Kindle Voyage im Test: Monochromer Pixel-Protz

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189 Euro sind eine Ansage: Ist der Kindle Voyage sein Geld wert?
189 Euro sind eine Ansage: Ist der Kindle Voyage sein Geld wert?(© 2015 CURVED)

Der Kindle Voyage ist der dünnste E-Book-Reader von Amazon und hat auch eine höhere Displayauflösung als die anderen Kindles. Dazu gesellen sich eine neue Umblätterfunktion und eine intelligente Beleuchtung. Doch dafür doppelt so viel bezahlen wie für den Kindle Paperwhite?

189 Euro will Amazon für den Kindle Voyage haben. Das ist doppelt so viel wie für den Kindle Paperwhite und etwa drei Mal so viel wie für die Basis-Version des E-Book-Readers. Gemeinsam haben sie alle eine Bildschirmgröße von sechs Zoll und 16 Graufstufen, um Bilder und Texte anzuzeigen. Der Voyage hebt sich von Amazons anderen E-Book-Readern aber durch seine hohe Auflösung und Pixeldichte ab. Sie liegen bei 1440 x 1080 Pixeln und 300 ppi.

Mehr Pixel und eine intelligente Beleuchtung

In der Praxis zeigt sich, dass die Zahlen nicht nur auf dem Papier besser sind, sondern, dass der Kindle Voyage wirklich ein schärferes Display hat, und das Schwarz noch schwärzer ist als bei anderen Readern von Amazon. Dadurch liest es sich auf dem Voyage wirklich angenehmer. Zudem kann man ohne Bedenken eine kleine Schriftgröße auswählen, um mehr Text auf eine Seite zu bekommen und muss keine Qualitätseinbußen befürchten.

Das Display des Voyage hat aber nicht nur eine höhere Auflösung als die anderen Kindles, sondern verfügt auch über eine Hintergrundbeleuchtung. Die hat der Paperwhite doch auf, mögt Ihr jetzt denken. Das stimmt, aber für den hohen Aufpreis bekommt Ihr ein intelligentes Frontlicht, das die Helligkeit automatisch an die Lichtverhältnisse Eurer Leseumgebung anpassen soll und das in der Praxis auch sehr gut macht, wodurch das Lesen noch angenehmer wird, da man nicht an jedem Ort selber die Helligkeit von Hand anpassen muss – was aber nach wie vor möglich ist.

Handliches Gehäuse und ein Rahmen zum Umblättern

Mit 7,6 Millimetern ist der Voyage so dünn wie kein anderer Kindle. Er liegt mit seinen 180 Gramm - bei der 3G-Version sind es 188 Gramm - leicht in der Hand. Kein Wunder, damit ist er ja auch leichter als ein durchschnittliches Taschenbuch - und selbstverständlich auch dünner.

Die Rückseite ist in vier Elemente unterteilt, die leicht angeschrägt sind und optisch deutlich voneinander getrennt sind. Die Gummierung sorgt dafür, dass Euch der Voyage nicht so leicht aus der Hand rutscht, sondern sich auch mit einer Hand sicher halten lässt.

Als eine weitere große Neuerung des Kindle Voyage preist Amazon die PagePress-Funktion an. Dabei handelt es sich zum Soft-Tasten im Rahmen, mit denen Ihr unkompliziert vor- und zurückblättern können sollt - egal, in welcher Hand Ihr den E-Book-Reader haltet. Loslassen müsst Ihr ihn dafür nicht, da die Tasten nicht auf leichte Berührungen, sondern nur auf stärkeren Druck hin reagieren.

Das klingt praktisch, erweist sich in der Nutzung allerdings als weniger hilfreich als ich erwartet hätte. Im Grunde reicht der Touchscreen aus, um die Seiten umzublättern. Egal, mit welcher Hand man das Voyage hält, selbst mit kleinen Händen erreicht man eigentlich problemlos beide Hälften des Displays, um in die jeweilige Richtung zu blättern.

Will man aus irgendeinem Grund den Bildschirm nicht berühren, sondern die Tasten verwenden, stellt man fest, dass sie viel mehr Druck erfordern. Zusätzlich ist der Rahmen so schmal, dass man öfter aus Versehen den Touchscreen berührt und über ihn blättert  - und das ist nicht immer die gewünschte Richtung.

Lesen bis der Akku leer ist

Der interne Speicher des Kindle Voyage ist vier Gigabyte groß. Das klingt in Zeiten, bei denen nicht nur ich Smartphones mit acht Gigabyte für schlecht ausgestattet halte, nach wenig. Ist es aber gar nicht. E-Books belegen nicht viel Speicher, so dass auch auf diesem Reader mehrere Tausend Bücher Platz finden.

Zudem hält Amazon alle Inhalte, die Ihr dort erworben habt, kostenlos in der Cloud bereit. So könnt Ihr die E-Books bei Bedarf einfach wieder herunterladen. Für Inhalte aus anderen Quellen wie Zeitungen, Zeitschriften, Webseiten oder Unterlagen von Uni oder Arbeit gilt das Cloud-Angebot nicht, aber auch da sollten vier Gigabyte lange ausreichen.

Amazon gibt die Akkulaufzeit des Kindle Voyage in einer kleinen Rechenaufgabe an: Eine Ladung soll für sechs Wochen Lesevergnügen reichen, wenn Ihr jeden Tag bei ausgeschaltetem WLAN und Beleuchtungsstufe 10 eine halbe Stunde lang lest. Daraus ergibt sich eine Gesamtlesezeit von 21 Stunden. Das Einschalten der Beleuchtung und der drahtlosen Internetverbindung verkürzt natürlich die Laufzeit, aber über das mitgelieferte USB-Kabel soll die Batterie des E-Book-Readers in drei Stunden wieder voll aufgeladen sein.

Von Haus aus kommt der Voyage mit folgenden Dateiformaten ohne Probleme zurecht: Kindle Format 8 (AZW3), Kindle (AZW), TXT, PDF, ungeschützte MOBIs und PRC. Weitere Dateitypen wie HTML, DOC, DOCX, JPEG, GIF, PNG, BMP müsst Ihr erst mit Hilfe der Kindle-Software auf Eurem Rechner umwandeln, um sie auf dem Reader anzeigen zu können.

Besser und teurer, aber nicht alternativlos

Amazon bietet den Kindle Voyage in zwei Ausführungen an: Die WLAN-Variante kostet 189 Euro und für den kostenlosen mobilen Internetzugang per UMTS - um auch unterwegs neue Bücher kaufen und herunterladen zu können - zahlt Ihr 249 Euro. Der Aufpreis von 60 Euro lohnt sich definitiv nicht. Falls man unterwegs ganz dringend ein E-Book herunterladen muss, lässt sich das inzwischen unkompliziert und günstiger über die  Datenverbindung Eures Smartphones erledigen.

Die Frage, ob sich die 189 Euro für den Kindle Voyage lohnen, lässt sich dagegen nicht so einfach beantworten. Sein Gehäuse ist zwar deutlich eleganter als vom günstigen Kindle für 59 Euro und das Display sogar noch besser zum Lesen geeignet als beim Kindle Paperwhite für 99 Euro, aber die PagePress-Funktion ist in meinen Augen eher überflüssig.

So bleibt am Ende vor allem der Bildschirm als Kaufargument – und ob Euch der den doppelten Preis wert ist, müsst Ihr am besten mit eigenen Augen entscheiden. Die "30 Tage Geld-zurück-Garantie" von Amazon macht es leicht, sich beide zur Ansicht zu bestellen. Das Display vom Voyage ist zwar echt schön, aber im Vergleich zum Paperwhite wäre es mir persönlich keine 90 Euro wert.


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