Huawei nova im Test: das kleine Nexus 6P

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Huawei Nova
Huawei Nova(© 2016 CURVED)

Von wegen größer ist immer besser. Das Huawei nova misst nur fünf Zoll in der Diagonale. Ob das Kleine trotzdem Großes schafft, klärt der Test.

Das Mate S: 5,5 Zoll! Das Nexus 6P: 5,7 Zoll! Das Mate 8: satte sechs Zoll! Huaweis Smartphones waren, mit Ausnahme des P9, zuletzt ganz schön groß. Das ändert sich nun mit dem Huawei nova. Der neue "Shining Star", wie CEO Richard Yu das Smartphone bei der Vorstellung auf der IFA nannte, kommt mit einem für heutige Verhältnisse kleinem Fünf-Zoll-Display. Mit dem Bildschirm schrumpft gleichzeitig auch der Preis: 399 Euro wollen die Chinesen für das Gerät haben. Alle anderen aktuellen Huawei-Geräte sind teurer. Dass es jetzt günstiger wird, hat seinen Grund. Schließlich, so Yu, wolle man auch im Markt bis 400 Euro erfolgreich sein. Ob's mit dem nova klappt?

Optisch gibt es an dem Smartphone schon einmal nichts auszusetzen. Wie man es von Huawei kennt, besteht das Gehäuse des nova aus Aluminium. Die geschwungenen Kanten sorgen dafür, dass das Gerät gut in der Hand liegt. Durch das vergleichsweise hohe Gewicht (146 Gramm) fühlt es sich noch dazu sehr wertig an. Betrachtet man nur die Rückseite, könnte man das nova auch mit dem Nexus 6P verwechseln. Wie das Google-Flaggschiff hat der Fünf-Zöller auf der Rückseite eine optisch abgesetzte Kameraleiste. Kein Zufall, denn schließlich hat Huawei das Nexus für Google gebaut.

Berühmtes Vorbild: Das Huawei nova ist optisch dem Nexus 6P nachempfunden.(© 2015 CURVED)

Schickes Smartphone mit Mittelklasse-Chip

Unter der Kameraleiste ist der Fingerabdrucksensor untergebracht, auf der Unterseite befinden sich ein Lautsprecher und der Typ-C-Anschluss mit USB-2.0-Geschwindigkeit. Auf der rechten Seite sind der Powerbutton und die Lautstärketasten untergebracht, auf der linken Seite der SIM-Schacht mit microSD-Einschub. Oben liegt der heutzutage nicht mehr ganz so selbstverständliche Kopfhöreranschluss.

Das Design ist aber nur die halbe Miete. Im Preissegment um die 400 Euro gibt es mit Smartphones, wie dem OnePlus 3 oder dem Honor 8, mittlerweile sehr gut ausgestattete Smartphones. Wie sieht es bei Huawei aus? Beim Blick aufs Datenblatt erwartet uns eine Überraschung: Statt eines Kirin-Chips der Huawei-Tochter HiSilicon verbauen die Ingenieure den zwei Gigahertz schnellen Snapdragon 625 von Qualcomm. Dazu gibt es drei Gigabyte Arbeitsspeicher.

Das reicht für alle alltäglichen Anwendungen. Apps öffnen sich zügig, bei einigen Spielen kam es zwar zwischendurch zu etwas längeren Wartezeiten, aber auch das grafisch sehr aufwändige "Asphalt 8: Airborne" ließ sich auf der höchsten Qualitätsstufe flüssig zocken. Die weitere Ausstattung in aller Kürze: Der 32 Gigabyte große Speicher ist um 128 Gigabyte erweiterbar. Dank des Akkus mit 3020 mAh schafft Ihr locker eineinhalb, bei sparsamer Nutzung sogar zwei Tage Betrieb. Wie man es von Huawei kennt, bietet auch die nova-Batterie eine Schnellladefunktion.

Ein Fünf-Zoll-Display für die weibliche Zielgruppe?

Das nach der Keynote viel beschriebene fünf Zoll große Display löst in Full HD auf. Und ganz ehrlich: Mehr als 1920 x 1080 Bildpunkte braucht es bei der Größe nicht. Pixel sind mit dem bloßen Auge nicht erkennbar. Darüber hinaus bietet der Bildschirm ein schönes kontrastreiches Bild mit natürlichen Farben. Sämtliche Inhalte, egal ob Video, Foto oder Spiel, sehen gut darauf aus. Außerdem lässt sich das Display auch bei direkter Sonneneinstrahlung noch sehr gut ablesen. Top Job, Huawei!

Darüber hinaus könnt Ihr das Smartphone aufgrund der kompakten Größe natürlich auch bequem mit einer Hand bedienen. Ob die Chinesen damit wirklich Frauen als primäre Zielgruppe im Sinn hatten? Ich wage das einmal zu bezweifeln. Denn mit dem iPhone SE hat auch Apple gezeigt, dass der Bedarf an kleineren Gerätem nach wie vor da ist. Und wenn man regelmäßig mit Smartphone-Kanten jenseits der 5,5 Zoll zu tun hat, ist es ganz angenehm, auch mal schnell eine Antwort auf eine Mail zu tippen, ohne unterwegs den Kaffeebecher beiseite stellen zu müssen.

Gute Fotos bei Tageslicht

Statt einer Dual-Kamera, wie zuletzt im P9 und im Honor 8, verbaut Huawei im nova nur eine Knipse, die mit zwölf Megapixeln auflöst. Stimmt das Licht, nimmt sie schöne, detailreiche Fotos mit lebendigen Farben auf. Bei schlechten Lichtverhältnissen sind die Ergebnisse dann nicht mehr so optimal. Die Frontkamera nimmt Selfies mit acht Megapixeln auf. Sie überzeugen ebenso durch kräftige Farben und einen hohen Detailgerät. In der Kamera-App findet Ihr wie immer genügend Einstellungen, um noch mehr aus der Knipse herauszuholen. Ambitionierte Fotografen freuen sich über den Profi-Modus, in dem viele Einstellungen selbst getroffen werden. Spaßvögel toben sich an den Verschönerungsfiltern aus.

Videotechnisch bietet das Huawei nova eine Besonderheit: Das Smartphone ist, mit Ausnahme des Nexus 6P, das einzige aktuelle Huawei-Gerät, das 4K-Videos aufnehmen kann. Mit ruhigem Händchen können hier durchaus gute hochaufgelöste Videos gelingen. Dafür braucht Ihr aber ordentlich Platz auf dem Smartphone. Eine Minute Material belegt rund 300 Megabyte des Speichers. Hier empfiehlt sich also der Einsatz einer microSD-Karte.

Besonderheiten bietet auch der Fingerabdrucksensor. Den hat Huawei im Vergleich zum Mate 8 und P9 noch einmal überarbeitet. Er scannt nun den Finger 3D und soll so mehr Sicherheit bieten, arbeitet aber trotzdem gewohnt schnell und zuverlässig. Ihr könnt Euer Smartphone mit dem Sensor aber nicht nur entsperren, sondern auch Anrufe annehmen, den Alarm stoppen, den Objektivverschluss bedienen, Fotos in der Galerie durchblättern und das Benachrichtigungsfeld aufrufen.

Nexus 6P Mini im Eigenbau

In Sachen Software geht das nova keine neuen Wege. Wie üblich kommt Huaweis EMUI-Oberfläche zum Einsatz, hier in der Version 4.1. Mit EMUI versuchen die Chinesen in manchen Punkten Apples iOS zu simulieren. Wischt Ihr schnell von oben nach unten, öffnet sich ein Suchfenster, das der Spotlight-Suche auf dem iPhone sehr ähnlich sieht. Gleiches gilt für das Kontrollzentrum, das Ihr öffnet, in dem Ihr von unten nach oben wischt. Darüber hinaus lässt EMUI einen echten (denn es gibt einen versteckten) App-Drawer vermissen.

Wenn man aber schon ein Smartphone hat, das von außen wie ein Nexus-Gerät aussieht, dann kann man auch dafür sorgen, dass zumindest auch die Software-Oberfläche wie die eines Google-Gerätes aussieht. Dazu könnt Ihr einfach den Google Now Launcher aus dem Play Store herunterladen und in den Einstellungen als Standard für die Übersicht festlegen. Allerdings müsst Ihr Euch trotz des Looks mit Android 6.0 Marshmallow zufrieden. Das ist nämlich auf dem nova installiert. Wann (oder ob) es ein Update auf Android 7.0 Nougat geben wird, ist bislang nicht bekannt.

Fazit: großer Preis, kleines Smartphone

Das Huawei nova bietet einen großen Akku, ausreichend Leistung und eine Kamera, die bei Tageslicht schöne Bilder macht. Aber: Bis auf die Möglichkeit, 4K-Videos aufzunehmen, hat es kaum Besonderheiten vorzuweisen. Der Fingerabdrucksensor zum Beispiel kommt auch im Honor 8 zum Einsatz. Genau dieses Smartphone aus dem eigenen Hause könnte dem nova zum Verhängnis werden. Denn für 399 Euro bekommt Ihr hier mit Dual-Kamera, leistungsstarkem Chip und ebenfalls ziemlich schicken Design definitiv mehr geboten. Und mit 5,2 zoll ist der Bildschirm des Honor 8 auch nur unwesentlich größer. Das Huawei nova ist im Vergleich etwas zu teuer.


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