Lumia 435 im Test: Microsofts 89-Euro-Smartphone

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Microsoft will für das Lumia 435 nur 89 Euro haben.
Microsoft will für das Lumia 435 nur 89 Euro haben.(© 2015 CURVED)

Nur 89 Euro kostet das jüngste Smartphone von Microsoft. Im Test offenbar das Lumia 435 viele Gemeinsamkeiten mit dem iPhone – dem ersten iPhone. Wozu sich so ein Gerät in der heutigen Zeit eignet, verraten wir Euch.

Microsoft setzt in letzter Zeit vermehrt auf günstige Smartphones für Einsteiger – das ist zumindest unser Gefühl. Nach dem Lumia 535 ist jetzt das Lumia 435 in der Redaktion eingetroffen, das nur 89 Euro kosten soll.

Klobiger Kunststoff-Klotz

Die Abmessungen des Lumia 435 sind nicht auf den Millimeter mit denen des ersten iPhones identisch, aber sehr nah dran. Mit der bunten Abdeckung auf der Rückseite hat das Lumia zudem eine sehr große Ähnlichkeit mit dem Nokia X, einem der drei Android-Smartphones, die Nokia 2014 noch auf den Markt gebracht hat. Allerdings erweist sich das neue Smartphone von Microsoft als weniger handschmeichlerisch als Apples erstes Handy. Das Windows Phone ist klobig und in meinen Augen nicht die beste Wahl, das Rückcover bis auf die Vorderseite zu ziehen. Darüber hinaus sind die Ecken und Kanten des Gehäuses spitz und scharf. Sie verursachen sogar leichte Schmerzen und sorgen dafür, dass das Smartphone alles andere als angenehm zu halten ist. Ohne Backcover liegt es tatsächlich angenehmer in der Hand.

Trotz der fast identischen Abmessungen verbaut Microsoft im Lumia 435 einen größeren Touchscreen mit höherer Auflösung als Apple 2007 im iPhone. Bei einer Diagonalen von vier Zoll verfügt das Display über 800 x 480 Pixel. Das reicht nicht für ein gestochen scharfes Bild, lässt aber trotzdem noch Details und Schrift gut erkennen. Nur zu genau darf man nicht hinschauen, sonst sieht man, wie die Ränder ausfransen. Zusätzlich strahlt der Bildschirm nicht besonders hell, was vor allem bei Sonnenlicht im Freien das Nutzungserlebnis negativ beeinträchtigt, und erweist sich als stark anfällig für Fingerabdrücke.

Im Inneren des Lumia 435 werkelt ein Snapdragon 200-Prozessor, der mit seinen zwei mit 1,2 Gigahertz getakteten Rechenkernen und einem Gigabyte Arbeitsspeicher an seiner Seite mehr Leistung zu bieten hat als damals das erste iPhone. Die Nutzeroberfläche ist spürbar träger als bei schnellen Windows Phones, wie dem Lumia 930, aber immer noch gut benutzbar. Wenn Ihr gerne Spiele auf dem Smartphone zockt, dann müsst Ihr Euch beim 89-Euro-Smartphone auf simple Titel beschränken. Sobald es auf Reaktionen im richtigen Moment ankommt, ist das Lumia 435 zu langsam.

Im Antutu-Benchmark, der seit kurzem für Windows Phone verfügbar ist, erreicht das Lumia 7223 Punkte. Zum Vergleich: Das 30 Euro teurere Lumia 535 schafft mit identischer Hardware ein über 50 Prozent besseres Ergebnis: 11.027 Punkte. Das schon etwas ältere Lumia 1020 schwankt mit seinem Snapdragon S4 zwischen 9000 und 11.000 Punkten. Der Akku des Lumia 435 verfügt mit 1600 Milliamperestunden über eine vergleichsweise geringe Kapazität, reicht bei normaler Nutzung aber problemlos für einen ganzen Tag aus. Wenn man stundenlang Spiele zockt, dann ist aber auch seine Batterie schon vor Beginn der Tagesschau leer.

Keine Fotos, bitte!

Auch bei der Kameraausstattung des Lumia 435 muss ich an das erste iPhone denken: Mit Microsofts-Einsteigermodell von 2015 knipst Ihr Bilder mit einer Auflösung von zwei Megapixeln und nehmt Selfies mit 0,3 Megapixeln auf. Aber ehrlich gesagt könnt Ihr das Lumia 435 für viele Dinge verwenden, aber sicherlich nicht als Kamera. Die Fotos sehen einfach schlecht aus - selbst auf dem Display des Smartphones. Sie sind pixelig - besonders die Aufnahmen der Frontkamera - und zudem nicht besonders farbecht. Vor allem Rot bereitet den Kameras große Probleme, Konturen sind unscharf und Übergänge fransen stark aus. Aber seht selbst.

Neben vier und 16 Gigabyte stand das iPhone 2007 auch mit acht Gigabyte großem internen Speicher zur Auswahl. Genauso groß ist der Speicher des Lumia 435 auch - wobei schon rund 2,5 Gigabyte vom System belegt sind, und für Eure Daten somit etwa 5,5 Gigabyte zur Verfügung stehen. Ein wichtiger Unterschied ist noch, dass Ihr den Speicher des Lumia mit einer microSD-Karte um bis zu 128 Gigabyte erweitern könnt und bis zu 30 Gigabyte Platz in der Cloud von Microsoft spendiert bekommt. Damit konnte Apple damals nicht locken und kann es, wenn es um die Speichererweiterung geht, bis heute nicht.

Auf dem Lumia 435 erwartet Euch mit Windows Phone 8.1 die neueste Version von Microsofts mobilen Betriebssystem. Bisher habe ich softwareseitig keine Einschränkung im Vergleich zu den teureren Lumia-Geräten gefunden. Selbst Cortana steht Euch als digitale Assistentin zur Verfügung, ebenso wie die Navi-App Here Drive+ oder Office, OneNote und Skype. Facebook und Twitter sind vorinstalliert. Das die aktuelle Version von Windows Phone auf dem Gerät läuft, bedeutet zugleich, dass das 89-Euro-Smartphone in den Genuss von Windows 10 kommen wird und Ihr mit ihm zumindest in diesem Punkt gut für die Zukunft aufgestellt seid.

Kleines Zweit-Smartphone oder das erste Smartphone für Kinder

Das Microsoft Lumia 435 ist vor allem günstig. Man bekommt für 89 Euro ein Smartphone, dass alle wichtigen Funktionen bietet, allerdings unbequem in der Hand liegt und dessen zwei Kameras quasi unbrauchbar sind. Das Display ist nicht das beste, aber mit ihm kann man ebenso auskommen, wie mit dem langsamen Prozessor.

Das Lumia 435 ist am ehesten ein Zweitgerät, falls Ihr Euer teures Smartphone am Wochenende nicht mit in die Disco nehmen oder am Rosenmontag lieber zuhause lassen wollt. Auch ein Kind könnte mit ihm seine ersten Smartphone-Erfahrungen machen - und dann lernen, dass das zweite dringend eine bessere Kamera braucht und bequemer in der Hand liegen muss.

Als Alternativen im günstigen Preisbereich bieten sich in meinen Augen das Lumia 535 an, dass nur 30 Euro mehr kostet und nicht nur ein etwas größeres Display hat, sondern vor allem ein handschmeichlerisches Gehäuse und deutlich bessere Kameras zu bieten hat. Soll es ein Android-Smartphone sein, dann würde meine Wahl auf das Moto E von Motorola fallen, dessen unverbindliche Preisempfehlung ebenfalls bei 119 Euro liegt.


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