iPhone 5c: Das Smartphone für das iMuseum

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In den USA beliebter als die Android-Flaggschiffe: das iPhone 5c
In den USA beliebter als die Android-Flaggschiffe: das iPhone 5c(© 2014 CURVED)

Es sah aus wie eine willkommene Abwechslung: Nach mehr als sechs Jahren endlich ein buntes iPhone. Der Trick hatte schließlich vor einem Jahrzehnt schon mal funktioniert –seinerzeit poppte Apple seinen iPod bunt auf. Es hätte auch beim iPhone 5c klappen können, wäre da nicht die Sache mit dem Preis. Für gute Mittelklasse-Smartphones im Plastikgewand sind 599 Euro schlicht nicht zu rechtfertigen.   

Die Vergangenheit lässt sich bekanntlich nicht immer wiederholen: Das bunte Plastik-iPhone ist der schwerste Flop, den sich Cupertino seit mehr als einem Jahrzehnt geleistet hat. Apple-CEO Tim Cook musste Ende Januar bei der Quartalsverkündung eingestehen, dass er sich mit dem iPhone 5c verzockt hat – es liegt wie Blei in den Regalen.

Obwohl das poppig bunte iPhone 5c aussieht, wie für 16-Jährige entwickelt, werden auf dem Schulhof unangenehme Fragen aufkommen: Was, kein 5s, sondern nur das 5c? Loser!

Das liegt in allererster Linie allerdings nicht mal am griffigen Gerät, sondern an der absurden Bepreisung: 599 Euro kostet das Einstiegsmodell, das technisch in Grundzügen mit seinem Vorgänger, dem iPhone 5, identisch ist, nur eben nicht mehr in einem Edelstahlgehäuse, sondern in Plastikverbauung daherkommt. Es besitzt ein 4 Zoll großes Display in Retina-Auflösung (1136 x 640 Pixel, 326 Pixeldichte) und wird mit dem A6-Chip des Vorgängers ausgeliefert, ist mit 132 Gramm aber deutlich schwerer als das alte und neue Highend-iPhone. Anno 2014, da kaum ein Smartphone-Hersteller mehr ohne ein Gerät unterhalb von 4,7 Zoll an den Start geht, wirkt das iPhone 5c auch wenige Monate nach seinem Verkaufsstart wie ein Anachronismus – wie ein Smartphone, das aus der Zeitachse fiel.

Was spricht nun überhaupt für das iPhone 5c, das wohl neben dem Soundsystem iPod HiFi (2006) und dem Cube Mac (2001) als bisher größter Flop des neuen Jahrtausends in die Apple-Historie eingehen dürfte? Nun: alle Argumente, die für ein iPhone sprechen – außer dem Preis.     

Das Design 

Das iPhone 5c ist einfach ein anderes, neues iPhone, mit dem sich der Käufer von allen Vorgängermodellen absetzt. Die Schwarz-Weiß-Welt der Vorgängermodelle wird wohltuend durchbrochen. Bunt kommt es daher: Glänzend bunt, poppig bunt: so bunt wie ein glänzender Bonbon – in den Teenagerfarben Gelb, Pink, Grün und Babyblau. Das quietschbunte 5c zeigt jedem: Ich besitze das neuste iPhone, das erst ein paar Monate auf dem Markt ist. Der Makel: Das 5c ist nun auch offiziell das Verlierer-Smartphone, das offenkundig keiner will – und jeder weiß es. Obwohl es aussieht, wie für 16-Jährige entwickelt, werden die auf dem Schulhof unangenehme Fragen gestellt bekommen: Was, kein 5s, sondern nur das 5c? Loser!

Die Haptik

Der größte Pluspunkt des iPhones wird mit dem 5c auf die nächste Ebene gehoben: Es liegt einfach enorm gut in der Hand, insbesondere beim Telefonieren. Man möchte das iPhone 5c dauernd in der Hand haben, über die Rückseite streichen, es wieder und wieder hin und her drehen – sinnlicher hat sich Plastik noch nie angefühlt, Jony Ive hat tatsächlich recht („iPhone 5C is beautifully, unapologetically plastic“).

Das vielfach für seine Größe von 4 Zoll kritisierte iPhone hat in der Nutzung auch seine Vorteile: die Einhandbedienung ist wesentlich einfacher. Wie oft ist man schließlich zu Fuß unterwegs und hat nur eine Hand frei? Hier können Phablets nicht mithalten und wirken zumindest in der Anfangsphase wie ein klobiger Fremdkörper. Vor allem für kleinere Frauenhände bleibt die  iPhone-Größe das Maß aller Dinge.

Die iTunes-Welt

Apples iUniversum dürfte der Hauptgrund sein, warum sich viele Kunden gegen Android-Geräte entscheiden – das in sich geschlossene System funktioniert einfach besser. Wie Steve Jobs in seiner letzten Keynote im Juni 2011 bei Vorstellung des Speicherdienstes iCloud als Resümee der Apple-Welt betonte: "It just works".

Das kann man vom fragmentierten Android-Kosmos weiterhin nicht behaupten. Nur auf dem Google–eigenen Nexus funktioniert Android wie aus einem Guss – auf anderen Smartphones ruckelt das mobile Betriebssystem, hat viel mehr Sicherheitsprobleme, einige Geräte bekommen seltener Updates. Vor allem die größere  App-Auswahl ist weiterhin ein Argument pro iPhone: Der Apple App Store ist auch im sechsten Jahr seines Bestehens umfangreicher als Google Play und bietet in einigen Bereichen deutlich mehr Apps – insbesondere bei Spielen.

Die Kommunikationsdienste iMessage und FaceTime

Der Videochat FaceTime ist ein Hauptfeature auf dem iPhone. Skype ist wesentlich sperriger in der Bedienung, da man die andere Person erst mal in die Kontaktliste setzen muss. (Interessant ist allerdings Google-Hangout, der allerdings wiederum an ein Google-Konto gebunden ist.) Hier liegt FaceTime klar vorne. Ähnliches Argument für das iPhone: iMessage. Zwar erfreut sich der boomende Message-Rivale WhatsApp mit seinen inzwischen 350 Millionen Nutzern extremer Beliebtheit in der Android-Welt, wirkt jedoch weiterhin eher wie iMessage für Arme.      

Von den andauernden Diskussionen über Sicherheitslücken einmal abgesehen: WhatsApp ist an die Mobilfunknummer gebunden und läuft daher nur auf einem Gerät. Die iCloud basierte iMessage dagegen wird synchron an alle Apple-Geräte verschickt, die mit der Apple ID verbunden sind – also auch iPad, iPod und Macs. Weiter Minuspunkt bei WhatsApp: die Datensicherheit.

Fazit: Ein Kauf aus nostalgischen Motiven

Es gibt also gute Gründe für das iPhone 5c. Wer schon immer ein iPhone wollte und sich nicht an einem knalligen Neon-Gehäuse stört, wird mit dem 5c gut bedient – es ist das ideale Einstiegsmodell in die iWelt so wie es der bunte iPod mini vor einem Jahrzehnt war. Der Unterschied zum MP3-Player seinerzeit, der zum großen Kassenschlager wurde: Das iPhone 5c kam zu einem völlig überzogenen Preis auf den Markt.

Die 599 Euro für die 16 GB-Version scheinen schlicht nicht argumentierbar – weder nach unten noch nach oben. Die 100 Euro mehr für das Spitzenmodell iPhone 5s mit besserer Kamera, schnellerem Chip, Edelstahlgehäuse und Fingersensor sind einerseits allemal das Geld wert. Andererseits bekommt man gleich zwei Huawei Ascend P6 für den Preis eines iPhone 5c – und das trotz größeren Displays, einer besseren Kamera und dem Killer-Feature des Beauty Modes.

Das iPhone 5c wird damit zum Smartphone für Preisignoranten - und/oder Apple-Liebhaber. Jüngsten Gerüchten zufolge dürfte Apple die Produktion im Herbst, wenn mutmaßlich größere Modelle auf den Markt kommen, nicht mehr fortsetzen – das 5c könnte damit schon bald seinen Platz im iMuseum einnehmen. Keine Frage: Wer 2014 das iPhone 5c erwirbt, muss eine nostalgische Ader besitzen…


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