Huawei Honor 6 im Test: Unspektakulär, aber gut!

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Huawei Honor 6
Huawei Honor 6(© 2014 CURVED)

Es muss nicht immer gleich ein Top-Smartphone à la Samsung Galaxy S5, LG G3 oder Moto X sein. Huawei hat mit dem Honor 6 schon auf dem Papier ein Spitzen-Smartphone mit Octa-Core-Prozessor, Dual-SIM, LTE und Kameras, die mit 13 und 5 Megapixeln Fotos schießen. Wir haben uns das Huawei Honor 6 importiert und zeigen Euch, was der China-Kracher alles kann.

Lange war das Huawei Honor 6 in der Android-Szene nur unter dem Codenamen Mulan bekannt und hat Hoffnungen geweckt, dass der chinesische Hersteller das Smartphone auch nach Deutschland bringt. Stand heute ist aber, dass das Honor 6 vorerst dem chinesischen Markt vorbehalten bleibt. Aber wie im Falle des OnePlus One und den beiden Top-Geräten von Xiaomi, dem Mi3 und dem Mi4, gibt es den kleinen Umweg über Importeure, um an solche China-Smartphones heranzukommen. Sowohl beim OnePlus als auch bei den Xiaomi-Smartphones hat sich dieser Weg richtig gelohnt. Wird das Huawei Honor auch so überzeugen?

Design und Verarbeitung: Ein Mix aus iPhone 4s und Xperia Z1 Compact

Das Design des Huawei Honor 6 ist unspektakulär und erregt kein großes Aufsehen. Irgendwie erinnert das Design aber an Apples iPhone 4 und 4s, nur dass die Haptik nicht an die Wertigkeit der alten iPhones herankommt. Der matt-silberne Rahmen, der sich nur um zwei Drittel des Gehäuses zieht, sieht nach Aluminium aus, ist aber aus Plastik gefertigt. Auch die gläsern anmutende Rückseite besteht aus Plastik, wie es auch beim Sony Xperia Z1 Compact zum Einsatz kam. Leider sind sowohl die Front als auch die Rückseite wahre Fingerabdruck-Magneten und schreien geradezu nach einem schönen Case, das die Rückseite auch gleich vor Kratzern schützt.

Auch wenn Huawei beim Honor 6 sehr viel Plastik einsetzt, hat man nicht das Gefühl, ein billiges Smartphone in der Hand zu halten. Die Verarbeitung ist top, alles sitzt hervorragend und knarzt nicht. Sogar die Abdeckung für die beiden SIM-Karten und der microSD-Slot sind sauber verarbeitet.

Display

Das Honor 6 hat eine etwas verwirrende Namensgebung: Normalerweise würde man meinen, dass das Honor 6 wegen der Zahl über ein 6 Zoll großes Display verfügt – aber dem ist nicht so. Stattdessen bringt es ein 5-Zoll-Display mit Full HD mit. Das IPS-Panel kommt dabei auf eine Pixeldichte von 441 ppi und liegt damit auf Augenhöhe mit einem HTC One M8 oder dem Schwestermodell aus eigenem Hause, dem Huawei Ascend P7.

Huawei Honor 6(© 2014 CURVED)

Leistung und Performance

Im Inneren des Honor 6 arbeitet ein Octa-Core-Chip auf Basis von ARMs big.LITTLE Technologie. Hierbei besteht der Achtkern-Prozessor aus vier Kernen der Cortex A7-Basis und vier Kernen der Cortex A15-Basis. Letztere takten mit maximal 1,7 GHz, während die vier stromsparenden Kerne der A7-Reihe mit maximal 1,3 GHz laufen. Wozu eigentlich dieser Aufwand? Diese Kombination aus einer sparsamen und einer auf Leistung abgestimmten Einheit soll die Effizienz des Smartphones verbessern. Für den normalen Alltagsgebrauch aus telefonieren, Fotos knipsen, im Internet surfen, E-Mails schreiben und lesen wird nur der Strom sparende A7-Teil mit maximal 1,3 GHz genutzt. Sobald aber rechenintensive Aufgaben wie HD-Videos oder Games gestartet werden, springen zusätzlich die auf Leistung getrimmten A15-Kerne ein. ARM hat die Funktionsweise der big.LITTLE-Prozessor-Technologie sehr anschaulich im folgenden Video erklärt.

Unterstützt wird der Prozessor noch durch großzügige 3 GB Arbeitsspeicher und dem Mali-T628-Grafikchip. In dieser Konfiguration schafft das Huawei Honor 6 im Benchmark mit AnTuTu v5.1 aus dem Stand satte 41.092 Punkte und übertrumpft damit sogar das Sony Xperia Z3. Der Abstand zum Huawei Ascend Mate 7 ist nur marginal – und das fährt immerhin den neueren Kirin-925-Octa-Core-Prozessor auf.

Im Alltagseinsatz kann das Honor 6 überzeugen. Flüssig stürmt es durch die Homescreens und auch die Apps werden zügig gestartet. Als mobiles Gaming Device könnt Ihr mit dem Honor 6 ebenfalls Eure Freude haben. Real Racing 3, Leo's Fortune und auch Asphalt 8 machen Spaß und laufen ohne den kleinsten Ruckler. Nur Sky Force 2014 ist hier eine Ausnahme und fällt bei viel Action immer wieder durch minimales Ruckeln negativ auf.

Software: EmotionUI 2.3

Bei der Software setzt Huawei auf Android 4.4.2 und stülpt darüber die nicht mehr ganz frische EmotionUI 2.3 aus eigenem Hause. Die Nutzeroberfläche erinnert wie auch schon Xiaomis Miui stark an Apples iOS. Eingefleischte Android-User werden den App Drawer wieder verzweifelt suchen.

Im Großen und Ganzen ist die UI des Honor 6 typisch für chinesische Hersteller simpel gehalten und mit zahlreichen kleinen Gimmicks versehen. Icon-Messies können durch einfaches Schütteln den Homescreen aufräumen. Über einen eigenen Theme Market sind neue Designs erhältlich und der sogenannte Beauty Modus bringt einen justierbaren Weichzeichner für Selfie-Bilder mit.

Wenn Ihr gegen all diese kleinen Spielereien nichts habt und Euch mit der EmotionUI anfreunden könnt, ist diese Oberfläche eigentlich ganz schön und einfach zu nutzen. Wem die EmotionUI 2.3 nicht gefällt, der kann beruhigt sein: Auch das Honor 6 soll die 3.0-Version erhalten. Einen Vorgeschmack auf diese bekommt ihr in unserem Test zum Huawei Ascend Mate 7.

Kamera - Gut für Schnappschüsse und Selfies

Das Honor 6 von Huawei verfügt über eine 13 Megapixel Hauptkamera mit einem BSI-Sensor von Sony, der auch schon im Xiaomi Mi4 und OnePlus One eingesetzt wird. Damit angefertigte Bilder können sich dank des sehr guten Sensors durchaus sehen lassen. Der Dual-LED-Blitz sorgt auf kürzere Distanz für eine etwas natürlichere Farbdarstellung. Erwartet aber nicht, dass dieser Blitz große und dunkle Räume aufhellt.

Huawei Honor 6: Wie auch das OnePlus One und das Xiaomi Mi4 nutzt auch das Honor 6 den Sony Kamerasensor(© 2014 CURVED)

Für Selfie-Freunde gibt es oberhalb des Displays noch eine 5 Megapixel Frontkamera, die auch durchaus gute Bilder schießt. Da das Honor 6 aktuell nur im asiatischen Raum verkauft wird, gibt es auch noch ein paar kleine nette Spielereien: So lässt sich das Honor 6 aus dem Lockscreen heraus mit Hilfe der Frontkamera auch als Spiegel verwenden. Dabei simuliert die Software zusätzlich sogar noch ein Badezimmer und nebelt den Spiegel ein. Erst nach dem Freiwischen mit den Fingern lässt sich das Honor 6 dann als Spiegel einsetzen.

Apropos Spielerei: Wie für jedes gute asiatische Smartphone, gibt es natürlich auch für die Kamera des Honor 6 eine Verschönerungsfunktion. Während der Selfie-Aufnahme kann man hiermit per Schieberegler den Grad der „Verschönerung“ einstellen. In Wirklichkeit handelt es sich dabei allerdings um einen simplen Weichzeichner, der einem während der Aufnahme die Möglichkeit gibt, Falten und auch Hautunreinheiten digital wegzuretuschieren.

Großer Akku und interessante Energiesparmaßnahme

Obwohl das Huawei Honor 6 über einen mit 3.100 mAh recht großen Akku verfügt und locker 12 Stunden im normalen Alltag aushält, baut der chinesische Hersteller versteckt in den Systemeinstellungen noch eine zusätzliche Stromsparmaßnahme ein. Hinter dem kryptischen und nichtssagenden Menüpunkt Rog-Einstellungen verbirgt sich die kleine Zauberwaffe von Huawei: Aktiviert man diese Funktion, wird man erst einmal informiert, dass das System hierzu einen Neustart benötigt. Nach dem notwendigen Reboot fällt einem sofort das etwas unschärfere Bild auf. Grund für die leichte Unschärfe ist, dass der 5 Zoll Bildschirm statt mit der nativen Full HD-Auflösung von 1080p nur noch mit 720p arbeitet. Damit will Huawei das Honor 6 noch etwas länger von der Steckdose fernhalten, als es mit den normalen Stromspareinstellungen schon möglich ist. Tatsächlich verlängerte das Herunterschalten der Auflösung die Laufzeit des Honor 6 im Test um zusätzliche zwei Stunden.

Um die Laufzeit mit einer Akkuladung noch weiter zu strecken, kann man beim Honor 6 auch in den Einstellungen | Energiesparen die Option "Ultra" wählen. In diesem Modus werden WLAN, Bluetooth, GPS und sonstige Funktionen abgeschaltet, so dass in der Praxis nur noch ein einfaches Handy mit Telefon- und SMS-Funktion übrig bleibt.

Sound und Gesprächsqualität - alles im grünen Bereich

Natürlich will man mit einem Smartphone auch telefonieren, also ist auch die Gesprächsqualität wichtig. In dieser Disziplin leistet sich das Honor keine groben Schnitzer. Alle Gesprächspartner konnten mich gut verstehen und auch ich musste nicht die Lautstärke auf Maximum drehen, oder mich besonders stark auf den Gesprächspartner konzentrieren, um alles verstehen zu können. Zum Sound des auf der Rückseite angebrachten Lautsprechers lässt sich nur sagen, dass dieser vorhanden ist. Sind die eigenen Ansprüche nicht so hoch, dann geht auch dessen Qualität in Ordnung. Natürlich ist der Lautsprecher aber kein Vergleich zu Stereo-Lautsprechern wie in einem HTC One M8.

Fazit:

Das Honor 6 ist ein Smartphone, das genauso ist, wie es von außen wirkt: unspektakulär. Es ist ein gutes Handy, das sich durch viele Kleinigkeiten in den Tiefen des Systems von der Masse abhebt. Die Energiesparfunktionen, allem voran das Umschalten von Full HD auf HD, kitzeln auf langen Reisen fernab einer Steckdose vielleicht die notwendigen Minuten heraus, um die nächste Stromquelle zum Auftanken zu erreichen.

Zusätzlich ist das Honor 6 Dual-SIM-fähig, wobei auch noch LTE unterstützt wird. Nur das Einsetzen und Herausnehmen der SIM-Karten ist etwas schwierig. So kommt es schon einmal vor, dass man die SIM-Karte nicht ohne Stecknadel herausbekommt.

Leistungstechnisch bewegt sich das Honor 6 mit dem Huawei eigenem Kirin Octa-Core-Prozessor auf gutem Niveau. Vergleichbar von der Leistung her ist es mit einem Samsung Galaxy Note 3 und einem Sony Xperia Z2. Im Großen und Ganzen ist das Huawei Honor 6 ein gutes und solides Smartphone, das man empfehlen kann, ohne es zu bereuen.

Update: Honor 6 ab sofort in Deutschland erhältlich

Der Umweg über einen Importeur entfällt ab sofort. Das Honor 6 wird im laufe des 29. Oktobers 2014 über Amazon für 299,99 Euro erhältlich sein. Der Unterschied zum chinesischen Import ist minimal, denn in Europa wird das Honor 6 nicht als Dual-SIM-Smartphone angeboten, sondern nimmt hierzulande nur eine SIM-Karte auf. Die restliche Hardware-Ausstatung bleibt mit der chinesischen Variante aber identisch.


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