LeEco Le Max Pro im Hands-on: mehr Fernseher als Smartphone

Das Le Max Pro von LeEco ist mehr ein kleiner tragbarer Fernseher als ein Smartphone - und das erste schon verfügbare Gerät, das mit dem Snapdragon 820 ausgestattet ist. Wir haben uns das Phablet von Chinas Netflix-Gegenspieler beim Mobile World Congress angeschaut.

Mit seinem 6,33 Zoll großen Display ist das Le Max Pro kein Smartphone für die Hosentasche. Bedienen lässt es sich nur mit zwei Händen. Der extrem große Bildschirm mit wenig Rand mit einer Auflösung von 2560 x 1440 Pixeln ist nicht nur wegen seiner Detailgenauigkeit und kräftigen Farben ein Hingucker, sondern genau die richtige Wahl, wenn man bedenkt wer hinter dem Phablet steckt.

Chinas Netflix baut eigene Smartphones

Das chinesische Videoportal LeTV hat seine Smartphone-Sparte gerade erst in LeEco umbenannt, stellt aber sein umfangreiches Angebot an Livestreams chinesischer Fernsehsender, eingekaufter Sendungen und Eigenproduktionen auch auf dem Le Max Pro zur Verfügung. Was in China ein großes Kaufargument ist, interessiert hierzulande aufgrund der Inhalte kaum jemanden. Denkt man jetzt allerdings ein wenig in die Zukunft und stellt sich vor, dass die angebotenen Inhalte nicht nur aus synchronisierten Eigenproduktionen von LeTV bestehen, sondern auch um hierzulande nachgefragte Sendungen, Serien und Filme ergänzt wird, dann wird sich Amazon ärgern, dass das Fire Phone gefloppt ist - und Netflix könnte sich bemühen, seine Eigenproduktionen auch bei LeTV unterzubekommen. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Momentan konzentriere ich mich auf die Hardware des Smartphones, das ich in der Hand halte. Und da hat das Le Max Pro auch neben dem Monster-Display einiges zu bieten. Es ist immerhin das erste Smartphone, das mit dem neuen Snapdragon 820 in den Verkauf gegangen ist. Und das in der Woche, in der Samsung, LG, HP und Xiaomi gerade erst ihre Geräte mit Qualcomms neuem Top-Prozessor vorgestellt haben. In dem Phablet mit vier Gigabyte Arbeitsspeicher erreicht er im Antutu-Benchmark über 133.000 Punkte. Selbstverständlich läuft da Android 6.0 Marshmallow mit der Nutzeroberfläche EUI flüssig. Apps starten schnell, aber auch die Videostreaming-Übersicht mit drei parallelen Livestreams in kleinen Vorschaufenstern bringt den Prozessor nicht an seine Leistungsgrenzen.

Ein ganz besonderer Fingerabdrucksensor

Das Gehäuse des Le Max Pro besteht aus Aluminium und kommt auf seiner Rückseite nicht ohne Antennenstreifen aus Kunststoff aus. Insgesamt ist das Smartphone aber sehr gut verarbeitet und fühlt sich schön an. In seinem Inneren befinden sich wahlweise 32, 64 oder 128 Gigabyte interner Speicher sowie ein fest verbauter 3400-mAh-Akku. Als Smartphone sollte das LeEco damit einen Tag durchhalten, doch wie lange Ihr mit einer Akkuladung Videos schauen könnt, werde ich im ausführlichen Test ausprobieren. Gleiches gilt für die 21-Megapixel-Kamera mit optischen Bildstabilisator (OIS). Der erste Eindruck war gut, allerdings ist das Le Max Pro zum Fotografieren fast so unhandlich wie ein Tablet.

Der Snapdragon 820 ist aber nicht das einzige Bauteil, bei dem LeEco das Vertrauen Qualcomms genießt. Das Le Max Pro ist nach Herstellerangaben das erste Smartphone mit der Snapdragon Sense iD 3D - und ich habe bisher auch kein anderes Smartphone mit diesem Fingerabdrucksensor entdeckt. Das Besondere an ihm ist, dass er mit Ultraschall arbeitet und nicht nur genauer sein soll als die bisherigen Sensoren, sondern sogar die Blutzirkulation im Finger erkennt. Zudem funktioniere er sogar durch Metall hindurch, sodass die Fingerabdrucksensoren in Zukunft gar nicht auffällig die Rückseite unterbrechen müssen.

Fazit: groß und gut, aber noch zu chinesisch

An der Verarbeitung und der Ausstattung des Le Max Pro kann ich nach dem kurzen Hands-on nichts aussetzen und freue mich auf den ausführlichen Test des Phablets. Zudem hat LeEco noch keine spruchreifen Pläne, wann sie den Verkauf ihrer Smartphones in Deutschland starten. Momentan konzentriere man sich neben China auf die USA als zweiten Markt, verriet William Park von LeEco. Aber dass Deutschland zu den potenziellen Märkten gehört, lässt sich daran erkennen, dass das Unternehmen sich bereits eine PR-Agentur in Deutschland gesucht hat.

Allerdings muss LeEco nicht nur den Vertrieb des gelungenen Le Max Pro, für das ich angesichts des Preises in China hierzulande mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 400 Euro (+/- 50 Euro) rechne, in Deutschland organisieren. Sondern gleichzeitig sein zweites überzeugendes Argument, den eigenen Streamingdienst, lokalisieren. Denn nur synchronisierte chinesische Produktionen verlocken in Deutschland kaum jemanden zum Kauf und zum Umstieg von Netflix und Konsorten.


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