Huawei ShotX im ausführlichen Test: das Selfie-Phone

Mit dem ShotX will Huawei ein altes Problem im Zeitalter des Selfies lösen: Die Rückkameras der Geräte machen allesamt bessere Bilder als die Frontkamera. Ob die Lösung eine Kamera zum Umklappen ist, verrät unser Test.

Es ist schon kurios: Selfies sind seit Jahren ein großer Trend in den Social Networks, doch noch immer werden die Frontkameras von Smartphoneherstellern stiefmütterlich behandelt: Geringe Auflösung und geringe Lichtempfindlichkeit sorgen für schlechte Fotos. Viele User nutzen dann umständlich die Rückkamera - ohne zu sehen, was sie aufnehmen. Huawei hat sich dagegen etwas Cleveres ausgedacht. Das Huawei Shot X hat eine umklappbare Kamera, mit der Ihr nicht nur tolle Fotos, sondern auch ebenso tolle Selfies schießen können sollt.

App mit vielen Möglichkeiten

Der Mechanismus erinnert ein wenig an einen Schminkspiegel. Denn wenn Ihr die Kamera in den Selfie-Modus umklappt, springt das Display an. Passend dazu gibt es in der Kamera-App nicht nur die von Huawei bekannte Verschönerungsfunktion, die Eure Haut aufhellt und Falten (wenn Ihr wie ich schon welche habt) glättet, sondern auch Schmink-Filter. Frauen können sich damit Make-up ins Gesicht zaubern. Virtuell, versteht sich. Für Männer ist die Funktion dagegen eher weniger geeignet. Spaß beim Herumspielen hatte ich damit trotzdem.

Im Vordergrund sollten beim ShotX aber Selbstportraits stehen. Dafür bietet Huawei extra einen "Perfektes Selfie" genannten Modus an, den Ihr in der Kamera-App aktivieren könnt. Dann schießt Ihr zu Kalibrierung einmalig Bilder aus drei Perspektiven von Euch und passt das Ergebnis mit ein paar Schiebereglern etwa für "Dünneres Gesicht" an Euer Wunschbild an. Künftig soll die Kamera anhand dieser Parameter dann ein ganz besonderes Selfie von Euch aufnehmen. Die von der Software nachbearbeiteten Bilder wirken aber nicht nur künstlich, sondern auch sehr blass. Mehr als eine Spielerei ist das nicht.

Perfekte Kamera für perfekte Selfies?

Besser klappt es, wenn Ihr die normale Foto-Funktion nutzt und den Belichtungswert der Kamera in den Einstellungen herunterregelt. Von Haus aus trifft die Kamera nämlich die falschen Entscheidungen und liefert auch ohne Blitz überbelichtete und unnatürlich helle Bilder. Das gilt natürlich auch für Fotos bei eingeklappter Kamera. Besonders bei kontrastreichen Motiven hatte ich das Gefühl, dass die hellen Elemente im Bild die dunklen überdecken. Ohne Justierung in den Einstellungen wird es also nichts mit dem perfekten Bild. Hat man die für sich richtigen Einstellungen aber erst einmal gefunden, kann die Kamera richtig Spaß machen.

Das gilt auch für die wirklich vielfältigen Bearbeitungsfunktionen, die Euch Huawei liefert. Ihr könnt nicht nur verschiedene Filter à la Instagram übers Bild legen, sondern auch nachträglich noch Lachfalten verschwinden lassen, Eure Zähne aufhellen, ein Wasserzeichen hinzufügen und so weiter und so fort. Die Möglichkeiten sind so vielfältig, dass man sich fast darin verlieren könnte.

Knutsch: Die Schminkfilter eigenen sich wohl eher für Frauen. Lustig sind sie trotzdem.(© 2015 CURVED)

Außen Plastik, innen Leistung?

Der (Achtung: Wortspiel!) Fokus liegt beim Huawei ShotX ganz klar auf der Kamera. Beim Aussehen haben sich die Designer wenig Mühe gegeben. Das Smartphone besteht aus Plastik, ist solide verarbeitet und optisch eher langweilig. Auf der rechten Seiten gibt es neben dem Einschalter und den Lautstärke-Tasten zwei Slots. Ihr könnt das ShotX entweder mit zwei Nano-SIM-Karten ausstatten oder den zweiten Schacht mit einer microSD-Karte bestücken, um den Speicher um bis zu 128 Gigabyte zu erweitern. Dazu kann ich Euch nur raten, denn von den angebenen 16 Gigabyte Speicher sind ab Werk nur 9,9 Gigabyte frei. Auf der linken Seite gibt es noch einen Fingerabdrucksensor, der zwar sehr gut funktioniert, aufgrund der Lage aber nicht leicht mit dem Zeigefinger zu erwischen ist. Ein Sensor auf der Rückseite hätte mehr Sinn ergeben.

Im Inneren setzt Huawei auf einen Snapdragon-615-Prozessor von Qualcomm, dessen acht Kerne mit je 1,5 Gigahertz takten, sowie zwei Gigabyte Arbeitsspeicher. Damit bricht das ShotX keine Geschwindigkeitsrekorde. Im AnTuTu-Benchmark kam das Gerät nur auf rund 35.000 Punkte. Anders als es sich im ersten Hands-on angedeutet hatte, lässt sich das ShotX im Alltag aber meistens flüssig bedienen. Hin und wieder dauert es einen Moment, bis sich der Browser öffnet oder die Kamera-App aufs Umklappen der Knipse reagiert hat. Das ist aber noch im Rahmen.

Eure Selfies könnt Ihr mit den Bordmitteln des ShotX ohne größere Wartezeiten bearbeiten und speichern. Auch ein Spielchen ist mal drin. Kleinere Games, wie Angry Birds - Star Wars, liefen ohne Probleme. Bei größeren Spielen, etwa "The Wolf Among Us" oder "Game of Thrones", kam das Huawei aber an seine Grenzen, ruckelte zwischendrin und wurde sehr warm. Zum Spielen eignet sich auch das 5,2 Zoll große Full-HD-Display. Einzelne Pixel waren darauf nicht zu sehen, Bildschirminhalte sehen knackig scharf aus.

Beim Betriebssystem setzt Huawei auf Android 5.1.1 Lollipop. Darüber stülpt der Hersteller seine EMUI-Oberfläche. Icons sind also abgerundet, einen App-Drawer gibt es nicht. Stattdessen landet alles auf dem Homescreen. Wer, wie ich, kein Fan der Oberfläche ist, kann sich einfach den Nova Launcher oder den Google Now Launcher aus dem Play Store herunterladen.

Fazit: Nur für Selfies noch zu teuer

Die Kamera weiß erst auf den zweiten Blick zu gefallen. Bevor gute Fotos beim Knipsen herauskommen, müsst Ihr schon die Einstellungen bemühen. Hat man das geschafft, kommen detailreiche Bilder dabei heraus. Von der Performance her ist das ShotX ein durchschnittliches Smartphone, das sich ungefähr auf dem Niveau des Motorola Moto X Play bewegt. Für die angepeilte Zielgruppe ist das Smartphone mit einem Preis von 349 Euro aber wohl zu teuer, denn wer schießt mehr Selfies als Jugendliche?


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