Kyocera Torque im Test: Zuhören, auch wenn es laut ist

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Kyocera Torque: Outdoor-Smartphone mit revolutionärer Soundtechnik.
Kyocera Torque: Outdoor-Smartphone mit revolutionärer Soundtechnik.(© 2015 CURVED)

Das Kyocera Torque ist wasserdicht, stoßfest und lässt sich mit Handschuhen bedienen. Das ist für ein Outdoor-Smartphone so üblich, aber ein Bauteil aus Keramik macht das robuste Handy in meinen Augen, oder besser gesagt Ohren, revolutionär.

Kyocera und Smartphones? Ja, das ist kein Scherz. Das japanische Unternehmen stellt nicht nur Drucker her, sondern verkauft bereits seit 2008 in seinem Heimatmarkt Smartphones. In den USA sind die Handys der Firma seit 2010 erhältlich, und mit seinen bisher 50 robusten Geräten ist Kyocera nach eigenen Angaben Marktführer bei Outdoor-Smartphones in Japan und Nordamerika. Mit dem Torque verkauft das Unternehmen erstmals ein Handy in Deutschland. Dieses überzeugt nicht nur mit robusten Eigenschaften, sondern bietet vor allem mit eine revolutionäre Sound-Technologie.

Robustes Gehäuse mit hilfreichen Tasten

Das Kyocera Torque ist weniger klotzig als das Cat S50, mit 182 Gramm aber fast genauso schwer. Das Kunststoffgehäuse mit Gummi-Applikationen wirkt robust und liegt sicher sowie angenehm in Hand. Das Outdoor-Smartphone hat eine IP68-Zertifizierung erhalten und erfüllt die Anforderungen des US-Militärstandards 810.

In der Praxis bedeuten diese Angaben, dass das Torque 30 Minuten in 1,5 Meter tiefen Wasser ebenso unbeschadet übersteht wie Stürze aus 1,22 Metern Höhe. Im Test zeigte es beim Tauchgang und mehreren Stürzen keine Schwächen. Wobei an dieser Stelle noch einmal darauf hingewiesen sei, dass auch bei einem Outdoor-Smartphone das Display splittern kann, wenn es innerhalb der angegeben Fallhöhe im falschen Winkel auf zu harten Steinfußboden landet.

Auf dem 4,5 Zoll großen Display des Torque mit einer HD-Auflösung von 1280 x 720 Pixeln sind Details klar und gut zu erkennen. Zudem verfügt der Bildschirm über eine hohe Leuchtkraft und stabile Blickwinkel. Dadurch eignet sich das Smartphone deutlich besser für den Outdoor-Einsatz als das Cat S50. Das Display lässt sich problemlos mit nassen Fingern bedienen, reagiert aber überhaupt nicht mehr, wenn es zum Teil oder komplett untergetaucht ist. Fotos lassen sich dank der Aufnahmetaste am Rand des Gehäuses aber trotzdem noch aufnehmen.

Kyocera verspricht darüber hinaus, dass sich das Torque mit Handschuhen bedienen lässt - zumindest, wenn sie nicht dicker als drei Millimeter sind. Ich habe verschiedene Modelle ausprobiert und kann Euch guten Gewissens sagen: Ihr müsst Eure Handschuhe nicht ausziehen. Eine Kleinigkeit gilt es allerdings zu beachten: Das Display reagiert nur auf Handschuhe, wenn es mit ihnen entsperrt wurde. Hat einmal ein Finger den Touchscreen berührt, ignoriert er anschließend alle Eingaben, die nicht mit nackter Haut erfolgen.

Am Gehäuse des Kyocera Torque finden sich viele Tasten, was ich bei einem Outdoor-Smartphone sinnvoll finde, da sich viele Eingaben so spüren und besser nachvollziehen lassen. Das ist bei einem Touchscreeen in stressigen Momenten nicht immer der Fall. Deswegen vermisse ich die Softkeys für die Home-, die Zurück- und die Multitasking-Taste auch nicht auf dem Display.

Erwähnenswert ist neben dem Kameraauslöser noch die Starttaste an der linken Seite des Gehäuses. Diese könnt Ihr mit einer Funktion belegen und unter anderem das Smartphone wecken, eine App starten, die Benachrichtigungen ansehen oder einen Anruf annehmen und wieder beenden. Mit der richtigen App - Voxer und Zello sind vorinstalliert - verwandelt sie das Torque zudem in ein Walkie-Talkie, bei dem Ihr auf Knopfdruck auf Sendung geht. Der Ein- und Ausschaltknopf wäre an der Seite deutlich besser aufgehoben als oben auf dem Gehäuse, aber als Alternative zum Aufwecken des Outdoor-Smartphones steht neben der Starttaste auch die Home-Taste bereit.

Vier Rechenkerne, acht Megapixel und ein Eco-Modus

Bei der verbauten Hardware erweist sich das Kyocera Torque als solides Mittelklasse-Smartphone. Qualcomms Quadcore-Prozessor Snadragon 400 ist mit 1,4 Gigahertz getaktet und hat zwei Gigabyte Arbeitsspeicher an seiner Seite. Zusammen erreichen sie 21.128 Punkte im Antutu-Benchmark und sorgen dafür, dass Android 4.4.2 flüssig läuft. Selbst Spiele, die etwas mehr Leistung erfordern, wie etwa Asphalt 8, laufen ruckelfrei - zumindest bei mittlerer Grafikqualität. Der interne Speicher ist mit 16 Gigabyte nicht zu klein - rund 11,5 Gigabyte stehen davon für Eure Daten zur Verfügung - und kann mit einer microSD-Karte um bis zu 128 Gigabyte erweitert werden.

Das Kyocera Torque stellt Euch zwei Kameras zur Verfügung. Die Fotokameras auf der Rückseite liefert Bilder mit einer Auflösung von acht Megapixeln, die zwar einen Rotstich aufweisen, insgesamt aber recht ordentlich und für Schnappschüsse allemal in Ordnung sind. Die Frontkamera verfügt über eine Auflösung von zwei Megapixeln, was für Videochats völlig ausreicht, für brauchbare Selfies aber auf eine gute Beleuchtung angewiesen ist.

Der Akku des Kyocera Torque verfügt über eine Kapazität von 3100 Milliamperestunden und befindet sich damit in guter Gesellschaft der großen Android-Flaggschiffe. Da sein Display kleiner und der Prozessor nicht ganz so leistungshungrig ist, dürfte die Laufzeit länger als beim Galaxy S5, One M8 oder LG G3 sein. Zusätzlich steht ein Eco-Modus bereit, der die Akkulaufzeit verlängern soll.

Sobald der Ladestand der Batterie unter den festgelegten Wert sinkt, schaltet das Smartphone WLAN, GPS, Bluetooth und die Vibrationsrückmeldung bei Displayberührungen ab. Die Display-Helligkeit wird reduziert, der Ruhezustand schneller aktiviert und der Bildschirmhintergrund geändert. Ihr könnt den Eco-Modus auch direkt aktivieren und einzelne Aktionen aus der Todo-Liste entfernen.

Telefonieren auf der Baustelle, im Konzert oder an der Straße

Schon bis hierher gefällt mir das Torque besser als das Cat S50, aber Kyocera macht sein Outdoor-Smartphone mit dem Smart Sonic Receiver wirklich revolutionär. Dahinter verbirgt sich ein Aktuator aus Keramik, der die Stimme des Anrufers in Vibrationen verwandelt.

Sobald man das Smartphone direkt ans Ohr hält, gelangen neben den Schallwellen auch die Vibrationen als hörbare Geräusche ins Ohr. Das mag in der Theorie trocken klingen, ist in der Praxis aber wirklich super. Selbst in sehr lauten Umgebungen versteht man den Anrufer, ohne dass man das Smartphone gefährlich laut stellen muss. Sogar Ohrenschützer muss man zum Telefonieren nicht abnehmen.

Mich hat Kyocera schon beim ersten Telefonat vom Smart Sonic Receiver begeistern können. Ich kann anderen Smartphone-Herstellern nur empfehlen, sich dringend eine Lizenz der Technologie zu kaufen, damit die eigenen Geräte wirklich besser und nicht immer nur etwas schneller werden.

Warum das noch niemand gemacht hat, ist mir ein Rätsel. Immerhin hat der japanische Hersteller die Technik schon 2012 vorgestellt und seitdem in Japan und den USA bereits ein Dutzend Smartphones mit ihr auf den Markt gebracht. Ein Problem hat aber auch Kyocera noch nicht lösen können: Ich kann zwar den Anrufer gut verstehen, aber er mich nicht. Dafür nimmt das Mikrofon noch zu viele Umgebungsgeräusche auf.

Unsicherheitsfaktor Preis

Eine wichtige Angabe zum Torque hat Kyocera bisher nicht gemacht, den Preis. Mit der vagen Angabe, dass das Outdoor-Smartphone ab dem Frühjahr erhältlich ist, kann ich noch gut leben. Schwerer wird es aber eine abschließende Bewertung ohne den Verkaufspreis zu machen. Mehr als "Mittelklasse" als grobe Angabe ist bisher vom Hersteller nicht zu erfahren. Damit dürfte der Preis irgendwo zwischen 200 und 400 Euro liegen und sollte auf jeden Fall niedriger sein, als die 479 Euro, die das Cat S50 kosten soll.

Von dem noch unklaren Preis abgesehen, hat mich das Kyocera Torque als Outdoor-Smartphone überzeugt. Es ist nicht alles perfekt, aber vieles besser als bei der Konkurrenz. Ein wirkliches Kaufargument, nicht nur für die in der Werbung des Herstellers angesprochenen Bauarbeiter, Rettungskräfte und Industriearbeiter, sondern auch für private Nutzer, ist darüber hinaus die hohe Gesprächsqualität für die der Smart Sonic Receiver sorgt.


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