LG G Pad 8.0 und 10.1 im Test: Ungleiche Tablet-Zwillinge

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LG G Pads
LG G Pads(© 2014 CURVED)

Das LG G Pad 8.0 und das G Pad 10.1 sind ungleiche Zwillinge: Im Test machen sich große Unterschiede zwischen den Mittelklasse-Tablets bemerkbar.

Eine Auflösung für zwei Größen

LG hat sich entschieden, in seine beiden neuen Tablets IPS-Displays mit der gleichen HD-Auflösung von 1280 x 800 Pixeln einzubauen. Das ist so, als würden die Eltern für unterschiedlich große Zwillinge Kleidung in der gleichen Größe kaufen: Einem von beiden passt es nicht. Das 8-Zoll-Modell hat nicht nur nominell eine höhere Pixeldichte, sondern sieht wirklich schärfer aus. Beim 10,1 Zoll großen G Pad fransen vor allem bei Buchstaben die Ränder aus und erscheinen unscharf. Für diese Displaygröße ist die HD-Auflösung dann doch zu wenig. Zusätzlich strahlt der große Bildschirm nicht heller, sondern zu hell. Die Farben wirken selbst bei reduzierter Helligkeit blass und ausgeblichen. Dagegen ist das G Pad 8.0 mit kräftigeren Farben der schönere Zwilling.

Beide G Pads verfügen über ein Gehäuse aus Kunststoff, das ordentlich verarbeitet ist und mir mit seiner Schlichtheit gefällt. Die Rückseite fühlt sich hingegen merkwürdig gummiert an. Die Tablets rutschen dadurch zwar nicht so leicht aus der Hand, wirken aber merkwürdig klebrig. Das Gefühl in den Händen schmälert den ersten positiven optischen Eindruck. Zudem erweist sich das Material als anfällig für Gebrauchsspuren wir Fingerabdrücke, Staubkörner und Haare oder kleine Kratzer.

Beim Gewicht liegen fast 200 Gramm zwischen dem G Pad 8.0 und dem G Pad 10.1: Das Kleine bringt 342 Gramm auf die Waage und das Große 523 Gramm - trotzdem wird es bei seiner Größe noch nicht zu schwer. Das 10.1 ist bei einer Fläche von 260,9 x 165,9 Millimetern mit 8,95 Millimetern flacher als das 8-Zoll-Modell mit seinen 9,9 Millimetern und einer Fläche von 210,8 x 124,2 Millimetern. Intuitiv hält man das kleine G Pad im Hochformat und das große Tablet von LG im Querformat - gerne auch mit zwei Händen, während das 8.0 auch mit einer Hand noch gut zu greifen ist. Der Hersteller unterstützt diesen Impuls durch die Position seines Logos auf der Vorderseite. Die Tasten an der Seite zum Ein- und Ausschalten sowie zum Regeln der Lautstärke fühlen sich angenehm an und haben klare Druckpunkte.

Mittelklasse-Prozessor und sparsamer Speicher

Die Hardware teilen sich die zwei Tablets brüderlich: In beiden steckt ein Snapdragon 400-Prozessor von Qualcomm mit vier Rechenkernen und einer Taktrate von 1,2 Gigahertz. Kleiner Unterschied: Der Chip im G Pad 8.0 ist für LTE geeignet, was damit zu erklären ist, dass LG das kleine Tablet auch in einer Version mit SIM-Karte anbietet. Im Antutu-Benchmark liegen sie eng zusammen bei rund 18.500 Punkten. Die Benutzeroberfläche läuft flüssig, auch Apps lassen sich ohne Ruckeln nutzen. Selbst Spiele wie Asphalt 8 lassen sich - bei mittlerer Grafikqualität - ohne Probleme zocken. Der Unterschied zu besser bestückten Tablets macht sich vor allem in teilweise längeren Ladezeiten bemerkbar, die aber ohne den direkten Vergleich nicht stören und erträglich sind.

Der interne Speicher ist 16 Gigabyte groß, davon stehen Euch zwischen zehn und elf Gigabyte zur Verfügung. Bei Bedarf erweitert Ihr die Speicherkapazität mit einer microSD-Karte. Wenn Ihr keine großen Musik-, Foto- oder Videosammlungen mit Euch herumtragen wollt, dann reicht der interne Speicher aus und wird höchstens knapp, wenn Ihr mehrere große Spiele gleichzeitig installiert. Für die reinen Datenberge empfiehlt sich sowieso die Verwendung einer Speicherkarte oder die Nutzung von Cloud- und Streaming-Diensten.

Android sinnvoll ergänzt

LG liefert die G Pads mit der fast aktuellen Android-Version 4.4.2 Kitkat aus und verpasst dem Betriebssystem noch seine eigene Benutzeroberfläche, die ich übersichtlich und angenehm unaufdringlich finde. Sie ist nicht mit Widgets vollgepackt, und auch mit vorinstallierten Apps hält sich der Hersteller zurück, so dass mich nicht sofort nach dem Einschalten das Bedürfnis überkommt eine Grundreinigung vorzunehmen. Zu den Chancen auf ein Update auf Android 5.0 Lollipop hat LG noch keine Angaben gemacht.

Die Dual Windows-Ansicht findet Ihr auch bei anderen Herstellern wie Samsung, aber auf den acht und zehn Zoll großen Displays lohnt es sich noch mehr, zwei Apps nebeneinander zu stellen, als bei fünf Zoll großen Bildschirmen. Ich finde den Knock Code super, da sich mit ihm ein auf dem Tisch liegendes Tablet entsperren lässt ohne es in die Hand zu nehmen oder die Einschalttaste am Rand zu drücken. Sony bietet für seine Xperia-Geräte eine ähnliche Funktion, die aber nur das Display aktiviert und das Gerät noch nicht entsperrt. Ebenfalls hilfreich und erwähnenswert finde ich QPair. Die App leitet per Bluetooth Benachrichtigungen über Anrufe und Mitteilungen von Eurem Smartphone an das Tablet weiter und steht im Play Store nicht nur für Geräte von LG bereit. Zusätzlich könnt Ihr Euer Telefon klingeln lassen, wenn Ihr es verlegt habt, aber das Tablet noch in der Hand haltet.

Gleiche Kamera, unterschiedliche Akkus und Infrarot-Sensoren

Neben dem Display ist der zweite große Unterschied zwischen den G Pads die Kapazität des jeweils fest verbauten Akkus. Beim 10.1 ist sie mit 8000 Milliamperestunden fast doppelt so groß wie beim 8.0 mit 4200 Milliamperestunden. Wenn man den Akku nicht beim Spielen in einem Stück leer macht, reicht er problemlos für einen ganzen Tag und beim großen G Pad sogar noch länger - allerdings nicht doppelt so lange wie beim kleinen Tablet.

Kameras sind bei Tablets für mich deutlich weniger wichtig als bei Smartphones, deswegen in aller Kürze: Im den G Pads stecken die gleichen Kameras, die Fotos mit einer Auflösung von fünf Megapixeln oder Full-HD-Videos aufnehmen. Die Frontkamera mit einer Auflösung von 1,3 Megapixeln finde ich beim Tablet wichtiger, da ich sie für Videochats eher verwende als die Foto-Kamera. Auf ein Blitzlicht oder eine LED-Leuchte müsst Ihr bei beiden verzichten. Eine gute Beleuchtung ist somit für brauchbare Bilder Pflicht. Der Autofokus arbeitet fix, die Kamera-App ist sehr aufgeräumt und übersichtlich. Einstellungen lassen sich da nur sehr wenige vornehmen. Für mehr als Schnappschüsse würde ich die Aufnahmen nicht verwenden. Farblich sind sie in Ordnung, wobei der automatische Weißabgleich beim G Pad 10.1 bessere Ergebnisse liefert. Schaut man etwas genauer, fällt sofort auf wie wenig Details die Aufnahmen enthalten.

Eine schöne Zugabe ist der eingebaute Infrarot-Sender, mit dem die G Pads zur Fernbedienung werden und Ihr nur mit einem Gerät auf dem Sofa sitzen müsst. Die vorinstallierte Fernbedienung-App erkennt allerdings nur Fernseher, Blu-ray- und DVD-Player - das aber im Test ohne Probleme. Für eine Stereoanlage oder eine Set-Top-Box müsstet Ihr eine andere App installieren, was mich wundert, da das LG G3 mit seiner App von Haus aus auch diese Geräte fernsteuern kann.

Ein Zwilling gefällt, der andere nicht

Die Zwillinge sind nicht nur unterschiedlich groß, sondern kosten auch unterschiedlich viel. Die unverbindliche Preisempfehlung für das G Pad 10.1 liegt bei 299 Euro. Für das G Pad 8.0 will LG gerne 199 Euro haben - die LTE-Version soll für 299 Euro über den Ladentisch gehen. Von der Ausstattung und der Verarbeitung her sind die G Pads von LG solide Mittelklasse-Tablets mit netten Ideen bei der Software. Für die gebotene Hardware verlangt LG jedoch einen relativ hohen Preis. Zudem zeigt das große G Pad 10.1 deutliche Schwächen beim Display, sodass ich in dieser Größenklasse lieber zu einem anderen Tablet greifen würde. Beim kleinen Zwilling G Pad 8.0 sprechen dagegen keine unumstößlichen Gründe gegen einem Kauf - wenn der Preis im Handel etwas gesunken ist. Mein Nexus 7 würde ich aber trotzdem nicht eintauschen.


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