iPad mini 3 im Test: Mini-Tablet, Mini-Update

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iPad mini 3: Gute Technik im Schatten des iPad Air 2
iPad mini 3: Gute Technik im Schatten des iPad Air 2(© 2014 CURVED)

Apple hat seinem 7,9-Zoller ein Update verpasst. Wirklich? Nicht nur größentechnisch steht das iPad mini 3 im Schatten seines großen Bruders.

Die Geschichte des iPad mini ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Denn das Tablet war lange Zeit ein Wunschkandidat der Apple-Gemeinde. Während nach dem erfolgreichen Launch des Nexus 7 im Jahr 2012 immer mehr Hersteller eigene Mini-Tablets in den Handel brachten, zitierten Techblogs Steve Jobs’ Aussage, wonach sich ein solch kleines Gerät nicht vernünftig bedienen lassen würde. Und dann, im November 2012, passierte es doch: Apple brachte das iPad mini auf den Markt.

Für mich hatte das Gerät den perfekten Formfaktor. Endlich konnte ich das iPad in einer Hand halten. Und es war klein genug, um es unterwegs dabei zu haben, ohne dass ich großartig Platz im Gepäck aufgeben musste. Nur einen Haken hatte die Sache: Auf jedem iOS-Gerät hatte Apple zuvor seine Retina-Displays eingeführt. Und dann das: Nur 1024x768 Pixel, kein Retina. Meh!

Dennoch war das iPad mini für mich das Tablet der Wahl. Bestach das iPad 3. Gen. durch ein wunderbares Display, war das Mini-Tablet aus Cupertino einfach mobiler. Mit dem Update auf das iPad mini Retina, jetzt iPad mini 2 genannt, war das Tablet-Glück dann perfekt: geringes Gewicht, guter Formfaktor, tolles Display.

Und dann kamen die Phablets...

Doch der Siegeszug der Phablets machte Apple einen Strich durch die Mini-Rechnung. Im Nu brachten immer mehr Hersteller Smartphones auf den Markt, die an der 6-Zoll-Grenze kratzen. Damit schwand der Größenvorteil eines Mini-iPads im Vergleich zum 9,7 Zoll großen Bruder. Die Phablets wurden so erfolgreich, dass sogar Apple von seiner Philosophie abwich, wonach sich ein Smartphone immer mit einer Hand bedienen lassen muss. Das Ergebnis hört auf den Namen iPhone 6 Plus. Und jedem, der das 5,5 Zoll große Device zum ersten Mal in der Hand hielt, war klar: Das Ding kannibalisiert das iPad mini.

Wie schnell Apple sich dem Phablet-Trend geschlagen gibt, überraschte mich dann dennoch: alter Chip, alte Bauform, altes Display, alte Kamera im iPad mini 3. Der kleine Vorteil: Weil Apple auf schnellere Hardware verzichtet, verfügt das kleine Tablet weiterhin über eine gute Akkulaufzeit, die Apple grob mit zehn Stunden angibt. In der Praxis erweist sich das iPad mini 3 als Tablet  mit guter Kondition. Mit gelegentlichem Surfen, Checken von Mails, Schießen von Fotos und Spielen schafft es der Akku locker über den Tag.

Neuerungen bringt das iPad mini 3, einmal abgesehen vom nun serienmäßig verbauten Fingerabdruckscanner Touch ID und bis zu 128 Gigabyte Speicher, nicht mit. Allein durch den Bruch mit dem eigentlich obligatorischen technischen Update sieht das Tablet damit alt aus. Das wird nicht besser, wenn man dagegen das iPad Air 2 sieht: Das ist bei 9,7 Zoll enorm viel schneller, sogar dünner und gar nicht einmal so viel schwerer. Verkehrte Welt: War das iPad mini bisher für mich das bessere iPad, so ist das iPad für mich mittlerweile das bessere Mini. Nur rund 100 Gramm trennen die beiden Tablets voneinander. Tatsächlich wirkt das kleine iPad durch die kompaktere Bauform sogar ein wenig schwerer.

Letzten Endes trägt Apple auch eine Mitschuld am Mini-Dilemma: Weil das kleine Tablet zu hochpreisig für den dumpingpreisverwöhnten Mini-Tablet-Markt war, verkaufte sich das iPad mini Retina mehr schlecht als recht. Freilich: Das iPad mini ist besser und hochwertiger verbaut als seine Android-Konkurrenz. Und das will auch bezahlt werden. Doch die Kunden sahen das anders. Im so wichtigen letzten Weihnachtsquartal war das iPad Air der Top-Seller mit 41 Prozent der Käufe, 13 Prozent schlugen beim iPad 4 zu, 5 Prozent kauften sich ein iPad 2. Das iPad mini Retina hingegen konnte nur 16 Prozent der Käufer eines Apple-Tablets auf sich vereinen. Zu wenig, um als eigenständige Sparte im rekordverwöhnten Apple-Kosmos weiter bestehen zu können.

Fünf anstatt zwei Tablets im Angebot

Um das Argument der Hochpreisigkeit zumindest ein wenig zu entkräften, hat Apple sein Portfolio an Tablets nun enorm vergrößert. Anstatt 2 bietet der Konzern künftig 5 Tablets an: das iPad Air 2, das iPad Air, das iPad mini 3, das iPad mini 2 und das iPad mini. Das erste Mini-Tablet gibt es nun schon für 239 Euro, der Retina-Vorgänger aus dem vergangenen Jahr wurde um 100 Euro im Preis gesenkt. Wohlgemerkt: Bis auf Touch ID, die neue Farbe “Gold” ist das Device baugleich mit dem iPad mini 3.

Muss man nun enttäuscht sein vom iPad mini 3? Nur bedingt. Für sich betrachtet ist das neue Apple-Tablet ein gutes Mini-Tablet. Man darf es nur nicht mit dem iPhone 6 Plus oder dem iPad Air 2 vergleichen. Dann schaut das iPad mini 3 sehr schnell sehr alt aus. So bekommen wir letzten Endes, was wir verdienen: ein Phablet aus Cupertino, das schlicht das bessere iPad mini ist, und ein 9,7-Zoller, der fast so leicht wie sein kleiner Bruder ist.

Wer es dennoch handlich mag, der kommt mit dem iPad mini 3 auf seine Kosten. Zumal es nur im neuen Mini-Tablet auch 128 Gigabyte Speicherplatz gibt. Wem maximal 32 Gigabyte und ein Homebutton ohne Touch ID genügen, der bekommt für 100 Euro weniger einen richtigen guten Deal mit dem iPad mini 2.

Weil das iPad mini 3 nur wenig Neues im Vergleich zum Vorgänger bringt, verweisen wir an dieser Stelle auf unseren ausführlichen Test des iPad mini 2. Unseren Langtest des iPad Air 2 könnt Ihr hier nachlesen.


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