr dem Gerät „on-the-fly“ einen neuen Look verpassen. Huawei installiert auf dem P7 bereits neun Styles vor, die allesamt von Grund auf anders gestaltet sind und richtig gut aussehen. Weitere 30 Themes lassen sich bei Bedarf herunterladen. Fans wechselnder Smartphone-Looks kommen beim Ascend P7 also voll auf ihre Kosten.

Das Emotion UI bietet umfassende Theming-Optionen

Update vom 10 Juli 2014: Ende Juni hat Huawei dem P7 eine Firmware-Aktualisierung auf Version L10V100R001C00B121SP01 spendiert. Und es hat geholfen: Das unten bemängelte Stottern und Ruckeln auf dem Homescreen sowie das gelegentliche Hängenbleiben von Apps ist nach der Installation des Updates nicht mehr aufgetreten.

Auch hält das P7 nun stabil die WLAN-Verbindung, wenn es in den Standby-Modus geht und WhatsApp- und andere Pushnachrichten erreichen den Nutzer auch bei abgeschaltetem Display zuverlässig.

Wir werden in den kommende Tagen auch noch überprüfen, ob sich die Akkulaufzeit durch das Update verbessert hat und dahingehende Erkenntnisse dann gegebenenfalls nachreichen.

Schon jetzt heben wir aber unsere Note für den Aspekt Software zunächst um 2 Punkte auf den Wert 7 an und werten die Gesamtnote des P7 damit einhergehend von 7.8 auf 8 auf. Sollte sich der gute Eindruck der Software und der Performance in den kommenden Tagen bestätigen und auch die Laufzeit positive Veränderungen zeigen, ist ein ein erneutes Anheben der Noten denkbar. /Update

Dieser gestalterische Pluspunkt birgt unter Umständen leider das aktuell größte Manko des P7: Trotz der oben erwähnten nominellen Hardware-Power des Vierkern-Chipsatzes ruckelt die gesamte Bedienoberfläche des 5 Zollers mitunter erheblich — ob das nun an der Theming-Engine liegt, oder daran dass das Emotion UI in der installierten Version 2.3 nicht ausreichend optimiert ist, sei dahingestellt. Denn in der Praxis bremst die Software die Bedienung teils ordentlich aus: Das ruckelige Herunterziehen der Benachrichtigungsleiste und das wenig flüssige Scrollen auf dem Homescreen wären ja noch zu verschmerzen; dramatischer ist aber, dass sich manche Apps unter Umständen auch ordentlich Zeit zum Starten nehmen und ab und an gar einfach komplett hängenbleiben.

Hier hilft dann gefühlt oft nur ein manuelles Aufräumen im Multitasking-Manager. Mit dem Nachteil, dass sämtliche im Hintergrund laufenden Anwendungen geschlossen werden. Bleibt zu hoffen, dass Huawei das Emotion UI in dieser Hinsicht mit einem Update verbessert. Kurzum: Aktuell macht die Benutzung nicht so viel Spaß, wie die schicke Optik zunächst verspricht.

Verwirrend: Die zig Optionen zur Akkuschonung und Nutzung der Datenverbindung

Ein weiteres Problem der Software des Ascend P7, das übrigens auch für die ruckelige Bedienung verantwortlich sein könnte, sind die zig Maßnahmen zur Schonung des Akkus und zum Schutz der Datenverbindung und Eurer Privatsphäre, die Huawei dem Gerät spendiert. Diese überprüfen im Hintergrund andauernd jede App und fragen Euch regelmäßig, ob Push-Nachrichten gesendet werden dürfen, die Anwendung im Hintergrund das WLAN oder Mobilfunknetz nutzen darf oder zur Akkuschonung überhaupt automatisch starten soll. Gut gemeint, aber schlecht umgesetzt.

Die ganzen Maßnahmen zur Schonung des Akkus und zum Schutz der Datenverbindung und der Privatsphäre sind selbst für Profis zu komplex und undurchschaubar.

Denn diese ganzen Tools sind selbst für Profis zu komplex und undurchschaubar: Wieso lassen diese sich nicht teilweise oder komplett abschalten? Warum werden manche Apps standardmäßig blockiert? Und warum scheinen die Freischaltungen schlicht nicht zu funktionieren? Im Testzeitraum kamen beispielsweise diverse WhatsApp- oder Facebook-Messenger-Nachrichten erst dann bei mir an, als ich die Anwendung entweder aktiv geöffnet habe (oder gar in die jeweilige Konversation tippte) oder kurioserweise, wenn ich vom mobilen Netzwerk in ein WLAN wechselte,  oder umgekehrt — und das, obwohl die betreffenden Apps angeblich komplett freigeschaltet waren.

Praktisch: Die aufklappbaren Shortcuts in der Benachrichtigungsleiste des P7

An anderer Stelle zeigt sich das Emotion UI dann wieder sehr praktisch: Die Schnelleinstellungen in der Benachrichtigungsleiste lassen sich bei Bedarf ausklappen, um noch mehr Schaltflächen freizugeben, eine Spiegel-, eine Lupen- sowie eine Taschenlampen-App helfen im Alltag, der vorinstallierte Dateimanager ist übersichtlich gestaltet, das Einstellungsmenü ebenso und per Knopfdruck lässt sich der Homescreen in einer vereinfachten Optik darstellen, die eine wenig an Windows Phone erinnert und das Gerät dann auch gefühlt etwas runder laufen lässt.

Cool: Der Lockscreen mit Schnellzugriffen und Wetter-Infos

Und so lässt sich festhalten, dass Huawei dem Ascend P7 mit dem Emotion UI grundsätzlich etwas Gutes hat angedeihen lassen, lediglich bei der Umsetzung geschludert hat und hier schnell nachbessern sollte, damit das aktuelle Top-Smartphone der Chinesen nicht an seiner Software scheitert. Aktuell tut es das leider — wenn man es mit den Top-Geräten der Konkurrenz vergleicht.

Endlich: NFC und LTE für schnellen Datenaustausch

Auszusetzen gab es am P6 noch Huaweis unverständlichen Verzicht auf ein NFC-Modul und LTE-Konnektivität. 2014 spendieren die Chinesen ihrem Topmodell beide Features, letzteres sogar nach Cat 4-Standard, was in der Theorie und bei entsprechender Verfügbarkeit durch Euren Provider mobile Downloadraten bis zu 150 MBit pro Sekunde möglich macht. In der Praxis erreichten wir mit einer regulären LTE-Option beispielsweise in der Berliner Innenstadt einen durchschnittlichen Downstream von 15 bis 25 MBit/s.

Und wo sie bei Huawei schon dabei waren, beseitigen sie gleich noch einen Missstand: Das P6 war mit nur 8 GB internem Speicher etwas mager bestückt, dem P7 wurde nun die doppelte Menge spendiert, von der Euch nach dem ersten Hochfahren dann auch deutlich befriedigendere 12 GB zur Verfügung stehen. Die Möglichkeit, den internen Speicher mittels microSD-Karten zu erweitern, bleibt bestehen. Und so lässt das P7 in Sachen Datenkapazität und -Flexibilität wirklich keine Wünsche offen.

Einen weiteren Negativpunkt gibt es in Sachen WLAN und mobilem Netz: Das Ascend P7 kappt im Standby immer mal wieder die Verbindung zu beiden Netzwerken - trotz gegenteiliger Einstellung. Ob das mit den oben erwähnten Problemen der Software zu tun hat oder tatsächlich auf Hardwareebene begründet ist, wissen wir nicht. Im Ergebnis führt es aber dazu, dass Push-Nachrichten ab und an erst dann ankommen, wenn Ihr das P7 entsperrt.

13 MP für tolle Fotos — aber maue Videos

Das Ascend P7 kommt mit einer 13 MP-Kamera auf der Rück- und einer 8 MP-Linse auf der Vorderseite

Großes Lob für die 13-MP-Kamera des Ascend P7: Die Ergebnisse - zumindest auf Foto-Seite - sind deutlich besser als etwa beim HTC One M8. Die Bilder sind scharf genug, dass sogar ein wenig hereingezoomt werden kann, ohne dass Ihr gleich Pixelmatsch bekommt. Die Farbsättigung, -echtheit und die Kontraste  gehen voll und ganz in Ordnung.

Auch die Kamera-App gefällt mit guter Übersichtlichkeit über Optionen und Features, zahlreichen Aufnahme-Modi und ausreichend schnellen Auslösezeiten. Cooles Feature: Ihr könnt dem P7 bei Bedarf vorgeben, dass ein doppelter Tipp auf die „Lautstärke leiser“-Taste die Kamera aus dem Standby startet — also ohne das Gerät vorher über den Lockscreen wecken zu müssen. Das ist ungemein hilfreich, falls Ihr oft und gerne aus der Hüfte bzw. der Hosentasche die Schnappschüsse macht.

2014 ist das Jahr der Selfies, allein oder mit Freunden. Für Gruppenbilder hat Huawei gar das Schlagwort „Groufie“ erfunden und schützen lassen(!), um damit auf die Panorama-Qualitäten des Ascend P7 hinzuweisen. Dessen Frontkamera löst nämlich nicht nur mit gewaltigen 8 MP auf und eignet sich damit tatsächlich erstaunlich gut für weite Selbstportraits  auch mit mehreren Personen. Ebenfalls hilfreich: Das kleine Vorschaubild, das nach dem Auslösen in der Nähe der Frontkamera eingeblendet wird und den Blick darauf lenkt, garantiert, dass Ihr auch wirklich in die Linse und nicht an dieser vorbei aufs Display starrt.

Mit der 8 MP-Frontkamera des Ascend P7 lassen sich tolle Selfies, oder auch „Groufies“ schießen.

Wo mich die Kamera des P7 bei der reinen Fotografie durchaus begeistert, da enttäuscht sie mich bei der Videoaufnahme: In Full-HD aufgenommene Clips wirken extrem unscharf, milchig und ruckelig. Einzig den berüchtigten Rolling-Shutter-Effekt, der bei schnellen Schwenks zu scheinbar schiefen Gebäuden oder Bäumen führt und mit dem manch andere Smartphone-Kamera kämpft, minimiert das P7 erstaunlich gut. Dennoch ist die Qualität der Full HD-Videos insgesamt unterdurchschnittlich.

Akkulaufzeit: Ein bisschen mehr wäre besser ...

Ich war bei der Präsentation in Paris recht beeindruckt davon, dass es Huawei gelungen ist, einen ordentlich großen 2.500 mAh-Akku in das dünne Gehäuse des Ascend P7 zu pressen und freute mich schon auf lange Laufzeiten — leider ein wenig zu früh: 2.500 mAh bedeutet zwar natürlich nicht ganz so viel Kapazität, wie sie ein Samsung Galaxy S5 oder das One M8 mitbringen, wenig ist es aber auch nicht. Dennoch hält das P7 im Schnitt dann doch etwas zu kurz durch, um Euch ein wirklich sicheres Gefühl zu vermitteln.

Nach 12 Stunden geht dem 2500 mAh-Akku langsam die Luft aus

Auch bei Verzicht auf stromfressende Games und ausufernden Videokonsum kommt das Gerät auf rund 12 bis 15 Stunden Laufzeit — wohlgemerkt: ohne aktivierte Stromsparmaßnahmen, dafür aber auch nur bei moderater Nutzung, sprich gelegentlichem Checken von E-Mails, News-Readern und einschlägigen Social Media-Apps. Fasst Ihr Euer Smartphone häufiger an, werdet Ihr Probleme bekommen, es mit einer Akkuladung über den Tag zu schaffen.

Fazit: Das Emotion UI verhindert echte Glücksgefühle

Grundsätzlich ist das P7 ein guter Begleiter durch den Alltag: Dank seiner schlanken Bauform passt es gut in Tasche. Mit dem moderaten Gewicht stört es nicht weiter und das vorne wie hinten verbaute Gorilla Glass 3 schützt effektiv vor großen wie vor Mikrokratzern. Es sieht schick aus, ist ausreichend performant, um auch anspruchsvollere Apps und Games nutzen zu können, hat ein tolles Display und eine — wenigstens für Fotos — sehr gute und schnelle Kamera. Beim anberaumten UVP von knapp über 400 Euro müsste man nun eigentlich sagen: Los, kaufen!

Die Eingangsfrage dieses Testberichtes war aber, ob das Huawei Ascend P7 trotz seines günstigen Preises eine Alternative zu den aktuellen Top-Smartphones sein kann. Und die Antwort darauf fällt leider negativ aus. Nicht wegen seiner Hardware oder der Verarbeitung, sondern weil die Software unausgereift ist.

Ist das Huawei Ascend P7 ein Schnäppchen?

Dass die Videos, die das P7 aufnimmt, nicht so dolle sind, dass die Akkulaufzeit länger sein könnte und der Chipsatz etwas potenter, wäre in Anbetracht des geringen Kostenpunktes ja noch entschuldbar. Dass aber Pushnachrichten nicht zuverlässig ankommen und die automatische Synchronisation nicht immer funktioniert, dass die Software ständig hakt und ruckelt und die gesamte Datenverbindung instabil scheint, darf bei einem Smartphone, das in der Oberklasse mitspielen möchte, einfach nicht sein.

Das Gute daran: Huwai hat (hoffentlich) die Möglichkeit, an diesen Stellen per Firmware-Update nachzubessern. Bis dahin greifen Poweruser dann aber doch lieber zu den etablierten Modellen. Und alle, die Design, Verarbeitung, Display und Preis des Ascend P7 zu attraktiv finden, warten besser noch ein wenig ab. Wir melden, sobald das Gerät mit einer entsprechenden Aktualisierung bedacht wird und werden dann auch unser Fazit noch einmal überprüfen.

Update vom 10. Juli 2014: Aufgrund eines Firmware-Updates von Ende Juni dieses Jahres (siehe auch Abschnitt "Software") passen wir Fazit und Wertung des P7 dahingehend an, dass nun alles weitestgehend flüssig läuft und Verbindungsabbrüche sowie hängengebliebene Pushnachrichten nicht mehr stattfinden. Damit erhält das P7 eine Kaufempfehlung als gute und günstige Alternative in der aktuellen Oberklasse von uns. /Update


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