LG K10 und K8 im Test: Wie viel Smartphone bekommt man für 200 Euro?

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LG K8 und LG K10
LG K8 und LG K10(© 2017 CURVED)

Ist das schon “Mittelklasse", was LG mit dem K10 und dem K8 vorgestellt hat? Oder bewegen wir uns doch eher am unteren Ende des Leistungsspektrums? Eine Antwort darauf gibt unser Test.

Das G6 ist LGs Krone der Schöpfung, das Flagschiff und Vorzeigemodell in diesem Jahr. Weniger zum Angeben geeignet ist die K-Reihe, die dieses Jahr ebenfalls mit aktualisierter Hardware erscheint. Im direkten Vergleich mit dem Familienoberhaupt ziehen die Drillinge K10, K8 und K4 (das K3 wird in Deutschland nicht erscheinen) den Kürzeren – natürlich. Aber auch im Test hat sich gezeigt: Mittelklasse ist hier noch zu hoch gegriffen.

Die Optik: täuschend echt

Ich muss schon genau hinsehen, um zu erkennen, welchen Designkniff LG beim K10 (2017) angewandt hat. Optisch wirkt die Rückseite wie aus gebürstetem Aluminum gefertigt. Erst aus nächster Nähe und spätestens in der Hand offenbart sich: Der Akku des LG K10 wird durch einen Kunststoffdeckel geschützt. Nur der umlaufende Rahmen ist tatsächlich aus Metall. Beim K8 (2017) ist der Hinweis schon augenfälliger. Die vertikal geriffelte Abdeckung ist klar als Plastik zu erkennen. Die raue Oberfläche des K8 sorgt für minimal festeren Halt, verleitet aber auch dazu, ständig mit dem Fingernagel über die Rillen zu fahren. Gut in der Hand liegen beide Geräte, die durch ihre Kunststoffkörper kaum Eigengewicht auf die Waage bringen. Lediglich der auswechselbare Akku sorgt für einen Durchschnitts-BMI und ein spürbares Mindestgewicht, um in der Hand überhaupt wahrgenommen zu werden.

Insgesamt fallen beide Smartphones in ihrer Verarbeitung und Haptik positiv auf. Das Gehäuse fühlt sich an wie aus einem Guss. Vor allem, weil sich die Rückseite an den Rändern hochzieht und den Rahmen dadurch optisch verschlankt.

Ein Fingerabdrucksensor, der keiner ist

Bevor wir einen Blick auf die Hardware werfen, noch ein kurzes Wort zum Homebutton. Dieser befindet sich bei beiden Telefonen unterhalb der Hauptkamera auf der Rückseite und ist nicht mehr quadratisch wie bei den Vorjahresmodellen, sondern rund. An seiner Funktion hat LG nichts geändert. Weiterhin bleibt es bei einer physischen Taste ohne Fingerabdrucksensor – obwohl die Optik es suggeriert. LG verschenkt hier die Chance, mit dem Nokia 5 und 6 gleichzuziehen, die preislich auf gleicher Stufe stehen, aber über einen Fingerabdrucksensor verfügen. Immerhin sorgt der rückseitig integrierte Homebutton bei den LGs für ein aufgeräumtes Finish der Vorderseite.

Die Hardware: macht, was sie soll

Die Spezifikationen der K-Reihe fallen – wie in der Preisregion nicht anders zu erwarten – ernüchternd durchschnittlich aus. Im K10 rechnet ein MediaTek M6750 mit acht Kernen à 1,5 Gigahertz nebst zwei Gigabyte RAM. Im Benchmark-Test reicht das für 560 Punkte im Single-Core bzw. 2011 Punkte im Multicore (Geekbench 4) sowie 39.280 Punkte im Antutu-Benchmark. Dem K8 hat LG einen Qualcomm Snapdragon 425 verpasst, der bei vier Kernen mit je 1,4 GHz taktet und von 1,5 GB RAM Arbeitsspeicher unterstützt wird. Das Ergebnis im Benchmark-Test: 606 und 1423 Punkte bei Geekbench 4 sowie 31.841 Punkte bei Antutu. Beileibe keine Spitzenwerte, für Anwendungen mit niedrigem Leistungsanspruch aber vollkommen ausreichend. Selbst grafisch aufwändige Spiele, wie Asphalt 8 oder Real Racing 3, laufen weitestgehend flüssig und ohne störendes Ruckeln. Beim K10 laufen problemlos mehrere Apps im Hintergrund weiter. Wir konnten jederzeit zwischen Asphalt 8, Real Racing, Chrome und Youtube wechseln, ohne dass eine der Apps neugestartet wurde. Beim K8 ist Multitasking nur bedingt möglich: Das Smartphone ging bereits bei zwei parallel laufenden Apps in die Knie. Der Wechsel zwischen Asphalt 8 und Epic Citadel zog jedes Mal einen Neustart der jeweiligen App mit sich.

Das Display: Fifty Shades of Green

Womit wir auch schon beim größten Kritikpunkt an der K-Reihe sind: Der auffälligste Makel beider Geräte ist das Display, beim K8 sogar noch deutlicher als beim K10. In der Diagonale kommt der Screen des K10 auf 5,3 Zoll, das K8 auf 5 Zoll. Beide lösen dabei nur in HD auf, also mit 1280 x 720 Bildpunkten. Nochmal zum Vergleich: Das etwa 20 Euro teurere Nokia 6 schafft bei 5,5 Zoll eine Full-HD-Auflösung – wieder eine vertane Chance für LG.
Während das K10 trotz niedriger Auflösung noch ein annehmbar sauberes Bild darstellt, wirken die Farben beim K8 verwaschen und stumpf. Im direkten Vergleich fällt auf, dass es den Farben komplett an Leuchtkraft fehlt, weil ein Grünstich jegliche Farbtreue verschleiert. Von den 16,7 Millionen Farben entfallen gefühlt 90 Prozent auf Nuancen von Grün.

Der negative Eindruck setzt sich bei der Kamera fort: In gut ausgeleuchteten Umgebungen fördert die 13-Megapixel-Kamera beider Telefone brauchbare Fotos zutage. Bei wenig Licht oder Nachtaufnahmen trügt Bildrauschen den Eindruck. Da rettet auch optionales High Dynamic Range (HDR) nichts mehr. Immerhin überrascht die Frontkamera des K10 mit einem Weitwinkelobjektiv. Bei fünf Megapixel sind Selfies damit aber auch höchstens guter Durchschnitt.

Fazit: Vielleicht nächstes Jahr?

So stellt sich die Frage, für wen die Smartphones der K-Reihe in Frage kommen. Im Test hat sich herausgestellt: eigentlich für niemanden. Wer sein Budget auf 200 Euro beschränken will, kriegt für das Geld deutlich bessere Telefone. Weder das K10 noch das K8 von LG können in irgendeinem Bereich punkten. Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal fehlt gänzlich. Lediglich die Optik überzeugt. Um die durchschnittliche Leistung zu kompensieren, hätte es aber weitaus mehr gebraucht. Das K10 (2017) ist ab 209 Euro in den Farben Gold oder Schwarz verfügbar, das in Gold oder Titan erhältliche K8 (2017) kostet 159 Euro. Beide Geräte sind bereits im Handel. Das in Kürze erscheinende K4 wird zum Start 119 Euro kosten.


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