LG G Watch im Test: Solides Android Wear-Erstlingswerk

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LG G Watch: Die bislang beste Smartwatch?
LG G Watch: Die bislang beste Smartwatch?(© 2014 CURVED)

Da ist sie nun: die erste Smartwatch mit Googles Android Wear. Die LG G Watch soll eine Art Second Screen für den Smartphone-Nutzer am Handgelenk sein. Alle relevanten Nachrichten können so vom Nutzer bequem abgelesen werden, ohne dass das Smartphone gezückt werden muss. Aber nutzt man die Android Wear powered Armbanduhren wirklich im Alltag so häufig? Wir haben für Euch die LG G Watch getestet.

Auf der Google I/O in der vergangenen Woche ist der Startschuss für Android Wear und somit die ersten Smartwatches im Google Kosmos gefallen. Neben der LG G Watch ist aktuell nur die Samsung Gear Live auch im Google Play Store erhältlich. Beide Smartwatches setzen auf das eckige Layout von Android Wear. Wer lieber eine klassische runde intelligente Uhr tragen möchte, der muss sich noch etwas gedulden. Motorola wird die Moto 360 erst im Verlauf des Sommers in den Handel bringen.

Bevor man sich aber auf den Google Play Store stürzt, um sich eine Android Wear Smartwatch zu holen, sollte man erst einmal checken, ob das eigene Smartphone mit einer LG G Watch, Samsung Gear Live oder Moto 360 kommunizieren kann. Vorraussetzung für eine einwandfreie Kommunikation zwischen den beiden Geräten ist, dass das mindestens Android 4.3 auf dem Smartphone läuft. Am einfachsten kann man sein Smartphone online auf Android Wear Kompatibilität prüfen.

Design: Quadratisch und unbequem

Äußerlich ist das LG G Watch kein Eyecatcher. Jedenfalls nicht unser schwarzes Testsample. Das eckige Layout der Smartwatch von LG erinnert mich stark an eine Casio Armbanduhr mit Taschenrechner. Das sehr weiche Plastikarmband ist zwar angenehm am Arm, aber es wirkt billig. Im Ganzen sieht die LG G Watch nicht wie eine 200 Euro teure Smartwatch aus, sondern eher wie eine Kinderuhr. Auch wirkt die LG G Watch an zarten Frauenarmen etwas deplatziert, da die Smartwatch doch wuchtig geworden ist.

Einrichtung mit Hindernissen

Eigentlich ist die Ersteinrichtung der LG G Watch sehr einfach: Einfach Android Wear Companion App aus dem Play Store herunterladen. LG G Watch auf die Ladeschale legen und mit Strom versorgen, und schon kann man die G Watch mit seinem Android Smartphone koppeln. Wäre nicht das Problem, dass aktuell die Android Wear Companion App nicht im Play Store zu finden ist. Es wird gemunkelt, dass die App erst ab den 7. Juli offiziell im Play Store erhältlich sein wird.

Viel kann man nicht in der Android Wear Companion App einstellen.(© 2014 CURVED)

Nach langer Suche im Netz haben wir dann doch noch die APK gefunden und konnten es auf einem Galaxy S4 installieren. Um aber auch die Dienste des Suchmaschinengiganten auf der LG G Watch korrekt zu nutzen, war es noch erforderlich, die Google Play Services, Google Suche und auch noch eine aktualisierte Version von Google Notizen zu installieren. All diese Schritte werden Euch als Nutzer der Android Wear Wearables aber in den nächsten Tagen nicht mehr tangieren müssen, da Google sicher ein allgemeines Update schon bald veröffentlichen wird.

Notification Center als Armbanduhr

Als Träger einer Smartwatch fühlt man sich im wie David Hasselhof in Knight Rider oder als James Bond. Der in der LG G Watch verbaute Snapdragon 400 und seine 512 Megabyte Arbeitsspeicher sorgen dafür, dass man zackig durch die Benachrichtigungen navigiert, und auch der Touchscreen lässt sich ohne Murren bedienen. Die Blickwinkel der G Watch sind gut, nur die spiegelnde Oberfläche nervt ab und an.

Die LG G Watch dient als Second Screen für das eigene Smartphone.(© 2014 CURVED)

Tasten sucht man an Android-Wear-Geräte vergebens, denn der Bildschirm bleibt permanent aktiv, wodurch man immer gedimmt die Uhrzeit ablesen kann. Dank der Bewegungs- und Beschleunigungssensoren reicht eine kurze Bewegung des Arms aus oder ein kurzes Tippen auf das Display, um auch die Hintergrundbeleuchtung komplett zu aktivieren. Durch Wischbewegungen nach oben und unten manövriert man in erster Linie durch Google-Now-Karten, Benachrichtigungen oder Menüs. Neue Informationen zeigt die Uhr automatisch als kleine Nachricht unten an; man kann sie nach oben ziehen, um die komplette Nachricht zu lesen.

Knight Rider lässt grüßen

Ein Notification Center am Handgelenk ist schon praktisch. Solch ein Second Screen erspart einem das Zücken des Smartphones, aber Googles Android Wear kann noch viel mehr. Die Sprachsteuerung in Verbindung mit den Google-Apps ist das Killerfeature der Google powered Smartwatch.

Sprich mit mir: Das Android Wear Betriebssystem lässt sich perfekt per Sprache steuern.(© 2014 CURVED)

Einmal kurz aufs Display getippt und "Ok Google" gesagt, und schon kann man Notizen, Erinnerungen, SMS oder E-Mails diktieren, Termine eintragen, den Wecker und die Stoppuhr stellen oder sich die Zahl der gemachten Schritte anzeigen lassen. Es ist sogar möglich, verschiedene Apps auf dem Smartphone per Spachsteuerung zu öffnen oder gar Songs in Play Music zu starten. Man muss nur darauf achten, dass man in angemessenem Tempo und deutlich spricht, dann klappt es auch problemlos.

Reiseführer am Handgelenk

Bei der Sprachsteuerung hört der Google-Spass aber noch lange nicht auf, denn auch als Mini-Navigationsdisplay eignet sich eine Android Wear Smartwatch. Besonders als Fußgänger in einer fremden Stadt ist die Uhren-Navigation eine große Erleichterung. Dank Google Now und den abonnierten Karten können auch Wetter-, Verkehrsinfos, Termine oder Haltestellen in der Nähe angezeigt werden. Die Smartwatch wird hier also dann zu einem Reiseführer. Der immerhin 400 mAh Akku hat in unserem Test immerhin dafür gesorgt, dass die G Watch einen ganzen Tag lang den Reiseführer spielen konnte.

Nix los ohne Smartphone

So schön eine Android Wear Smartwatch auch ist, ohne ein Smartphone fehlt es der Uhr an Intelligenz. Im Falle der LG G Watch bleibt dann nur noch die Uhrzeit und ein Schrittzähler, das war es auch schon. Geht ein Anruf ein, dann muss leider auch der G Watch-Träger noch zum Telefon greifen.

Ohne Bluetooth-Verbindung zum Smartphone ist die Smartwatch nur noch eine Uhr.(© 2014 CURVED)

Es ist zwar ein Mikrofon im Gehäuse der Uhr verbaut, aber es fehlt ein Lautsprecher. Natürlich kann man an sein Smartphone ein Headset anschliessen und dann darüber telefonieren. Ab so geht das schöne Knight-Rider-Gefühl wieder flöten. Andererseits kann man aber auch verstehen, warum kein Lautsprecher eingebaut wird, denn wer will schon seine Telefonate mit der Öffentlichkeit teilen wollen?

Fazit: Gutes Erstlingswerk

Mit einer LG G Watch am löst noch keine erstaunten 'Ahs' und 'Ohs' aus. Dafür ist die Smartwatch mit Android Wear einfach zu unauffällig und minimalistisch gezeichnet. Außerdem fehlt es noch an angepassten Dritthersteller-Apps, wie WhatsApp und Co. Bis jetzt werden nur die Google eigenen Apps wie Notes, Google+, Suche und Google Now perfekt von Android Wear unterstützt. Aber diese Apps von Drittherstellern werden kommen, daran gibt es keinen Zweifel.

Auch wird es eine große Auswahl an Zifferblättern geben, die man sich auf die LG G Watch laden kann. Und gegenüber der mit Tizen ausgestatteter Gear Serie von Samsung haben die LG G Watch, die Motorola Moto 360 und die Samsung Gear Live einen großen Vorteil: Sie sind herstellerübergreifend kompatibel. Man muss nur ein Smartphone besitzen, das über Android 4.3 verfügt. Wer weiß, vielleicht wird in einem stillen Kämmerchen in Mountain View auch schon an der iOS-Variante der Android Wear App gearbeitet. Google hat schließlich auch für das Google Glass eine iOS App am Start.


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