LG G3 im Test: Der edle Display-Gigant

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LG G3
LG G3(© 2014 CURVED)

Als letzter der großen Android-Hersteller wirft LG mit dem G3 sein Flaggschiff-Smartphone für 2014 auf den Markt — und läutet damit gleichzeitig die zweite Hälfte eines möglicherweise besonderen Jahres ein. Das LG G3 hat die schwierige Aufgabe, gegen die bereits erschienen Konkurrenten Galaxy S5 und HTC One M8 punkten, sich aber auch schon gegen etwaige Premium-Versionen ebenjener Geräte von Samsung und HTC positionieren zu müssen. Wir haben den 5,5-Zoller mit WQHD-Display auf seine Siegerqualitäten getestet.

Die Erwartungen an das G3 sind groß — schließlich hat LG mit dem G2 eines der besten Android-Smartphones des Vorjahres gebaut, das hierzulande zwar ein wenig unter dem Radar flog, aber zumindest als Basis des Nexus 5 einen verdienten Ritterschlag erfuhr. Nun soll das G3 es noch besser machen und die Konkurrenten aus Japan, Korea und Taiwan diesmal deutlich in die Schranken weisen.

Ob der gewählte Startzeitraum Wochen nach deren Release und vor den möglicherweise kommenden Premium-Modellen des Galaxy S5 und des HTC One M8 (ob letzteres überhaupt erscheinen wird, ist aktuell ungewiss) marketingtechnisch günstig ist oder das G3 gar zwischen die Stühle setzt, bleibt abzuwarten. Zwar hat es den Flaggschiffen der Konkurrenz das nominell beeindruckende WQHD-Display mit 2560 x 1440 Bildpunkten voraus, läuft aber gleichzeitig noch mit dem gleichen "alten" Snapdragon 801-Chipsatz.

Da ist es, das LG G3!

Also soll und muss das G3 auch mit einer besonderen Materialwahl glänzen, trotz großem 5,5 Zoll-Display mit Kompaktheit überzeugen und mit zahlreichen UI-Features sowie guter Akkulaufzeit punkten. Ach ja, die 13 MP-Kamera bedient sich ja eines futuristisch klingenden Laser-Autofocus, um besonders tolle Bilder zu schießen. Ist das G3 damit also bis dato das beste Android-Smartphone? Oder ist es nur eine gleichwertige Alternative zu S5, One M8 oder Xperia Z2? Schauen wir doch mal ...

Design, Haptik und Verarbeitung

Schön ist es, das G3, das wird gleich beim ersten Betrachten deutlich: Klare, schnörkellose Linien, ein in der Größe und vor allem im Verhältnis zum Rest des Gerätes imposantes Display und ein Rücken, der tatsächlich nach Metall aussieht — obwohl er aus Kunststoff besteht. Beim Anfassen merkt Ihr zwar schon ob der wohligen Temperatur, dass es sich nicht um Aluminium oder einen ähnlichen Werkstoff handelt, die Haptik des G3 ist aber dennoch sehr hochwertig; definitiv besser jedenfalls, als beim Galaxy S5 und fast so gut wie bei HTCs One M8.

Der entzückende Rücken des G3

Und gegenüber dem HTC-Schmuckstück hat das Plastik mit Metall-Optik mehrere handfeste Vorteile: Das Gerät liegt wie erwähnt temperaturneutraler in der Hand, es ist mit 149 Gramm merkliche 11 Gramm leichter als das M8, und die Rückschale lässt sich abnehmen. Letzteres bedeutet nicht nur einen wechselbaren Akku, sondern auch, dass microSD- und SIM-Karten unter der Haube eingelegt werden und entsprechende Einschübe am Rahmen des G3 damit überflüssig sind.

Makellos und unterbrechungsfrei: Der Rand des G3

Unterbrochen wird der metallisch wirkende Rücken von der mittig positionierten 13 MP-Kamera, dem zugehörigen LED-Blitz, dem Laser für den Fokus sowie unten vom Lautsprecher. Und natürlich von den inzwischen LG-typischen, rückseitig verbauten Power- und Lautstärke-Buttons unterhalb der Kamera. Und die machen im G3 gleich doppelt Sinn: Auch dank ihnen bleibt der Gehäuserahmen ununterbrochen. Und ob des großen Displays müsste sich der Nutzerdaumen wohl arg recken, um die Knöpfe am Rand zu bedienen — auf dem Rücken sind sie nach kurzer Eingewöhnungsphase jederzeit mühelos für den Zeigefinger zu erreichen.

Praktisch: Die Buttons auf der Rückseite

Der Rand des G3 wirkt dreiteilig — hier treffen Rückschale und Frontblende auf ein silbriges Rahmenelement — und ist seitlich durch die oben genannten Maßnahmen komplett unterbrechungsfrei. Nur am unteren Rand sind Micro-USB-Port, Mikrofon und 3,5 Millimeter-Audiobuchse, oben das Umgebungsmikro und der Infrarot-Blaster angebracht. Diese geradlinige Eleganz findet sich auch auf der Front, die beim G3 tatsächlich vom 5,5 Zoll-Display dominiert wird; vor allem, weil LG es verstanden und umgesetzt hat, die seitlichen, aber auch die Ränder über und unter dem Screen so schmal wie irgend möglich zu halten. Verglichen mit dem One M8 und seinem viel zu großen Band unter dem Display herrscht auf der Vorderseite des G3 perfekter Minimalismus — das Display ist der Eye-Catcher, der Rest hält sich dezent im Hintergrund.

So viel Display in der Hand!

Damit ist das LG-Flaggschiff für mich zusammen mit dem M8 das attraktivste Android-Smartphone, das wir in diesem Jahr bislang sehen durften; und gehört zusammen mit den beiden HTC Ones aus 2014 und 2013 zu den Top 3 der schönsten Androiden überhaupt: Es sieht trotz Kunststoff schick und edel aus, ist leicht und liegt dank seiner kompakten Abmessungen sehr gut in der Hand. Und dafür können die LG-Ingenieure gar nicht genug gelobt werden: Trotz 5,5 Zoll-Display ist das G3 mit Dimensionen von 146,3 x 74,6 x 8,9 Millimetern kürzer, nur marginal breiter und schlanker als das M8 — vom Galaxy Note 2, das ebenfalls 5,5 Zoll in der Display-Diagonalen aufweist, gar nicht zu reden.

Das Display des LG G3

WQHD — der Begriff steht und wird in den kommenden Monaten immer häufiger im Smartphone-Bereich fallen und Geräte definieren. Nicht etwa, weil 2560 x 1440 Pixel auf einem etwas über 5 Zoll großen Display wahnsinnig viel Sinn oder Unterschied machen würden, sondern weil die Hersteller in WQHD ein neues Marketing-Argument entdeckt haben, mit dem sie versuchen, ihre Top-Geräte als besonders fortschrittlich zu markieren. Das G3 ist eines der ersten Smartphones, das nach dieser Prämisse 2560 x 1440 Pixel in ein 5,5 Zoll großes IPS-Display quetscht und damit ein Pixeldichte von 534 ppi realisiert.

Eine Pracht: Der 5,5 Zoll-IPS-Screen des G3

Der Nutzer wiederum realisiert das nicht so sehr: Beim ersten Betrachten des Homescreens stellt sich kein Wow-Effekt ein, wie einst beim Schritt von 720p zu 1080p. Full HD ist bei kleinen Screens eben scharf genug, und so kann ich beim direkten Vergleich zwischen dem 1080p-Display des Nexus 5 keinen Nachteil gegenüber dem G3 erkennen. Wenigstens auf dem Homescreen und in den allermeisten gar nicht auf 4K/2K optimierten Anwendungen nicht; aber auch nicht wirklich bei entsprechendem Quellmaterial, wie UHD-Videos — ich habe ein mit dem G3 in 3840 x 2160 Pixeln aufgenommenes Video zum direkten Vergleich auf das Nexus 5 kopiert und gleichzeitig abgespielt. Ergebnis: Das Video sieht toll aus, aber eben auf beiden Geräten gleich scharf und plastisch.

Groß, satt, brillant und hell: Der Screen des LG G3

Damit stelle ich verwegen, aber nüchtern fest: WQHD auf Smartphones ist reines Marketing und bringt dem Betrachter de facto gar nichts — außer etwaigen Leistungseinbußen, App-Inkompatibilitäten und Einschnitten bei der Akkulaufzeit; dazu gleich mehr. Abgesehen von dieser buchstäblichen Augenwischerei, die nicht LG alleine, sondern der ganzen Branche anzulasten ist, glänzt das Display des G3 aber: Vor allem ob seiner Größe in Verbindung mit den schmalen Seitenrändern. Man hat beim Halten stets das Gefühl, nur Display in der Hand zu haben, und das macht schon gewaltig Laune. Etwaige Befürchtungen, die kaum vorhandenen Ränder könnten dazu führen, dass die Finger versehentlich den Screen berühren und damit ungewollte Toucheingaben vornehmen, sind derweil unbegründet.

Scharf, aber nicht schärfer als Full HD: Das WQHD-Display des G3

In Sachen Helligkeit geht der Screen des G3 voll in Ordnung, auch in der nachjustierbaren Automatik strahlt er ausreichend. Insgesamt könnte er aber noch einen Tick greller einzustellen sein — was bei starkem, sommerlichen Lichteinfall der Ablesbarkeit des Screens unter freiem Himmel zugute kommen würde. Zumal das Gorilla Glass 3 über dem WQHD-Display gefühlt schneller verschmiert, als bei manch anderen Smartphones, was je nach Blickwinkel und dargestelltem Inhalt schon mal zu etwas eingeschränkter Sicht führt. Gute Kontraste, klare Schwarz-Weiß-Wiedergabe sowie kräftige Farben und gute Blickwinkel runden den sehr guten Eindruck des G3-Screens ab, einzig beim vertikalen Kippen des Gerätes nach hinten legt sich ein leichter aber nicht weiter störender "Grauschleier" über das Display. Alles in allem hat LG mit dem G3 aber ein richtig tolles Display-Erlebnis abgeliefert — und darum geht es schlussendlich bei einem modernen Smartphone zuerst; ob nun mit WHQD oder "nur" 1080p.

Hardware und Performance des LG G3

Die insgesamt 3,7 Millionen Pixel auf dem 5,5 Zoll-Display (zum Vergleich: Bei 1080p sind es lediglich etwas über 2 Millionen Bildpunkte) wollen bewegt werden. Im G3 übernimmt das der gleiche Snapdragon 801-Chipsatz mit Adreno 330-GPU, der auch Galaxy S5 und HTC One M8 mit ihren bescheideneren 1080p-Screens befeuert, wie im S5 taktet er hier auch mit 2,5 GHz. Führt diese ungleiche Gleichung also notgedrungen zu Leistungseinbußen? Nicht direkt: In den einschlägigen Benchmarks erreicht das G3 durch die Bank Werte auf der gleichen Höhe wie ebenjene Konkurrenten: Mit 35.000 Punkten im AnTuTu und CFBench muss sich das WQHD-Phone in der Kategorie Performance wirklich nicht verstecken. Auch in anspruchsvolleren Spielen wie Anomaly 2 oder Table Top Racing läuft alles flüssig und weitestgehend stabil (gelegentlich stürzte im Testzeitraum der eine oder andere Titel allerdings ab oder fror ein). Und hier hatte ich zumindest subjektiv den Eindruck, zuweilen einen Vorteil der hohen Auflösung zu erkennen: Anomaly 2 sah auf dem Screen des G3 noch ein Spur brachialer, schärfer und plastischer aus, als auf Full HD-Devices.

Aber halt, warum steht da oben Table Top Racing und nicht Real Racing 3 als Rennspiel- und Grafikreferenz? Hier kommt die erste Kehrseite der WQHD-Medaille: Real Racing 3, Assassin's Creed: Pirates oder beispielsweise auch die Rayman Run-Titel sind mit dem G3 (noch) nicht kompatibel. Ob das wirklich an der hohen Display-Auflösung des LG-Flaggschiffs liegt, darüber können wir nur spekulieren; zumindest RR 3 lief auf dem Smasung Galaxy Tab 8.4 Pro, das ebenfalls mit WHQD zeichnet, problemlos. Warten wir also kommende App- oder eben Firmware-Updates für das Gerät ab. Nerviger als diese Inkompatibilitäten ist das latente Mikro-Gestotter des Benutzerinterfaces, aber auch das Laggen in manchen Apps beim Scrollen, das glücklicherweise nur zuweilen auftritt — das kann weder am WQHD-Display noch mangelnder Performance, sondern schlicht einem unsauber programmierten UI oder schlechter Speicherverwaltung liegen. Auch möglich ist, dass das Phänomen in Zusammenhang mit LGs Energieverwaltung steht; also dass der Chipsatz zeitweise automatisch herunterregelt und es dann beim erneuten Hochtakten zu Aussetzern kommt. Wie dem auch sei, auch hier hoffen wir auf eine entsprechende Software-Aktualisierung seitens LG.

Das G3 ist performant, aber zuweilen auf dem Home Screen ruckelig

An dieser Stelle muss angemerkt werden, dass uns die 16 GB-Version des G3 mit nur 2 GB RAM vorlag; möglich, dass die angesprochenen Ruckler bei der Variante mit 3 GB RAM nicht auftauchen. Ansonsten lässt sich festhalten: Das G3 kommt mit Snapdragon 801 und performt weitestgehend auch genau so — trotz hochauflösendem WQHD-Screen. Und wenn die kleinen Inkompatibilitäten und Mikroruckler in den nächsten Tagen oder Wochen ausgebügelt sind, gibt es auch hier nur noch Lob und nichts zu meckern.

Software und UI

Auch LG stülpt der Android OS-Version 4.4.2 sein eigenes UI über, das Look & Feel, aber auch Funktionalitäten verändert. Ich bin der Meinung, dass diese Benutzeroberfläche schuld an den erwähnte Mikrorucklern und Lags ist, die zuweilen auftreten und hoffe, das die Koreaner hier per Software-Update entsprechend nachbessern werden. Und was bringt's, das UI? Optisch gar nicht so viel Aufregendes, dafür Kleinigkeiten, zum Beispiel im Einstellungsmenü oder der Benachrichtigungssektion: Ersteres ist in vier Reiter unterteilt (das kennt man von Samsung) und bietet so sortierten Zugriff auf Netzwerk-, Ton-, Anzeige- und allgemeine Optionen. In der Benachrichtigungsleiste finden sich individuell positionierbare Schnellzugriffe im coolen Minimal-Look sowie die Helligkeits- und Lautstärke-Justierung. Sonder-Features, wie QSLide — zum Öffnen einiger Mini-Apps — oder die kompakte Version der IR-Fernbedienung Quick Remote werden direkt in der heruntergezogenen Notification Bar angezeigt und machen die dann ganz schön voll.

Ordentlich was los, in der Notification Bar des G3

Stichwort IR-Fernbedienung: Die auf dem G3 installierte App zum Fernsteuern der eigenen Hi-Fi-Geräte ist die beste mir bislang bekannte  ihrer Art: Ganz intuitiv und ohne Probleme konnte ich damit sämtliche Geräte — vom Fernseher über meine WD-Media Player-Box bis hin zur Logitech-Surround-Anlage und einer Sony Soundbar — auf Anhieb konfigurieren und sogar nach Zimmern ordnen.

Eine tolle Fernbedienungs-Funktion bringt das LG G3 mit

Der App Drawer des G3 lässt sich alphabetisch, chronologisch oder individuell sortieren; wem die Anordnung von 5 mal 5 Icons zu kleinteilig ist, der darf hier auch auf ein 5x4-Raster mit größeren Symbolen umschalten.

Der App Drawer des G3

Auf dem ganz linken Homescreen findet sich, ähnlich wie HTCs BlinkFeed, LGs Smart Bulltin, das aber keine Feeds nach eigener Auswahl anzeigt, sondern lediglich die Health-App mit Schrittzähler und die Smart Tipps, eine Art Tutorial-Hub für verschiedene Features des G3. Da diese Angebote an dieser Stelle nur begrenzt nützlich sind, lässt sich Smart Bulletin glücklicherweise in den Anzeige-Einstellungen deaktivieren.

Begrenzt praktisch: LGs Smart Bulletin

Unglaublich nützlich und cool ist hingegen LGs Knock-Feature, das auf dem G3 ob seiner Displaygröße und dem rückseitigen Powerbutton richtig Sinn macht: Ein doppeltes Tippen auf den deaktivierten Screen weckt das Gerät auf. Wer möchte, darf das Smartphone zusätzlich noch per Knock Code sichern und muss dann ein aus vier Postionen bestehendes Muster "klopfen" — das geht im Alltag ruck, zuck und ist mindestens genauso sicher, wie die Android-eigene Mustersperre. Auch Sperren lässt sich das G3 auf diese Art und Weise, allerdings natürlich nur auf dem Homescreen, nicht in Apps — es braucht schließlich eine freie Stelle für den Doppeltipp.

Knock Code: Das vielleicht coolste Software-Feature des G3

Auch wenn das LG eines ihrer Alleinstellungsmerkmale für Smartphones berauben würde, wünsche ich mir endlich, dass mehr Hersteller diese Klopf-Funktion übernehmen oder dass sie sogar nativer Teil des Android OS wird. Darüber hinaus habt Ihr auf dem G3 die bereits von Samsung bekannte Möglichkeit, bestimmte Anwendungen gleichzeitig im Splitscreen-Modus laufen zu lassen und in Apps, die Googles Immersive-Modus (also die Vollbildanzeige) noch nicht unterstützen, die Navigationsleiste auzublenden. Das macht vor allem in Spielen Sinn, in denen Ihr den ganzen Schirm genießen wollt und die Android-Buttons ohnehin nicht benötigt. Und: Die intelligente Erkennnung, ob der Nutzer gerade auf den Screen blickt, um dessen automatische Abschaltung zu unterdrücken, funktioniert beim G3 sehr souverän. Die Software des G3 bietet an einigen Stellen deutlichen Mehrwert und wirkt wenigstens dort dann auch tadellos programmiert. Eine schicke, weil nicht überdesignte Optik und nur ab und an Überflüssiges oder Nutzloses tragen zum guten Eindruck bei. Falls das UI schuld an den Mikrorucklern sein sollte, wäre das zwar ärgerlich, aber wenigstens etwas, das LG mit einem Firmware-Update beheben könnte.

Kamera

13 MP, Dual LED und Laser Autofokus: Die Kamera des LG G3

Mit seinem 13 MP-Kameramodul will das G3 auch in Sachen Fotografie in der ersten Liga mitspielen, mit dem ominösen Laser-Fokus sogar nach der Krone greifen. Ersteres gelingt souverän, und auch der 5,5 Zoller hat gute Titelchancen — allerdings weniger wegen seines Lasers. Der Reihe nach: Die Fotos, die das G3 schießt, sind richtig super, das kann man nicht anders sagen. Einziges Manko: Mit Gegenlicht kommt die 13 MP-Linse nicht so gut zurecht und zaubert dann in Bild und Video gerne mal einen hellen Schleier über das Bild. Ansonsten machen tolle, echte, satte Farben, gute Schärfe auch beim Vergrößern der Bilder, ein Autofokus, der sehr, sehr nahe Makroaufnahmen möglich und eine überraschend schnelle Auslöse- und Fokussierungs-Spanne das G3 für mich zum aktuellen Smartphone-Schnappschuss-König.

Nicht so dolle sind hingegen die Bilder, die das Gerät bei Nacht respektive ungünstigen Lichtverhältnissen produziert — obwohl die doch eigentlich dank "Laser-Technik" besonders gut gelingen sollten. Tatsächlich werden im Dunkel geschossene Fotos arg pixelig, matschig und krümelig. Damit sind solche Schnappschüsse zwar nicht deutlich schlechter als die der Konkurrenz, aber eben auch nicht ansatzweise besser. Auch der Laser-Autofokus darf damit gemeinsam mit "WQHD" in die Marketing-Schublade abgeschoben werden. Es sei denn, er wirkt auch tagsüber unterstützend (LG erwähnt das allerdings nicht explizit), dann gebührt ihm durchaus Ehre für den rasanten Fokussierungs-Vorgang des G3.

Auch die in UHD gefilmten Videoclips, die sich mit dem G3 realisieren lassen, sind durchaus ein kleiner Augenschmaus (YouTube verringert leider die Bitrate des Materials stark, wir bieten daher für alle, die es genau wissen wollen, hier das originale Videofile zum Download an):

Gegen den Trend zum Selfie stattet LG das G3 nur mit einer 2.1 MP-Frontkamera aus, die aber natürlich für das schnelle Selbstporträt zwischendurch ausreicht. Zusätzlich lässt sich per Dual Camera-Modus auch vorn und hinten gleichzeitig auslösen — ein Feature, das Samsung seinerzeit im Galaxy S4 eingeführt hat und das seither wenig von seiner Sinnlosigkeit verloren hat. Nicht gänzlich ohne Nutzen ist die Möglichkeit, Selfies per Geste auszulösen: Hand ins Bild halten, zur Faust ballen und schon startet ein dreisekündiger Auslöse-Countdown. Der von Huawei bekannte Beauty-Regler indes, der Selbstaufnahmen schöner machen soll, ist meiner Ansicht nach eine überflüssige Spielerei.

Die Foto-App kommt frei nach dem G3-Motto "Simple is the new Smart" sehr minimalistisch daher und bietet verglichen mit Konkurrenzprodukten nur marginale Einstellmöglichkeiten, von Fotofiltern ganz zu schweigen. Da mag manchem Nutzer vielleicht auf den ersten Blick etwas fehlen, ich habe diesen Fokus auf das Wesentliche nach anfänglicher Irritation begrüßt. Denn seien wir ehrlich: Wer benutzt diese Filter und Aufnahme-Modi à la "Magischer Fokus" schon auf Dauer, zumal es für die Nachbearbeitung von Fotos mit Filtern und Effekten ja nun wirklich zig gute Anwendungen im Play Store und von Google selbst gibt. Kurzum: Die Kamera des G3 überzeugt bei Tageslicht und im Video auf ganzer Linie, bei Dämmerung und Dunkelheit ist sie wenigstens nicht bedeutend schlechter als das, was der Wettbewerb in diesem Jahr bietet.

Konnektivität und Telefonie

Das LG G3 gibt sich in Sachen Verbindungsaufnahme mit dem Mobilfunknetz, dem Internet und anderen Geräten keine Blöße: WLAN hoch bis zum n- und ac-Standard, LTE wo verfügbar und Bluetooth 4.0 lassen keine mobilen Konnektivitätswünsche unerfüllt. Sämtliche Verbindungen waren im Testzeitraum auch äußerst stabil, und auch der Wechsel vom Mobilfunknetz ins WLAN ging sehr zügig von statten. Gleiches gilt für den GPS-Fix, der durchweg innerhalb von weniger als einer Sekunde zustande kam. Wie erwähnt kann der interne Speicher des G3 mittels microSD-Karten erweitert werden: LG gibt an, dies wäre um/auf bis zu 2 TB möglich — in Anbetracht der aktuell für Normalnutzer maximal erhältlichen 128 GB-Karten ein eher theoretischer Wert.

Macht Krach: Der Speaker des G3

Der rückseitige Lautsprecher ist erstaunlich kräftig, klingt aber voll aufgedreht etwas schrill und scheppernd— damit lassen sich bei voller Lautstärke keine klassischen Aufnahmen zelebrieren, um einen Raum temporär mit Pop- oder Rockmusik zu beschallen oder auch einen Filmtrailer auf Youtube zu genießen, tut er aber allemal gute Dienste. Leichte Abzüge kassiert das G3 bei der Telefonie: Ich hörte meine Gesprächspartner unabhängig von deren genutztem Gerät stets mit starkem statischen Rauschen im Hintergrund und entweder viel zu laut oder zu leise. Mein Verdacht ist, dass das Umgebungsmikro oder die allgemeine Telefonie-Lautstärke des Gerätes entweder generell oder in unserem Testgerät nicht richtig justiert war, übersteuert und somit zu einem insgesamt falschen Klangbild geführt hat. Verstehen konnte ich meine Kontakte aber abgesehen davon gut und sie mich auch.

Akkulaufzeit

Große Sorge herrschte im Vorfeld um den Akkuverbrauch des G3 und seines großen, hochauflösenden Displays — wohl auch bei LG selbst, weswegen die Koreaner dem Smartphone gleich einen sehr ordentlichen 3.000 mAh-Energiespeicher verpasst haben (zum Vergleich kommt das Galaxy S5 mit einer 2.800 mAh-Batterie, das One M8 verlässt sich gar nur auf 2.600 mAh). Das Ergebnis im Alltag: Ernüchternd und beruhigend gleichermaßen.

Trotz 3.000 mAh-Akku hält das G3 nur knapp einen Tag

Ernüchternd, weil das G3 mit dieser nominellen Unmenge an Energie auch nicht länger hält, als all die anderen Top-Smartphones, beruhigend, weil es trotz 5,5 Zoll-WQHD-Pixelpracht bei normaler Benutzung seine 12 bis 14 Stunden durchhält; regelt Ihr die Bildschirmhelligkeit runter und spielt nicht großartig, dann ist noch mehr drin. Damit ist auch das G3 leider keine Dauerläufer, aber wenigstens muss der Nutzer aufgrund des Displays keine allzu große Sorge haben, schon nachmittags leer zu laufen. Man bedenke aber, was an Laufzeit möglich gewesen wäre, hätte LG dem G3 lediglich ein Full HD-Screen verpasst ...

Fazit

... und damit kommen wir auch schon und direkt zur Essenz meines Fazits zum G3: WQHD im Smartphone braucht niemand, wenigstens kein Nutzer. Die Hersteller brauchen es aber wohl, um ein weiteres, ein neues Verkaufsargument in die Werbetrommel werfen zu können. Das ist schade — zumal gerade die Akkulaufzeit ein vordringlicheres Feld wäre, dass jene zum Dienste des Nutzers beackern sollten und gerade WQHD-Displays dem offensichtlich entgegenarbeiten —, aber unausweichlich. WQHD ist da und wird wohl bleiben, ob wir's brauchen, oder nicht.

LG G3

Abgesehen von diesem verdrießlichen Aspekt, punktet das G3 aber auf ganzer Linie: Ein tolles Gehäuse, das dem schicken Look HTC One M8 gefährlich nahe kommt, dabei aber leichter und kompakter ist und eines, das Samsung Galaxy S5 meilenweit hinter sich lässt. Ein Display, das durch seine Größe und Präsenz, nicht durch seine Auflösung, betört. Tolle Software-Features und eine Kamera, die bei guten Lichtverhältnissen tolle bis fantastische Fotos schießt. Für mich ist das LG G3 damit das bislang beste Android-Smartphone des Jahres — wegen seines Displays und vor allem der Art und Weise, wie dieses in das Gehäuse gesetzt wurde, wegen seinem geradlinigen, unaufgeregtem Design und den sinnvollen Software-Features, würde ich es definitiv dem S5 oder One M8 vorziehen. Allein, ich warte auf ein etwaiges Nexus 6 auf Basis des G3 ...


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