Huawei nova 2 im Test: voll edle, vollendete Mittelklasse

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Das Huawei nova 2
Das Huawei nova 2(© 2017 CURVED)

Ist das schon Premium? Das nova 2 von Huawei liegt preislich in der gehobenen Mittelklasse, will aber durch die neue Dualkamera mit Premium-Features aufwarten. Ob das gelingt, klärt der Test.

2016 überraschte Huawei auf der IFA mit dem Huawei nova. Das 5-Zoll-Smartphone präsentierte sich im Test als elegante Mittelklasse, die allerdings mit einem zu hohen Preis aufwartete. Dieses Jahr erscheint mit dem nova 2 der Nachfolger, der sich preislich zwar weiterhin an der 400-Euro-Vorgabe des Erstlings orientiert, darüber hinaus aber ein paar sinnvolle Neuerungen mit sich bringt. Unter anderem verfügt das nova 2 nun ebenfalls über eine Dualkamera auf der Rückseite.

Weg von der Kopie, hin zum Original

Huawei verabschiedet sich vom Look des nova, das zumindest rückseitig noch frappierend an das Nexus 6P erinnerte. Kein Wunder, schließlich hatten die chinesischen Hersteller das Smartphone im Auftrag von Google gefertigt. Bei dem nova 2 hingegen ist Huawei bestrebt gewesen, ihre eigene Formsprache in das Design einfließen zu lassen. Der ganzheitliche Unibody aus matt-schwarzem Aluminium wird nur noch von dem Fingerabdrucksensor unterbrochen. Der flach in der Chassis liegende Sensor bedarf einer Einübungsphase, bis der Finger intuitiv die richtige Stelle finden. Nach einiger Zeit ist das rückseitige Entsperren aber kein Problem mehr.

Eine Zierleiste für die Dualkamera gibt es nicht mehr. Auch den Übergang zwischen Rahmen und Rückseite hat Huawei fließender gestaltet, sodass das nova 2 tatsächlich noch besser besser und griffiger in der Hand. Wie beim Vorgänger setzt Huawei auch beim nova 2 auf Aluminium für die Verarbeitung des Gehäuses. Die reduzierte Optik samt der mattschwarzen Lackierung verleihen dem Mittelklasse-Gerät einen edlen Anstrich, der selbst gegenüber dem Honor 9 mit seiner glänzenden Rückseite zu überzeugen weiß.

Die Vorderseite sieht vergleichsweise klassisch aus. Die fünf Zoll des IPS-Displays lösen in 1080 mal 1920 Bildpunkten (Full-HD) auf. Damit kommt das nova 2 auf eine Pixeldichte von ungefähr 443 ppi und liegt somit gleichauf mit dem Vorgänger-Modell.

Auch die Hardware hat ein Update bekommen. So lesen sich die technischen Spezifikationen zwar weiterhin nicht wie High-End, aber wie zeitgemäße Mittelklasse. Statt auf einen Snapdragon-Chipsatz wie im nova setzt Huawei beim nova 2 auf einen Kirin-Prozessor. Der Kirin 659 kommt erstmalig im nova 2 zum Einsatz und liegt in der Leistungsschau knapp über dem Huawei P10 Lite, in dem noch der Kirin 658 werkelt. Die insgesamt acht Kerne takten mit vier Mal 2,36 GHz und vier Mal 1,7 GHz. Vier Gigabyte RAM Arbeitsspeicher (beim nova waren es noch 3 GB) und ein Mali-T830 MP2 als Grafikchip machen das Setup komplett. Von den 64 GB ROM stehen Android 7.0 Nougat von vornherein ein paar Gigabyte zu. Die übrigen 55 GB lassen sich bei Bedarf durch eine microSD-Karte auf bis zu 256 GB aufstocken. Optional passt in den Kartenslot auch eine weitere SIM-Karte.

Im Test erreichte das Huawei P10 Lite in den Benchmarks fast 58.000 Punkte bei Antutu und 808 (Single-Core) bzw. 3185 (Multi-Core) Punkte bei Geekbench. Mit der neueren CPU liegt das nova 2 erwartungsgemäß darüber: Bei Antutu erreicht es bei fünf Tests einen Durchschnittswert von 63.371 Punkten, bei Geekbench kommt es auf 914 (Single-Core) und 3556 (Multi-Core) Punkte im Mittel.

Mit 2950 mAh liegt die Kapazität des Akkus knapp unter der des P10 Lite und sogar unter der des Vorgängers (3050 mAh). Aufgrund des kleineren Bildschirms gegenüber dem P10 Lite (0,5 Millimeter Differenz) fällt die Laufzeit aber ungefähr gleich. Bei normaler Nutzung und adaptiver Helligkeit schafft das nova 2 problemlos einen ganzen Tag. Laufen mehrere Dienste aktiv im Hintergrund mit (Push-Nachrichten, Bluetooth, etc.) kann es abends schon mal knapp werden. Eine Powerbank oder das Netzteil sollten dann in greifbarer Nähe liegen.

Das nova 2 kommt mit vorinstalliertem Android 7.0 Nougat und der typischen Huawei-Benutzeroberfläche EMUI 5.1. Diese erlaubt gegenüber dem Vorgänger, die Apps nun nicht mehr zwangsläufig auf dem Homescreen platzieren zu müssen, sondern auf Wunsch hinter dem App-Drawer zu verstecken. Einen Minuspunkt kassiert das nova 2 für seinen Android-Sicherheitspatch, der zum Testzeitpunkt Ende August immer noch auf dem Stand von Juni ist.

Die Kamera als Premium-Feature

Besonders Augenmerk hat Huawei beim nova 2 auf die neue Dualkamera gelegt. Diese schießt ihre Fotos mit 12 (f/1.8- Blende) und 8 (f/2.4-Blende) Megapixeln . Technisch erinnert der Aufbau der Sensoren an die des iPhone 7 Plus, wo das Zusammenspiel der beiden Objektive auch besonders gut für Porträtfotos mit Bokeh-Effekt (Unschärfe-Effekt beim Hintergrund) geeignet ist. Allerdings offenbar sich beim nova 2 Schwächen bei der Tiefenerkennung. So kam es im Test mehrmals vor, dass der Hintergrund als Teil der Person interpretiert wurde und deshalb nicht unscharf dargestellt worden ist. Gleiche Probleme traten auch bei Selfies mit der 20 Megapixel starken Frontkamera auf, wo die Kontrastierung zwischen Vorder- und Hintergrund aufgrund des fehlenden zweiten Objektiv noch deutlicher sichtbarer ausfällt.

Darüber hinaus verrichten sowohl die Dualkamera als auch die Frontkamera in den meisten Fällen gute Arbeit. Die Ergebnisse bei Tageslicht lassen nur unter starker Vergrößerung Bildrauschen erkennen. Die Farben wirken natürlich und kräftig, Objekte setzen sich plastisch vom Hintergrund ab. Innenräume und Kunstlicht machen den Sensoren zwar schon mehr zu schaffen, die Bildglattung rettet die Ergebnisse aber in einen ansehnlichen Bereich. Die Kritik an der Kamera des nova hält beim Nachfolger nicht mehr stand. Allerdings sei angemerkt, dass der Prozessor-Wechsel den Verlust von 4K-Aufnahmen zur Folge hat. Das nova 2 nimmt Videos nur noch in Full-HD auf.

Fazit

Das nova 2 ist gegenüber dem Erstling ein echtes Original, das sich nicht mehr ständig mit dem Nexus vergleichen lassen muss. Die neue Formsprache, die sich nun eindeutig der Huawei-Familie zuordnen lässt, spricht mich jedenfalls mehr an als die zwar schicke, aber unnötige Zierleiste auf der Rückseite. Überhaupt gefällt mir die minimal gehaltene Optik mit dem leuchtintensiven, aber etwas kühlem 5-Zoll-Display sehr gut. Aber das sind bloß oberflächliche Pluspunkte, die je nach Geschmack stärker ins Gewicht fallen.

Entscheidende Kritikpunkte lassen sich hingegen an der technischen Ausstattung festmachen: die fehlende Unterstützung von 5-GHz-Bändern bei WLAN und der USB-Typ-C-Anschluss mit lediglich USB-2.0-Geschwindigkeit etwa. Auch die überarbeitete Kamera schießt weitestgehend schicke Fotos und Selfies, Funktionen wie Beauty-Modus und Bokeh-Effekt dürften beim nächsten nova aber gerne noch nachgebessert werden.

Für 400 Euro zählt das nova 2 zur gehobenen Mittelklasse. Ganz gerechtfertigt ist der Preis angesichts der Leistung des Geräts allerdings nicht. Auch wenn Design und Verarbeitung überzeugen, bleiben zu viele Kritikpunkte übrig, die eine uneingeschränkte Kaufempfehlung verhindern. Zumal Huawei mit dem P10 oder dem Honor 9 selber Smartphones anbietet, die in den Disziplinen "Fotografie" (P10) oder "Leistung" (Honor 9) vor dem nova 2 liegen – und teilweise schon günstiger zu haben sind.


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