LG G3 S im Test: Riesiges Mini-Flaggschiff mit Macken

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LG G3 S
LG G3 S(© 2014 CURVED)

Nach dem HTC One mini 2 und dem Samsung Galaxy S5 mini erblickt nun auch die Mini-Version des LG G3 das Licht der Welt: Wir haben das LG G3 S direkt von der IFA 2014 mitgenommen und in der Redaktion ausführlich getestet.

Die Miniaturisierung der Flaggschiff-Smartphones ist ein Trend, dem LG erst seit Kurzem folgt – den Einstieg bildete das LG G2 mini. Dieses war zwar ein kleiner Dauerläufer in Sachen Akkuleistung, doch bezahlten die Koreaner diese Leistung mit einem unzeitgemäßen Display, das lediglich mit 540 x 960 Pixeln auflöste. Beim LG G3 S hat der Hersteller diesen Schwachpunkt ausgemerzt und dem Mini ein gar nicht so kleines 5-Zoll-Display mit 720 x 1280 Pixeln spendiert. Die Konkurrenz-Geräte von Samsung und HTC nutzen zwar auch Displays mit der gleichen Auflösung, sind dabei aber 0,5 Zoll kleiner.

Während das Mini-Smartphone international unter dem Namen LG G3 Beat vermarktet wird, ist es hierzulande unter der Bezeichnung LG G3 S erhältlich. Für die Hardware bedeutet das allerdings keinen Unterschied: Das Device wird von einem Qualcomm Snapdragon 400 Quad-Core-Prozessor mit 1,2 GHz und 1 GB RAM befeuert. Auch das HTC One mini 2 nutzt diesen Prozessor mit der identischen Taktrate und Speichergröße. Beim internen Speicher ist LG aber richtig minimalistisch geworden und gibt dem G3 S nur 8 GB mit. Zwar kann dieser per microSD-Karte um 64 GB aufgestockt werden, aber wenigsten 16 GB hätte es doch sein können, oder LG?

Design und Verarbeitung: Streber unter den Minis

Das Design des LG G3 S entspricht dem des größeren Bruders, dank der abgerundeten Rückseite liegt das 134 Gramm schwere Gerät perfekt in der Hand. Persönlich finde ich sogar, dass dem LG G3 S mit seinen Abmessungen von 137,7 x 69,6 x 10,3 mm dieses Gefühl besser gelingt als dem LG G3 mit 146,3 x 74,6 x 8,95 mm. Aber das ist nur meine Meinung.

In Sachen Verarbeitung ist das LG G3 S ein Qualitätsprodukt: Alle Komponenten sitzen perfekt und es gibt keine unterschiedlichen Spaltmaße oder klapperige Tasten. Es knarzt und quietscht auch rein gar nichts beim LG G3 S, trotz des abnehmbaren Backcovers. Bravo LG!

Wie schon der größere Bruder erhält auch "der Kleine" die typischen Rear Keys. Aber diese sind kein Alleinstellungsmerkmal mehr für die Flaggschiff-Serie und seinem Mini-Ableger aus dem Hause LG. Denn nach und nach wandern die Rear Keys auch in die preisgünstigen Modelle, etwa in die vor kurzem vorgestellten LG L Fino und L Bello.

Das Display: 5 Zoll, aber nur 720p

Mit seinem 5 Zoll großen IPS-Display zählt das G3 S zu den ganz Großen unter den Flaggschiff-Minis. Aber auch nur in der Bildschirmgröße, denn mit einer 720p-Auflösung landet LG dann wieder nur im typischen Mini-Sumpf. Die Kombination aus großem Display und geringerer Auflösung führt dazu, dass die Pixeldichte beim G3 S weit hinter der Konkurrenz zurück bleibt. Während Samsung und HTC bei ihren aktuellen Minis auf eine Pixeldichte von 326 ppi kommen, erreicht das LG G3 nur 294 ppi. Das soll nicht heißen, dass das Display schlecht ist – bei Weitem nicht. Es ist nur so, dass das S5 mini und das One mini 2 eine Spur schärfer wirken.

Unverständlich bleibt mir die Wahl des Displays dennoch: Beim LG G3 verbauen die Koreaner ein 5,5 Zoll großes QHD-Display und grenzen sich damit von der Konkurrenz ab. Daher hätte ich erwartet, dass LG auch mit LG G3 S die Konkurrenz beim Bildschirm in den Schatten stellen will. Vor allem wenn man bedenkt, dass hier ein fünf Zoll großes Display zum Einsatz kommt. Bei dieser Bildschirmgröße muss meiner Meinung nach zwingend ein Full-HD-Display rein.

Performance: Auf Augenhöhe mit der Konkurrenz

Bei der Leistung muss sich das LG G3 S knapp dem Samsung Galaxy S5 mini geschlagen geben. In AnTuTu erreicht das Smartphone etwas mehr als 17.000 Punkte, aber muss man dabei bedenken, dass der Test mit dem G3 S schon mit der Version 5 der Benchmark-App durchgeführt wurde und die Werte somit nicht zwingend vergleichbar sind. Außerdem nutzt das S5 mini einen Quad-Core-Prozessor, der mit 1,4 GHz um 0,2 GHz schneller getaktet ist, und mit 1,5 GB stehen dem S5 mini noch 0,5 GB mehr an Arbeitsspeicher zur Verfügung.

Im Alltag schlägt sich das G3 S durchaus ordentlich, gibt es beispielsweise auf dem Home Screen und im App Drawer kaum ein Ruckeln. Erst bei grafisch anspruchsvollen Spielen, etwa dem in der Redaktion gerade sehr beliebten Sky Force oder auch Real Racing 3, kommt es bei viel Action auf dem Bildschirm zu kleineren Hängern. Bei anderen Spielen wie Leo's Fortune und Batman Arkham Origins blieben Ruckler aber wiederum komplett aus.

Software: Willkommen bei LG

Bei der Software unterscheidet sich das LG G3 S kaum vom größeren Bruder, dem LG G3. Über Android 4.4.2 stülpt LG natürlich wieder sein eigenes UI und garniert das Ganze mit den LG-tyischen Features Qslide, Quick Memo+ und Quick Remote, die das G3 S in Kombination mit dem integriertem IR-Blaster auf der Oberseite in eine Universal-Fernbedienung verwandelt. All diese Funktionen haben wir schon im Testbericht zum LG G3 erwähnt.

LG UI, hier auf dem LG G3 S, bietet auch einen Easy Homescreen. Für Smartphone-Einsteiger perfekt.

Was ist mit Knock Code? Natürlich könnt Ihr auch das G3 S mit einer Klopf-Kombination auf das Display aufwecken und entsperren. In dieses Feature haben sich schon sehr viele Kollegen in der Redaktion verliebt, gerade bei LG-Smartphones mit Rear Key ist es praktisch. Für einen flüchtigen Blick auf die Uhrzeit müsstet Ihr ohne Knock Code immer erst das Smartphone in die Hand nehmen und dann einen der Rear Keys drücken, um endlich den Bildschirm zu aktivieren.

Kamera: Laserscharfe Pixel hinten, verrauschtes Gepixel vorne

Anhand der schieren Anzahl an Megapixel sollte man eine Kamera nicht beurteilen. Das LG G3 S verfügt über einen Sensor, der Bilder mit bis zu acht Megapixel aufnehmen kann – auf dem Datenblatt sind andere Modelle deutlich weiter vorne. Typisch für moderne Smartphones ist, dass man die maximale Auflösung nur erreicht, wenn in 4:3 Format geknipst wird. Im 16:9-Format erreichen die Smartphone-Kameras meist geringere Auflösungen. Auch das G3 S gehört zu diesen Smartphones, sodass im Breitbildformat „nur“ mit sechs Megapixeln geknipst wird. Rasant geht das Fokussieren beim kleinen G3. Das liegt sicher am Laser-Autofokus, der im LG G3 seine Premiere feierte.

An der 1,3 Megapixel Frontkamera hat LG aber dann anscheinend die höheren Kosten für den Laser-Autofokus wieder eingespart. Im Jahre 2014, wo Hersteller wie Huawei, Xiaomi und Co., hochwertige Selfie-Kameras einbauen, muss der LG G3 S-Besitzer die Finger von Selfies lassen. Die Qualität ist der Frontkamera reicht tatsächlich nur für ein kurzes Videotelefonat.

Akku: Dauerläufer mit Sparpotenzial

Den meisten Android-Fans wird es freuen, denn der Akku ist wechselbar. Mit einer Kapazität von 2540 mAh ist das LG G3 S großzügig ausgestattet. Auch nach intensiven Teststunden mit viel Herumexperimentieren, Benchmarks und ein wenig Entertainment in Form von Videos und Spielen bewegte sich die Ladestandsanzeige zum Feierabend hin immer noch bei 30 Prozent. Natürlich ist die Akkulaufzeit abhängig vom Nutzungsverhalten, aber im Normalfall hält der Akku des G3 S mindestens einen kompletten Arbeitstag. Wer auf der sicheren Seite sein will, der kann noch in den Energieeinstellungen Funktionen wie WLAN, Bluetooth und Co. beim Erreichen einer bestimmten Akkuprozentzahl automatisch abschalten lassen, um die Laufzeit zu strecken.

Fazit: Das LG G3 S ist das günstige Mini-Smartphone

Das Wichtigste habe ich mir für das Fazit aufgehoben: den Preis. LG nennt für das LG G3 S eine UVP von 349 Euro, damit ist es das günstigste Mini-Flaggschiff aus dem Markt. Samsung und HTC haben ihre Mini-Flaggschiffe mit jeweils 449 Euro UVP in den Handel gebracht. Wenn man also diesen Preisunterschied im Kopf behält, dann ist sicher das LG G3 S das attraktivste Mini-Flaggschiff am Markt.

LG G3 S: ein weiterer Vertreter der Flaggschiff-Minis. Unser Tipp: Greift lieber zu einem richtigen Flaggschiff-Smartphone aus dem vergangenen Jahr!

Trotz des Preises bin ich, wie mein geschätzter Kollege Amir, kein großer Freund dieses „Etikettenschwindels“. Statt zu einem der Mini-Ableger der Top-Smartphones zu greifen, rate ich Euch lieber zu einem Flaggschiff-Smartphones des vergangenen Jahres. Ein Samsung Galaxy S4 mit LTE bekommt Ihr mittlerweile schon für 299 Euro. Oder wenn es unbedingt ein kompaktes Android-Smartphone sein soll, dann gibt es immer noch das Sony Xperia Z1 Compact mit potenter Hardware im handlichen Gehäuse. Oder Ihr legt gleich noch ein bisschen mehr Geld an, denn mittlerweile ist das LG G3 mit 16 GB schon für 399 Euro erhältlich.


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