Huawei MediaPad X1 7.0 im Test: Teurer Spaß von gestern

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Huawei Mediapad X1 7.0
Huawei Mediapad X1 7.0(© 2014 CURVED)

Dieses Tablet sollte die 7-Zoll-Klasse aufmischen und dem iPad mini das Fürchten lehren, aber nach der Vorstellung auf dem Mobile World Congress im Februar 2014 wurde es still um das MediaPad X1 7.0. Heute, knapp 6 Monate nach dem MWC, geht der iPad-mini-Killer von Huawei endlich in den Verkauf – aber ist es nun nicht viel zu spät? Wir haben das kompakte und schicke Tablet mit Telefonie-Funktion getestet und sagen Euch, ob sich das Warten gelohnt hat.

In einer so schnelllebigen Branche wie dem Smartphone- und Tablet-Markt scheint Huawei die Ruhe weg zu haben. Ganze sechs Monate sind seit der Vorstellung des MediaPads X1 7.0 vergangen, und erst jetzt kommt das 7 Zoll Phablet auf den Markt. Im Februar löste das MediaPad X1 7.0 noch Freudensprünge aus, aber mittlerweile ist es ein alter Hut. Aber erst einmal der Reihe nach.

Design und Verarbeitung

Bei dem uns zur Verfügung gestelltem MediaPad X1 7.0 in schwarz ist der Ersteindruck von der Optik her durchaus gelungen. Wenn man nicht mit der Materie vertraut ist und sich nur ab und zu über Tablets auf dem Laufenden hält, könnte man schnell denken, dass man ein iPad mini mit einem seltsamen Logo in der Hand hält. Die Front des X1s besteht fast komplett nur aus Display. Huawei gibt an, dass das 7 Zoll große Full HD Display 75 Prozent der Front ausfüllt. Und tatsächlich: Man hat wirklich das Gefühl, fast nur ein Display in der Hand zu halten.

Von der Verarbeitung ist es mal hui, mal hfui. Top ist, dass beim MediaPad X1 7.0 Aluminium im Gehäuse zum Einstaz kommt. Ein Flop ist aber, dass die obere und untere Rückseite aus Plastik in Aluminium-Look glänzt. Wahrscheinlich sitzen hinter den beiden Plastikteilen auch die Antennen für die drahtlose Kommunikation. Huawei hätte vielleicht beim HTC One M8 oder M7 lernen sollen, wie man ein Alu-Unibody-Gehäuse herstellt und dabei die Übergänge von Plastik zu Aluminium sauber gestaltet.

Interessant ist, dass Huawei unser Testgerät als schwarze Variante anpreist, es aber im Licht mehr in die Richtung Violett schimmert. Da sind andere Hersteller wie HTC und auch Apple kreativer in der Namensgebung von nicht eindeutigen Farben. Die kreieren ganz einfach Namen wie "Gunmetal Grey" oder "Space Grey".

Huawei Mediapad X1 7.0 in Schwarz? Sieht eher nach Lila aus.(© 2014 CURVED)

Das Display

Beim Bildschirm setzt Huawei auf ein 7 Zoll großes Display mit IPS-LCD-Technologie. Diese Technik macht einen sehr guten Eindruck. Auch die Blickwinkelstabilität ist gelungen, es gibt keine Farbverschiebung. Auch die Farbdarstellung ist bei dem uns vorliegenden Testgerät sehr gut und bietet keinen Grund zu meckern. Für Fans der AMOLED-Display-Technologie sind sicher die Farben eines IPS-Display zu blass.

Dank der Auflösung von 1.920 x 1.200 Pixeln kann das MediaPad X1 7.0 Videos und Games in Full HD  darstellen. Für die Spezifikationsfans ergibt sich aus der Auflösung und der Displaygröße eine Pixeldichte von 323 Bildpunkte pro Zoll. Zum Vergleich: ein iPad mini Retina mit 7,9 Zoll und einer Auflösung von 2.048 x 1.536 kommt auf eine Pixeldichte von 326 ppi.

Software

Huawei verwendet seit geraumer Zeit auf seinen Smartphones und Tablets die eigenen EmotionUI, die nicht jedermanns Sache ist. Genau wie Xiaomi und deren Miui ähnelt die Huawei-Oberfläche Apples iOS sehr stark. Alteingesessne Android-Nutzer werden verzweifelt nach dem App Drawer suchen, aber nicht fündig werden, denn dieser ist schlichtweg nicht vorhanden. Für meinen Geschmack, als alter iOS-Nutzer,  sieht die EmotionUI hübsch und gelungen aus, aber man muss sich an die Eigenheiten gewöhnen.

Die EmotionUI ist gewöhnungsbedürftig.(© 2014 CURVED)

Etwas seltsam ist aber, dass das Ascend P7 ab Werk mit Android 4.4.2 und EmotionUI 2.3 ausgeliefert wird, während das MediaPad X1 7.0 nur mit Android 4.2 und EmotionUI 2.0 ausgeliefert wird. Es sollte doch für einen Hersteller von der Größe Huaweis wohl möglich sein, Geräte mit annähernd identischer Hardware mit der gleichwertiger Software und Firmware zu versehen.

Resultierend aus der „veralteten“ Software auf dem MediaPad X1 7.0 ergibt sich auch das hakelige Verhalten der Software. Immer wieder fallen diese Mikroruckler auf, die auf einen Poweruser auf Dauer doch sehr störend wirken und einem die Freude mit dem Phablet rauben. Man kann nur hoffen, dass Huawei schon bald ein Software-Update freigibt, dass dem MediaPad X1 7.0 neues Leben einhaucht.

Huawei Mediapad(© 2014 CURVED)

Performance und Akkulaufzeit

Ok, für den Großteil der Anwendungen, Emails, Browser und anderen Apps, die heutzutage nahezu jeder Vierkern-Prozessor auf einem Kern absitzt, reicht die Leistung des hauseigenen Hisilicon Kirin 910 vollkommen aus. Wie wir auch schon im Hands-On-Video gezeigt hatten, liegt der mit 1,6 GHz getaktete Quad-Core-Prozessor des MediaPad X1 auf der Höhe eines Samsung Galaxy Note 2. Das ist nicht gerade berauschend, denn das Note 2 ist immerhin schon zwei Jahre alt.

Auch wenn der Prozessor von der reinen Leistung nur an ein Produkt von vor zwei Jahren herankommt, reicht es für die tägliche Dosis Spielspass durchaus aus. Spiele wie Real Racing 3 passen sich der Hardware an und reduzieren die Grafik, um ein flüssiges Spielerlebnis zu bieten. Das sieht zwar nicht immer schön aus, aber lieber eine mittelmässige Darstellung der Grafik und dafür flüssig, als eine schöne Optik und ständiger Stillstand auf dem Bildschirm. Im Großen und Ganzen kann man das MediaPad X1 7.0 von Huawei durchaus für das eine oder andere Spiel zwischendurch verwenden.

Huawei Mediapad(© 2014 CURVED)

Dank der LTE-Unterstützung sind Spiele mit Online-Zwang möglich. Zusätzlich lässt sich mit dem MediaPad X1 auch noch telefonieren. Man kann also getrost das alte Smartphone weglegen und das X1 als 7 Zoll großes Smartphone verwenden, aber am besten mit dem beigelegtem Headset, denn es sieht schon ziemlich seltsam aus, wenn man mit dem MediaPad X1 7.0 am Ohr telefoniert.

Der Akku des Tablets hält eine Kapazität von 5.000 mAh vor, das ist schon mal ein guter Wert. Zudem scheint die "veraltete" Hardware des Gerätes äußerst stromsparend zu sein, denn in unserem Dauertest hielt es mehr als 12 Stunden starker Beanspruchung durch. Wenignutzer werden das MediaPad X1 mit Bestimmtheit nur noch einmal pro Woche das MediaPad X1 laden müssen.

Kamera

Die verbauten Kameras, eine 13 Megapixel Hauptkamera und eine 5 Megapixel Frontkamera, gehen vollkommen in Ordnung. Man kann natürlich auch hier wieder nicht die Qualität einer DSLR erwarten, aber zum Teilen der Bilder in den sozialen Netzwerken reicht es aus. Ganz nett ist ein Trick bei der Frontkamera: In dunkler Umgebung wird das Display als eine Art Blitzlicht verwendet, um die Personen for der Kamera aufzuhellen.

Fazit

Schick und edel ist das Huawei MediaPad X1 7.0 auf alle Fälle. Über die leichten Verarbeitungsprobleme kann man eventuell noch drüber hinwegsehen, sollten aber bei einem Listenpreis von 399,- Euro eigentlich nicht vorkommen.

Die Performance ist für Otto Normalverbraucher vollkommen ausreichend, auch wenn Ruckler in der UI und so manch eine Gedenksekunde in den Menüs schon einmal vorkommen. Aber das kreiden wir einfach mal der veralteten Software an, die Huawei aktuell auf dem MediaPad X1 7.0 installiert hat. Hoffen wir einfach, dass – wie auch schon beim Ascend P7 – bald ein Software-Update veröffentlicht wird, das diese kleinen Performance-Probleme beseitigt.

Ein schlechtes Gerät ist das Huawei Mediapad X1 7.0 also bei Weitem nicht. Aber als Gesamtpaket sind ein iPad mini Retina oder ein Samsung Galaxy Tab S 8.4 zum Preis von ca. 400 Euro wesentlich besser, auch wenn diesen beiden die LTE- Eigenschaften zu diesem Preis fehlt. Wer also über kleine Software-Probleme, leichte Verarbeitungsprobleme und nicht top aktueller Hardware hinwegsehen kann, aber dafür die Möglichkeit haben möchte mit dem Tablet zu telefonieren, der kann durchaus zum MediaPad X1 7.0 von Huawei greifen.


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