LeEco Le 2Pro im Test: viel Smartphone für unter 200 Euro [mit Video]

Das iPhone 7 ist nicht das erste Smartphone ohne Kopfhöreranschluss. Das bereits im April vorgestellte LeEco Le 2Pro kommt ebenfalls ohne Klinkenanschluss aus. Ob Ihr darüber hinaus auf etwas verzichten müsst, verrät der Test.

Noch bevor Apple das iPhone 7 vorgestellt hat, präsentierte der chinesische Hersteller LeEco mit dem Le2, Le 2Pro und Le 2Max drei Android-Smartphones, die keinen Klinkenstecker mehr haben. Kopfhörer lassen sich hier nur noch via Bluetooth oder USB-C verbinden. Von Letzteren gibt es momentan erst zwei Modelle: Die JBL Reflect Aware C und ein Modell von LeEco, das den EarPods von Apple sehr ähnlich sieht.

Großes Display und zehn Rechenkerne

Das LeEco Le 2 Pro ist mit seinem 5,5 Zoll großen Touchscreen zwar nicht kompakt, liegt mit seinem Metallgehäuse in Gold oder Roségold angenehm in der Hand. Die Tasten sind gut zu erreichen, die Verarbeitung ist von nicht einmal einen Millimeter hohen Erhebungen an den Antennenstreifen auf der Rückseite abgesehen einwandfrei. Nur die hervorstehende Kamera stört manchmal, wenn man das Smartphone auf den Tisch legt. Aber das gilt für nahezu alle Smartphones mit hervorstehender Kamera. Das Full-HD-Display verfügt über eine Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln und überzeugt mit einem scharfen, detailreichen Bild und kräftigen, natürlich wirkenden Farben.

Unter der Haube werkelt der Helio X20 von Mediatek, dessen zehn Rechenkerne mit bis zu 2,3 Gigahertz getaktet sind. Ihm zur Seite stehen vier Gigabyte Arbeitsspeicher. Zusammen erreichen sie im Antutu-Benchmark rund 80.000 Punkte. Ein guter, aber kein Spitzenwert. Die Hardware reicht nicht nur für den schnellen Start von Apps,  sondern auch problemlos für grafisch anspruchsvollere Spiele wie Asphalt 8.

Vom 32 Gigabyte großen internen Speicher stehen etwas mehr als 22 Gigabyte für Eure Daten zur Verfügung. Das muss reichen, denn beim LeEco Le 2Pro könnt Ihr den internen Speicher nicht mit einer microSD-Karte erweitern.

Gute Kameras, denen starke Kontraste Probleme bereiten

Die hervorstehende Kamera auf der Rückseite des LeEco Le 2Pro verfügt über eine Auflösung von 21 Megapixeln und liefert eine gute bis sehr gute Bildqualität. Die Fotos sind scharf und detailliert. Die Farben wirken natürlich, könnten aber gerne noch etwas kräftiger sein. Auch ohne zweite Linse entsteht ein Tiefenschärfe-Effekt. Das Panorama ist gut zusammengesetzt. Doch bei wenig Licht nimmt das Bildrauschen zu. Schon Aufnahmen bei Zimmerbeleuchtung wirken etwas zu dunkel. Nachts lohnt es sich aber nicht wirklich, den Nacht-Modus zu aktivieren. Er macht zwar die Aufnahme heller, aber auch unschärfer als die herkömmliche Automatik.

Größere Probleme haben der Bildsensor und die Software bei starken Kontrasten. Die Unterschiede zwischen Sonne und Schatten kann das LeEco Le 2Pro nicht ausgleichen. So bleibt immer ein Bereich zu hell oder zu dunkel. Das gilt auch bei den ansonsten überzeugenden Selfies der Acht-Megapixel-Kamera auf der Vorderseite.

Android 6.0, Dual-SIM und Fernbedienung

LeEco installiert auf dem Le 2Pro Android 6.0 Marshmallow und versieht es mit seiner hauseigenen Nutzeroberfläche eUI. Ihr könnt Deutsch als Sprache auswählen, allerdings sind nicht alle Menüpunkte übersetzt. Da LeEco seine Geräte noch nicht offiziell in Deutschland verkauft, kann man das verzeihen. Der Play Store und die Google-Dienste sind ebenfalls auf dem Le 2Pro vorinstalliert. Neben typischen Standard-Apps habe ich nur drei ausgemacht, die ich als Bloatware bezeichnen würde.

Anfangs irritierend, aber irgendwie doch auch mal was Neues sind die Schnelleinstellungen. Diese erreicht Ihr über die linke Soft-Touch-Taste unterhalb des Bildschirms. Ein Wisch von der Oberkante des Displays nach unten öffnet nur die Benachrichtigungsübersicht. Neben den typischen Schaltflächen für WLAN, GPS, Flugzeugmodus usw. befindet sich in den Schnelleinstellungen noch die Übersicht der geöffneten Apps.

Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite des LeEco Le 2Pro arbeitet sehr schnell und zuverlässig beim Entsperren des Smartphones. Zusätzlich dient er noch als Auslöser für die Kamera. Das ist aber nur sinnvoll, wenn Ihr im Hochformat Fotos schießt. Im Querformat lässt sich die Lautstärkewippe als Auslöser deutlich bequemer erreichen. Ihr könnt zwar wie bereits erwähnt den internen Speicher nicht erweitern, aber auf dem Schlitten im Kartenschacht finden trotzdem zwei SIM-Karten Platz.

An der Oberkante des LeEco Le 2Pro gibt es einen dunklen Kreis, den man im ersten Moment für einen Kopfhöreranschluss halten könnte. Es ist aber ein Infrarotsender, mit dem Ihr – in Verbindung mit der vorinstallierten Universalfernbedienungs-App – nicht nur Euren Fernseher, sondern auch andere Geräte mit dem Smartphone bedienen könnt. Der Akku verfügt über eine Kapazität von 3000 mAh und hat mich gut über den Tag gebracht, aber nicht mehr für einen zweiten gereicht. Trotz USB-C-Anschluss ist keine Schnellladefunktion vorhanden.

Fazit: großes Smartphone für wenig Geld

Gegen das LeEco Le 2Pro spricht nur, dass Ihr Euren Kopfhörer weiterhin direkt mit dem Klinkenstecker ins Smartphone stecken wollt – und vielleicht noch, dass Euch 5,5 Zoll zu groß sein könnten. Ansonsten lässt das Smartphone andere Geräte, die Ihr für 200 Euro bekommt, deutlich hinter sich. Klar, es gibt bessere Kameras und schnellere Hardware, aber beides ist beim Le 2Pro mehr als ausreichend vorhanden. Über Design und Farben kann man sich immer streiten, über die Verarbeitung und die Qualität des Displays bei diesem Smartphone nicht. Bei allem Lob von meiner Seite, darf man aber nicht vergessen, dass LeEco noch keinen offiziellen Support in Deutschland anbietet. Das LeEco Le 2Pro hat uns freundlicherweise der CECT-Shop zur Verfügung gestellt, der es in Deutschland für 199,99 Euro verkauft.


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