Huawei Talkband B2 im Test: Fitnesstracker ganz schmuck

Im vergangenen Jahr versuchte Huawei mit dem Talkband B1 einen Fitnesstracker und ein Bluetooth-Headset in einem Gadget zu vereinen – eine durchaus clevere Idee, die leider an der mangelhaften Umsetzung scheiterte. Der Nachfolger, das auf dem MWC 2015 vorgestellte Talkband B2, schickt sich nun mit höherwertigen Materialien und edlerem Design an, die Fehler des Vorgängers vergessen zu machen. Wir haben die 199 Euro teure Premium-Version des B2 ausprobiert.

Was beim Betrachten des Talkband B2 im Vergleich mit dem Vorgänger zuerst auffällt: Anders noch als das B1 sieht das B2 nicht mehr aus wie ein typisches Fitnessarmband aus Gummi und Plastik, sondern tatsächlich wie eine schicke Armbanduhr. Unsere Premium-Version kommt mit Lederarmband, champagnerfarbener Fassung für das Bluetooth-Headset und einem mechanisch wie optisch überzeugenden Verschluss. Der Tracker respektive das Headset selbst besteht zwar größtenteils aus eingefärbtem Kunststoff, aber wenigstens dessen seitliche Ränder sind ebenfalls metallen und vor allem das verspiegelte Display, das nur dann als solches erkennbar ist, wenn es dezent leuchtet, machen das Talkband B2 zu einem Hingucker, der von den meisten Betrachtern aus Anhieb kaum als schnöder Fitnesstracker identifiziert werden dürfte.

Das alles trifft zumindest auf die 199 Euro teure Premium-Version zu. Die mit 169 Euro etwas günstigeren schwarzen und weißen Varianten des B2 kommen mit sportlicherem Gummiarmband, das aber dank der neu hinzugekommenen Schlaufe am innenliegenden Ende nicht den Fehler des Vorgängers wiederholt, ständig über- und herauszustehen. Die Fassung und das Headset selbst entsprechen bis auf die Farbgebung aber auch bei diesen Varianten der teureren Leder-Edition. Optisch und mechanisch ist das B2 gegenüber dem B1 also ein gewaltiger Schritt nach vorne.

Tracking und Telefonie funktionieren

Zwei technische Aufgaben hat das Talkband B2: So soll es die Schritte beziehungsweise sportlichen Aktivitäten des Nutzers sowie seine Schlafphasen protokollieren und darüber hinaus noch als Bluetooth-Headset agieren. Vor allem Letzteres meistert das nach IP57 staub- und wasserresistente B2 besser als noch das B1.

Getane Schritte, verbrannte Kalorien und verschlafene Stunden protokolliert das Talkband auch ohne Bluetooth-Verbindung mit dem Smartphone zuverlässig, der Nutzer kann diese Zahlen durch Wischen über das kleine Display abrufen. Alternativ und umfangreicher bereitet die Huawei Wear-App nach der Synchronisation mit dem Talkband die Daten auf und erlaubt zudem das Einstellen von Alarmen – zum Beispiel bei der Trennung der Verbindung von Armband und Smartphone – und Weckern. Zum 0,73 Zoll kleinen Display des B2, das mit 128 x 88 Pixeln einfarbig auflöst, bleibt noch zu erwähnen, dass es sich im ausgeschalteten Zustand zwar wie erwähnt recht dezent hinter der silbrig glänzenden Oberfläche versteckt, was dem edlen Gesamteindruck des Talkbands zugute kommt, dafür aber ob seiner geringen Leuchtstärke im Freien bei Sonnenschein oftmals nur sehr schwer abzulesen ist – nicht unbedingt eine Tugend für einen Fitnesstracker.

Wie akkurat das Talkband B2 derweil Schritte und zurückgelegte Distanzen protokoliert, haben ich nicht exakt nachgemessen – grundsätzlich kamen mir die angezeigten Wege aber korrekt, wenn auch mit einem leichten Hang zur Übertreibung, vor. Fitness-Ansprüche beiseite: Wer möchte, kann mit dem Talkband auch die Kamera des verbundenen Smartphones auslösen, solange die zugehörige App bereits geöffnet ist – in meinem Test mit Huaweis neuem P8 funktioniert das meistens auch prompt und problemlos. Und dass der Nutzer durch Drücken und Halten auf den Screen mit der Uhrzeit die Auswahl aus acht vorgegebenen Watchfaces hat, ist ein zusätzliches Schmankerl.

Mein größter Kritikpunkt am Talkband B1 war seinerzeit, dass das Bluetooth-Headset weder haptisch noch in Sachen Sprachqualität überzeugen konnte – beide Aspekte meistert das B2 deutlich besser: Das aus dem Armband herausnehmbare Headset sitzt sicherer und angenehmer im Ohr als sein Vorgänger. Von kleinen Aussetzern zu Beginn hatte ich auch beim Telefonieren keine Probleme mit dem B2: Ich verstand meine Gesprächspartner im Rahmen der Audioqualitäten, die von einem solchen Gadget zu erwarten sind, gut – und sie mich ebenso.

Mit nur 95 mAh scheint der Akku des Talkband geradezu winzig; da im Gerät aber kein fordernder Prozessor rechnet und das Display in Sachen Energiehunger auch sehr bescheiden ist, hält das Talkband B2 mit einer Akkuladung rund drei bis vier Tage. Danach kann das Tracker-Element durch einen Micro-USB-Port an der Unterseite mit einem handelsüblichen Ladegerät innerhalb von anderthalb Stunden wieder auf volle Kapazität gebracht werden.

Fazit: Gut und schick – aber für wen?

Offen bleibt für mich die Frage nach der Zielgruppe des Talkband B2. So schick das Gadget ist, so praktisch die Idee des Bluetooth-Headsets im Fitnesstracker auch scheint – für mittlerweile rund 200 Euro gibt es bereits Sonys SmartWatch 3, für 30 Euro mehr Asus' ZenWatch. Das sind beides vollwertige Android Wear-Geräte, die ein Farbdisplay bieten und unterschiedliche Apps unterstützen.

Mit dem Talkband B2 lassen sich Schritte zählen und Telefonate führen. Einzeln bekommt man zwei gute Gadgets, die beide Zwecke erfüllen, deutlich günstiger. Somit scheint das Talkband B2 tatsächlich nur etwas für Nutzer, die exakt die Kombination aus Tracker, Bluetooth-Headset und das – vor allem im Falle der Premium-Variante – in einem wertigen Look verpackt wissen wollen. Denen muss der Spaß dann aber 199 Euro wert sein.

Oder wie ein Kollege von mir es formulierte: "Cooles, schickes und cleveres Teil – wenn das 120 Euro kosten würde, würde ich es kaufen ..."


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