LG G Flex: Größer, krummer, aber nicht besser

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Der sechs Zoll große Bildschirm des LG G Flex ist leicht gebogen.
Der sechs Zoll große Bildschirm des LG G Flex ist leicht gebogen.(© 2014 CURVED)

Mit seinem riesigen geschwungenem und flexiblen Display passt das LG G Flex besser in die Gesäßtasche als in die vordere Hosentasche. CURVED hat das Android-Phablet mit Selbstheilungskräften und 4K-Videokamera getestet.

Der geschwungene Touchscreen ist der Hingucker des LG G Flex. Die Display-Technologie hat der Hersteller POLED getauft, womit der Grundstein für die Überschrift von diesem Text gelegt war. Allerdings hält der koreanische Hersteller bei einer Bildschirmdiagonalen von sechs Zoll eine HD-Auflösung von 1280 x 720 Pixeln für ausreichend. Ausreichend wäre auch die Note in der Schule hierfür gewesen, denn eine Full-HD-Auflösung kann man bei einem 15,2 cm großen Display schon erwarten. So fallen alle Symbole und Menüs sehr groß aus, dabei wäre auf dem Bildschirm noch viel Platz vorhanden gewesen. Auch beim Surfen bleibt auf Ihr damit auf einen kleinen Ausschnitt der besuchten Webseiten beschränkt.

Display mit Aussetzern

Das Display ist nicht nur gebogen, sondern auch flexibel. Das LG G Flex ist dafür vorgesehen, dass Ihr es auf eine Tischplatte legt und mit der Hand gerade drückt. Davon geht es nicht kaputt. Allerdings weckt das Knacken im Gehäuse dabei nicht gerade Vertrauen in die Haltbarkeit. Zudem mussten wir feststellen, dass es bei unserem Testgerät einen kleinen toten Bereich in der Mitte des Touchscreens gibt, der unter anderem dazu führt, dass Ihr bei der Tastatur im Querformat das "V" und das "G" nicht tippen könnt. So wird die Eingabe einer E-Mail-Adresse bei Apps, die nicht im Hochformat laufen, zu einer nervigen Copy+Paste-Arie.

Die Rückseite des LG G Flex hat Selbstheilungskräfte. Sie ist mit einer Schutzschicht aus Polyrotaxan überzogen, auf der kleine Kratzer und alltäglich Abnutzungserscheinungen von alleine wieder verschwinden. Zu viel solltet Ihr dem Phablet allerdings nicht zumuten. Wir mussten feststellen, dass die Selbstheilungskräfte nur eingeschränkt wirken: Zu tiefe Kratzer entfernen die Schutzschicht komplett und bleiben als ewige Erinnerung an die unsachgemäße Verwendung erhalten.

Tricks für die Bedienung mit einer Hand

Nimmt man das G Flex das erste Mal in die Hand, sucht man die Einschalt-Taste und die Knöpfe zur Regelung der Lautstärke vergeblich an den Rändern des 8,7 mm flachen Gehäuses. LG hat sie in einem sogenannten Rear Key auf der Rückseite des Phablets zusammengefasst. Mit diesem lässt sich der Android-Riese zumindest teilweise mit einer Hand bedienen. Mit dieser Taste schaltet Ihr das Flex ein und aus und passt die Lautstärke an - bei Tasten an den Rändern des 160,5 x 81 mm großen Gehäuses müsstet Ihr immer eine zweite Hand zur Hilfe nehmen. Alternativ aktiviert Ihr das Phablet durch zweimaliges Antippen des Touchscreens oder schickt es so in den Ruhezustand - "Knock Code" nennt der Hersteller diese Funktion.

LG bewirbt das "Curved Design" des G Flex damit, dass das Phablet optimal in der Hand liege und sich der Gesichtsform anpasse. Nachteile bei der Nutzung entstehen durch die geschwungene Form zumindest nicht, dafür sorgt eher die Gesamtgröße. Kommt Ihr mit dieser zurecht, liegt das Flex wirklich angenehm in der Hand. Eine bessere Sprachqualität durch das etwas näher am Mund befindliche Mikrofon konnten wir allerdings nicht feststellen.

Hilfsmittel für die Bedienung des Phablets

Ab Werk installiert LG Android 4.2.2. Jelly Bean auf dem G Flex. Ein Update auf die aktuelle Version Android 4.4.2 KitKat hat der Hersteller für April angekündigt. Mit eigenen Apps hält sich LG bei seiner Nutzeroberfläche angenehm zurück. Stattdessen legt der Hersteller einen Schwerpunkt auf Funktionen, die Euch die Bedienung des Phablets mit einer Hand ermöglichen.

Neben den bereits erwähnten Rear Key und dem Knock Code gehört hierzu zum Beispiel, dass Ihr einen Anruf nicht per Wischgeste annehmen müsst, sondern Euch das G Flex einfach nur ans Ohr haltet. Darüber hinaus könnt Ihr die Tastatur und den Zahlenblock zum Wählen verkleinern und nach rechts oder links an den Rand verschieben, so dass Ihr alle Buchstaben und Zahlen mit den Fingern einer Hand erreicht. Das ist recht praktisch, um nicht immer beide Hände am Flex haben zu müssen, erfordert aber eine hohe Konzentration, da das Phablet dann nicht besonders sicher in der Hand liegt.

Mit Hilfe der Frontkamera versucht das Phablet zudem zu erkennen, ob Ihr auf den Bildschirm schaut oder nicht und schaltet ihn entweder nicht nach eingestellten Zeit ab oder pausiert Videos, wenn Ihr sie nicht mehr betrachtet. Dies gilt allerdings nur für Filme auf dem Gerät selbst, beim Streaming von Youtube liefen die Filme unbeeindruckt von der Zahl der Zuschauer weiter. Die Dual Window-Funktion nutzt den großen Bildschirm des G Flex aus, um Euch zwei Apps nebeneinander anzeigen zu können. So könnt Ihr zum Beispiel ein Video und Youtube schauen und nebenbei auf curved.de surfen. Mit einer höheren Display-Auflösung wäre sie noch schöner.

Waren auf Eurem vorherigen Android-Gerät die Touch-Buttons anders angeordnet, besteht kein Grund zur Panik. Beim G Flex könnt Ihr die Reihenfolge auswählen und sogar eine zusätzliche Schaltfläche zum Starten der Quick-Memo-Funktion oder zum Herunterziehen der Benachrichtigungsleiste hinzufügen.

Vier Rechenkerne und 4K-Videos

Der verbaute Quad-Core-Prozessor Snapdragon 800 von Qualcomm ist mit 2,3 Ghz getaktet und sorgt dafür, dass auch rechenaufwendige Anwendungen oder Spiele wie GTA San Andreas auf dem G Flex ohne Probleme laufen. Im Antutu Benchmark befindet sich das LG mit 36.786 Punkten in der Spitzengruppe, scheint aber über einen Hochleistungsmodus für Benchmarks zu verfügen. Bei Antutu X, das Schummeleien der Herstelle verhindern soll, reichte es nur noch für 32.656 Punkte - was immer noch ein guter Wert ist.

LG stattet das Phablet mit zwei GB Arbeitsspeicher aus. Von dem 32 GB großen internen Speicher stehen Euch etwa 24 GB für eigene Daten zur Verfügung. Eine Speicher-Erweiterung mit einer microSD-Karte ist nicht möglich. Der Akku ist mit einer Kapazität von 3500 mAh gut für das große Display gerüstet. Online gelangt Ihr mit dem G Flex per LTE, UMTS oder WLAN. Zusätzlich stehen Euch Bluetooth 4.0, GPS und NFC zur Verfügung. Zum Aufladen ist ein Micro-USB-Anschluss und für Kopfhörer eine 3,5mm-Buchse vorhanden. Per Miracast gebt Ihr den Bildschirminhalt auf einem Fernseher wieder. Dank der Beam-Technik genügt es, das Flex mit anderen Android-Geräten aneinander zu halten, um Bilder und Musik zu teilen. Ebenfalls praktisch: Die drahtlose Freigabe des internen Speichers per WLAN für einen Computer ersetzt Apps wie AirDroid oder PushBullet. Ein Infrarot-Sender sorgt dafür, dass Ihr mit der richtigen App das Flex als Fernbedienung für Fernseher, Beamer oder sogar Klimaanlagen nutzen könnt.

Die 13-Megapixel-Kamera auf der Rückseite des Flex liefert Fotos mit durchschnittlicher Smartphone-Qualität. Als Zugabe nimmt das Phablet UHD-Videos mit einer Auflösung von 3840 x 2160 Pixeln auf. Auf seinem HD-Display könnt Ihr die Filme allerdings nicht in voller Pracht genießen. Dafür wäre ein Fernseher oder Monitor mit 4K-Auflösung nötig. Die Frontkamera mit einer Auflösung von 2,1 Megapixeln reicht für Selfies und Videochats völlig aus.

Fazit: Unhandlich und nicht vertrauenserweckend

Mit seinem "Curved Design" ist das LG G Flex eigentlich das passende Smartphone für die CURVED-Redaktion, doch wirklich überzeugt hat es nicht. Als alltägliches Smartphone ist es zu groß - woran auch der sinnvolle Rear Key nichts ändert -, und das knackende Gehäuse fördert nicht gerade das Vertrauen in die Haltbarkeit des flexiblen Displays. Der defekte Touchscreen sowie die tiefen Kratzer auf der Rückseite zeigen, dass die Versprechungen des Herstellers mit Vorsicht zu genießen sind. Die technische Ausstattung gibt immerhin nur an einem Punkt wirklich Anlass für Kritik: Die Displayauflösung ist zu niedrig - vor allem, wenn das Phablet selber Videos in 4K aufnimmt.


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