Das Lenovo Yoga 3 Pro im Test: Verrenken mit Stil

Her damit !37
Das Yoga 3 Pro im Zelt-Modus
Das Yoga 3 Pro im Zelt-Modus(© 2014 CURVED)

Die Yoga Serie von Lenovo ist aus meiner Sicht wohl die beste Umsetzung eines Multi-Mode-Ultrabooks. Da hat Lenovo etwas kreiert, das kein Konkurrent des chinesischen PC-Riesen so schnell nachbauen wird. Mittlerweile geht die Yoga Ultrabook-Serie schon in die dritte Generation. Ich habe sie für Euch angetestet.

Etwas sieht beim Yoga Pro 3 anders aus als bei seinen Vorgängern, das fällt mir schon beim Auspacken auf: Statt wieder auf massive Scharniere zu setzen, hat Lenovo die Verbindung zwischen Display und Basiseinheit komplett neu entwickelt. Dabei haben sich die Ingenieure von Lenovo von Armbanduhren mit Metall-Armbändern inspirieren lassen. Das neue Glieder-Scharnier besteht aus 831 (!) Einzelteilen und erlaubt eine 360°-Rotation des Displays. Zwar konnte man auch schon mit den alten Scharnieren das Display um 360 Grad drehen, doch sahen diese im Vergleich zu den neuen Glieder-Scharnieren nicht nur um einiges wuchtiger aus, sie waren es auch.

Design und Verarbeitung: Ultrabook mit zwei Gesichtern

Schlank, edel und sehr wandlungsfähig ist das Yoga 3 Pro. Im geschlossenen Zustand erkennt man noch nicht, wie dünn jeweils das Display und auch die Basiseinheit gebaut sind. Intels Ultrabook-Spezifikationen geben den Herstellern eine maximale Dicke von 21 mm vor. Diesen Wert unterschreitet das Yoga 3 Pro locker und ist mit 12,8 mm gefühlt das dünnste Notebook, das ich bis dato in der Hand halten durfte. Erstaunlich ist dabei, dass das es aber trotz des radikalen Schlankheitswahns eine sehr gute Stabilität aufweist.

Bei den Materialen beweist Lenovo Mut. Im geschlossenen Zustand wirkt der Mix aus Magnesium- und Aluminiumteilen mit mattem Finish sehr edel und hochwertig. Klappt man aber das Yoga 3 auf, dann könnte man glauben, dass Lenovo mehrere Samsung Galaxy S5 Rückseiten um die Tastatur geklebt hat. Denn die gummierte Oberfläche in Golfball-Optik erinnert stark an das Smartphone der Koreaner. Die Softtouch-Haptik der Oberfläche mag zwar gut für die Rutschfestigkeit sein, sie stellt bei der Reinigung der Oberfläche aber ein Problem dar. Kleine Fuseln und Staubkörner bleiben hartnäckig darauf haften und lassen sich nur mit Mühe entfernen.

Ausstattung: Alles, was das Technik-Herz begehrt

Trotz der geringen Bauhöhe hat Lenovo in das Yoga 3 Pro leistungsstarke Hardware verbaut. Intels neuste Core-M-CPU mit Broadwell-Architektur kommt hier zum Einsatz. Der M-5Y70 Prozessor taktet je nach Auslastung mit 1,1 bis 2,6 GHz. Unterstützt wird er dann noch von 8 GB Arbeitsspeicher und einer Intel HD 5300 Grafikeinheit. Eine dedizierte Grafikkarte mit Nvidia- oder AMD-GPU steht nicht als Ausstattungsoption für das Yoga 3 Pro zur Verfügung. Dies wäre aufgrund der Wärmeentwicklung und des Stromverbrauchs aber wohl auch nicht förderlich.

Auch sonst ist das Yoga 3 Pro gut ausgestattet. Eine 512 GB SSD sorgt dafür, dass ausreichend Speicherplatz vorhanden ist. Zwei USB-3.0-Ports, ein Micro-HDMI-Ausgang, ein intern per USB 3.0 angebundener SD-Kartenleser, eine 720p Webcam und auch ein kombinierter Mikrofon-Audio-Port sorgen dafür, dass externe Geräte angeschlossen werden können. Für die kabellose Datenübertragung stehen dann noch WLAN nach ac-Standard und Bluetooth 4.0 zur Verfügung. Und was ist mit Ethernet? Dieser Port konnte leider aufgrund der geringen Bauhöhe des Yoga 3 Pros nicht mehr untergebracht werden. Im gut sortierten Fachhandel gibt es aber auch USB-Netzwerk-Adapter zu kaufen, falls man unbedingt noch per Ethernet ins Netzwerk muss.

Interessant ist die Anbindung des Netzteils beim Lenovo Yoga 3 Pro. Eine zusätzliche und leicht modifizierte USB-2.0-Schnittstelle dient als Ladeanschluss. Das Netzteil ist sehr kompakt geworden und wiegt nur knapp 200 Gramm.

Display: QHD+ Pixelmonster mit eleganter Drehung

Das 13,3 Zoll große Multi-Touch-Display des Yoga 3 Pro schafft die gigantische Auflösung von 3.200 x 1.800 Pixeln. Als Display-Technik wird hier auf die PenTile-Matrix gesetzt. Zwar ist diese Technik langlebiger und stromsparender als andere Display-Technologien, sie hat aber auch den Ruf, bei der Darstellung ein unscharfes Bild abzuliefern. Subjektiv betrachtet ist das auch hier beim Yoga 3 Pro der Fall. Während auf der Windows 8.1 Oberfläche alles noch gestochen scharf aussieht, wirken Videos nicht mehr ganz so knackig. Außerdem kämpfen der Intel-Prozessor und die Intel-Grafiklösung schwer mit 4K-Video-Material. Aber wenn man ein so dünnes Ultrabook haben will, muss man Kompromisse eingehen.

Als Entschädigung ist das Display aber dank des innovativen Scharniers um 360 Grad drehbar. Aus einem Ultrabook lässt sich mit einem Schwenk ein Tablet machen – und bei Bedarf sogar ein Tablet mit Standfuss für Präsentationen oder ein Tablet im Zelt-Modus, um es gegebenenfalls irgendwo aufzuhängen. Es gibt also eigentlich keinen Ort, an dem sich das Yoga 3 Pro nicht nutzen lässt.

Leistung: schnell genug für die meisten Aufgaben

Im Lenovo Yoga 3 Pro kommt die neuste Generation von Intel Prozessoren für ultraflache und mobile Endgeräte zum Einsatz. Zusätzlich soll auch noch Desktop-ähnliche Leistung gewährleistet werden können. Namentlich ist im Yoga 3 Pro ein Intel Core M 5Y70 verbaut, der über zwei Kerne mit je 1,1 GHz verfügt, die bei hohen Anforderungen allerdings auf 2,6 GHz hochgeschraubt werden. Für den normalen Arbeitsalltag mit Office-Anwendungen, Surfen im Internet, Emails beantworten und vielleicht noch nebenbei Musik hören, reicht die Leistung vollkommen aus. Es gibt keine Verzögerungen und auch kein Stocken. Zwar enthält das Yoga 3 Pro in seinem Inneren auch einen kleinen aktiven Lüfter, aber dieser springt im Alltagsbetrieb fast nie an. So kann man in aller Ruhe mit dem Yoga 3 Pro ohne nervige Geräuschkulisse arbeiten.

Erst, wenn man das Yoga 3 Pro fordert und mit Spielen auslastet, springt der kleine Lüfter auch mal an. Aber auch dann bewegt sich das Geräuschniveau noch auf einem angenehmen Level. Die Unterseite des Yogas wird bei Belastung zwar merklich wärmer, aber die Temperatur steigt nicht in unangenehme Höhen.

Es ist schon erstaunlich, dass das Yoga 3 Pro nicht heiß läuft und auch nicht mit einem andauernd rotierenden Lüfter nervt. Noch überraschender wirkt dies aber, wenn man sich auf die Suche nach den Lüftungsschlitzen begibt. Frischluft und Abwärme können nämlich nur durch zwei kleine Öffnungen auf der Unterseite und eine andere kleine Öffnung am Scharnier zugeführt beziehungsweise abtransportiert werden.

Bei einer Disziplin reicht die Leistung des Intel Core M Prozessors leider nicht mehr aus: 4K-Videos ruckeln und bereiten so keine Freude, obwohl das Display mit einer UHD+ Auflösung von 3.200 x 1.800 Bildpunkten prädestiniert wäre um 4K-Videos anzuzeigen. Aber man kann eben nicht alles haben, vor allem nicht bei solchen ultraflachen Gerätschaften wie dem Yoga 3 Pro.

Akkulaufzeit: erstaunlich gut!

Die Akku-Kapazität ist mit 44Wh angegeben und fällt damit doch etwas geringer aus als beispielsweise bei einem MacBook Air mit 13-Zoll-Display. Dafür schlägt sich das Yoga 3 Pro aber sehr tapfer und spielt ein Video in Dauerschleife knapp über 5 Stunden lang ab, bis ihm die Puste ausgeht. Im normalen Arbeitsalltag wird man mit einer Akkuladung ganz bestimmt nicht hinkommen, aber je nach Nutzung sollten drei bis vier Stunden mit einer Akkuladung möglich sein. Das sind keine Rekordwerte, allerdings ist der Akku erstaunlich schnell wieder komplett aufgeladen. Nach nur 1:50 Stunden an der Steckdose ist der Akku wieder voll. Es würde auch schneller gehen, aber Lenovo hat dem Yoga 3 Pro anscheinend eine intelligente Ladetechnik verpasst. Die ersten 30 bis 40 Prozent werden sehr schnell erreicht und danach wird die Ladegeschwindigkeit reduziert, um den Akku zu schonen.

Positiv ist auch das kleine Netzteil, das gerade mal so groß ist wie das des MacBook Air. Interessant ist zudem, dass das Netzteil über ein USB-Kabel mit einem USB-2.0-Port des Yoga 3 Pro verbunden wird, um dieses aufzuladen. Aus Sicherheitsgründen hat Lenovo das USB-Ladekabel und auch den Port leicht modifiziert, sodass nicht versehentlich das Ladekabel in einen der gewöhnlichen USB-3.0-Anschlüsse gesteckt wird und gegebenenfalls das Yoga 3 Pro Schaden nimmt. Da der USB-Port für das Ladekabel aber auch als normaler USB 2.0 Port verwendet werden kann, darf hier zum Beispiel auch ein Datenträger oder ein Smartphone angeschlossen werden.

Fazit:

Das Yoga 3 Pro von Lenovo ist von dem Design, der Mechanik, der Verarbeitung und der verwendeten  Hardware mit das Beste, was man im Ultrabook-Segment aktuell erwerben kann. Während andere Hersteller sich komplizierte Dreh- oder Ansteck-Mechanismen ausdenken, um aus einem Ultrabook ein Convertible zu machen, verwandelt sich das Lenovo Yoga 3 Pro durch ein simples Umklappen des Displays in vier verschiedene Geräte.

Natürlich kann man von einem Ultrabook mit den Spezifikationen eines Yoga 3 Pro nicht erwarten, dass es aktuelle AAA-Spiele vom Schlage eines Far Cry 4 flüssig darstellt. Dafür ist das Yoga 3 Pro einfach nicht gemacht. Am besten passt das Yoga 3 Pro auf einen schicken Schreibtisch mit einem Besitzer, der sich nicht vom Gerät trennen kann und es immer und überall dabei haben muss: als Notebook am Schreibtisch, als großes Tablet draußen im Garten, in der Küche zur Anzeige von Kochrezepten im Standmodus, oder im Kinderzimmer im Zeltmodus zum Anschauen von Videos mit den Kleinsten in der Familie.

Durch die Vielseitigkeit, die hohe Verarbeitungsqualität und auch durch das sehr ansprechende Design ist der Preis von 1.599 Euro vollkommen gerechtfertigt. Wer es gerne etwas günstiger haben möchte, der muss noch bis Anfang 2015 warten, denn dann bringt Lenovo auch eine Variante des Yoga 3 Pro auf den Markt, die mit einer kleineren 256-GB-SSD-Festplatte statt der großen 512-GB-SSD ausgestattet ist.

Das größte Manko am Yoga 3 Pro ist allerdings immer noch das Betriebssystem. Darüber habe ich mich aber auch schon im Test zum Surface Pro 3 ausgelassen und will Euch nicht noch einmal damit langweilen, sondern verweise auf den Test und das Video in dem CURVED-Chefredakteur Felix und ich unsere Meinung zum Surface Pro 3 vom Stapel gelassen haben. Aber auch hier zeichnet sich schon ein Silberstreifen am Horizont in Form von Windows 10 ab – und wenn das erscheint, gebe ich Microsoft gerne noch einmal eine Chance.


Weitere Artikel zum Thema
Xiaomi Redmi 4 Prime im Test
Jan Johannsen3
Her damit !10Das Xiaomi Redmi 4  Prime
8.3
Das Xiaomi Redmi 4 Prime ist das nächste Smartphone des chinesischen Herstellers mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Test.
Google Drive: Android-Backups können nun einge­se­hen werden
Her damit !6Künftig könnt Ihr auch WhatsApp-Chatverläufe über Google Drive sichern
Mit dem neuesten Update für die Google Drive-App könnt Ihr ein erstelltes Backup detailliert einsehen. Zudem können jetzt auch Apps gesichert werden.
Asus ZenFone 3, Laser & Max im Test: Unglei­che Dril­linge
Jan Johannsen
Weg damit !12Zenfone 3, Zenfone 3 Laser und Zenfone 3 Max.
Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft bringt Asus das Zenfone 3 in drei Ausführungen nach Deutschland. Wir haben sie im Test verglichen.