Huawei Mate 10 Pro als mobiles Büro: Easy Projection im Test [mit Video]

Ihr könnt das Huawei Mate 10 Pro auch als PC-Ersatz nutzen. Der Easy-Projection-Modus macht es möglich. Ob der was taugt, haben wir ausprobiert.

Aktuelle Top-Smartphones haben mittlerweile so viel Leistung, dass "einfache" Apps ihr Potenzial nicht ausschöpfen. Stattdessen setzen die Hersteller die Rechenpower nun anders ein: Sie machen die Telefone zum Ersatz-PC. Wie das geht, haben Microsoft und Samsung schon gezeigt. Sowohl das Lumia 950 XL als auch die Samsung-Modelle Galaxy S8 und Galaxy Note 8 können Nutzer mit Hilfe einer Dockingstation an einen Bildschirm anschließen. Auch das Huawei Mate 10 Pro bietet solch einen Desktop-Modus. Genannt "Easy Projection".

Das Smartphone wird zum Trackpad

Ein Vorteil bei Huaweis Ansatz: Ein Dock ist für die Zusammenarbeit mit einem Monitor nicht zwingend notwendig. Es reicht zum Beispiel, das Smartphone mit einem USB-C-Kabel an einen passenden Bildschirm anzuschließen. Für die Eingaben verwandelt sich das Display des Mate 10 Pro dann ganz einfach in ein TrackPad, wie man es vom Notebook kennt. Wollt Ihr dagegen tatsächlich längere Texte, empfiehlt sich natürlich der Anschluss einer Tastatur.

Für unseren Test haben wir das Smartphone deswegen an ein USB-C-Hub angeschlossen, das neben zwei USB-Steckplätzen für Maus und Tastatur auch einen HDMI-Ausgang für den Anschluss an einen Monitor und einen weiteren USB-C-Anschluss verfügt. Der ist nötig, um das Mate 10 Pro mit Strom zu versorgen. Andernfalls entleert sich der Akku recht schnell. Bei der DeX Station von Samsung gibt es dieses Problem nicht. Allerdings könnt Ihr auch Maus und Tastatur auch kabellos per Bluetooth mit dem Smartphone verbinden.

Einmal angeschlossen wechselt das Mate 10 Pro in den "Easy Projection"-Modus. Die Oberfläche sieht der von Windows 10 recht ähnlich. Es gibt einen Button fürs Startmenü, eine Taskleiste und Zugriff auf die Benachrichtigungen vom Smartphone. Öffnet Ihr das Startmenü fällt zunächst einmal auf, dass Huawei segmentiert. Es gibt die eigenen Apps und einen Ordner mit Apps von Drittanbietern. Beide könnt Ihr mit einem Rechtsklick wahlweise auf dem Desktop platzieren oder an die Taskleiste für den Schnellzugriff anheften.

Wo sind denn die Apps?

Was auffällt. Nicht jede auf dem Smartphone installierte App ist hier abgebildet. Im Gegenteil: Gerade für den Desktop-Modus interessante Anwendungen wie Google Docs oder Google Tabellen fehlen ebenso wie der Play Store. Tatsächlich gibt es ohne Huaweis eigene Mail-App und dem Chrome-Browser zum Start keine Anwendung, die wirklich zum Arbeiten am großen Bildschirm einlädt.

Diese lassen sich aber teilweise durch Tricks nachrüsten. Bekommt Ihr zum Beispiel eine Mail in Gmail geschickt, könnt Ihr diese über die Mitteilungszentrale in der App öffnen, sie dann an die Taskleiste anheften und so zum dauerhaften Verbleib bewegen. Google Docs lässt sich "nachrüsten", indem Ihr Google Drive im Browser aufruft und von dort zur App wechselt. Warum es diese kuriosen Umwege gibt, bleibt offen. Immerhin funktionieren die Apps dann aber einwandfrei.

Das ist nicht immer der Fall. Schon der Test des Galaxy S8 mit der DeX Station hat gezeigt: Das Potenzial von Android am großen Bildschirm ist da, die Möglichkeiten sind aber limitiert. Spiele wie "Super Mario Run" oder "Batman: Arkham Underworld" konnten wir zwar starten, ab einem gewissen Punkt aber nicht mehr steuern. Ein positives Gegenbeispiel ist "Vain Glory", das sich mit angeschlossenen Maus wie ein echtes PC-Spiel anfühlt.

Fazit: Huawei hat noch Arbeit vor sich

Obwohl das Feature spannend ist, entpuppt sich "Easy Projection" noch nicht als Kaufgrund für das Huawei Mate 10 Pro. Sicher, Leistung bietet das Telefon genug. Aber Apps, mit denen Ihr wirklich arbeiten könnt, bekommt Ihr noch nur über Umwege auf den Schirm. Da muss Huawei definitiv nachbessern.

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